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Brücke landet auf dem Punkt

Die Züge zwischen Metzingen und Reutlingen rollen wieder. Der Einbau zweier Brücken ist im Zeitrahmen von 100 Stunden fertig geworden. Zahlreiche Zuschauer machten sich vor Ort ein Bild vom Baufortschritt.

MICHAEL KOCH |
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"Drei Minuten vor der Zeit, ist des Brückenbauers Pünktlichkeit." Drei Minuten vor Mitternacht in der Nacht von Freitag auf Samstag rutschte die 4110 Tonnen schwere Stabbogenbrücke auf vier eigens dafür angelegten Bahnen in Richtung ihres vorgesehenen Standorts in der Bahnlinie zwischen Metzingen und Reutlingen. Zwei Stunden später war das Ziel erreicht.

Während der vergangenen Monate war nur wenige Meter neben der Bahntrasse eine Stabbogenbrücke mit einer lichten Weite von 68 Metern aufgebaut worden, die innerhalb von 100 Stunden rund 16 Meter seitlich in die Bahnlinie eingeschoben werden musste (wir berichteten).

Der eigentliche Verschub nahm davon nur zwei Stunden in Anspruch. Dabei lagerte die Brücke lose auf ihren beiden Widerlagern (oder Brückenpfeilern), die wiederum auf je zwei speziellen Schienen gelagert waren. Auf diesen mit Teflon beschichteten und gut mit Fett geschmierten Bahnen wurden die beiden Widerlager schließlich mittels Hydraulik-Pressen synchron in ihre Endpositionen geschoben. Die erste Vermessung ergab eine Abweichung von lediglich einem Millimeter, "ein Traumergebnis", wie Oberbauleiter Oliver Laible schwärmt.

Dabei ging der Verschub nach außen hin so unspektakulär und geräuschlos vonstatten, dass viele der nächtlichen Zaungäste, die sich selbst vor Ort ein Bild von der Aktion machen wollten, schon nach den ersten Verschubzentimetern wieder den Heimweg antraten.

Zum Zuschauen interessanter waren dagegen sicherlich die Stunden vor und nach dem eigentlichen Brückenverschub. Der Abbau der alten Brücke, der Abriss der Brückenpfeiler und des Fundaments, gewaltige Erdarbeiten, um für die neue Brücke Platz zu schaffen und schließlich wieder die Auffüll- und Anschlussarbeiten. 10 000 Kubikmeter Aushub, 1000 Kubikmeter Betonabbruch, 8000 Kubikmeter Verfüllung. "Mehr wäre in dieser kurzen Zeit überhaupt nicht zu schaffen", so Laible.

An einer zweiten Baustelle, etwa 200 Meter von der Stabbogenbrücke entfernt, wurde während des gesamten Zeitraumes eine zweite neue Brücke gebaut, durch die künftig der Stettertbach samt eines kombinierten Geh- und Radweges führen wird. Ehe diese 700 Tonnen schwere Tunnelröhre am Freitag binnen nur 20 Minuten eingeschoben werden konnte, hatte das Bauunternehmen mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen, wie Laible einräumte. Erst rutschte die Böschung zur Baugrube hin ab, dann wollte der Beton nicht so aushärten, wie es die Experten gerne gehabt hätten. So geriet der Zeitplan zwischenzeitlich vier Stunden in Verzug. Bis zum frühen Samstagmorgen war dieser Rückstand aber bereits überkompensiert und so konnten bis in den Sonntag hinein die Auffüllarbeiten über die Bühne gehen. Schon Sonntagnachmittag dann konnte dieses Bauwerk als fertig betrachtet werden, inklusive Gleis- und Oberleitungsarbeiten.

Diese Anschlussarbeiten zogen sich an der großen Brücke noch bis weit in die Nacht hinein hin. Am Nachmittag bevor der erste Bauzug die neue Brücke, bevor die Bahnlinie wieder freigegeben wird, passiert noch ein weiterer Testzug die beiden neuen Brückenbauwerke.

"Wir werden eine Punktlandung, sprich 4.30 Uhr, erreichen", prognostizierte Laible gestern Abend, "aber wir werden auf jeden Fall pünktlich fertig sein." Noch wichtiger ist ihm aber die Tatsache, dass keinem seiner Mitarbeiter etwas passiert ist. "Das ist bei einem solchen Zeitdruck nicht unbedingt selbstverständlich", freute sich der Oberaufseher.

Durch das Einhalten des Zeitfensters erspart sich das Bauunternehmen eine Konventionalstrafe von 120 Euro pro Minute Verspätung, deren Zahlung an die Bahn fällig gewesen wäre. Stattdessen wird die Bahn nun ihrerseits die Gesamtbaukosten von rund acht Millionen Euro an das Bauunternehmen überweisen.

Das ist in den kommenden Tagen noch mit kleineren Restarbeiten wie etwa der Gestaltung der Böschung beschäftigt, das Aufräumen und der Abbau der Containerlandschaft wird noch etwa 14 Tage in Anspruch nehmen.

Danach können die Straßenarbeiten auf der B 312 in ihrer letzte Phase gehen. Dabei entsteht der vierspurige Anschluss der B 312 an die neue Metzinger Ortsumfahrung B 28. Ab Ende dieses Jahres wird Metzingen dann vollständig von zusammenhängenden Umfahrungsstraßen umgeben sein.

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