11.08.08

Young.Euro.Classic

Spaßmacher aus Kasachstan im Konzerthaus

Als Renner des Abends erwies sich überraschenderweise das kürzeste und frischeste Stück, eingekeilt zwischen zwei voluminösen Meisterwerken: dem 2. Klavierkonzert von Brahms und Strawinskys "Sacre". Aktoty Raimkulova hatte es ihren jungen Landsleuten vom Nationalkonservatorium Almaty in Kasachstan mitgegeben, es in Berlin im Rahmen des young.euro.classic-Festivals zur Uraufführung zu bringen.

Von Klaus Geitel

"Dala Syry" hat sie, ziemlich undurchschaubar, ihre viertelstündige sinfonische Dichtung genannt.

Sie hat ihr ein höchst animierendes Vorspiel vorangestellt. Fünf musikalische Spaßmacher mit Kniegeige, Zither, Trommel, Flöte und Laute, allesamt landsmannschaftlich kasachisch gekleidet, sitzen vor dem wie üblich feierlich anzusehenden Orchester. Sie machen ihre eigene, aufwirbelnde Musik, in die sich die Sinfonik alsbald einhakt, wie um die Urlaute dieser Musik der fröhlichen Urwüchsigkeit auf ihre angemessen ernste Art gesellschaftsfähig zu machen. Das gelingt vollkommen und wird mit schier rasendem Jubel bedacht.

Das ausgezeichnete Hochschulorchester, vielleicht das beste, das sich bislang am Gendarmenmarkt präsentierte, zeigte sich seinen heftig wechselnden Aufgaben geschlagene zweieinhalb Stunden lang glänzend gewachsen, vom Pult aus angeführt von seinem deutschen Chefdirigenten Jan Moritz Onken (31), der in St. Petersburg sein Handwerk erlernte, bevor er in München Assistent von Mariss Jansons wurde.

Ihm steht fraglos eine große Karriere bevor. Sich derart zwingend durch die heftig wechselnden rhythmischen Stürme des "Sacre du printemps" hindurchzuschlagen und sie gleichzeitig, pädagogisch einleuchtend, für ein Studentenorchester aufzubereiten, ist schon bewunderungswert. Auch seiner majestätischen Solistin Jania Aubakirova, der Pianistin im B-Dur-Klavierkonzert von Brahms, entrollte er mit geschickter und dienstwilliger Hand den roten Orchesterteppich. Frau Jania pochte mit beiden Händen durchaus virtuos auf ihr Solistenrecht, sich musikalisch immerfort in den Vordergrund des Geschehens zu donnern. Sie pfefferte Brahms, sie pulverte ihn hoch. Sie zeigte ihm fortgesetzt die Harke. Bis zum Schluss war sie die Frau Konservatoriumsdirektorin, vor der sich alle Mitwirkenden musikalisch zu beugen hatten. Einschließlich Brahms.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Shitstorm Helene Fischer macht ihre Fans mit VW-Spot wild
Neuer Geldschein Das ist die neue 10-Euro-Banknote
Supermodel-Battle Wer sieht im Bikini besser aus?
Internethändler Amazon-Mitarbeiter streiken für mehr Geld
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kriminalität

Geldtransporter am Apple Store überfallen

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote