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Die Kartoffel - ein von Mykotoxinen freies Hauptnahrungsmittel!

Die Einführung der Kartoffel als Hauptnahrungsmittel war ein großer Fortschritt in Richtung mykotoxinfreier Ernährung. Eine verdorbene Kartoffelknolle wird von Mensch und Tier gemieden. Schlechte, also mit Mykotoxinen kontaminierte Getreidkörner gingen bei unseren Altvordern nicht selten in hoher Konzentration durch die Mühlen. Bei relativ einseitiger Ernährung blieb die alimentäre Intoxikation nicht ohne gesundheitliche Folgen. (siehe Chronik aus dem Jahre 1771)

Kurzer geschichtlicher Abriss zur Einfuhr der ersten Kartoffeln in Deutschland

Nach der Ankunft der Kartoffel in Europa im 17. Jahrhundert, dauerte es mindestens noch ein Jahrhundert bis die Kartoffel Deutschland gänzlich eroberte und zum Hauptnahrungsmittel avancierte.

Friedrich der II. (1712 - 1786), der Alte Fritz, erkannte, daß die neue "Frucht" eine entscheidende Abhilfe für die immer wieder auftretenden großen Hungersnöte versprach, und traf energische Maßnahmen zur Einführung der Kartoffel in Pommern und Schlesien. 1744/45 ließ er die Kartoffel in einer großen Kampagne in ganz Preußen kostenlos verteilen.1756 machte er den Kartoffelanbau zur Pflicht. Im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) gelang der Kartoffel dann der Durchbruch als Grundnahrungsmittel. Aus dieser Zeit stammt sicher auch der militärische Spruch: "Rin in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln". (zitiert in: Zur Geschichte des Kartoffelanbaus)

Dem Preußenkönig gebührt die Durchsetzung des Kartoffelanbaus, wem aber die erstmalige Kultivierung und Vermehrung? Wenigen ist bekannt, dass die Waldenser die Kartoffel aus Piemont bereits mehr als 50 Jahre zuvor nach Deutschland in ihre Süddeutschen Kolonien brachten. Heinrich Arnaud in der Kolonie Schönenberg ist nachweislich der erste Kartoffelanbauer Deutschlands. Anton Seignoret war sein Kartoffel- bzw. Saatgutlieferant aus Italien.

Im Jahre 1699 gab es um Ötisheim drei Waldenserkolonien (Corres, Schönenberg und Sengach)! Dort entwickelte sich nach dem 30-jährigem Krieg ein reges Gemeinde-Leben! Wenig später wurde auch ihm zu Ehren das Henri-Arnaud-Haus gebaut und in der von ihm gegründeten Waldenserkirche fand er seine letzte Ruhestätte!

Jean Henri Perrot beschrieb die Begebenheit der erstmaligen Kartoffeleinfuhr in einem vierseitigen Heft am 25. Oktober 1847 in Neuhengstett in deutscher Sprache, mit dem Titel:

"Anton Seignoret, ein Waldenser aus den Thälern Piemonts, Bringer und Einführer der Kartoffeln nach Deutschland"


Denkmal von Heinrich Arnaud in Torre Pellice -
Erster Kartoffelanbauer in Deutschland,
der im Frühjahr 1701 von Anton Seignoret
erstmalig 200 Stück Kartoffelknollen erhielt

Zitat aus dem Heft - Aushang in der Ausstellung des Waldenser Museums in Torre Pellice:

Anton Seignoret, ein – wegen seines ächt=evangelischen Glaubenseifers verfolgter – und aus seinem Heimathlande vertriebener - Kaufmann, früher eine Theologe, der den vielen Verfolgungen wegen aber den geistlichen Stand verlassen musste, ist derjenige, der den 22. April 1701, die allerersten Kartoffeln, nemlich 200 Stück von dreierlei Farben und Gattungen von den Thälern Piemonts aus nach Wirttemberg brachte, als sie eigentlich in ganz Deutschland und in den meisten Ländern Europas noch unbekannt waren. Seignoret, ein Waldenser Kolonist aus Wurmberg-Lezern brachte sie zuerst dem Heinrich Arnaud, Pfarrer und General der Waldenser zu Schönenberg O.A Maulbronn, der sie am folgenden Tag den 23. April in seinen Garten und im Herbst des nemlichen Jahres noch über 2000 Stück davon einerndete, von welchen er nur einige aß; 2000 St. aber versandte er an 20 Waldenser-Gemeinden Deutschlands, d.h. jeder Gemeinde 100 Stück, damit seine Landsleute, die Waldenser, sich diese "Frucht", die sie von ihren Thälern aus schon kannten, auch anpflanzen und fürderhin wieder genießen könnten, wie sie es von früheren Zeiten her noch gewohnt waren. Die Waldenser Piemonts hatten diese "Frucht", die Kartoffeln, etwa ums Jahr 1650 von den Engländern und Italienern bekommen. Im Jahr 1616 wurden sie zum ersten Mal auf die königliche Tafel in Paris als Leckerbissen gebracht und mit großem Beifall und Appetit genossen..."

siehe auch: Vereinigte Frauendorfer Blätter 1845, S. 128, Vereinigte Frauendorfer Blätter: (allgemeine deutsche Gartenzeitung, Obstbaumfreund, Bürger- und Bauern-Zeitung) / hrsg. von der Praktischen Gartenbaugesellschaft in Bayern. - Frauendorf : Fürst Erscheinungsverlauf: 1844 - 1893[?]

An dieser Stelle sei auf eine Ausstellung im Heimat-Museums von Torre Pellice (Provincia di Torino, Piemonte, ca. 40 km südwest von Turin) verwiesen.

Standorte nach Google Earth:
Arnaud-Denkmal:    Torre Pellice 44° 49' 14,47" Nord; 7° 13' 13,93" Ost
Heimat-Museum:    Torre Pellice 44° 49' 12,93" Nord; 7° 13' 07,56" Ost

Eine zweite neu gesetzte und leicht geänderte Edition gab Perrot am 20. September 1852 heraus: Diese Edition ist reproduziert worden in: Ernst Hirsch, Die Waldenser und die Einführung der Kartoffel, in: Forschungen und Berichte zur Volkskunde in Baden-Württemberg (1971-1973), S. 90/91.

Für die Auskünfte zu den Literatur-Quellen bedanke ich mich herzlichst bei Herrn Dr. Albert de Lange (Karlsruhe, Baden) - Redaktion des Waldenser-Magazin

Kartoffel-Links

Kartoffelleitfaden
Kartoffelgeschichten
Meyers Konversationslexikon S. 573 Ingrids Kartoffelseite

Pilze, Vorkommen, Ökologie


 

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