Copa Ultras 2012

Bordeaux / 23. und 24. Juni

„Immer präsent trotz Wind und Gezeiten“ oder „On the road again!“

Zum sage und schreibe 18ten Mal fand dieses Jahr die Copa Ultras in Bordeaux statt. Eigentlich ein Turnier für Mannschaften der verschiedenen Generationen der Ultramarines 1987, ihrer Sektionen und ihren Freunden aus Saint Etienne. Dieses Jahr waren mit den Deviants Münster und unserer Gruppe das erste Mal weitere Gäste eingeladen. Eine große Ehre für uns. 2012 feiern die Ultramarines ihr 25-jähriges Jubiläum und die Präsenz vieler Gründungsmitglieder und weiterer Ultras der verschiedenen Generationen ließen uns die lange Geschichte und den Spirit der Gruppe erahnen. Beeindruckend! 25 ans Ultramarines Bordeaux – Toujours prèsents contre vents et marèes!

Die Tour ins 1.300 km westlich gelegene Bordeaux sollte für einen Teil der Reisegruppe am Freitag Nachmittag starten. Sollte, denn die typische Schickeria-Verplantheit sorgte dafür, dass zum vereinbarten Zeitpunkt nicht einer der Reisenden da war. Weil sich dann auch noch die Autovermietung Zeit lies, starteten wir mit zwei Stunden Verspätung. Zuvor waren aber noch jahrelange Tetris-Erfahrungen gefragt. Die beiden zusätzlichen Sitze im Touran waren eher Notsitze und alles andere als bequem. Dazu mussten noch diverse Taschen, Schlafsäcke, Zelte und Geschenke trotz durch die zwei zusätzlichen Sitze eigentlich nicht mehr existentem Kofferraum verstaut werden, was uns recht abenteuerlich gelang. Die Bordelais waren bei unserer Ankunft am im Umland von Bordeaux gelegenen Turnierplatz jedenfalls sichtlich über unser Auto amüsiert. Das Turnier, die Übernachtung, die Verpflegung und das Rahmenprogramm waren gut organisiert. Zum Beispiel wurde extra für die Gäste aus Münster und München das Programmheft in deutscher Sprache aufgelegt. Essen und Trinken war für uns komplett kostenlos (!), die Besucher aus Bordeaux zahlten einen Pauschalbetrag. Neben den Spielen gab es Samstag Abend Stände mit Essen und Trinken unter bestimmten Mottos, Spiele wie Pantoffel-Weit-Werfen (oder besser Weit-Treten, Ausgangslage war, dass der Schuh am Fuß war ...) und einem Boule-Turnier, bei dem wir uns gar nicht so schlecht anstellten. Beim Fußball-Turnier schnitten wir traditionell Schickeria-like ab und verdienten uns damit einen freien Tag am Sonntag. Wesentlich im Vordergrund stand aber eh das Miteinander und der Respekt. Die Aufmerksamkeit, das Interesse und die Freundlichkeit auch der Gründer-Generation an uns waren beeindruckend. Schließlich handelte es sich dabei um Männer und Frauen in gesetztem Alter, die eine Gruppe mit großer Geschichte gegründet und Ultras gelebt haben, als selbst die Älteren von uns ... naja, ihr kennt die Phrasen. Das Miteinander der Generationen, die anhaltende Leidenschaft für und das Interesse an der Gruppe, dem Verein und dem Fußball an sich selbst bei älteren und doch junggebliebenen Ultras, das lies das Herz höher schlagen. Da sitzt Du in Bordeaux bei Deinen Freunden und plötzlich setzt sich wer mit schon einigen grauen Haaren (und das sage ich mit Respekt) an den Tisch und sagt, „Hallo, ich bin Rital“. Und Du denkst Dir einfach nur, Wahnsinn, das Interview von „dem kleinen Lehrer und dem Präsidenten“ haben wir vor 10 Jahren, als wir hier mit allem angefangen haben, im SKB abgedruckt und aufgesaugt ... und jetzt sitzt ein sympathischer, aus meiner Perspektive doch etwas älterer Herr neben dir, bietet dir Cidre aus nem Plastik-Kanister an, freut sich dass du da bist und unterhält sich mit dir über Fußball, Ultras und das Oktoberfest. Dabei ist diese Offenheit uns gegenüber alles andere als selbstverständlich, schließlich ist für die Älteren Bayern München eng mit dem verlorenen Finale von 1996 verbunden. Wer Barcelona miterlebt hat, kann das sicher im Ansatz verstehen, wir haben aber zwei Jahre später das Teil geholt. Und trotzdem werden wir hier auch von den Älteren herzlich empfangen. Großer Respekt! Auch für die zahlreich anwesenden Magic Fans war der FC Bayern ein schwieriges Thema. Das Finale von 1976 hat für sie immer noch eine große Bedeutung. Auch so war das Verhältnis zu den MF 1991 aus dem Kop Nord eher distanziert. Natürlich war bei uns riesiger Respekt vorhanden für einer Gruppe, die eine der großen Kurven in Frankreich anführt und ebenfalls auf eine lange und große Geschichte zurückblickt. Nicht wenige von uns waren schon das ein oder andere Mal in Saint Etienne, um sich die Magic Fans und auch die Kurve der Green Angels auf der anderen Seite anzuschauen. Auch die 20-jährige Freundschaft zwischen Bordeaux und Saint Etienne ist beeindruckend. Es versteht sich von selbst, dass wir mit großem Respekt dem anwesenden harten Kern der Magic Fans gegenüberstanden. Vor allem deswegen haben wir eine gewisse Distanz gewahrt und es bei einigen wenigen Höflichkeitsgesprächen belassen. Der Abend verlief eh mit etlichen Gesprächen mit verschiedensten Bordelais und später angereisten, uns schon bekannten Vertretern der Herri Norte Bilbao recht kurzweilig. Eine Ska-Band trat auf und mehrere Rap-Combos gaben ihr Bestes. Auch wenn es nicht meine Musik ist, die Verbindung der jungen Ultramarines mit den Künstlern und der Musik war einfach authentisch. Anschließend gab es einen offiziellen Part mit Danksagungen und Geschenken und ne Menge Kuchen, zum Teil mit Gruppenlogos. Die anschließende Electro-Party lies ich angesichts der Anfahrt die Nacht durch und die Rückfahrt in der kommenden Nacht aus. Hat eh erst gegen 2 oder 3 Uhr angefangen und war von unserer Gruppe gut besucht. Die die ganze Nacht andauernde Party auf freiem Feld störte die Bewohner des nahe gelegenen Dorfes übrigens kein bißchen. Im Gegenteil, sie waren sogar stolz darauf, dass bei ihnen mal was los ist und einige kamen Nachmittags sogar mal kurz vorbei. Am Sonntag wurde die K.O.-Runde ausgespielt. Wir schauten kurz am Atlantik vorbei und gegen 15 Uhr waren die meisten Gäste schon wieder aufgebrochen. Wir hingegen ließen uns etwas Zeit und starteten erst gegen 17 Uhr in Richtung München. 1.300 km, Autobahn und Raststätten, Mautstationen und die schöne französische Landschaft. Ich liebe es. Dazu eine CD der Südtiroler SKA-Band Jokerface. On the road again!

DANKE nach BORDEAUX für tolle Tage voller Spirit, voller Geschichte, voller Impressionen!