In-Vitro-RindfleischEinmal Kunstfleisch-Burger für 300.000 Euro, bitte!

Einzigartige Kochshow: Der Forscher Mark Post serviert live in London das erste Hack aus der Petrischale. Eine teure wie zukunftsweisende Fleischkost. Von A. Schadwinkel von 

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Essbar, aber nicht massentauglich: So sieht der Burger aus, dessen Hackfleisch aus Stammzellen im Labor des Maastrichter Forschers Mark Post entstand.  |  © David Parry/PA Wire

Mark Post ist kein Sternekoch. Doch wenn der Niederländer heute Nachmittag in London den Pfannenwender schwingt, wird Forschern aus aller Welt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Denn Post serviert ihnen den ersten Burger aus dem Labor, künstliches Hack à la Rinder-Stammzelle, liebevoll angerichtet im Brötchen samt Soße und Salat.

Mit seinem strategisch geplanten PR-Coup will der Biomediziner der Universität Maastricht nicht weniger, als die Welt verändern. Post möchte ein Zeichen setzen: "Es ist im Prinzip möglich, Fleisch künstlich herzustellen", sagte er dem Online-Magazin der Universität. Die Werkzeuge seien vorhanden. Und doch tritt die Forschung schon lange auf der Stelle. Es ist Zeit für den Fortschritt. Posts Vision: Dank Labortechnik mit einer einzigen Rinderherde die nach Fleisch lechzende Weltbevölkerung ernähren.

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Schon heute gehen 70 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen weltweit auf das Konto der Viehmast. Tendenz steigend. Die Welternährungsbehörde FAO schätzt, dass es Mitte des Jahrtausends 460 Millionen Tonnen Fleisch braucht, um die Gelüste der Menschheit zu befriedigen. Das bedeutet eine Verdopplung des Konsums innerhalb von nur 50 Jahren.

Auch hierzulande türmen sich auf den meisten Tellern noch immer Fleischberge. Im Durchschnitt isst jeder Deutsche im Laufe seines Lebens laut des aktuellen Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung 1.094 Tiere: Vier Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner. Ein Hunger, der kaum mehr zu stillen ist.

Kultiviertes Fleisch für die Verfechter der Fleischkultur

Bereits seit Jahrzehnten kursiert die Idee, Fleisch im Labor zu züchten. Weltweit arbeiten Forscher am In-Vitro-Filet vom Fließband – für eine Massenproduktion ohne Massentierhaltung. Es geht weder um Fleischersatz aus Soja oder ähnlichen Proteinquellen, noch um Gentechnik, sondern um das gezielte Heranzüchten von Zellen, die im Labor schließlich zu einem saftigen Steak oder eben Hack á la Mark Post heranwachsen.

Die Motive sind ehrenhaft. Eine Studie der Zoologin Hanna Tuomisto von der University of Oxford zeigt etwa, dass eine Massenproduktion von In-Vitro-Fleisch den Verbrauch von Wasser, Land und Energie maßgeblich senken würde. Auch Emissionen von Methan und anderen Treibhausgasen fielen im Vergleich zur herkömmlichen Viehzucht weit geringer aus. Zudem könnten im Laborfleisch die Anteile von Fett und Cholesterin künstlich gesenkt werden, sodass es gesünder ist, als die Lenden aus der Tiermast.

Gutes für Mensch, Tier und Umwelt – eine entzückende Vision. Der New York Times verriet der Biomediziner Post, er sei kein besonders leidenschaftlicher Mensch. Doch was er vorhabe, wäre bedeutsam für die Gesellschaft. "Das ist eine riesige Motivation."

Der Traum von einer besseren Welt kostet allerdings noch ordentlich Geld. Allein in den Stammzell-Burger sind nach Angaben von Post rund 300.000 Euro geflossen. Zuvor hatte bereits die niederländische Regierung mit zwei Millionen Euro in seine Forschung investiert.

Leserkommentare
  1. Bisher scheint mir das eher was für Leute zu sein, die Fleische essen wollen, aber nicht "töten".

