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(vokus. volkskundlich-kulturwissenschaftliche schriften. heft 1, 1/2002. herausgeber: hamburger gesellschaft für volkskunde c/o institut für volkskunde)



Generation X. Zum inflationären Gebrauch des Begriffes "Generation" im aktuellen Mediendiskurs

Inken Bartels


Seit einigen Jahren ist der Begriff »Generation« in aller Munde. In Werbeslogans wird von einer neuen Computergeneration, einer neuen Automobilgeneration, gar von einer neuen Waschmittelgeneration gesprochen. Doch nicht nur technische Innovationen werden von der Werbe- und Medienbranche in Generationen eingeteilt, sondern auch die Jugend einer Gesellschaft: In den 1990er-Jahren haben sich gegenüber der 1980er-Jahren die diversen Jugendszenen noch einmal beträchtlich vermehrt und vervielfältigt, sodass inzwischen eine kaum mehr überschaubare Pluralität von unterschiedlichen jugendlichen Verhaltensweisen, Orientierungen und Erscheinungsbildern in der Öffentlichkeit kursiert. Journalisten, Marketingexperten und Soziologen versuchen, der Heterogenität der jugendkulturellen Szenen durch immer neue Kategorisierungen und Etikettierungen entgegenzuwirken, wobei besonders gern das Prädikat »Generation« verwendet wird, jedoch oft zu pauschal und theorielos.

Anfang der 90er-Jahre fassten eben solche Personenkreise zunächst in den USA, dann auch in Deutschland, die unter 30-Jährigen unter dem Etikett »Generation X« zusammen. Aber ist das, was in den Medien beschrieben wird, nach wissenschaftlichen Kriterien überhaupt eine Generation? Ist es nicht ziemlich anmaßend »die« Jugend so zu verallgemeinern? Existieren nicht alle Lebensformen, -stile, -anschauungen parallel in jeder Generation, sodass es sich am Ende nur um ein verbales Konstrukt handelt, wenn man etwa von der Kriegsgeneration oder der 68er-Generation spricht? Wie viele Uschi Obermaiers lebten in den 1960er-Jahren in Kommunen das Leben des solidarisch, aufgeklärten Lustmenschen? Auch waren nur 10% der jungen Bevölkerung Studenten, die nicht einmal geschlossen an der »Revolution« teilnahmen. Die Schätzung ist nicht untertrieben, wenn es heißt, dass die Studentenbewegung in der Bundesrepublik um 1968 eine mobilisierte Masse von etwa 10.000 Menschen umfasste.1 Wie also konnte es dazu kommen, dass bei der Namensgebung »die 68er« eine Minderheit für eine Mehrheit stand?2

Es besteht immer die Gefahr, dass von Teilkulturen mit manchmal sehr exponierten Einstellungen und spektakulären Verhaltensweisen verallgemeinernd auf die Bewusstseinslage der gesamten Jugend einer Gesellschaft geschlossen wird. Hinzu kommt der immer größer werdende Einfluss der Medien. Wie junge Menschen in der Öffentlichkeit bezeichnet werden, hängt im Allgemeinen am wenigsten von den Jugendlichen selbst ab. Vielmehr kommt eine in den Massenmedien verbreitete Sicht auf Jugendkulturen zum Vorschein, die oft sehr einseitig und stark vereinfacht ist.

Wie verhält es sich nun mit der von den Medien so genannten »Generationen X«? Was verstehen die bundesdeutschen Medien überhaupt unter »Generation X« und handelt es sich bei dieser so genannten Generation wirklich um eine Generation nach wissenschaftlichen Kriterien? Oder handelt es sich lediglich um eine jugendliche Teilkultur, die nur von den Medien zu einer Generation stilisiert wurde? Wird der Begriff von den Medien also nur umgangssprachlich gebraucht oder gibt es Anlehnungen an wissenschaftliche Generationskonzepte?

Antworten auf diese Fragen zu finden, war das Ziel meiner Magisterarbeit, deren Ergebnisse ich hier vorstellen möchte.


Vorgehensweise

Um auf die Frage, wie die Medien den Generationsbegriff verwenden, eine Antwort zu finden, soll zunächst das wissenschaftliche Generationskonzept Karl Mannheims3, auf das in der Volkskunde Bezug genommen wird und das eine wichtige Grundlage dieser Arbeit bildet, vorgestellt werden.

Anschließend wird zunächst ein kurzer Blick auf die USA gerichtet, wo der Ursprung des Begriffes liegt und es wird gezeigt, was genau die amerikanischen Medien unter »Generation X« verstehen. Danach wird der Mediendiskurs in Deutschland wiedergegeben. Die verschiedenen Label und Etiketten, die in den Printmedien der 90er-Jahre für die Jugend gefunden worden sind, sollen vorgestellt werden. In einem zweiten Schritt werden die Zeitungsartikel nach einem offenen Kategoriesystem beschrieben. Als Quellen dienen Artikel aus Spiegel, Stern, Focus, Werben und Verkaufen, Zeit, Wochenpost, Sonntagsblatt, Süddeutsche Zeitung, Tagesspiegel und Tageszeitung.

Bei der Analyse soll untersucht werden, wie laut Medien die jungen Menschen dieser Altersgruppe sind und welche Momente im Leben der Jugendlichen als generationsbildend angesehen werden? Dabei wird außerdem darauf geachtet, wie die Medien den Generationsbegriff verwenden. Benutzen sie ihn konsequent theorielos und umgangssprachlich oder ist ein Gebrauch im wissenschaftlichen Verständnis zu erkennen? Im Anschluss daran soll das zu Beginn definierte Generationskonzept mit den Ergebnissen der Medienanalyse in Zusammenhang gebracht werden, um sich einer Antwort auf die Frage »Generation ja oder nein« zu nähern.

Zum Schluss sollen die Ergebnisse der Medienanalyse mit der gesellschaftlichen Meinung über »Jugend« verglichen werden. Massenmedien sind heute integrierter Bestandteil der Alltagskultur und daher eine geeignete Quelle, um aufzuzeigen, welches Bild eine Gesellschaft von ihrer Jugend hat und inwieweit der Generationsbegriff dafür von Bedeutung ist.


»Generation« - Eine Begriffsbestimmung

Der Begriff »Generation« wird sowohl in Alltagsdiskussionen als auch innerhalb sozialpolitischer und wissenschaftlicher Diskurse in mehrdeutiger Form verwendet. An dieser Stelle soll das für diese Arbeit gültige Generationskonzept vorgestellt werden, wobei der sozialwissenschaftliche Ansatz Karl Mannheims besondere Beachtung finden wird.

Bei der Definition des Begriffes »Generation« ist ein entscheidender Ausgangspunkt die Tatsache, dass drei unterschiedliche Grundkonzepte des Begriffes bestehen. Eine klare begriffliche Unterscheidung ist notwendig, da die drei Generationsbegriffe nicht ineinander überführt und zu einem zusammengefasst werden können. In der Forschungsliteratur wird der Begriff »Generation« in den folgenden drei unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet:4

    1. Als Kategorie zur Unterscheidung der Abstammungsfolge in Familien, wie sie aus dem Alltag und der Familienforschung bekannt sind - Genealogischer Generationsbegriff.
    2. Als pädagogisch-anthropologische Grundkategorie, in der es um ein Grundverständnis der Erziehung, das Verhältnis zwischen vermittelnder und aneignender Generation geht - Pädagogischer Generationsbegriff.
    3. Zur Unterscheidung kollektiver historischer und/oder sozialer Gruppierungen, die sich durch ihr gemeinsames Leben im historischen Raum, durch gemeinsame prägende und durch gemeinsame Verarbeitungs- und Handlungsformen auszeichnen - Historisch-gesellschaftlicher Generationsbegriff.

Dieser historisch- gesellschaftliche Generationsbegriff soll im Folgenden vorgestellt werden.

In gesellschafts- und sozialpolitischen Diskussionen wird meist ein allgemeiner, von familialen Zusammenhängen losgelöster Generationsbegriff verwendet, der sich auf gesamtgesellschaftliche Gruppierungen bezieht, denen historisch, kulturell oder sozial spezifische Gemeinsamkeiten zugeordnet werden (Kriegsgeneration, Nachkriegsgeneration, 68er-Generation). Aus dieser Perspektive werden Generationen als soziale Kategorie wahrgenommen, die aufgrund des Aufwachsens oder aufgrund gemeinsam erfahrener Ereignisse gewisse soziale Gemeinsamkeiten (gemeinsame Interessen, ähnliche Weltanschauungen etc.) aufweisen.

Zentraler theoretischer Ausgangspunkt des historisch-gesellschaftlichen Generationsbegriffes ist der bereits erwähnte Aufsatz des Wissenssoziologen Karl Mannheim. Er beginnt mit einer Diskussion der beiden Grundpositionen innerhalb der Generationsthematik. Die Frage nach dem Problem der Generation hat eine positivistische und eine romantisch-historische Antwort in den Sozialwissenschaften erhalten.

