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PRAXIS täglich   | 28.08.2013 

Gar nicht lustig: die Lachinkontinenz

Wenn das Lachen in die Hose geht

Als Lachinkontinenz bezeichnen Mediziner eine spezielle Form der Harninkontinenz, bei der Betroffene ausschließlich beim Lachen ihren Urin nicht halten können. Bislang fehlen fundierte wissenschaftliche Studien zu Ursachen oder Patientenzahlen. Wird eine Lachinkontinenz, die meist schon in der frühen Kindheit auftritt, nicht erkannt, führt das Krankheitsbild bis ins Erwachsenenalter zu erheblichem Leidensdruck. 

Frau muss mal

Wenn beim Lachen der Urin nicht gehalten werden kann, spricht man von Lachkontinenz.

(Quelle: imago)

Medizinisch unterscheidet sich die Lachinkontinenz deutlich von anderen Inkontinenzformen wie einer Belastungsinkontinenz und einer überaktiven Blase. Charakterstische Merkmale einer Lachinkontinenz sind die vollständige Blasenentleerung, die reflexartig durch Lachen ausgelöst wird. Das Einnässen erfolgt ohne vorangehenden Harndrang. Die Frequenz ist individuell unterschiedlich (vermutlich abhängig von der Frequenz des Lachens) und kann zwischen zwei Mal pro Woche bis vier Mal am Tag liegen. Ganz wichtig: Die Blasenfunktion ist bei der Lachinkontinenz völlig normal! Bei einer Belastungsinkontinenz hingegen führen auch andere Druckerhöhungen im Bauchraum, wie Niesen, Husten oder Trampolinspringen zum ungewollten Urinverlust, der meist tröpfchenweise erfolgt und männliche Kinder und Jugendliche nicht betrifft. Beim Krankheitsbild der überaktiven Blase kann ein Harnverlust durch Lachen zwar getriggert werden, es kommt aber nie zu einer vollständigen Entleerung der Blase. Dem Einnässen geht meist ein heftiger Harndrang voraus.

Schwierige Ursachenforschung

Annahmen zu den Ursachen der Lachinkontinenz sind bislang hypothetisch: Zum einen könnte eine familiäre Veranlagung eine Rolle spielen. Zum anderen könnte das zentrale Nervensystem eine Rolle spielen. Neurologen vermuten, dass bei lachinkontinenten Patienten ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn besteht. Möglicherweise entsteht auch ein plötzlicher Verlust der Muskelspannung, weil bestimme Nervenzellen durch den emotionalen Kontext des Lachens gehemmt werden Ein verhaltenspsychologischer Ansatz geht davon aus, dass es bei einer Lachinkontinenz zu einer Fehlkonditionierung kommt, wenn fälschlicherweise das Lachen als Reiz gewertet wird, der das Signal zum Wasserlassen gibt. Ein physiotherapeutisches Modell wiederum basiert auf der Annahme, dass bei einer Lachinkontinenz bei heftigem Lachen das Zwerchfell so stark schwingt, dass die Beckenbodenmuskulatur quasi ausgeschaltet wird.

Die Diagnose

Bevor die Diagnose Lachinkontinenz gestellt wird, sollten umfassende Untersuchungen vorausgehen. Anhand des Blasentagebuchs, eines mindestens 14-tägiges Ausscheidungsprotokolls, der körperlichen Untersuchung und eines Ultraschalls des Harntrakts überprüft der Arzt, ob die Blasenfunktion ansonsten normal ist. Der Mediziner wird auch einen Provokationstest (Lachen, Niesen, Husten) machen, um zu sehen, ob das Phänomen wirklich nur beim Lachen auftritt.

Verschiedene Therapiemöglichkeiten

Eine Behandlungsoption ist Methylphenidat (bekannt als „Ritalin“, das normalerweise Kindern mit ADHS verordnet wird), das den Wasserlass-Reflex hemmt. Die Wirksamkeit ist erwiesen, doch es treten Nebenwirkungen wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Schlafstörungen und psychische Veränderungen auf. Dem verhaltenspsychologischen Ursachenmodell folgend gibt es eine apparative Verhaltenstherapie, bei der der fehlkonditionierte Reiz des Lachens von einem anderen Reiz  unterbrochen und damit das Einnässen verhindert wird. Diese Therapie ist schwer durchzuhalten. Erfolgreich und nebenwirkungsfrei ist der physiotherapeutische Ansatz: Betroffene trainieren das Anspannen des Beckenbodens im Moment des Lachens und unterbrechen damit den Fehlreiz und können den Urin bewusst zurückhalten.

28.08.2013

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