    [...]
    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jk

    3 Leserempfehlungen
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    • HeidiS
    • 05. August 2013 12:33 Uhr

    Der Kommentarabschnitt, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jk

    [...]
    Evolutionär gesehen sind wir Omnivoren und Fleisch wird von uns zwar nicht unbedingt benötigt, aber es zu ersetzen ist weniger einfach als es Vegetarier zugeben würden und es schmeckt uns gemeinhin ja auch gut. Ethisch gesehen ist Fleischgenuss aber fraglos ein Dilemma, denn es geht immer noch darum darum ein denkendes, fühlendes Lebewesen zu töten, welches ganz gewiss nicht den Wunsch verspürte getötet und gegessen zu werden.

    Gekürzt. Der Kommentarabschnitt, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jk

    Ihr Kommentar ist mir nicht ganz klar. Wer braucht den Psychologen? An sich doch derjenige, der töten will, wenn es nicht notwendig ist, was ja nun das Ziel der Forschung ist. Aber ihren Kommentar könnte man auch andersherum verstehen. Wer Fleisch nur essen will, weil getötet wurde, obwohl die Substanz am Ende dieselbe ist, sollte sich wirklich fragen, warum. Und die Gesellschaft sollte sich fragen, ob so ein hochgradig irrationales Verhalten dann noch gerechtfertigt sein kann.

    Inwieweit so jemand dann medizinische Hilfe braucht, ist sicherlich einzelfallabhängig. Grundsätzlich scheint es aber nicht abwegig, jemandem mit einem Tötungstrieb Hilfe anzubieten.

    • joG2.0
    • 05. August 2013 14:04 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

    • Statist
    • 05. August 2013 14:53 Uhr

    wie der Text eigentlich auch erklärt, werden weniger Rohstoffe benötigt. Der Hauptgrund dafür dürfte sein, dass im Labor eben ausschließlich das Fleisch heranwachsen würde, unter optimalen Bedingungen. Stoffwechselgewebe, Gehirn, Haut, ggf. auch Knochen, Körperflüssigkeiten etc pp... würde alles fehlen. Zudem würde es wohl auch noch deutlich schneller gehen. Schlachten funktioniert dann mit dem Messer, also ohne Schlachtbetrieb, und auf Medikamente könnte auch verzichtet werden. Einzig die Futterherstellung würde auf andere Weise wiederkommen, aber eben auch nur zum Teil.

    Wenn das Filet geschmacklich überzeugen kann, und man könnte wahrscheinlich den Geschmack erheblich beeinflussen, gäbe es aus meiner Sicht wenig Grund, etwas anderes zu machen. Wenn man diese "Zuchtform" im Griff hat, könnte sich die Menschheit auch durch andere Fleisch- und Fischsorten essen, ohne dass Bestände bedroht werden. man denke nur an Krokodil, Wal, Springbock, vielleicht sogar Löwe und dergleichen (sollte dies denn schmecken)

    Euphorisch werde ich wohl aber erst, wenn es wirklich funktioniert mit dem Geschmack.

    • cmim
    • 05. August 2013 12:32 Uhr

    aber auch lecker??
    Vor allem frage ichmich, künstliche Zellen ergeben eine möglichst authentische "Fleisch-Masse", aber was ist mit dem Blut? Das Im Filet vorhandene Blut ist ja durchaus auch Träger von Geschmack und Aroma und beim Garprozess von Bedeutung. ?

    via ZEIT ONLINE plus App

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    ...sind doch aus abgehangenem Fleisch, das bereits ausgeblutet ist. die rosa Färbung kommt vom Myoglobin in den Muskelzellen.

    ist kein Blut mehr, denn sonst würde das Fleisch innerhalb kurzer Zeit verderben. Schlachttiere werden ausgeblutet. Das "Blut" im Steak ist nichts anderes als Wasser und darin gelöstes Myoglobin.

    s. http://www.thueringer-all...

    Sie können sich das ja notfalls mit eine Spritze ins Fleisch injizieren, wenn es denn wirklich notwendig ist...

    • HeidiS
    • 05. August 2013 12:33 Uhr
    3. […]

    Der Kommentarabschnitt, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jk

    4 Leserempfehlungen
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    das Töten teil der Natur ist, weil man zu viel Bambi gesehen hat.