Die positivistische Fragestellung, die sich im 19. Jahrhundert u.a. durch Auguste Comte (1798-1875) hauptsächlich in Frankreich entwickelt, sieht das Ideal in der Quantifizierbarkeit der Problematik. An Hand historischen Materials wird der Versuch unternommen, nachzuweisen, dass alle 30 Jahre zusammen mit einem Generationswechsel auch wesentliche gesellschaftliche Veränderungen einhergehen. Zur selben Zeit entwickelt sich in Deutschland eine völlig andere Sichtweise: Mit Wilhelm Dilthey, der romantische und historische Traditionen miteinander verbindet, erhält die generationsproblematische Fragestellung »ein spezifisch deutsches Gesicht«5. Dieses »deutsche Gesicht« weist einen qualitativen Ansatz zur
Generationsfrage auf. Bei der Beschäftigung mit den Romantikern (Schlegel, Schleiermacher, Hölderlin, Novalis, Thieck etc.), die er von der Generation der Klassiker (Goethe, Kant, Fichte) abhebt, entdeckt Dilthey ihre relative Gleichaltrigkeit und kommt trotz des Hinweises auf ihre heterogene Herkunft zu dem Schluss, dass diese Gruppe eine Generation bildet. Diltheys Generationskonzept beinhaltet die Vorstellung vom Jugendalter als eine Zeit erhöhter Empfänglichkeit, d.h. individuelle sowie politische und gesellschaftliche Ereignisse und Erlebnisse prägen den Einzelnen in dieser Lebensphase sehr stark und behalten bleibenden Einfluss auf das weitere Leben.

Während das quantitative Moment messbar ist, wird das qualitative Moment erlebbar und verstehbar, wodurch sich die Methode der Erfassung des Problems verändert. Dieser qualitative Zeitbegriff, der sich auch in der Phänomenologie Heideggers und in der Theorie des Kunsthistorikers Wilhelm Pinder wieder finden lässt, bestimmt das Generationskonzept in Deutschland. Neben Diltheys These der Gemeinsamkeit der gesellschaftlichen und geistigen Einflüsse auf eine Generation, stellt Pinder die These der »Ungleichzeitigkeit der Gleichzeitigen«6 auf. Diese These meint, dass in jeder gegenwärtigen Zeit verschiedene Generationen nebeneinander leben.

In Anlehnung an Dilthey und Pinder arbeitet Mannheim dann in einer formalsoziologischen Klärung die für ihn bestehenden drei Momente des Generationsphänomens heraus: Generationslagerung, Generationszusammenhang, Generationseinheit.

Mannheim unterscheidet zwischen zwei Arten der sozialen Lagerung: Klassenlage und Generationslage. Dass die soziale Klassenlage das Handeln, Denken und Fühlen von Individuen bedingt, ist eine Tatsache, der nicht widersprochen werden kann, die jedoch nur unter bestimmten sozialen Bedingungen zu einem Klassenbewusstsein im engeren Sinne führt. Gleiches gilt nach Mannheim auch für die Generationslage. Die Tatsache der Zugehörigkeit zu benachbarten Geburtsjahrgängen bedingt, dass man innerhalb der historischen Situation der Gesellschaft verwandt gelagert ist. Generationslagerung meint also, dass Individuen ähnlichen Alters im selben historisch-sozialen Raum leben, dadurch im etwa gleichen Lebensalter den gleichen gesellschaftlichen Ereignissen und Zuständen (z.B. Kriegs- bzw. Nachkriegszeit, wirtschaftliche Krise bzw. Wohlstand, Stabilität bzw. Wandel des politischen Systems, vorherrschende Ideologie etc.) ausgesetzt sind und somit ähnliche Partizipations-, Erlebnis- und Erlebnisverarbeitungsmöglichkeiten besitzen. Die Lagerung stellt die Bedingungen, die die objektiven Lebenschancen der ungefähr Gleichaltrigen festlegen.

Nun ist aber der Generationszusammenhang noch mehr als die bloße Präsenz in einer bestimmten historisch-sozialen Einheit. Eine konkrete Verbindung muss noch hinzu kommen, um von einem Generationszusammenhang sprechen zu können. Mannheim spricht von einem solchen, »wenn reale soziale und geistige Gehalte gerade in jenem Gebiet des Aufgelockerten und werdenden Neuen eine reale Verbindung zwischen den in derselben Generationslagerung befindlichen Individuen stiften.«7

Die Generationseinheit ist eine viel konkretere Verbundenheit als diejenige, die der bloße Generationszusammenhang stiftet. Hier geht es darum, wie die gemeinsam erlebten Ereignisse verarbeitet werden, also um die subjektiven Interpretationen der herrschenden Bedingungen. Mannheim illustriert dies am Beispiel der Jugend um 1800:

Hier macht Mannheim auch deutlich, dass sich innerhalb desselben Generationszusammenhanges durchaus mehrere polare Generationseinheiten bilden können. Die Generationseinheit ist zwar nicht in Gestalt einer bestimmten Gruppe vorhanden, aber ihr Kern kann durchaus eine bestimmte Gruppe oder Organisation bilden.

Zusammenfassend lässt sich über Mannheims nach wie vor gültigen Generationsbegriff sagen, dass er sich stark an der sozialen Wirklichkeit orientiert. Generationen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass bestimmte, in Kindheit und Jugend erworbene Einstellungsmuster und Verhaltensdispositionen ein Leben lang prägend bleiben. Zu einer Generation wird eine Altersgruppe nicht durch die aktive Partizipation an einer spezifischen kulturellen Praxis. Vielmehr basieren die generativen Gemeinsamkeiten, aufgrund der Nähe der Geburtsjahrgänge, auf der kollektiv erlebten Zeit. So können Ereignisse dieser Zeit für die Individuen besonders prägend sein und den Fokus für das kollektive Gedächtnis einer Generation bilden.
Dabei ist es nicht notwendig, dass alle Mitglieder einer Alterskohorte die entsprechenden Situationen in gleicher Weise wahrnehmen und auf sie
reagieren, sondern es besteht durchaus die Möglichkeit zu kontroversen Konstellationen.

Aus Mannheims Begriffsdefinition folgt, dass sich gelungene Generationsbildungen nur ex post bestimmen lassen. Erst im Vergleich der vorhergehenden Generation mit möglichen folgenden Generationen werden die spezifischen Differenzen erkennbar und eine dauerhafte Distinktion möglich. Da die Wissensbestände der älteren Generation zur Bewältigung veränderter Lebensumstände nur bedingt brauchbar sind, eignen sich die Jugendlichen selbstständig kulturelle Kompensationskompetenzen an. Aus dieser Perspektive ist die Genese von Generationen untrennbar mit der Dynamik des gesellschaftlichen Wandels verbunden.


Douglas Coupland - »Erfinder« der »Generation X« ?

Gemeinhin wird Douglas Coupland durch die Veröffentlichung seines Romans Generation X. Geschichten für eine immer schneller werdende Kultur (1992) als Urheber dieses Begriffes dargestellt. In seinem Roman beschreibt Coupland den Alltag dreier junger Erwachsener, die in Kalifornien auf dem Rückzug aus der Gesellschaft ihren Lebensunterhalt mit schlecht bezahlten Teilzeitjobs bestreiten. Auf der gemeinsamen Suche nach der persönlichen Identität erzählen sie sich Geschichten und durchforsten ihre Erinnerungen. Dabei verfallen sie in eine zynische, ironische und sentimentale Weltsicht. Zum Schluss eröffnen die drei gemeinsam ein Hotel in San Felipe, Mexiko.

Der damalige Kunststudent Coupland ist eigentlich damit beauftragt, für den New Yorker Verlag Simon & Schuster eine Studie über die aktuelle Jugend zu schreiben. Er kommt diesem Wunsch jedoch nur insofern nach, als dass er dem Roman ein zusätzliches Glossar beifügt, in dem er Neologismen der »Generation X«-Sprache vorstellt.

Vor allem diese zynischen Wortneuschöpfungen werden in der Folge von den Medien und Marketingfirmen der USA aufgegriffen und als Leitfaden für die Kategorisierungen und das Verständnis der schwer zu fassenden Alterskohorte genommen. Entsprechend sieht die Spiegel-Redakteurin Marianne Wellershoff Couplands wahre Stärke nicht im Schreiben des Romans, sondern sie hält ihn für einen »intelligenten Beobachter des Alltags« und »Meister darin, prägnante Etikette für aktuelle Phänomene zu vergeben.«9 Ihrer Ansicht nach wäre der Roman ohne das Glossar nicht zum gefeierten Kultbuch avanciert, das in 16 Sprachen übersetzt und allein in den USA bis 1994 über 300 000 Mal verkauft worden ist.

Obwohl der Begriff »Generation X« erst seit Coupland in der Öffentlichkeit kursiert und »ausgeschlachtet« wird, ist der Autor nicht der Erfinder dieser Wortschöpfung, die bereits dreimal zuvor Verwendung gefunden hat: Im Dezember 1952 veröffentlicht das amerikanische Holiday Magazine eine Serie von Artikeln unter der Überschrift Generation X, in der es um die amerikanische Jugend der 1950er-Jahre geht.10 Mitte der 1960er-Jahre untersuchen die britischen Soziologen Charles Hamblett und Jane Deverson die Jugendlichen der Mods und Rockerbewegung in Großbritannien und fassen ihre Ergebnisse unter dem Titel Generation X zusammen.11
Etwa zehn Jahre später lässt sich der britische Musiker Billy Idol von diesem Buchtitel beeinflussen, als er im November 1976 eine Punkband mit dem Namen Generation X gründet.12

Coupland hat sich bei der Wahl des Titels für seinen Roman vermutlich von keinem dieser Vorläufer beeinflussen lassen, sondern von dem amerikanischen Literatur- und Gesellschaftskritiker Paul Fussel, der eine »Kategorie X« aufgestellt hat, die all jene Aussagen bezeichnet, die sich gegen Geld, Materialismus oder sozialen Aufstieg wenden.13

Der Begriff »Generation X« ist also nicht neu. Schon vor Coupland wird er in Verbindung mit unterschiedlichen jugendkulturellen Ausrichtungen verwendet. Er ist allerdings nie so bekannt geworden, wie seit dem Erscheinen seines gleichnamigen Romans.


