Dass die Menschen ihre Häuser nachträglich isolieren, freut Spatzen, Spechte und Stare. Sie bauen sich Nester in den Dämmschichten.
So ein Höhlennest ist einfach zu bauen und kann bei Bedarf jederzeit problemlos erweitert werden. Zunächst hacken Spechte ein Loch in den Putz, rupfen dann den Dämmstoff aus der Fassade und ziehen ein.
Bevor die kleinen Löcher zu Folgeschäden führen, müssen sie gut verschlossen werden. Eine Aufgabe für Fassadenkletterer mit Handwerkerausbildung.
Die Vogelhöhle wird mit Mineralwolle verfüllt, das fehlende Stück Dämmschicht samt Putz ersetzt. Das Reparaturstück wird exakt eingepasst und sorgfältig versiegelt.
Fassadenkletterer wie Nico Plath haben längst Routine in Spechtlochsanierung. Seiner Erfahrung nach machen die Vögel keinen Unterschied zwischen einfach verputzten Wänden und solchen mit einer Lage Schmucksteinen, den sogenannten Klinkerriemchen.
Die Klinkerriemchen werden auf die eigentliche Dämmschicht geklebt. Doch nicht nur Spechte machen solche Wärmeverbundsysteme kaputt.
Mit der Wärmedämmung an diesem Gebäude stimmt etwas nicht. Der Hausbesitzer sägt ein Stück heraus, um festzustellen was. Die Vermutung: Hier ist Wasser eingedrungen.
2005 hatte die Eigentümergemeinschaft die Giebelwand dieses Hauses mit Dämmplatten in Rotklinkeroptik verkleiden lassen. Nun ist die Wand ein Fall für den Baugutachter Konrad Fischer (links). Hausherr Herbert Villmann ist geschockt (rechts).
Obwohl es lange nicht geregnet hat, hat sich die Dämmschicht wie ein Schwamm vollgesogen. Und nicht nur das: Sie ist auch mit Schwarzschimmel befallen. Konrad Fischer befürchtet, dass die gesamte Dämmwand betroffen ist.
Konrad Fischer ist bundesweit als scharfer Kritiker der Wärmedämmverbundsysteme bekannt. Fischers Überzeugung lautet grundsätzlich: Lieber keine Dämmung als eine feuchte - man versuche ja auch nicht, sich mit einem nassen Pulli vor Kälte zu schützen. Zudem erhöhe die Feuchtigkeit das Risiko von Bauschäden.
Fischer vertritt unter Experten eine Minderheitsmeinung. Die meisten Sachverständigen halten Wärmedämmverbundsysteme für sinnvoll. Energieberater Frank Hessing ist überzeugt: Korrekt ausgeführt, sparen diese Systeme Heizkosten.
"Bundesweit werden jedes Jahr viele Millionen Quadratmeter ausgeführt und davon gibt es nur bei einem kleinen Prozentsatz Schäden", sagt Frank Hessing. "Aber die können dann eben auch dementsprechend dramatisch sein."
Von solchen Schäden betroffen sind nicht nur Dämmschichten aus Polystyrol, sondern auch Mineralstoff-Isolierungen.
Die Feuchtigkeit hat bei diesem Wohnkomplex offenbar die Bausubstanz angegriffen.
"Die hohen Feuchten, die hier stattgefunden haben, haben schon dazu geführt, dass der Betonträger korrodiert. Es findet also eine Korrosion in der Baukonstruktion selbst statt."