    • cmim
    • 05. August 2013 12:34 Uhr

    werden also "gespritzt", damit der Braten saftig und umami bleibt?????

    via ZEIT ONLINE plus App

    2 Leserempfehlungen
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    • HeidiS
    • 05. August 2013 12:53 Uhr

    und man wird sie wohl auch beantworten können - aber: so viel, wie heute in Schlachtvieh gespritzt wird, nicht nur als Medikament, das geht ja schon auf keine Kuhhaut ...

    ist das Stichwort. Auch wenn Sie etwas voreingenommen sind: grundsätzlich ist es nicht das Ziel irgendwelcher Leute Ihre Nahrung mit irgendetwas zu "spritzen".

    Man wird versuchen so nah wie möglich an das Naturprodukt zu kommen. Sowas versucht man in erster Linie mit natürlichen Stoffen, denn es muss ja die Abbaubarkeit durch und die Verträglichkeit für den Organismus stets gegeben sein. Wenn das nicht klappt, muss man weiter sehen.

    Geschmacksverstärker sind übrigens zum Großteil Aminosäuren, (Di)Carbonsäuren, Lactate, (Ribo)Nucleotide - alles Verbindungen, die normalerweise für den Körper kein Problem darstellen, da er diese problemlos abbauen und weiter verwerten kann. Diese Verbindungen sind auch (bis auf wenige Ausnahmen, zB Aspartam, Neotam) in pflanzlichen und tierischen Produkten enthalten, dh diese zu essen ist in der Regel unproblematisch.

    Wikipedia liefert hinsichtlich Geschmacksverstärkern eine schöne Liste, sowie im Detail (wenn man sich mal die Mühe macht) umfassende Informationen bzgl dieser Verbindungen.

    Etwas mehr Bildung in diesem Bereich würde Ihnen und anderen gut tun. Dann würde man nicht immer völlig hysterisch Geschmacksverstärker und ihre Verwendung kritisieren.

    Natürlich sollte man demgegenüber stets kritisch sein, aber dazu gehört auch eine Wissensgrundlage, damit man überhaupt kapiert über was man da spricht.

  2. [...]
    Evolutionär gesehen sind wir Omnivoren und Fleisch wird von uns zwar nicht unbedingt benötigt, aber es zu ersetzen ist weniger einfach als es Vegetarier zugeben würden und es schmeckt uns gemeinhin ja auch gut. Ethisch gesehen ist Fleischgenuss aber fraglos ein Dilemma, denn es geht immer noch darum darum ein denkendes, fühlendes Lebewesen zu töten, welches ganz gewiss nicht den Wunsch verspürte getötet und gegessen zu werden.

    Gekürzt. Der Kommentarabschnitt, auf den Sie kritisch Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/jk

    5 Leserempfehlungen
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    daher dürfen wir sowohl Pflanzen als auch Tiere töten

    Es gibt mehr Gründe, warum Vegetarier (zu denen ich auc zälen möchte) kein Fleisch essen wollen. Ethik spielt dabei eine Rolle, aber es gibt auch Gründe, wie die Ablehnung von Massentierhaltung, da dies einen extrem hohen Rohstoff und wasserverbrauch hat, mal abgesehen von der zerstörung der Regenwälder und dem Metan, welches stärker ist als CO2.
    Dann kommt dazu, dass einige Menschen sich einfach dem Authoritätsgedanken widersetzen wollen. "Ich stehe nicht höher als irgendein Tier."
    Des Weiteren haben wir die Möglichkeit auf Fleisch zu verzichten. Katzen z.B. können das nicht, zerstören aber auch nicht ihre Lebensgrundlage.