»Generation X« im Spiegel der Öffentlichkeit

USA
Die Geburtsstunde der »Generation X«, oder besser der Beginn einer öffentlichen Diskussion über die Existenz einer neuen Generation in den USA, lässt sich ziemlich präzise rekonstruieren: Am 16. Juli 1990 fanden die Mittzwanziger in der Time-Titelgeschichte erstmals Erwähnung. Seitdem existieren allein in de USA mehr als 20 verschiedene Begriffe und Etiketten, um diese Alterskohorte zu charakterisieren, zu kategorisieren oder zu psychoanalysieren.

Bei der Analyse der Zeitungsartikel fällt auf, dass keine einheitlichen Vorstellungen seitens der Medien über die »Generation X« existieren. In diesem Zusammenhang heißt es in der Newsweek: »There are only two generalizations we can make about them with degree of certain: they are Americans, and they are in their 20ies.«14 Bei den Etiketten handelt es sich überwiegend um verallgemeinernde Begriffe, die abwertende Assoziationen über diese Generation hervorrufen: Slackers, Whiny Generation, Postponed Generation, New Lost Generation15, Nowhere Generation oder Yuffies (Young Urban Failures).

Von Anfang an werden, vor allem aus den Reihen dieser so genannten Generation, kritische Stimmen gegen die stereotype Labelpraktik seitens der Medien laut. So parodieren z.B. Jason Cohen und Michael Krugman in ihrem Buch Generation Ecch (etwa Generation »Igittigitt«) den Medienrummel um das Phantom »Generation X«.16 Für die Journalistin Amy Wu, altersmäßig selbst der »Generation X« zugehörig, ist es, aufgrund der »Ausschlachtung« des Begriffes durch die Medien unmöglich, diesen Begriff noch zu verwenden. Douglas Rushkoff dagegen, ebenfalls selbst ein »Xer«, benutzt diesen Terminus ohne Bedenken selbstbewusst und im affirmativen Sinn zur Abgrenzung seiner Generation gegen vorangegangene.

Trotz aller Kritik hat sich jedoch der griffige Terminus »Generation X«, der sich von dem gleichnamigen Roman Douglas Couplands ableitet, allgemein durchgesetzt. Aber was verstehen die Amerikaner bzw. die Medien unter »Generation X«? Wie charakterisieren sie diese Alterskohorte?

Die Altersabgrenzungen sind nicht einheitlich. Häufig werden jedoch die Altersmarkierungen zitiert, die Coupland in seinem Roman festlegt. Dabei handelt es sich um die Jahrgänge der zwischen 1960 und 1970 Geborenen, junge Erwachsene also, die Anfang der 1990er-Jahre etwa zwischen 20 und 30 Jahre alt sind. Wenn man den amerikanischen Medien Glauben schenkt, hat die »Generation X« eine eigene Art sich zu kleiden. Der so genannte Grunge-Look (»Grunge« ist die Musikrichtung der »Xer«, gefühlvoller Gitarrenrock, abgeleitet von »grungy« schmutzig, stinkend) besteht aus weiten Jeans, meist offenen, über der Jeans getragenen (Flanell-)Hemden und T-Shirts in Übergröße. Als weitere Attribute des Grunge-Looks haben längere Haare und spezifische Formen der Bartgestaltung (so genannte goates) bei den männlichen »Xern« Verbreitung gefunden. Ein zweites Phänomen, das für das Erscheinungsbild der »Generation X« bezeichnend zu sein scheint, ist die Integration von Kleidungsstücken aus den 1970er-Jahren. Coupland bezeichnet diese Art sich zu kleiden als »decade blending«.17

Sowohl der Grunge-Look als auch der 70er-Jahre Retro-Stil der »Generation X« haben mit der Idealisierung und Verklärung von etwas Vergangenem zu tun. Sie können als Ausdruck einer Distanzierung von der herrschenden Ideologie und dem herrschendem System angesehen werden. Auch das Wertebewusstsein der »Generation X« scheint eine These dafür zu sein: Anders als in den 1980er-Jahren kommt es nun nicht mehr auf eine Zurschaustellung von Statussymbolen an. Im Gegenteil, mit den Signifikationen der Yuppie-Kultur in Berührung zu kommen, stößt auf Ablehnung. Das Nichtbesitzen von materiellen Gütern hingegen wird als Zeichen moralischer und intellektueller Überlegenheit gewertet.

Die Musik der »Xer« ist der Grunge. Gefühlvoller Gitarrenrock, der zu Beginn der 1990er-Jahre seinen Ursprung in der Stadt Seattle hat. als die Pioniere dieses Musik Stils gilt die Band Nirvana. Ihre LP »Nevermind« verkauft sich bis Ende der 90er-Jahre weltweit über 10 Millionen Mal. Die Songs der Grunge-Bands handeln überwiegend von der Ablehnung des herrschenden Systems in den USA. Medienberichten zufolge lehnt die »Generation X« sowohl durch ihre spezielle Mode als auch durch ihren Antimaterialismus den so genannten »Mainstream« ab und befindet sich, überspitzt formuliert, auf dem Rückzug aus der Gesellschaft. Die Kultur (Mode, Musik, Werte) scheint von einem Grundmotiv durchzogen, das sich wie ein roter Faden durch sämtliche Bereiche des Lebens zieht und sich in den verschiedensten Formen manifestiert. Dieses Grundmotiv ist nach Ansicht der Medien, die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit, nach einer unverdorbenen Ursprünglichkeit, die Suche nach dem Echten, dem Authentischen.

Hinter dem Terminus »Generation X« verbirgt sich in den USA demnach eine spezifische, allenfalls als Jugendkultur zu bezeichnende Gruppe, die aufgrund ihrer Kleidung und ihrer Verweigerungshaltung aus der gesamten Alterskohorte hervorsticht. Durch die Medien entsteht allerdings der Eindruck, die gesamten US-amerikanischen Jugendlichen wären Grunger. Differenzierungen werden nicht vorgenommen.

Im Verständnis Mannheims könnte die Alterskohorte der zwischen 1960 und 1970 Geborenen als Generationslage bezeichnet werden. Partizipiert diese Lagerung oder zumindest ein Großteil von ihnen an denselben Ereignissen, bilden diese einen Generationszusammenhang. Bei den Generationseinheiten kommt es auf die subjektive Interpretation dieser Erlebnisse an. Innerhalb eines Generationszusammenhanges können sich durchaus mehrere polare Einheiten bilden. So gesehen, könnte die »Generation X« in den USA mit ihren spezifischen Merkmalen als Generationseinheit betrachtet werden. Sie hat auf kollektiv erlebte Ereignisse (zerrüttete Familien, schlechte Zukunftsperspektiven, AIDS etc.) spezifisch, nämlich mit Rückzug aus dem bestehenden System mit seine Normen, reagiert.

Doch schon nach wenigen Jahren hat sich das Phänomen »Generation X« einschließlich Grunge-Look und -Musik in den USA erledigt. In den Medien wird diese Alterskohorte nicht mehr als antimaterialistisch und sich allem verweigernd dargestellt, sondern im Gegenteil: Engagiert in den »Neuen Medien«, an der Börse und mit gar nicht so düsteren Zukunftsaussichten. Diese Tatsache macht nun deutlich, dass die »Generation X« nicht als Generationseinheit gesehen werden kann, sondern wie bereits erwähnt allenfalls als Jugendkultur oder schlicht als Modeerscheinung.

Die Analyse »Generation X« in den USA hat gezeigt, dass die Verwendung des Generationsbegriffes unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten irreführend ist.

Deutschland

Durch den internationalen Erfolg von Couplands Roman gelangte der Begriff »Generation X« auch nach Deutschland. In der bundesdeutschen Diskussion werden allerdings die Beobachtungen Couplands aus dem US-amerikanischen Kontext gerissen und zu einem universellen Deutungsmaßstab erhoben, vor dem diverse jugendkulturelle Praktiken als lethargischer Rückzug aus der Gesellschaft interpretiert werden. Um bei der Heterogenität der deutschen Jugend der 1990er-Jahre nicht den Überblick zu verlieren, werden in den Medien neben dem Label »Generation X« zahlreiche Begriffe geschaffen, die allerdings sehr schnell wieder verworfen werden.

In dem bundesdeutschen Mediendiskurs über eine Jugendgeneration, der etwa bis Ende 1997 anhält, sind die Etiketten »Generation X« und »89er«18 die meist verwendeten. Doch auch die übrigen sehr kurzlebigen Label sollen an dieser Stelle wiedergegeben werden:

Wie in den USA sind auch in Deutschland die Label oft dadurch gekennzeichnet, dass die Namensgeber die Jugend abwertend charakterisieren oder ihrem Nichtverstehen durch den Begriff Ausdruck verleihen wollen. So findet der Stern die vermeintlich neue Generation so exotisch, dass er von einer »Yeti-Jugend«19 spricht, in der Welt werden die jungen Menschen gar als eine »Generation von Milzkranken«20 bezeichnet. Und Claudius Seidl meint, es mit »Slackern«21, Faulenzern, zu tun zu haben. Weiter heißt es in einem Spiegel special, die Generation bestehe aus lauter »Eigensinnigen«22, die Süddeutsche Zeitung spricht von den »Undurchsichtigen«23, und in der Zeit glaubt man erneut an eine »Skeptische Generation«24.

