30. September 2010, 15:17 Uhr

Keine Kirchensteuer für Entschädigung von Missbrauchsopfern

Die Bischofskonferenz diskutiert über die Entschädigung der Missbrauchsopfer der katholischen Kirche. Die Kirchensteuer soll dafür nicht verwendet werden.

Die katholische Kirche in Deutschland will die Opfer sexuellen Missbrauchs finanziell entschädigen, ohne dabei auf Mittel aus der Kirchensteuer zurückzugreifen. Das vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, am Donnerstag beim Runden Tisch in Berlin vorgestellte Entschädigungsmodell von Kirche und Ordensgemeinschaften sieht eine Entschädigung der Missbrauchsopfer durch die Täter vor. Falls die Täter dazu nicht in der Lage sind, soll die verantwortliche kirchliche Körperschaft aufkommen.

Auf eine Höhe für die Entschädigung legte sich die Kirche nach wie vor nicht fest. Dies solle "im Interesse der gemeinsamen Meinungsbildung" gemeinsam mit den am Runden Tisch beteiligten Institutionen geschehen. Vertreter von Opfern sexuellen Missbrauchs hatten eine pauschale Entschädigung von 82.000 Euro gefordert. Medienberichten zufolge wollen die Bischöfe dagegen nach dem Vorbild der üblicherweise von Gerichten verhängten Entschädigungen nur 5000 bis 10.000 Euro je Opfer zahlen. Wie die Bischofskonferenz und die Orden - viele Missbrauchsfälle geschahen an Ordens-Schulen - erklärten, sei eine Vergleichbarkeit der Leistungen aus Gründen der Gerechtigkeit wichtig.

Neben der individuellen finanziellen Entschädigung sieht das Modell der katholischen Kirche die Einrichtung eines Präventionsfonds vor. Besonders innovative Präventionsprojekte sollten innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche auf diesem Wege gefördert werden. Außerdem sollten, falls die Krankenkassen dafür nicht aufkommen, bei Betroffenen die Kosten für Psychotherapie oder Paarberatung übernommen werden.

AFP
 
 
Jetzt bewerten
0 Bewertungen
MEHR ZUM ARTIKEL
Odenwaldschule Missbrauchsopfer erhalten Entschädigung

Es hat lange gedauert: Doch nun hat man sich an der Odenwaldschule dazu durchgerungen, den mehr als 50 Opfern sexuellen Missbrauchs eine finanzielle Entschädigung zu zahlen. "Mindestens 100.000 Euro" sind im Gespräch – allerdings für alle Opfer zusammen.

JVA Tegel Kinderporno-Skandal in Berliner Männerknast

Skandal in Deutschlands größtem Männergefängnis: In der JVA Tegel sind massenweise Kinderporno-Fotos aufgetaucht. Ein wegen sexuellen Missbrauchs inhaftierter Mann hatte sie zu tausenden in das Gefängnis in Berlin geschmuggelt.

Sexueller Kindesmissbrauch Das Schweigen brechen

Missbrauch an Kindern - das Thema ist immer wieder in der Öffentlichkeit. Doch die meisten Opfer sprechen aus Scham, Schuldgefühl oder Angst nie oder frühestens 20 Jahre später darüber. Die bundesweite Kampagne "Wer das Schweigen bricht, bricht die Macht der Täter" soll das ändern. Wim Wenders führte Regie bei den Fernsehspots.