Gegen Sexismus und Homophobie

Für viele beziehen sich die Probleme von Diskriminierung und Chauvinismus nur auf das Thema Rassismus (Auch wenn es natürlich äußerst positiv ist, dass für diese Thematik inzwischen Problembewusstsein vorhanden ist). Dabei wird gerne ausgeblendet, dass es genauso wenig akzeptabel ist, wenn Personen aufgrund von Behinderungen, sozialen Aspekten, Ethnizität, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung benachteiligt werden. All dies sollte keine Rolle spielen, wenn jemand die Farben von Bayern München im Herzen trägt (und sonst natürlich auch nicht!) Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es in unserem Kontext – dem Fußball allgemein und auch den Fankurven speziell – eine Menge Nachholbedarf bei der Arbeit gegen Sexismus und Homophobie gibt. Ihr haltet das alles für übertrieben? Lest Euch die folgenden Zeilen mal genauer durch ...

 

 
Vom 12. Mann und warum der auch eine Frau sein kann!
Die Fans sind der 12. Mann und wir „sind alle Münchner Jungs“ heißt es immer so schön. Nur wird damit ignoriert, dass in der Fankurve auch Frauen und Mädels stehen. Haarspalterei werden sich jetzt viele denken und hätten eigentlich recht, wenn diese eigentlich nur so dahergesagten Aussprüche nicht in einem Zusammenhang stehen würden. Das Bild vom männlichen Fußballfan ist tief verwurzelt und die Fans tun oftmals alles, um das Klischee vom sexistischen, saufenden und prolligen Fußballfan zu erfüllen.

Natürlich stehen in den Kurven mehr Männer als Frauen. Die einzige Erklärung hierfür sind aber geschlechterspezifische Rollen, die uns die Gesellschaft aufzwängt. Die Frau gehört an den Herd und nicht ins Fußballstadion – Relikte einer vergangenen Zeit? Nein, leider Realität. Kommen Euch diese Sprüche bekannt vor? "Fußball ist Männersache", oder "Frauen haben vom Fußball ja eh keine Ahnung". Aussprüche die auf das beschriebene Rollenverständnis hindeuten und nicht logisch zu begründen sind.

Viele Männer nutzen den Fußball, um spätpubertäre Phantasien auszuleben und ein überholtes Männlichkeitsbild zu pflegen. Daraus erklärt sich auch die im Fußball nicht nur in den Kurven weit verbreitete Homophobie. Frauen werden in dieser Welt höchstens als störende Anhängsel oder Sexobjekt („zieh dich aus kleine Maus...“) akzeptiert. Natürlich sind Frauen in den Stadien und in den Kurven unterrepräsentiert. Dies aber mit überholten Geschlechterklischees zu erklären ist nicht akzeptabel. Vielmehr muss man sich fragen, ob nicht gerade diese gelebten Klischees und das daraus resultierende Klima Frauen von den Stadien und Fankurven fernhält.

Natürlich kommen viele Frauen nur wegen den Spielern und nicht des Vereins oder des Sports wegen. Doch das tun Männer genauso. Ein Thema für sich, unabhängig von der Geschlechterfrage und kein Argument, das hier zählen darf.

Wir sehen unsere Gruppe, die Schickeria, auch als einen Versuch an, Dinge die in der Gesellschaft schief laufen in unserem Mikrokosmos Gruppe besser zu machen. Die Frage, ob jemand ein "guter" Ultrà ist, ist für uns keine Frage des Geschlechtes, sondern des Engagements und der Persönlichkeit. Deswegen haben wir als Gruppe den Anspruch und das Ziel, jede Form von Diskriminierung – auch die von Frauen – abzubauen. Gleichzeitig wollen wir auch das typische Bild vom männlichen Fußballfan aus den Köpfen entfernen! Diese Ziele wollen wir erst in der Gruppe und dann in der Kurve erreichen. Dass das ein langer Weg ist, ist klar. Dafür muss man aber einen ersten Schritt machen.

FUSSBALL IST AUCH FRAUENSACHE!


 

 SMASH HOMOPHOBIA!
„Schwuler, Schwuler“ schreit die ganze Kurve dem gegnerischen Torwart entgegen....

„Oida was soll das jetzt, müssen wir jetzt überkorrekt werden? Das ist doch nicht diskriminierend gemeint. Ist halt so nen Spruch. Das ist Umgangssprache.“ Mag sein, dass der Einzelne dabei kein Hintergedanke hat. Gerade dann sollte er sich aber die Zeit nehmen und sich ein paar Gedanken zu der Thematik machen. Die umgangssprachliche Bezeichnung für Homosexuelle als Schimpfwort zu benutzen, wenn man jemanden niedermachen mag, ist aber gerade für diejenigen, die homosexuell sind (was ihr gutes Recht ist!), schlichtweg äußerst verletzend. Und damit werden diese Beleidigungen, die sich zwar nicht direkt gegen sie richten, ihre sexuelle Orientierung aber zu etwas Negativem machen, mit dem man jemanden beleidigen kann, zu einem Baustein eines Klimas, das feindselig gegenüber homosexuellen Menschen ist. Oder habt Ihr Euch schon mal gefragt, warum sich sonst kaum Fans outen, geschweige denn ein Spieler? Gerade die Spieler sind ein hervorragendes Beispiel dafür, das homophobe Klima im Fußballsport – und wir reden hier ausdrücklich nicht nur von den Fankurven – zu beschreiben. Man braucht sich nur mal ausmalen, was für eine Spießrutenlauf ein sich offen bekennender homosexueller Spieler durchmachen müsste. Angefangen bei den „eigene Fans“, die seine Leistung „besonders unter die Lupe nehmen“ würden, den Berichterstattern von Funk und Fernsehen, den Boulevard-Blättern, den eigenen Mitspielern und den Gegnern, den Schiedsrichtern und natürlich den gegnerischen Fans. Nur ein kleines Gedankenspiel, das aber hoffentlich zum Nachdenken anregt.
Nur ein kleiner Schritt für Dich, aber wieder ein erster Schritt.