In einer Ausgabe des Spiegel aus dem Jahr 1995 wird von den »95ern« gesprochen. Dabei wird dem Jahr, anders als bei den »89ern«, kein besonderes Ereignis oder eine Zäsur zugesprochen, sondern es wird lediglich die Jugend des Jahres 1995 beschrieben. Obwohl der Redakteur Detlef Gürtler die unterschiedlichen Zuschreibungen an die »Xer« kritisiert, verwendet auch er den Generationsbegriff. Er spricht von einer »Neuen Generation«25.

Einige Autoren richten ihre Label dahingehend aus, dass sie die veränderten Lebensumstände im Vergleich zu vorhergehenden Generation thematisieren. Hierbei wird besonders die seit den 1980er-Jahren ständig fortschreitende Computertechnologie betont. So sind für Matthias Horx bereits im Jahre 1993 die »Xer« eine »Multimediale Generation«.26 Frank Schüre und Horst Opaschowski halten »Generation @«27 für die passende Bezeichnung dieser Alterskohorte.

Der Terminus »89er« taucht zum ersten Mal in einem Artikel von Ulrich Greiner in der Zeit auf. Der damalige Feuilletonchef reagiert mit seinem Artikel auf die scharfe Kritik jüngerer Kollegen an Botho Strauß` Prosaband »Wohnen Dämmern Lügen«. Diese »Verrisse« sind für Greiner, ein nach eigenen Aussagen »noch rüstiger Achtundsechziger«, unverständlich, und so sieht er darin den »Konflikt zwischen den Generationen, zwischen der Achtundsechzigern und einer neuen, ehrgeizig aufs Podium drängenden Generation von Autoren und Kritikern, die jetzt etwa in dem Alter sind, in dem die Achtundsechziger damals waren.«28 Greiner sieht in den »89ern« also junge Intellektuelle, die den »Alt-68ern« vor allem ihr »intellektuelles Deutungsmonopol«29 streitig machen wollen.

1995 überträgt dann Claus Leggewie diesen Begriff auf die gesamte bundesdeutsche Jugend der 90er-Jahre. Sowohl Greiner als auch Leggewie sehen in dem Jahr 1989 eine bedeutende Zäsur, die auf das Leben der Heranwachsenden nicht ohne Einfluss bleiben kann. »Es war ja zu erwarten, dass die epochale Wende von 1989, [...] auch einen Generationsbruch verursachen würde«.30 Aufgrund der entscheidenden Bedeutung dieser Jahreszahl hält Greiner sie für die geeignete Bezeichnung dieser neuen Generation, die als klare Markierung für etwas Neues steht.

Bis auf diese historische Tatsache ist der Begriff genauso inhaltslos wie der Begriff »Generation X« und lädt so ebenfalls zu vielen Deutungen und Aussagen über diese Generation ein.

Doch auch im deutschen Mediendiskurs wird der Begriff »Generation X« verwendet, so z.B. im Tagesspiegel, in der Süddeutschen Zeitung oder in dem Magazin Werben und Verkaufen.

Die vielen abwertenden Charakterisierungen dieser so genannten Generation, geben ein gutes Bild ab, wie eine Gesellschaft ihre Jugend wahrnimmt, ohne sie genau zu kennen. Die Vielfältigkeit der verschiedenen Etiketten und Label weist darauf hin, dass es unmöglich ist, einen Oberbegriff für eine vermeintlich neue Generation zu finden bzw. eine heterogene Gruppe unter einem Begriff zusammenzufassen und damit auf nur eine Eigenschaft zu reduzieren.


Kategorisierungen für eine Alterskohorte

Die Analyse der Zeitungsartikel hat gezeigt, dass in den Medien die Verwendung des Generationsbegriffes nicht völlig theorielos erfolgt, sondern durchaus Bezug auf Mannheims Generationskonzept genommen wird. Es wird deutlich gemacht, dass allein die Gemeinsamkeit des Geburtsjahrganges noch keine Generation bildet, sondern erst die Partizipation an den gleichen gesellschaftlichen Ereignissen einen Generationszusammenhang stiftet. Erzeugen diese Ereignisse außerdem ein Gefühl der Gemeinsamkeit, d.h. die Gleichaltrigen interpretieren und verarbeiten sie auf ähnliche Weise, dann ist es zulässig, von einer festen Generationseinheit zu sprechen.

In nahezu allen von mir analysierten Artikeln wird Mannheims qualitatives Generationskonzept vorgestellt. Bei der Umsetzung herrscht dann allerdings weniger Einigkeit. Bei der Frage nach dem prägenden Ereignis für die »Generation X« werden von den verschiedenen Zeitungen, verschieden Möglichkeiten in Betracht gezogen:

Auch bei der Frage, welche Alterskohorte die »Generation X« überhaupt ausmacht, ist man sich in den Medien nicht einig. Die Altersabgrenzungen sind nicht nur nicht einheitlich, sie driften sogar weit auseinander. Sie liegen zwischen 13 und 35 Jahren. Gemeinsam sind den Altersabgrenzungen, dass sie eine sehr große Spanne umfassen, die mindestens elf Jahre beträgt.

Betrachtet man die Aussagen der Medien näher, stellt man fest, dass es in der »Generation X« keine sozial-, allenfalls siedlungstypologische Differenzierungen gibt. Laut Medien lebt diese Generation ausschließlich in Großstädten und verfügt über ein hohes Bildungsniveau. Außerdem »tummeln« sich in der »Generation X« jegliche jugendkulturelle Erscheinungsformen dieser Zeit. Mit anderen Worten, der Punk gehört genauso dieser Generation an wie der Raver, Rapper, Gruftie etc.. Die Vielfalt der jugendkulturellen Stile wird von den Medien zu einem integrativen Merkmal dieser Generation erhoben. Auch die in den Medien als ambivalent beschriebenen Verhaltensweisen gelten als besonderes Kennzeichen der »Generation X«. Allerdings herrscht keine Einigkeit darüber, welche spezifischen Eigenschaften und Verhaltensmuster es sind, die diese Generation auszeichnen.

Der generationenspezifisch neue Zugang zum akkumulierten Kulturgut besteht, so die Medien, in dem Wertewandel, der sich in der »Generation X« vollzogen hat: Die Familie hat zwar einen hohen Stellenwert, doch der Einfluss auf die Erziehung und Sozialisation scheint geringer als bei vorhergehenden Generationen, da traditionelle Wertsetzungen zurückgehen. Die Erfahrungen der Eltern und Großeltern scheinen, nach Meinung der Medien, nicht mehr wesentlich zur Bewältigung des Alltags beizutragen. Traditionelle Werte verlieren an Bedeutung. Für feste Werte wie materielle Sicherheit und damit verbundene Tugenden wie Fleiß, Leistung und Erfolg, scheint sich die »Generation X« nicht mehr begeistern zu können.

So wird, oberflächlich betrachtet, in den Medien durchaus ein auf Mannheims Konzept beruhender historisch-gesellschaftlicher Generationsbegriff verwendet. Doch bei den Beschreibungen wird stark verallgemeinert und reduziert. Die meisten Autoren bleiben bei den formalen Zuschreibungen und Definitionen des von ihnen als »Generation« betitelten Phänomens ungenau und nicht eindeutig. Die Artikel sind voller Lücken, Widersprüche und Unzulänglichkeiten. Auch die Voraussetzung, die aus Mannheims Generationskonzept hervorgeht, dass nämlich eine Generation immer erst ex post bestimmt werden kann, wird völlig außer Acht gelassen.

Lediglich ein Artikel in der Wochenpost verwendet den Generationsbegriff präzise im Verständnis Mannheims:

»Was also wird die 89er-Generation ausmachen? Ganz einfach: die Umbruchserfahrung. Der Zusammenbruch alter - und aller Gewißheiten und ihre fast übergangslose Ersetzung durch ein neues Wertsystem. Das macht auch deutlich, woher die 89er kommen: aus dem Osten der Republik. Oder besser gesagt: Wenn es in Zukunft eine Generation geben sollte, die den Namen die »89er« tragen wird, dann wird sie ihren Ursprung im Osten Deutschlands haben. [...] Die neue, generationsprägende »Gnade der späten Geburt« dürfte im Osten etwa die Geburtsjahrgänge von 1960 bis 1974 betreffen. Fast alle, die zur Zeit des Mauerfalls unter 30 waren, mußten miterleben, wie das, was sie gerade im Studium oder auf der Schule gelernt hatten, sich radikal entwertete - und durften miterleben, daß sie die Chance hatten, noch einmal von vorn anzufangen«31

Gürtler macht deutlich, dass es die »Generation X« bzw. die »89er« noch nicht geben kann und dass erst in einigen Jahren festgestellt werden kann, ob die Erfahrungen des Umbruchs einen prägenden Eindruck bei dieser Alterskohorte hinterlassen haben. Außerdem nimmt er bei den potenziellen Mitgliedern dieser Generation geographische Differenzierungen vor. Gürtler betont, dass der Mauerfall für die Kinder und Jugendlichen im Osten Deutschlands ein weitaus einschneidenderes und vielfältige Veränderungen mit sich bringendes Erlebnis war als für die Heranwachsenden im Westen. Für die Alterskohorte, die Gürtler im Osten als mögliche neue Generation in Betracht zieht, ist es durchaus zulässig, im Verständnis Mannheims von einem Generationszusammenhang zu sprechen.

Doch von dieser Ausnahme abgesehen, ist es meiner Meinung nach bei dem Phänomen, das die Medien als »Generation X« bezeichnen, nicht einmal zulässig, nach wissenschaftlichen Kriterien von einer Generationslagerung, geschweige denn von einem Generationszusammenhang zu sprechen. Zu unterschiedlich und zu umfangreich sind die Lebensalter, in denen diese so genannte Generation den vermeintlich prägenden Ereignissen ausgesetzt ist.

