E-Voting in der Kritik: Übungsabbruch nach Abstimmungspanne?

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play E-Voting: Bislang nur für Auslandschweizer (sda)

Ein Auslandschweizer konnte seine elektronische Stimme im Kanton Luzern zweimal abgeben. Eine unerhebliche Panne oder ein Grund, das Experiment «Vote électronique», wie von der Piratenpartei gefordert, abzubrechen?

«Erfolgreiche Versuche mit Vote électronique in zwölf Kantonen» betitelte die Bundeskanzlei ein Communiqué zum zurückliegenden Abstimmungswochenende, an dem knapp 20'000 Auslandschweizer ihre Stimme elektronisch eingelegt haben. Erfolgreich? Für Piratenpartei-Chef Denis Simonet mitnichten.

«Gemäss Meldung der Bundesverwaltung wurden grosse Schwachstellen am E-Voting-System des Kantons Genf aufgedeckt», stellt er fest. Die entsprechende Passage findet sich in der Medienmitteilung ganz unten. Ein im Kanton Luzern stimmberechtigter Auslandschweizer «konnte seine Stimme unbeabsichtigt zweimal abgeben», heisst es dort. «Dies wurde vom Genfer Monitoringsystem sofort erkannt und professionell behoben.»

Quellcode vielleicht bald öffentlich

Für Simonet ist die Geschichte damit nicht erledigt. In einem von unter anderem vier Natonalräten mitunterzeichneten Brief fordert die Piratenpartei die «sofortige Beendigung dieser Experimente» und die Veröffentlichung des Quellcodes der E-Voting-Software.

Denn ohne diesen sei es unmöglich, das Ausmass der Probleme abzuschätzen, sagt der Informatiker. Komplett abgeneigt ist die Bundeskanzlei diesem Anliegen nicht. Über die Möglichkeit einer Offenlegung werde zurzeit diskutiert, teilt sie mit. Dies wäre ihrer Ansicht nach aber «primär eine vertrauensbildende Massnahme».

«Den gesamten Abstimmungsprozess offenlegen»

Eine noch weiter führende und auch von Simonets Piraten erhobene Forderung stellt Eric Dubuis vom «Swiss E-Voting Competence Center». Der Berner Informatikprofessor will, dass der gesamte elektronische Abstimmungsprozess anomymisiert offengelegt wird. «Ähnlich wie in einem Wahlbüro könnte man dann beobachen, ob es zu irregulären Eingriffen wie beispielsweise dem Entfernen von Stimmen kommt.»

Den in Genf vorgenommenen Eingriff beurteilt er zwiespältig.

«Einerseits ist es gut, dass der Fehler angezeigt und behoben wurde», so Dubuis. Anderseits müsse man sich in diesem Fall aber auf die Gewissenhaftigkeit der Mitarbeiter verlassen können, was ja nicht in jedem Land der Fall sei. «Eine Manipulation sollte in einem idealen System also gar nicht möglich sein», folgert er.

Dass in dem Gebiet noch Forschungsbedarf besteht, hat die Panne vom vergangenen Sonntag deutlich gezeigt. Beim Bund will man denn auch nichts überstürzen: «Vote électronique soll langfristig für alle Stimmberechtigten als dritter, komplementärer Stimmkanal eingeführt werden», so die Bundeskanzlei. Es sei aber eine schrittweise Ausdehnung geplant und es gelte das Motto «Sicherheit vor Tempo».

Alle Kommentare (2)

  • Eisenring  Elias , Egg b. Zürich
    Fur mich ist der Skandal, dass Vote électronique nicht schon längst möglich ist. Vermutlich hat die Politik angst, dass da vollig neue, unberechenbare Wähler mit einem einfachen Mausklick entscheiden.
    • 15.03.2012
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  • Ras al  Ghul , Kreuzlingen
    wäre super wenn das e voting irgendwann standard ist. dann stimmen auch mehr junge schweizer ab!
    • 15.03.2012
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