Chicas – was ist das?

In Verbindung mit der Schickeria München hört man oftmals den Namen „Chicas“. Weil viele damit aber nicht wirklich etwas anfangen können, möchten wir uns an dieser Stelle an einer Erklärung versuchen.
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Chicas alle weiblichen Mitglieder der Schickeria München sind. Wenn sich ein Mädel neu bei der Schickeria anmeldet, ist sie also automatisch eine Chica.
Dabei muss aber unbedingt erwähnt werden, dass die Chicas keine eigene Gruppe sind, sondern sich als vollwertige Mitglieder der Schickeria verstehen. Sie bilden nur insofern eine Gruppe, als sie eben Mädels sind. Genau so gut könnte man aber auch alle Brillenträger, alle Linkshänder oder alle Braunhaarigen der Gruppe zusammenfassen. Im Fall Chicas ist es eben das Geschlecht.
Jetzt kann man natürlich darüber diskutieren, inwieweit es sinnvoll ist, den weiblichen Mitgliedern den Sonderstatus eines eigenen Namens zu gewähren. Widerspricht diese Tatsache nicht dem Grundsatz, dass es in der Gruppe keinen Unterschied zwischen Jungs und Mädels gibt? Ist es sinnvoll, den Mädels einen eigenen Namen zu verpassen und sie somit von der Gruppe im Ganzen auf eine gewisse Art abzugrenzen? Was steckt dahinter?
Um das zu beantworten, möchten wir einen Blick auf unsere Ziele als Chicas werfen:
In erster Linie wollen wir ein Anlaufpunkt für die Mädels sein, die sich für Ultrà interessieren aber durch die Dominanz des männlichen Geschlechts vielleicht nicht den Mut dazu haben, von Null auf Hundert in der Gruppe mitzumachen. Kein Ding, wenn du so aussiehst wie alle anderen, du stellst dich dazu und bist ab diesem Zeitpunkt dabei. Anders aber, wenn du ein Mädel bist, da fällst du einfach auf und die Integration in die Gruppe ist nicht so leicht. Wir Chicas möchten diesen Mädels zeigen, dass das Geschlecht dann eben keine Rolle mehr spielt, wenn man mal dabei ist. Wir beantworten ihnen die Fragen, die sie allein unter Jungs vielleicht nie stellen würden, wir erklären ihnen die ultralltäglichen Abläufe und wir helfen ihnen, auch andere Leute der Gruppe kennenzulernen. Wir Mädels sind uns einig, dass uns die Chicas erst zu den vollwertigen Gruppenmitgliedern gemacht haben, die wir heute sind.
Außerdem versuchen wir uns zusammen mit den anderen Mitgliedern der Schickeria gegen Sexismus zu engagieren. Über die Erfahrungen, die wir als Mädels (nicht nur) beim Fußball mit unserem Geschlecht gemacht haben, lässt es sich im weiblichen Kreis leichter reden. Schließlich hat das jede von uns so oder so ähnlich schon selbst erlebt. So entstehen interessante Gespräche, die uns zu neuen Ideen bringen, wie wir uns besser gegen Sexismus engagieren können. Zusammen mit den Jungs können wir diese dann ausarbeiten und verwirklichen.
Wir versuchen also den Nachteil, der sich für die weibliche Minderheit beim Fußball ergibt, unter dem Namen „Chicas“ bewusst publik zu machen, anzupacken und zum Guten zu wenden. Dabei stehen unsere Jungs hinter uns und zeigen uns immer wieder, dass wir letztendlich als vollkommen gleichwertige Mitglieder gelten.
Wenn das jetzt geklärt ist, stellt sich für manche vielleicht trotzdem noch die Frage, warum wir dann ausgerechnet den Namen „Chicas“ tragen, wo doch der Begriff „Chics“ ein abwertender Name für Mädchen ist. Für uns stellt dieser Name aber den Bezug zu unserer Gruppe her. Zum einen sind wir als CHICas ein Teil der sCHICkeria, zum anderen findet sich auch hier die Ironie wieder, die auch schon der Name „Schickeria“ in sich trägt. Genau so wenig, wie die Schickeria ein Haufen neureicher Kids ist, die ihre Nächte in Clubs wie dem P1 verbringen, sind die Chicas das, was man zunächst unter ihrem Namen vermuten könnte. Wir greifen mit unserem Namen dieses Klischee auf und drehen es auf ironische Weise ins Gegenteil um. CHICAS!

Wenn du Fragen zum Thema Chicas hast, oder vielleicht genau eines dieser Mädels bist, die sich für Ultrà interessieren, dann sprich uns doch einfach im Stadion oder am Streetwork-Bus an oder schreib eine Mail an chicas@schickeria-muenchen.de!

 


FIGHT SEXISM!