Es wird deutlich, dass die Autoren in ihren Artikeln dasjenige als eine Generation beschreiben, was in der Öffentlichkeit auch gemeinhin als »die« Jugend definiert wird. Darauf weisen zum einen die breiten Alterseinteilungen hin und zum anderen, dass alle bekannten jugendkulturellen Erscheinungsformen dieser so genannten Generation angehören sollen. Zudem werden beide Begriffe explizit in allen Artikeln nebeneinander verwendet.

Das für die Erwachsenen undurchsichtige Verhalten »der« Jugend wird dadurch, dass die Medien sie auf den gemeinsamen Nenner der Generation bringen, zu erklären versucht. Geprägt durch eine unsichere Kindheit oder den Mauerfall werden die negativen Eigenschaften, die man der »Generation X« seitens der Medien zuspricht, auch wieder entschuldigt bzw. relativiert.

Das Stereotyp von »Jugend als eine Generation« wird zur Chiffre für die Undurchsichtigkeit der Jugend. Der Generationsbegriff soll die heterogene Jugend der 1990er-Jahre zusammenschweißen.

Das Stichwort der »Generation« dient in der Öffentlichkeit als provokant genutztes Etikett, als Differenz produzierende Debattenvokabel und als multifunktionale Kategorie zur Verallgemeinerung. In dieser Verwendung hat der Begriff in den 90er-Jahren eine beachtliche Karriere gemacht.

Bei den Beschreibungen und Stellungnahmen der Medien gegenüber der »Generation X« fällt auf, dass die Autoren überwiegend dieser Generation nicht zugehörig sind, sondern z.T. sehr viel älter, und dass sie ältersmäßig wie auch ideologisch den so genannten 68ern zuzurechnen sind.

Dieser Umstand lässt die Vermutung zu, dass es sich bei dieser ganzen Debatte um einen Generationskonflikt oder einen Ablöseprozess handelt, der von den »Alt-68ern« öffentlich ausgetragen wird. Weiterhin fällt auf, dass der Begriff »Generation« unreflektiert gebraucht wird und lediglich der »Einebnung« und »Gleichmachung« einer weit gespannten Alterskohorte dient. Als Folge dessen zeichnet sich ab, dass die mediale Konstruktion der »Generation X« von der Öffentlichkeit unhinterfragt übernommen und weiter tradiert wird.

So gibt es inzwischen also neben den bereits knapp umschriebenen genealogischen-, pädagogischen- und historisch-gesellschaftlichen Generationsbegriffen auch einen Generationsbegriff der Medien- und Werbebranche, der als Etikett der Gleichmachung dient. Bei dem, was mit diesem Generationsbegriff beschrieben wird - wie etwa die »Generation X« - fällt auf, dass das »Normale« in den Medienabbildungen deutlich unterrepräsentiert ist. Das liegt zum einen daran, dass das Selbstverständliche eben nicht auffällt, zum anderen daran, dass das Bizarre und das Exzentrische marktgängiger und publikationsträchtiger ist als die weithin uninteressante, biedere Normalität. So entstehen nicht selten Bilder der Jugend, die die »Nicht-Normalität« in den Status der selbstverständlichen Normalität versetzen.

»Generation X« als Zielgruppe

Die »Jugend« wurde in den letzten 20 Jahren als Konsument zunehmend wichtiger und somit für Marketing- und Werbestrategen eine wichtige Zielgruppe. Seit den 1980er-Jahren wird es allerdings durch die bereits mehrfach angesprochene Heterogenität dieser Zielgruppe immer schwerer, sie zu »fassen«. Dies hängt eng mit der Auflösung des traditionellen Jugendsubkulturkonzeptes zusammen.

In den 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahren sind jugendkulturelle Stile oftmals mit dem Begriff der »Jugendsubkultur« beschrieben worden. Diese wissenschaftlichen Traditionen und Begrifflichkeiten wurden besonders von den Autoren gepflegt, die sich den englischen Subkulturforschern im Umkreis des Center for Contemporary Cultural Studies (CCCS), Birmingham, verbunden fühlten. Diese Forscher interessierten sich in erster Linie für die kulturellen Praxen exponierter Gruppen aus dem Arbeitermilieu wie Skinheads, Rocker oder Mods. Ihren Untersuchungen lag die Vorstellung einer hierarchisch gegliederten Klassengesellschaft zu Grunde.

Seit Mitte der 1980er-Jahre werden durch die Forcierung gesellschaftlicher Individualisierungsprozesse demgegenüber sozialstrukturelle Prämissen in Frage gestellt. Solche Prozesse implizieren einerseits eine deutliche Differenzierung der Sozialstruktur hinsichtlich der Hierarchie sozialer Schichtung und andererseits, dass soziale Ungleichheit durch die Enttraditionalisierung industriegesellschaftlicher Lebensformen in abnehmendem Maße klassenkulturell vermittelt ist. »In der Konsequenz werden subkulturelle Klassenidentitäten und -bindungen ausgedünnt und aufgelöst«32, und ständisch geprägte Sozialmilieus verlieren zunehmend an lebensweltlicher Relevanz.33

Für die Jugend haben diese Prozesse zur Folge, dass sie bei der Wahl ihres Stils und damit der Zugehörigkeit zu einer jugendkulturellen Gruppe, von ihrem Herkunftsmilieu losgelöst agieren kann, was beinhaltet, dass der Stil nicht mehr automatisch auf die »zugehörige« Klassenherkunft verweist. Diese Tatsache macht deutlich, dass ein schnelles »Erkennen« und »Zuordnen« seitens der beobachtenden Medien- und Marketingstrategen schwierig geworden ist.

Die Charakterisierung von Jugendkulturen wird heute vor allem durch den Begriff der »Szene« dargestellt. Das Strukturmerkmal dieser Sozialform ist im Gegensatz zur traditionellen Subkultur »ihre weitgehende Offenheit und Unstrukturiertheit, oft fast bis zur Grenze der Auflösung als kohärentes soziales Gebilde«34. Dabei spielt es keine Rolle, ob man Mitglied dieser Gruppe ist, also faktisch-interaktiv zum Gruppenensemble gehört oder lediglich »nominell-virtuell in den entsprechenden jugendkulturellen Rahmen involviert ist«.35

Die soziale Verbindlichkeit der Stile nimmt ab, und die Möglichkeit mehrerer paralleler »Mitgliedschaften« in verschiedenen Szenen nimmt zu. An die Stelle des durch objektive Faktoren determinierten Stils im Sinne eines sozialmilieu-bestimmten Habitus, tritt das subjektive Interesse an der spontanen Inszenierung von Andersartigkeit, das durch die Wahl aus einem vielfältigen Angebot von Stilisierungsoptionen realisiert wird.36

Wie eingangs bereits erwähnt, gibt es in den 1990er-Jahren eine kaum mehr überschaubare Pluralität von unterschiedlichen jugendkulturellen Verhaltensweisen, Einstellungen und Stilisierungen. Um dabei den Überblick nicht zu verlieren und um wenigstens für einen kurzen Augenblick die Jugend zu »fassen«, werden seitens der Werbung und der Medien Label vergeben, die zumindest eine scheinbare Beständigkeit vermitteln. Dabei wird der Begriff der »Subkultur« oder der »Jugendkultur« kaum mehr verwendet.37 Selbst bei auffälligen Jugendkulturen wie etwa die der Raver und Technos wird das Prädikat »Generation« verwendet. So kursieren in der Öffentlichkeit Begriffe wie »Technogeneration« oder »Spaßgeneration«.

Im Zuge der Individualisierung entwickelten sich jedoch die stabilen Subkulturen hin zu unverbindlichen Szenen. So ist die wichtige Zielgruppe »Jugend« unübersichtlich geworden. Das Etikett »Generation X« ist im Rahmen dieser Entwicklung nur ein Beispiel von vielen, mit dessen Hilfe die Medien und die Werbung Ordnung in die Vielfalt der Szenen und Stile bringen wollen.

Die Tatsache, dass in den Medien bestimmte Bilder von Jugend konstruiert werden, zeigt, dass die Gesellschaft neben den aufgezeigten wirtschaftlichen noch andere Interessen an ihrer Jugend hat. Im Folgenden sollen diese dargestellt werden.

Jugendbilder

Funktion von Jugendbildern
Die große Unübersichtlichkeit der Jugend wird durch die Medien noch verstärkt. In relativ kurzen Zeitabständen scheint man von dieser Seite her der Öffentlichkeit ein Bild von der Jugend schuldig zu sein. Die Medien beobachten, geben Umfragen in Auftrag und lassen in ihre Artikel unreflektiert einige Ergebnisse der aktuellen Jugendforschung mit einfließen. Situativ betrachtet, treffen sie dabei sicherlich immer einige Wahrheiten, in erster Linie produzieren sie jedoch neue Widersprüche und Pauschalisierungen, denn selten werden wissenschaftliche Ergebnisse differenziert.

In den Medien ist immer wieder zu beobachten, wie vielfältig gewonnene Aussagen der Jugendforschung medien- und konsumwirksam multipliziert und zu neuen problematischen Verallgemeinerungen sowie Schlagwörtern reduziert und zurechtgestutzt werden, die Wissenschaft somit entwertet wird.38 Diese Methode hat den Effekt, den Rezipienten einen wissenschaftlichen und damit seriösen Umgang mit dem Thema »Jugend« und »Generation« vorzutäuschen. In der Debatte um die »Generation X« stärkt etwa die scheinbare Reflexion über Mannheims Verständnis von Generationen diesen Eindruck.

