17. April 2013, 15:00 Uhr

Bushido gibt Mafia-Clan Generalvollmacht

Rapper sind Maulhelden. Sie tun nur so, als wären sie Verbrecher. Bushido jedoch ist wirklich Mitglied eines Mafia-Clans. Spekulationen darüber gab es immer wieder. Der stern hat den Beweis. Von Walter Wüllenweber

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Bushido und sein Freund "Ari", Arafat Abou-Chaker, feiern in Berlin bei der Premiere des Films "Zeiten ändern dich", der das Leben des Rappers erzählt.©

Am 22.12.2010 hat Anis Ferchichi, genannt Bushido, eine Generalvollmacht unterschrieben. Darin ermächtigt er Herrn Arafat Abou-Chaker, einen Anführer eines Mafia-Clans, nach Belieben über seine gesamten Besitztümer zu verfügen: über seine Einnahmen, seine Konten, seine Firmen, seine Häuser, seine Autos - alles. Die notariell beglaubigte Vollmacht, die dem stern vorliegt, gilt sogar über den Tod hinaus. Der Bevollmächtigte darf sie nach Belieben weitergeben. Und wenn er will, kann er Bushidos gesamtes Vermögen verschenken. Auch an sich selbst.

Adoptionsurkunde für seine neue Familie

Normalerweise werden Generalvollmachten nur an Familienmitglieder vergeben. Genauso ist es hier. Die Vollmacht ist so etwas wie Bushidos Adoptionsurkunde für seine neue Familie.

Die Abou-Chakers sind ursprünglich Palästinenser aus dem Libanon. Die Polizei schätzt, dass bis zu 300 Mitglieder der Großfamilie in Berlin leben, viele von ihnen in nur zwei Straßen in Neukölln. Den harten Kern bilden Arafat Abou-Chaker und seine fünf Brüder. Seit Jahren halten Mitglieder des Clans die Justiz und die Abteilung für organisiertes Verbrechen des Berliner Landeskriminalamtes in Atem. Drogenhandel, Menschenhandel, Erpressung, Zuhälterei, Schutzgelderpressung, Geldwäsche - gegen Angehörige der Familie Abou-Chaker liefen bereits Verfahren in fast allen Disziplinen professioneller Kriminalität.

"Im Milieu der organisierten Kriminalität"

"Die männlichen Mitglieder dieser Großfamilie agieren im Milieu der organisierten Kriminalität", sagt der Berliner Oberstaatsanwalt Jörg Raupach dem stern. "Mafiöse Strukturen sind hier eindeutig vorhanden und gerichtlich festgestellt worden." Das Berliner Landeskriminalamt sieht Anis Ferchichi als Teil dieser Organisation.

Bushido und Arafat Abou-Chaker sind unzertrennlich. Sie leben Tür an Tür. Bald werden sie gemeinsam ein Traumgrundstück im Nobelvorort Kleinmachnow bebauen und beziehen. Die beiden sind nicht nur Freunde, sondern auch Geschäftspartner. Ihr bislang größter Millionendeal war das "Bergmannsglück". Zusammen kauften sie sich gleich eine ganze Wohnsiedlung in Rüdersdorf bei Berlin. Im Handelsregister fanden stern -Reporter unzählige Unternehmen, die auf die Namen der beiden Partner registriert sind. Ihr kleines Firmenimperium ist im Im- und Export tätig, handelt mit exklusiven Babyartikeln, mit seltenen Tieren, mit Filmen, mit Mode-Accessoires, mit Fan-Artikeln, mit Immobilien - und natürlich mit den Tonträgern des Künstlers Bushido.

Undurchsichtiges Firmenlabyrinth

Der Musiker und sein Bevollmächtigter haben ein undurchsichtiges Labyrinth aus Unternehmen geschaffen. Mal sind sie Gesellschafter, mal Geschäftsführer, mal beides. Immer wieder besetzen auch andere Clanmitglieder Positionen in den Firmen. Ständig werden neue Firmen gegründet, andere aufgelöst oder zusammengelegt. Geschäftsführer, Firmenadressen und Gesellschafter wechseln unablässig. Die Geschäftsfreunde legen dieses Turbotempo selbstverständlich nur vor, weil sie besonders fleißige Unternehmer sind.

Ein solches Verhalten ist aber auch aus anderen Bereichen bekannt. Es ist typisch für Gruppierungen der organisierten Kriminalität. Der schnelle Wechsel ist eine wirksame Methode der Tarnung. Das verwirrt Polizei und Staatsanwaltschaft.

Gern vergleicht Bushido die Familie Abou-Chaker mit den italienischen Mafia-Familien in den USA. Stimmt der Vergleich, dann ist Bushido der Sinatra der Abou-Chakers. Ein Frank Sinatra in Jogginghosen.

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Von Walter Wüllenweber
 
 
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