Kritik: Pain & Gain (2013) – Film | Kino7.de

Kritik: Pain & Gain (2013)

 Geschrieben am 23. August 2013 - 22:54 Uhr von Kino7.de

Nach den drei TRANSFORMERS-Blockbustern steht Erfolgsregisseur Michael Bay nun mit einem neuen Film in den Startlöchern. Die Rede ist von PAIN & GAIN, in dem Mark Wahlberg, Dwayne Johnson und Anthony Mackie in die Hauptrollen schlüpfen. Ab dem 22. August ist die Komödie auch in den deutschen Lichtspielhäusern vertreten. Mit einer stolzen Laufzeit von 129 Minuten wagt sich der US-amerikanische Regisseur an eine Geschichte nach wahren Begebenheiten …

Miami – die Stadt der Schönen und Reichen. Daniel Lugo (Mark Wahlberg) und Adrian Doorbal (Anthony Mackie) sind Personal Trainer aus Leidenschaft und haben aus ihren Körpern bereits alles rausgeholt, was Protein-Shakes und unermüdliches Krafttraining hergeben. Doch leider entspricht die Zahl der Dollars auf ihrem Bankkonto nicht annähernd der Anzahl der Schweißperlen auf ihren stählernen Körpern, und damit soll jetzt Schluss sein. Gemeinsam mit Pump-Kumpel Adrian und Ex-Knacki Paul Doyle (Dwayne Johnson) heckt Daniel einen genialen Plan aus, und nach einigen gewagten Anläufen schaffen sie es, den mit Goldkettchen behängten Selfmade-Millionär Victor Kershaw (Tony Shalhoub) zu entführen, zur Strecke zu bringen und mit seinen Millionen ihren „American Dream“ zu leben. Endlich angekommen in Miamis Oberliga genießt die „Sun Gym“-Gang ihr neues Luxusdasein mit schnellen Flitzern, sexy Girls und jeder Menge Designerdrogen. Doch das schillernde Partyleben hat bald ein Ende: Ihr tot geglaubtes Opfer Kershaw hat ihnen den Privatermittler Ed Du Bois (Ed Harris) auf den Hals gehetzt und schwört Rache. Aber so schnell geben die drei Testosteron-Pakete nicht auf, und eine knallharte Jagd beginnt …

Pain & Gain Szenenbild

Michael Bay is back! Nur diesmal fliegen keine Autoblechteile durch die Luft. Denn vor TRANSFORMERS 4, der für 2014 angekündigt wurde, wollte Bay noch einen „kleineren, intimeren Film“ einschieben. Die perfektionierte Hochglanzoptik und die stargepickte Besetzungsliste sprechen jedoch vielmehr für ein Blockbuster-Projekt. Wahrscheinlich kann Michael Bay einfach nicht anders. Interessant dagegen ist vielmehr die Tatsache, dass diese unglaubliche Geschichte wahren Begebenheiten entspricht. Wenn drei Bodybuilder einen Clou starten, der bereits zu Beginn zum Scheitern verurteilt ist, kann dies nur böse enden. Satirischer geht es kaum. Doch statt einer feinfühlig ausgeklügelten Satire wird uns konventionelles Kino der zweiten Klasse geboten. Ein klassischer Sommerblockbuster eben. Da trösten nicht einmal die toll inszenierten Zeitlupensequenzen darüber hinweg.

Ist es denn überhaupt möglich, nach diversen futuristischen Megablockbustern einen realitätsnahen und ehrlich aufrichtigen Film zu drehen, ohne dabei die eigene Fangemeinde zu verjagen? Die Frage ist im Fall von PAIN & GAIN nur sehr schwer zu beantworten. Denn hätte Michael Bay es richtig gemacht, würde dieser auch außerhalb seiner treuen Fangemeinde positive Stimmen bekommen. Doch die Umsetzung seiner Bodybuilder-Komödie wird selbst eingeschweißte Bay-Anhänger enttäuscht in den Kinosesseln zurücklassen. Verjagen tut er seine Fans nicht, weil er den Mut besaß, einen Independentfilm drehen zu wollen, sondern aus dem einfachen Grund, dass der Film einfach mies umgesetzt wurde. Ein Risiko ist Bay demnach in keiner Weise eingegangen.

Wenn man nun bezüglich der realen Personen, die hinter den Protagonisten stehen, weiter recherchiert, stellt der Zuschauer traurig fest, dass die echten Daniel Lugo und Co. menschenverachtende Schwerverbrecher waren. Im Film werden diese jedoch fast schon lächerlich peinlich dargestellt, sodass der Zuschauer Sympathie für die liebenswerten Loser hegt. Statt sich also auf die perfiden Absurditäten der Realpersonen zu konzentrieren, wartet Bay mit stupiden und hirnlosen Humor auf, welcher die Geschichte überzogen und unglaubwürdig in Szene setzt. Spätestens nachdem Hände zum „Fingerabdrückebeseitigen“ abgehackt und auf den Grill geschmissen werden, stellt sich der Zuschauer immer wieder die Frage, ob sich tatsächlich alles so zugetragen hat. In der zweiten Hälfte des Films wird dann erneut ein Text eingeblendet, der den Wahrheitsgehalt des Gezeigten bestätigt. Schade, dass dies überhaupt noch mal erwähnt werden musste. Von Authentizität ist hier keine Spur …

Selbst die einzelnen Schauspieler wie Mark Wahlberg oder Dwayne Johnson können ihren Figuren keine Ernsthaftigkeit einhauchen. Dafür hüpfen und schreien sie hysterisch über die Leinwand, dass spätestens nach einer Stunde die Luft endgültig raus ist und der Zuschauer vielmehr genervt als unterhalten wird. Frauen, Homosexuelle oder Übergewichtige können ebenso getrost Zuhause bleiben, da diese hier in geschmackloser Art und Weise vorgeführt werden. Spätestens dann ist es nur noch peinlich.

Fazit: Hinter PAIN & GAIN steht eine bitter-böse Geschichte dreier US-Verbrecher, welche im Film vollkommen ihre Ernsthaftigkeit verlieren. Der amerikanische Traum soll hier kritisiert werden, spiegelt jedoch gleichzeitig genau diesen wider. PAIN & GAIN ist wohl eher ein filmischer Alptraum, den Michael Bay abermals fabriziert hat. Eine Geschichte mit unausgeschöpftem Potenzial und einer schlechten Umsetzung.

 ★★☆☆☆ 

Josephine Drews

 
FSK:
16
Genre:
Komödie
Länge:
129 Minuten
Dt Start:
22. August 2013
Verleih:
Paramount Pictures
Land:
USA
Mit: Mark Wahlberg, Anthony Mackie, Dwayne Johnson, Ed Harris uvm.
 
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