Die Bilder, die der Öffentlichkeit von der Jugend geboten werden, sind im Sinne einer adäquaten repräsentativen empirischen Wiedergabe selten haltbar. Doch, dass die Medien überhaupt in stetiger Regelmäßigkeit Analysen und Stellungnahmen über die Jugend bieten, zeugt von einem intensiven Interesse seitens der Gesellschaft am Themenfeld »Jugend«. Zum einen impliziert dieses Interesse wohl die Grundannahme, dass Jugend nach wie vor als Motor des Wandels gilt, d.h. neue Strömungen wie etwa Modetrends werden zunächst in den Jugendkulturen transparent. Zum anderen, damit zusammenhängend, ist ein solches Interesse an der Jugend zugleich Anzeichen einer Sorge, die jungen Menschen könnten ihrer Gesellschaft entgleiten. Das Interesse zeigt also, dass Jugendliche nach wie vor oder wahrscheinlich mehr denn je als »Fremde im eigenen Land«39 gesehen werden, als Individuen, denen die herrschenden Normen und Werte nicht (mehr) selbstverständlich sind.

Insofern sind die seitens der Medien in Auftrag gegebenen Umfragen als demoskopisches »Ausspionieren« zu verstehen, um einem eventuellen Entfremdungsprozess zwischen der Gesellschaft und ihrer Jugend entgegenzuwirken. Die Medien betreiben, wenn auch in einer sehr reduzierten Weise, eine innergesellschaftliche Ethnologie: Es gilt, die »Fremden« genau zu beobachten.

Die durch die Medien konstruierten und verbreiteten Bilder dienen in einer Gesellschaft also der vermeintlichen Kontrolle. Jugenddebatten sowie Diagnosen und Prognosen stellen über das Themenfeld »Jugend« eine wichtige Informationsquelle dar.

Bei den in den Medien gezeichneten Jugendbildern handelt es sich in der Regel, wie die Analyse der »Generation X« gezeigt hat, nicht um einen konkreten Einblick in die Vielfalt und Differenziertheit der Jugend, sondern um ein konstruiertes Bild, das darauf ausgerichtet ist, »den verschiedensten Bedürfnissen [der Rezipienten] entgegenzukommen«40. Dieter Baacke sieht in diesem Zusammenhang in der verzerrten Realität eine Notwendigkeit, um die Geschmacks- und Moralurteile eines überwiegend bürgerlichen Publikums zu befriedigen, das sich in seiner Abwehr vom Fremden eher bestätigt sehen möchte, als sich darauf einzulassen.41

Massenmedien als integrierter Bestandteil der Alltagskultur lassen durch die von ihnen gezeichneten Jugendbilder Schlüsse auf die allgemeinen Erwartungen, die eine Gesellschaft an ihre Jugend stellt, zu, denn »aktuelle Bewußtseinsphänomene äußern sich in der massenmedialen Meinungsvermittlung«42.

Das dargestellte Bild über die »Generation X« entspricht mit all seinen Verallgemeinerungen, Verkürzungen und Polarisierungen den Erwartungen der Rezipienten, denn »der Alltag erscheint als Ort der Erfahrung, der durch eine spezifische Wahrnehmungsform, durch ein spontanes, unreflektiertes Erleben geprägt ist und besondere erfahrungsbezogene und ritualisierte Interpretations- und Verhaltensmuster kennt«.43 Zu diesen ritualisierten Verhaltensmustern gehören in diesem Zusammenhang sowohl die Wahrnehmung der Jugend als »Fremde« als auch das Bedürfnis, die nachfolgende Generation als minderwertig zu betrachten.44 So produzieren die Medien Bilder, die den in der Gesellschaft vorherrschenden entsprechen. Auf beiden Seiten wird dabei nicht differenziert. Mit anderen Worten: Schlagwörter, Etiketten, Verallgemeinerungen und Pauschalisierungen genügen den Rezipienten, um ihr bereits vorhandenes Bild über Jugend zu bestätigen und zu vervollständigen.

Dabei sorgt der Generationsbegriff, verwendet als Synonym für »die« Jugend, für die erwünschte Verallgemeinerungsfähigkeit der jungen Menschen. Denn nicht nur für die Werbung ist die Jugend nicht mehr zu »fassen«, auch die übrige Gesellschaft verliert den Überblick über ihren Nachwuchs. Der Generationsbegriff dient so der Orientierung.

Im Folgenden soll näher auf die Bilder, die eine Gesellschaft von ihrer Jugend hat, eingegangen werden.


Jugend als Motor des Wandels

Obwohl Jugend aufmerksam und kritisch beobachtet wird, gilt sie nach wie vor in einer Gesellschaft als Motor des Wandels, was sowohl Hoffnungen auf eine bessere Zukunft als auch Ängste vor Veränderungen beinhaltet. Um vor allem den Ängsten entgegenzuwirken, werden vorwiegend von den Älteren die Jugenddebatten geführt, und in diesen spiegeln sich ihre Erwartungen an die jungen Menschen wider. Immer, wenn Jugend in der öffentlichen Diskussion ist, geht es um die Perspektive der Älteren. Dieser Aspekt ist sicherlich ein Grund dafür, warum das »Normale« in den Medien nicht auftaucht. In das Blickfeld der »erwachsenen Autoren« gelangen vorwiegend auffällige und abweichende Verhaltensweisen. Damit wird einer »Exotisierung der Jugend«45 Vorschub geleistet.

Eine traditionelle Grundfigur von Jugend ist die des Hoffnungsträgers. Wünsche und Hoffnungen der Älteren werden auf die Jugend übertragen. Als Träger von Erneuerung und generellem Wandel wird Jugend Kraft ihres Alters die Hoffnung auferlegt, für eine gesicherte bzw. bessere Zukunft zu sorgen.

Eine weitere Grundfigur ist die bereits erwähnte des »Fremden«. In diesem Zusammenhang wird Jugend eher als ein feindliches Stereotyp betrachtet, dem die Älteren kein Vertrauen schenken und dessen kulturelle Neuerungen abgelehnt werden. Die »Erwachsenengesellschaft« fühlt sich durch das Verhalten der Jugendlichen bestätigt, allein legitimer Träger des kontrollierten gesellschaftlichen Wandels zu sein.

Negatives Jugendbild in den 1990er-Jahren

Gesellschaftliche Jugenddebatten und die Produktion von Jugendbildern haben Hochkonjunktur in Krisen- und Umbruchszeiten. »Im Prozeß der deutschen Einigung (ab 1989) [ist] die große Anzahl von Jugendbefragungen und Einstellungsuntersuchungen ein Indikator für die Unsicherheiten und den Vergewisserungsprozeß »der« Erwachsenengesellschaft«46. Solche Zeiten haben eine hohe Aussagekraft über das Verhältnis von Generationen. In ohnehin unsicheren Zeiten wird die Jugend noch genauer beobachtet, um sicher stellen zu können, dass sich der Wandel und der Fortschritt in die »richtige« Richtung bewegen. In der Debatte um die »Generation X« scheint die eingeschlagene Richtung den Autoren und der übrigen Gesellschaft zu missfallen. In dem Mediendiskurs jener Zeit fallen verschiedene Dinge auf:

Die Debatte wird fast ausschließlich von »Alt-68ern« geführt.

Diese Aspekte lassen erkennen, dass das Bild, das in den Medien von der »Generation X« gezeichnet wird, die eigenen Vorstellungen und inneren Prozesse der Autoren widerspiegelt. So ist es für die »Alt-68er« unvorstellbar, dass ein Ereignis wie der Umbruch 1989 keinen bleibenden Eindruck bei der (westdeutschen) Jugend hinterlassen hat. Diese Tatsache weist darauf hin, dass es umgekehrt für die Älteren von großer Bedeutung gewesen ist.

Die negative Beurteilung des Wertewandels sowie der Vorwurf der Politikverdrossenheit zeigen, dass die Verhaltensweisen der Jüngeren von den Älteren nicht nachzuvollziehen sind und abgelehnt werden. Ihre eigenen Maßstäbe und Werte in Bezug auf Politik und soziales Engagement lassen diesen Blickwinkel entstehen.

Ihren erreichten Status quo sehen die Älteren, die sich in der Gesellschaft eingerichtet haben und von ihren Integrationsangeboten (Beruf, Einkommen, soziale Stellung, Sicherheit etc.) mehr oder weniger profitieren, durch die »Generation X« in Frage gestellt und bedroht. Benno Hafeneger beschreibt den neuen Umgang mit alten Werten als einen Angriff auf die Identität der Älteren: »Der herrschenden Erwachsenengesellschaft wird angezeigt, daß sie sich ihrer Selbst (ihren Lebensverhältnissen, ihrer Institutionen und Werte [...] ) nicht mehr gewiß und sicher sein können«47. Als Folge dessen werden jegliche Eigenschaften und Verhaltensweisen der Jungen abgewertet und abgelehnt, um die eigenen aufzuwerten und so das alleinige »intellektuelle Deutungsmonopol«48 zu bestätigen. Das »Feindbild« Jugend scheint daher notwendig, um die eigene Identität zu stärken.

