Strategien: Impressum? Nein Danke!

In unserem Impressum steht: „Wir warnen alle Spinner, potenziellen Stalker und Sittenstrolche davor, diese Adresse für ihre Hobbys zu nutzen! Bei Missbrauch erstatten wir Anzeige und unsere Hunde freuen sich auch immer auf Frischfleisch!“

Die Impressumspflicht bei Webseiten ist seit Langem immer wieder Thema in verschiedenen Foren, Blogs etc. Häufig geht es darum, wann gilt sie? Wer muss seinen Namen, seine Adresse, seine Telefonnummer veröffentlichen? Viele sind der Ansicht, wenn sie keine Waren oder Dienstleistungen anbieten, seien sie dazu nicht verpflichtet … sie glauben das, bis sie einem Abmahnungsabzocker in die Hände fallen und plötzlich Anwaltsgebühren im vierstelligen Bereich fällig werden.

Juristische Spitzfindigkeiten interessieren mich wenig. Es ist mir vollkommen egal, was sich Politik_innen dabei einmal gedacht haben mögen, als sie dieses Gesetz beschlossen, und welchem Zweck es eigentlich dienen sollte. Denn die Realität sieht so aus:

Eine Frau, die im Internet einen Text veröffentlichen will, darf dies nur machen, wenn sie gleichzeitig bereit ist, allen anderen Internetuser_innen ihre Adresse und Telefonnummer (Handy gilt nicht!) zugänglich zu machen. Macht sie das nicht, droht die Abmahnung. Macht sie es, droht der Stalker. Es bleibt ihr nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Oder Lepra: Nichts mehr schreiben.

In einem Forum zum Thema Impressum schrieb ein Herr: „Wer sich gegen die Impressumspflicht wehrt, führt etwas im Schilde, plant, andere Menschen zu betrügen. Denn wer nichts zu verbergen hat, macht aus seiner Adresse doch kein Geheimnis.“

Tja, da bleibt mir als Antwort nur: „Wer auf der Impressumspflicht besteht, ist ein möglicher Stalker, er plant, eine Frau zu belästigen. Wer kein potenzieller Sexualstraftäter ist, interessiert sich auch nicht für die Adressen und Telefonnummern fremder Frauen!“

Seit Jahren schreibe ich immer wieder eine Mail an Datenschutzbeauftragte, Politiker_innen etc., wie ich gerade lustig bin und es sich ergibt:

Sehr geehrten Damen und Herren,

ich habe eine Frage zum Impressum im Internet bzw. Whois und hoffe, dass ich bei Ihnen richtig bin.
Ich bin Schriftstellerin, schreibe hauptsächlich für lesbische Frauen und betreibe eine Webseite. Um potenzielle Leserinnen zu erreichen, ist für mich die Präsenz im Internet wichtig.
Was ich allerdings nicht verstehe: Meine Telefonnummer konnte ich für die normale Auskunft sperren lassen. Auf und wegen meiner Webseite muss ich allerdings nicht nur die Telefonnummer, sondern auch noch gleich meine Adresse für jeden Spinner, Stalker und Sexualstraftäter öffentlich machen.

Könnten Sie mir das erklären?
Danke im Voraus für Ihre Antwort

Vielleicht haben ja einige von Euch ebenfalls Lust, deswegen nachzufragen. Schreibt Mails!!

Nachtrag

Neben Pest, Cholera und Lepra hatte ich eine vierte Wahlmöglichkeit ganz übersehen: Ebola. Netterweise hat mich ein junger (?) Mann darauf aufmerksam gemacht. Er schrieb, wer so dumm sei wie ich und eine Webseite innerhalb des deutschen Rechtsgebiets betreiben wolle, dürfe sich nicht über die derzeitige Art der Impressumspflicht beschweren.

Also Möglichkeit 4, Ebola: Wir verlegen unsere Blogs etc. auf Server ins Ausland, ganz wie es die Nazis tun. Wir sparen uns auf diese Weise das Impressum, können allerdings dann auch keine Anzeige erstatten, wenn z. B. unsere Webseiten gehackt oder mit „Blödsinn“ vollgemüllt werden – und müssen immer damit rechnen, dass unsere Texte eines Tages spurlos verschwunden sind und wir niemand dafür in Regress nehmen können.

Ich muss sagen, lieber junger Mann, Ebola gefällt mir ebenso wenig wie Pest, Cholera oder Lepra.

Nachtrag 2

Solange DENIC die Adressen von Webseitenbetreiber_innen für alle sichtbar ins Netz stellt, hat ein Kampf allein gegen die Impressumspflicht keinen Sinn. Irre, die auf dem Blog direkt nicht fündig werden, brauchen nur zwei weitere Klicks, um sich bei DENIC die gewünschten Infos zu holen.