Stand: 01.07.2014 10:21 Uhr

Lampedusa-Gruppe: 70 Anträge auf Bleiberecht

"Ich habe keinen Antrag auf Bleiberecht gestellt", sagt Affo Tchassei. Der Mann ist einer der sogenannten Lampedusa-Flüchtlinge. Bis gestern konnten er und die anderen einen Antrag auf Bleiberecht aus humanitären Gründen stellen - und so eine Abschiebung vor Ende ihres Verfahrens vermeiden. 70 Flüchtlinge hätten dieses Angebot wahrgenommen, sagte der Sprecher der Innenbehörde.

Angst, nach Italien geschickt zu werden

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Er hat keinen Antrag auf Bleiberecht gestellt: Affo Tchassei aus Togo.

Tchassei und die Gruppe "Lampedusa in Hamburg" lehnen es ab, sich bei den Behörden zu melden. Er und seine Mitstreiter kämpfen für ein Aufenthaltsrecht für die ganze Gruppe. Sie wollen sich nicht bei den Behörden melden, weil sie Angst haben, nach Italien geschickt zu werden, wenn sie dies tun. "Wir haben mitbekommen, wie Leute, die einen Antrag auf Bleiberecht gestellt haben, zurück mussten", sagt Tchassei. Rechtlich ist das korrekt: Da die Flüchtlinge in Italien bereits leben und arbeiten dürfen, kann der Senat sie dorthin zurückschicken. Tchassei fordert vom Senat eine Garantie, dass die Afrikaner in Hamburg bleiben dürfen. Denn in Italien sieht er keine Perspektive für sich.

Konflikt schwelt seit anderthalb Jahren

Die Diskussion um die bis zu 300 Afrikaner - die genaue Zahl ist umstritten - bewegt die Stadt seit Monaten. Die Afrikaner flohen 2011 über die italienische Insel Lampedusa vor dem Krieg in Libyen. Zwei Jahre lebten sie in Flüchtlingslagern in Italien, bis diese geschlossen und die Männer mit Touristen-Visa ausgestattet wurden. Anfang 2013 strandeten sie in Hamburg. Seitdem läuft eine Debatte: Sollten die Männer eine Gruppenanerkennung nach Paragraf 23 des Aufenthaltsgesetzes bekommen, wie es viele Flüchtlinge und ihre Unterstützer fordern? Oder müssen die Flüchtlinge ihre Identität nennen und ihre Fluchtgeschichte erzählen, wie es der Senat durchsetzen will?

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90,3 Aktuell | 01.07.2014 | 08:00 Uhr