Das Bild der »Generation X« ist mehr der Phantasie der »Alt-68er« entsprungen als der sozialen Wirklichkeit. Doch es hat durchaus Aussagekraft über die soziale Wirklichkeit: Das negative Jugendbild spiegelt den Zustand der Gesellschaft der 1990er-Jahre wider: Eine Zeit der Umbrüche und der Veränderungen, nicht nur in Bezug auf den Mauerfall. Allgemein unterliegen moderne Gesellschaften einem immer schneller werdenden Wandel. Eine Tatsache, die in der Gesellschaft Unsicherheit und Orientierungslosigkeit hervorruft. So werden die Jungen mit ihren neuen Einstellungen und Verhaltensweisen als eine zusätzliche Bedrohung empfunden und deshalb abgelehnt. Bei Ulrich Greiner wird deutlich, dass er die »Generation X« sowohl beruflich als auch ideologisch regelrecht als Konkurrenz betrachtet. Er hat Angst um die politische- und kulturelle Vormachtstellung der 68er. Um diese Ablehnung begründen zu können, zeichnet man das Bild der Jugend so, dass es den eigenen Vorstellungen und der eigenen Logik entspricht.

Generationskonflikte und Ablösungsprozesse werden nicht mehr traditionell zwischen Eltern und Kindern ausgetragen, sondern kollektiv über die Medien. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Label wie »Generation X« oder »89er« weit mehr über ihre Erfinder aussagen, als über die, die damit gemeint sind.

Solchen Schlagwörtern konnte sich die Jugend in den 1990er-Jahren kaum entziehen, doch bereits nach wenigen Jahren hatten sich diese Begriffe erledigt und wurde von neuen generalisierenden Fremdzuschreibungen abgelöst: In Anlehnung an einen Werbeslogan der Automarke VW Golf bringt Florian Illies mit seinem gleichnamigen Roman für die 20 bis 30-Jährigen das Etikett »Generation Golf«49 in die öffentliche Diskussion. Im selben Jahr trägt eine Ausgabe des Spiegels den Titel »Generation Ich«50 und beschreibt die nun älter gewordenen »Xer« als ehrgeizig und erfolgreich.

Zusammenfassung

Zu Beginn der Untersuchung ist deutlich geworden, dass der Begriff »Generation X« seinen Ursprung in den USA hat. 1991 veröffentlicht Douglas Coupland den Roman Generation X und verstärkt damit den amerikanischen Mediendiskurs über eine neue Generation. Etiketten für die etwa zwischen 1960 und 1970 geborenen Amerikaner werden kreiert und wieder verworfen. Allgemein setzt sich für diese Alterskohorte der Terminus »Generation X« durch. Laut Medienberichten verbergen sich dahinter Jugendliche, die sich auf dem Rückzug aus der Gesellschaft befinden. Die amerikanische »Generation X« zeichnet sich durch eine bewusste Verweigerungshaltung gegenüber der dominierenden Ideologie aus. Ihren Ausdruck findet diese Haltung u.a. in der Mode, die durch Ursprünglichkeit und Einfachheit gekennzeichnet ist und in der Musik, einem gefühlvollen Gitarrenrock mit Texten, die sich gegen das herrschende System richten, der so genannte Grunge. Die Grunger beherrschen, als typische Vertreter dieser Generation, die amerikanischen Medienberichte. Somit meint der Begriff »Generation X« in den USA eine konkrete Gruppe, die sich durch spezifische Merkmale auszeichnet und ist daher gleichzusetzen mit dem Ausdruck »Jugend(sub)kultur«. Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte ist die Verwendung des »Terminus« Generation nach wissenschaftlichen Kriterien nicht gerechtfertigt und daher irreführend.

Durch den internationalen Erfolg von Couplands Roman gelangt der Begriff »Generation X« nach Deutschland, wo er sich neben dem Terminus »89er«, der 1994 von Ulrich Greiner geschaffen wird, ebenfalls als Bezeichnung für eine neue Generation in den Medien durchsetzt. Anders als in den USA ist in Deutschland mit dem Begriff »Generation X« keine bestimmte Gruppe gemeint. Vielmehr steht er allgemein für »die« Jugend der 1990-Jahre mit all ihren kulturellen Ausdrucksformen. Ein weiterer Unterschied zu den USA besteht darin, dass die Medien in Deutschland die Verwendung des Terminus »Generation« reflektieren. In nahezu allen analysierten Zeitungsartikeln wird deutlich auf einen qualitativen Generationsbegriff im Verständnis Mannheims hingewiesen oder es wird gar explizit auf sein Generationskonzept Bezug benommen.

Danach bildet sich eine Generation nicht allein aufgrund der Nähe der Geburtsjahrgänge (Generationslagerung), sondern vielmehr aufgrund der kollektiv erlebten Zeit. So können Ereignisse dieser Zeit für die Individuen besonders prägend sein und so zu einem Generationszusammenhang führen. Durch die subjektive Interpretation der gemeinsam erlebten Ereignisse können sich innerhalb eines Generationszusammenhanges mehrere polare Generationseinheiten bilden. Bei der weiteren Untersuchung ist jedoch deutlich geworden, dass Mannheims Generationskonzept in den Medien zwar erwähnt, aber nur unzureichend umgesetzt wird. Die Alterskohorte, die die »Generation X« ausmachen soll, variiert in den einzelnen Artikeln sehr stark. Es wird betont, dass in dieser Generation ein neuer Zugang zum akkumulierten Kulturgut zu erkennen ist, doch in der Frage, wie sich dieser äußert, besteht keine Einigkeit. Die Zuschreibungen seitens der Medien sind stark verallgemeinert, pauschalisiert und polarisiert. Bei der Beschreibung der »Generation X« verstricken sich die Medien in Widersprüche und Unzulänglichkeiten. Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien werden medienwirksam multipliziert und zu neuen Schlagwörtern reduziert.

Die analysierten Zeitungsartikel stellen nach wissenschaftlichen Kriterien nicht einmal eine Generationslagerung, geschweige denn einen Generationszusammenhang vor, sondern geben einen sehr reduzierten Einblick in das Leben junger Menschen in Deutschland in den 1990er-Jahren. Der Generationsbegriff wird lediglich als multifunktionale Vokabel zur Verallgemeinerung verwendet und hat in diesem Zusammenhang in den 90er-Jahren eine beachtliche Karriere gemacht.

Neben dem genealogischen-, pädagogischen- und historisch-gesellschaft-lichen Generationsbegriff existiert seit dieser Zeit zudem ein Generations-begriff der Medien- und Werbebranche, der als Etikett der Gleichmachung dient. Möglich wurde die Karriere eines medialen Generationsbegrif-fes, der die Aufgabe hat, eine möglichst große Anzahl von Jugendlichen un-ter ihm zu vereinen, durch die ständig zunehmende Heterogenität der Jugend.

Seit etwa den 1980er-Jahren lösen sich jugendliche Subkulturen, die auf ihre sozialen Herkunftsmilieus bezogen sind, mehr und mehr auf. An ihre Stelle treten offene, unstrukturierte Szenen. Dadurch wird Außenstehenden ein schnelles »Erkennen« und »Zuordnen« jugendkultureller Ausprägungen deutlich erschwert und der Unübersichtlichkeit der Jugend somit Vorschub geleistet.

Nicht nur die Medien- und Werbebranche benötigt aus diesen Gründen einen Begriff, der es ermöglicht, die unüberschaubare Pluralität jugendlicher Verhaltensweisen und Erscheinungsbildern zu vereinnahmen, auch die übrige Gesellschaft hat das Bedürfnis, ihre Jugend zu orten.

Den Medien kommt dabei die Aufgabe zu, die ohnehin in einer Gesellschaft bestehenden Jugendbilder zu aktualisieren und zu vervollständigen. Dabei verlangt die Öffentlichkeit keinen präzisen Einblick in die Vielfalt und Differenziertheit der Jugend, sondern lediglich Pauschalisierungen, die sie in ihrer Meinung bestärken, der Jugend kritisch gegenüber zu treten.

Der Generationsbegriff setzt so der Individualisierung von Lebensläufen ein Gemeinschaftstopos entgegen. Jugend wird mit Etikettierungen, Formeln sowie Bildern versehen und zu einem gesellschaftlichen (positiven oder negativen) Leitbild verallgemeinert. Am Themenfeld »Jugend« besteht reges Interesse, da sie nach wie vor als Motor des Wandels gilt. Allerdings, wie die Analyse der Medien deutlich gemacht hat, wollen die Älteren die Richtung des Wandels bestimmen. Bei allen Fremdzuschreibungen der Jugend spiegeln sich stets die Vorstellungen, Wünsche und Ängste der Erwachsenen wider. So sagen Schlagwörter wie »Generation X« oder »89er« weit mehr über ihre Erfinder aus, als über die, die damit gemeint sind.

So vage die Definitionen von Generationen auch daher kommen, so vielseitig erscheint der Generationsbegriff, wenn er auf seine Einsatzmöglichkeiten hin untersucht wird. Deshalb stellt sich die Frage, ob der inflationäre Gebrauch dieses Begriffes nicht letzten Endes auf ein verschwinden von Generationen in Mannheims Verständnis hindeutet? Ich denke, dass das nicht der Fall ist und dass Mannheims Generationskonzept nach wie vor Gültigkeit besitzt. Lediglich die Abfolge von Generationen hat sich in den letzten 20 Jahren proportional zur steigenden Dynamik des gesellschaftlichen Wandels verkürzt.

Die rasanten Veränderungen der Lebensverhältnisse lassen immer neue, von den vorangegangenen sich unterscheidende Generationen in Erscheinung treten. Bei den Prägungen dieser Generationen geht es nicht mehr um Kriege oder ökonomische Krisen, sondern vor allem um technische Innovationen: Der Generation von Kindern, die mit dem Fernseher aufgewachsen sind, folgt eine Generation, für die Personal Computer, Kabelfernsehen und Handys zum Alltag gehören.

