Zeitschrift: Tsiganologische Studien

Von 1984 bis 1986 erschien die tsiganologische Zeitschrift in der ersten Folge unter dem Namen: Gießener Hefte für Tsiganologie im Focus-Verlag mit 12 Nummern, herausgegeben von Reimer Gronemeyer und Mark Münzel.

Seit 1996 erscheint die Zeitschrift in der zweiten Folge unter dem Namen: Tsiganologische Studien am Institut für Soziologie. Sie wird herausgegeben von Reimer Gronemeyer und Georgia A. Rakelmann.

Die Zeitschrift ist einem interessierten und reflexiven Umgang mit tsiganologischen Themen verpflichtet, nicht jedoch politisch oder weltanschaulich gebunden.
Sie veröffentlicht Texte von Fachleuten, Laien und Literaten aus universitären und außeruniversitären Bereichen zu einem breiten Spektrum tsiganologischer Themen, die Geschichte, Ethnosoziologie und Sozialpolitik, sowie Literatur und Literaturbesprechungen aber auch Länderberichte und Interviews umfassen.

Zur Geschichte der Minderheit bringt die Zeitschrift immer wieder auch kleine Quellenfunde und exemplarische Perspektiven - bilden doch die Informationen zur Geschichte der Zigeuner in Europa bislang erst einen Flickenteppich, in dessen Muster zwar deutlich die Blutspur abgezeichnet ist, mit der die Mehrheit die gemeinsame Geschichte immer wieder gestaltet hat, aber gleichzeitig wird auch die kulturelle Eigenständigkeit und Alternative der Minderheitskultur erkennbar. Bislang sind noch längst nicht alle möglichen Quellen in Stadt-, Bezirks- und Zentralarchiven, ganz zu schweigen von privaten Quellen zur Alltagsgeschichte im Hinblick auf die Minderheit ausgewertet, obgleich von Institutionen und Einzelpersonen seit bald 20 Jahren, seitdem die Fragen in die Aufmerksamkeit geisteswissenschaftlicher Forschung gerückt sind, immer mehr Informationen zusammengetragen werden.
Das gilt auch für die jüngste Vergangenheit, die nationalsozialistische Zigeunerverfolgung. Über die Spuren der Ermordeten und Verfolgten ist noch lange nicht ausführlich und umfassend genug gearbeitet worden.
Was die sozial- und kulturwissenschaftlichen Themen und den öffentlichen/medialen Diskurs anbetrifft, so ist die Zeitschrift bemüht, in Anlehnung an die eher ethnosoziologisch ausgerichtete französische und englische Tsiganologie, das Spektrum der Zugangsweisen über den sozialpädagogischen und entwicklungspolitischen Zugang hinaus zu erweitern.

Die erste Folge der Zeitschrift bildete in gewisser Weise eine Brücke zwischen ost- und westeuropäischen Diskursen über die Minderheit. Noch zu Zeiten der Blockbildung druckte sie zahlreiche Beiträge osteuropäischer Autoren. Für manche von ihnen bot die Beschäftigung mit dem Zigeunerthema eine Möglichkeit, eine an sozialen Fragen orientierte Kritik an den Verhältnissen in ihrem Land zu formulieren. Die Veröffentlichung in einer westeuropäischen Zeitschrift wurde von den Autoren gerne gesucht, um Informationen und Perspektiven auszutauschen.
Die zweite Folge der Zeitschrift steht mehr unter dem Zeichen, das Interesse an den Fragen auch nach dem Erodieren des medialen Zigeunerbooms in den 70er und frühen 80er Jahren in pluraler Weise aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig hat sich die Struktur der zigeunerischen Bevölkerung in der Bundesrepublik in den letzten Jahren seit der Auflösung der Blöcke stark gewandelt. Die politischen Organisationen der Sinti blicken inzwischen auf eine fast zwei Jahrzehnte währende Arbeit zurück, Organisationen der Roma gestalten den öffentlichen Diskurs unüberhörbar mit.
Die Tsiganologischen Studien haben inzwischen haben inzwischen ein stärkeres Gewicht auf der literarischen Produktion von Angehörigen der Minderheit: Wir freuen uns, unseren Lesern Autoren und Poeten, die Romanes oder in der Landessprache schreiben, vorstellen zu können.
Wir laden zu Einsendung von Texten ein.