Denzel + Huhn – Paraport

“He, hast du den Sommer gesehen?” “Der is in Urlaub. Kommt erst nächstes Jahr wieder!” Grässlich kalt ist es auf Karlsruher Strassen. Das war vor ein paar Monaten doch noch anders … damals, mit kurzem Hemd und dem iPod in der Tasche durch die Innenstadt spazierend. Einfach nur Laufen. Kaiserstrasse auf und ab. Wieso? Weil ich Denzel + Huhn hören wollte – Paraport. Irgendwie kann ich die Scheibe nur im Laufen so richtig genießen!

Die Tracks klingen nach Stadt und urbaner Einsamkeit: Anonyme Menschenmassen schieben sich durch die Fußgängerzone: Ohne Berührung, ohne Interaktion mit ihrer Umwelt. Was bei mir zu Hause nicht funktioniert, entfaltet sich nur im Laufen, am besten im Strom Einkaufswütiger. Wie heißt noch mal der eine Track? Karlsruhe – eine Klangcollage, die komplett auf einen durchgängiges Metrum verzichtet und immer wieder in kompletter Stille inne hält. Über diesen Track bin ich auf die Scheibe gekommen. Nachdem ich in iTunes kurz reingeschnuppert hatte kam drei Tage das Päckchen mit der CD von Amazon.

Die 15 Tracks wirken mit wenigen Ausnahmen wie aus einem Guss. Nur wenige Klangelemente stechen wirklich hervor, so zum Beispiel das rhythmische Klackern bei Targo. Meist wechseln sich Klangflächen, repetitive Patterns und einzelne Klangereignisse ab oder überlagern sich. Das intime und sehr feinfühlige Sounddesign kann überzeugen. Hier wurde mit sehr viel Sorgfalt an den Sounds geschraubt, auch wenn diese eigentlich nicht sonderlich spektakulär sind. Dezentes Knistern und eine leichte Verzerrung geben dem Sound eine wohlige Wärme.

Besonders der Titeltrack Paraport fasziniert mich immer wieder. Monoton und unaufhaltsam drehen sich die Patterns im Kreis. Scheinbar ohne Ziel, doch stets von einer knacksenden, aber nicht zu aufdringlichen, durchgehenden Basedrum getragen. Man scheint sich zu bewegen ohne vorwärts zu kommen. Ein Gefühl, das wahrscheinlich jeder auch aus seinem eigenen Leben kennt.

Paraport erschien 2007 beim Label City Centre Offices. In der Rezension der De:Bug steht, dass die CD von Bertram Denzel und Erik Huhn “Musik für eine stabile Psyche” transportiert. Dem kann ich zustimmen, jedoch war meine Psyche wohl zu labil für den Widerstand. So nimmt mich Paraport bis heute ein, und wird mich wohl auch nicht mehr so schnell loslassen.

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Ein Kommentar

  1. Matthias
    Erstellt am 5. Dezember 2008 um 17:37 | Permanent-Link

    Mit dieser Platte ist mir was seltsames passiert: Ich habe nicht abgeschaltet sondern hatte das gefühl, meine umwelt bewusster wahrzunehmen. klappt aber glaube ich nur in einer urbanen umgebung. für einen spaziergang im wald würde ich das jetzt nicht unbedingt empfehlen (obwohl ich das bestimmt auch noch ausprobieren werde).

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