Mannheims Generationsbegriff eignet sich im Rahmen einer empirischen Studie nach wie vor dazu, aufzuzeigen, wie sich der gesellschaftliche Wandel auf das Verständnis und Verhalten der Individuen auswirkt.

Mit seinem inflationären Gebrauch in den Medien wächst jedoch die Gefahr, zu einem »Allerweltsbegriff« zu verkommen, der für alles herhalten muss, was im weitesten Sinne mit Jugendkultur zu hat. Durch die steigende Verwendung des Begriffes in diesem Kontext, vergrößert sich die Distanz zwischen den Generationen, Unterschiede werden aufgezählt und Vorurteilen somit der Weg geebnet.


1 Vgl. Heinz Bude: Das Altern einer Generation. Die Jahrgänge 1938 bis 1948. Frankfurt a.M. 1995, S. 42.

2 Die Bezeichnung »68er-Generation« hat sich etwa zu Beginn der 1980er-Jahre eingebürgert. Ein Grund war sicherlich die Entstehung der so genannten »Neuen sozialen Bewegung« Anfang der 1980er-Jahre. Der aufkommende Unterscheidungsbedarf musste seinen Ausdruck finden.

3 Karl Mannheim: Das Problem der Generationen (1928). In: Kurt H. Wolff (Hg.): Karl Mannheim - Wissenssoziologie. Auswahl aus dem Werk. Berlin 1970, S. 509-565.

4 Vgl. zum Folgenden François Höpflinger: Generationsfrage - Konzepte, theoretische Ansätze und Beobachtungen in späteren Lebensphasen. Lausanne 1999, S. 13.

5 Mannheim, wie Anm. 3, S. 514.

6 Wilhelm Pinder: Das Problem der Generation in der Kunstgeschichte Europas. München 1926, S. 33.

7 Mannheim, wie Anm. 3, S. 543.

8 Ebd., S. 544.

9 Marianne Wellershoff: Der Mensch als Diskette. In: Spiegel, 25/1995, S. 174-177.

10 Vgl. Michael Porsche: Alternative Nation? Die »Generation X« in der amerikanischen Gegenwartsliteratur. Paderborn 1997, S. 4.

11 Vgl. Charles Hamblett/Jane Deverson: Generation X. London 1964.

12 Vgl. Claus Leggewie: Die 89er. Portrait einer Generation. Hamburg 1995, S. 78.

13Vgl. Douglas Rushkoff: The Gen X Reader. New York 1994, S. 23.

14 Jeff Giles: Generalization X. In: Newsweek, 06.06.1994, S. 62.

15 In Anlehnung an die klassische »lost generation« der 1920er-Jahre. Ein Begriff, der von der Schriftstellerin Gertrude Stein zum ersten Mal verwendet und von Ernest Hemingway, als einen der prominentesten Vertreter, aufgegriffen wird. Laut Howe u.a. weist die damalige gesellschaftliche Situation der zwischen 1883 und 1900 Geborenen markante Ähnlichkeiten mit der jungen Generation der 1990er-Jahre auf. Vgl. Neil Howe u.a.: 13TH Gen: Abort, Retry, Ignore, Fail? New York 1993, S. 13.

16 Jason Cohen/Michael Krugman: Generation Ecch! The Blacklash Starts Here. New York 1994.

17 Douglas Coupland kreiert in seinem Roman allerlei Neologismen, durch die er die »Generation X« zu beschreiben versucht.

18 Der Begriff »die 89er« wird zum ersten Mal in einem Artikel von Ulrich Greiner in: Die Zeit, 38/1994, S. 68, verwendet. Der Politologe Claus Leggewie greift ihn 1995 für sein gleichnamiges Buch auf.

19 Anonym: Die Yeti-Jugend. In: Stern, 36/1994, S. 197.

20 Zitiert nach Cordt Schnibben: Eine heikle Zielgruppe. In: Spiegel, 38/1994, S. 60.

21 Claudius Seidl: Versager beißen zurück. In: Spiegel, 30/1994, S. 150.

22 Thomas Hüetlin: Zielgruppe. In: Spiegel special, 11/1994, S. 80.

23 Frank Sieren: Die Undurchsichtigen. In: Süddeutsche Zeitung, 21.02.1995, S. 11.

24 Warnfried Dettling: Die Achtundsechziger und die Neunundachziger. In: Die Zeit, 15/1995, S. 29. Bereits in den 1950er-Jahren wurde die deutsche Jugend als eine >skeptische Generation< beschrieben, vgl. Helmut Schelsky: Die skeptische Generation. Düsseldorf 1957.

25 Detlef Gürtler: Die neue Generation. In: Die Wochenpost, 45/1995, S. 40.

26 Matthias Horx: Trendbüro. Der erste große deutsche Trendreport. Düsseldorf 1993, S. 103.

27 Frank Schüre: Generation @. In: Die Zeit, 37/1997, S. 79. Horst Opaschowski: Von der Generation X zur Generation @. In: Das Parlament, 4/1999. S. 10-16.

28 Greiner, wie Anm. 18, S. 68.

29 Ebd.

30 Ebd.

31 Detlef Gürtler: Die neue Generation. In: Wochenpost, 43/1995, S. 40.

32 Ulrich Beck: Risikogesellschaft auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a.M. 1986, S. 122.

33 Diese Darstellung eines »Kapitalismus ohne Klassen« (ebd., S. 121) trifft nicht auf alle Industriegesellschaften in gleichem Maße zu: »So ist in Großbritannien die soziale Klassenzugehörigkeit nach wie vor auch in Alltag deutlich wahrnehmbar und Objekt bewußter Identifikation« (ebd., S. 121f.).

34 Gerhard Schulze: Spontangruppen der Jugend. In: Manfred Martefka (Hg.): Handbuch der Familien und Jugendforschung. Bd.2, Neuwied 1989, S. 553-570, hier S. 557.

35 Waldemar Vogelsang: Jugend und Medienkulturen. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 46 (1994), S. 464-491, hier S. 468.

36 So kommen auch die Autoren der 12. Shell-Studie zu folgendem Ergebnis: »[...D]ie Jugendlichen verweigern die Forderung, mit der Entscheidung für einen bestimmten Stil, gleichzeitig die Absage an andere Stile zu verbinden und praktizieren nicht selten mehrere Stile parallel oder in rascher Folge« (Fischer/Münchmeier: Die gesellschaftliche Krise hat die Jugend erreicht. In: Jugendwerk der deutschen Shell (Hg.): Jugend '97. Opladen 1997, S. 20.

37 Wenn der Begriff »Jugendkultur« in den Medien verwendet wird, dann genauso unreflektiert wie derjenige der »Generation«. Alexander Belser hat darauf im Zusammenhang mit dem medial konstruierten Bild von Ravekultur hingewiesen. Alexander Belser: X-sample love parade. Kultur wissenschaftliche Beobachtung zu Techno, Pop und Rave. Hamburg 1999.

38 Diesen Sachverhalt der Verallgemeinerungen seitens der Medien behandeln in einzelnen Analysen einige Autoren des Sammelbandes Kursbuch Jugendkultur. Stile, Szenen und Identitäten vor der Jahrtausendwende; vgl. SPoKK (Hg.), 1997.

39 Bernd Dewe: Jugendkulturen, Lebenskonstruktionen und soziale Deutungsmuster. In: Wilfried Ferchhoff (Hg.): Jugendkulturen - Faszination und Ambivalenz. Weinheim 1995, S. 134.

40 Reinhold Krämer: Massenmedien und Wirklichkeit. Hamburg 1986, S. 100.

41 Dieter Baacke: Jugend und Jugendkulturen. Darstellung und Deutung. Weinheim 1993, S. 98.

42 Helge Gerndt: Studienskript Volkskunde. Münster 1997, S. 142.

43 Carola Lipp: Alltagsforschung im Grenzbereich von Volkskunde, Soziologie und Geschichte. In: Zeitschrift für Volkskunde 89 (1993), S. 1-33, hier S. 3.

44 Eckart Britsch macht auf dieses Phänomen aufmerksam, indem er Ingeborg Bachmann zitiert: »Jede Jugend ist die dümmste, die es je gegeben hat«. Eckart Britsch: Jede Jugend ist die dümmste. In: Kursbuch 121. Der Generationenbruch. Berlin 1995, S. 131-143, hier S. 139. Dass es sich dabei um ein Phänomen handelt, das vermutlich so alt wie die Menschheit ist, wird deutlich, wenn man sich Kommentare aus vergangenen Zeiten vor Augen führt: So urteilte etwa Hans Malchow im Sonntagsblatt über die so genannte »Beatgeneration«, dass die Beatbegeisterung eine schon von den Menschenaffen her bekannte »soziale Hordenreaktion« sei. Hans Malchow: Schauer im Rücken und Schreie im Mund. In: Sonntagsblatt, 28/1966, S. 15.

45 Hans-Jürgen Wirth: Die Schöpfung der Sinne. Jugendprotest als persönliche und gesellschaftliche Chance. Frankfurt a.M. 1984, S. 187.

46 Benno Hafeneger: Jugendbilder. Zwischen Hoffnung, Kontrolle, Erziehung und Dialog. Opladen 1995, S. 15.

47 Ebd., S. 117.

48 Greiner, wie Anm. 18, S. 68.

49 Florian Illies: Generation Golf. Eine Inspektion. Berlin 2000.

50 Generation Ich. In: Spiegel, 21/2000.

 

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