    Alle Nährstoffe die man so braucht finden sich auch in pflanzlicher Form, Fleisch muss also zuerst mal in dem Sinne gar nicht ersetzt werden. Problem gelöst! Das einzig problematische ist halt das Menschen Gewohnheitstiere sind und Fleisch eben einfach lecker finden, und damit basta. Ist für mich kein Argument, denn lecker fand ich das glaub ich auch soweit ich mich noch daran erinnern kann. Aber ich persönlich könnte es nicht verantworten Fleisch zu essen, da ich es erstens wie Sie auch schon erwähnten ethisch gesehen nicht gut finde Tiere zu halten und zu töten nur damit sie dann in meinem Magen landen, und zweitens hätte ich es auch ganz gerne dass die zukünftige Generation auch noch was von unserem Land ab bekommt da eine fleischhaltige Ernährung ja bekanntlich viel Land beansprucht und zudem sehr energieaufwändig ist.

    noch ein Lebewesen ist? Schon beim Einatmen kommt eine Unzahl von Lebewesen (Mikroorganismen) in meinen Körper, in dem sich eine weitere Unzahl hoffentlich wohl fühlt. - Nein, das Leben auf Erden hat den Nahrungsaufbau Pflanze - Tier - Mensch mit Zwischenstrukturen; leben und leben lassen wie essen (fressen) und gegessen (gefressen) werden sind das Leben insgesamt und der Tod die Bestätigung des (ewigen) Lebens (unser Bestattungswesen belastet die Umwelt und nimmt den Geiern, was der Geier ist). - Die Gier dazwischen zerstört. - Ob dieses Kunstfleisch in allen Komponenten, auch der der eingebundenen lebensaufbauenden Energie, wirklich zu vergleichen ist, muß sich ergeben resp. noch nachgewiesen werden, genauso wie die Verträglichkeit für unsere gewachsene Verdauung, also, ohne daß Verdauungsorgane überlastet werden. - Und noch eine Frage: Soll die Anzahl von Menschen auf dieser Erde noch weiter wachsen, obwohl die Erde selbst nicht wächst? Wo bleibt die Anpassung an Umweltveränderungen? - Sollten wir die Gelder nicht eher in eine Sanierung der Lebensbedingungen (Gifte der verschiedensten Art in Luft, Wasser, Erde; Abbau von Überproduktionen) stecken als in Kunstprodukte für die Nahrung? -

  3. Ich persönlich warte Langzeitstudien ab. Was richten Kunstfleischfasern, sogenannte Snack-Wesen, in unserem Körper an? Es wäre nicht unwahrscheinlich, dass wir uns lieber das eigene Grab schaufeln, anstatt unsere Ernährung umzustellen.

    Vor allem mache ich mir Sorgen, dass Kunstfleisch ein Bewusstsein entwickelt. Vermutlich werden schon Ende des Jahrhunderts Kriege gegen die Kunstfleischwesen geführt.

    Eine Leserempfehlung
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    Kunstfleischfasern sind das was sind und nicht mehr. Was ist Fleisch? Eben das selbe, nur komplexer. Hier wird weder etwas genetisch verändert, noch wird ein Wesen erschaffen.

    Wenn man auf Ihre Art und Weise herangeht, dürfte man nichts mehr essen, noch nicht mal Pflanzen. Und man dürfte sich auch nicht bewegen, weil man bei jedem Schritt zig Zellhaufen zerstören würde.

    Und selbst wenn es Satire war, so ist das die falsche Art mit dem Thema umzugehen.

    • R4mbo
    • 05. August 2013 13:46 Uhr

    Naja... es ist kein wirkliches Kunstfleisch. Es war mal eine echte Tierzelle, die man sich isoliert vermehren lies. Damit das ganze ein Bewusstsein erlangt, braucht es Nervenzellen. Solange keine Nervenzellen mitgezüchtet werden, braucht man da meiner Meinung nach keine Angst haben. Es ist wie wenn man eine kleine Zelle vom Arm nimmt und die sich dann vermehren lässt, da wird kein eigenständiges Lebewesen draus. Ich hab auch keine Angst dass dieses Fleisch Schäden in unsrem Körper anrichtet (bzw mehr als normales Fleisch), wichtig ist welche Stoffe hinzugefügt werden, und da braucht es dann zuverlässige Kontrollen und Transparenz.

    In 2012 produzierte Volkswagen allein 6.5 Mio Currywürste! Nicht auszumalen was passiert, wenn die alle eine eigene Meinung entwickeln...

    • HeidiS
    • 05. August 2013 12:53 Uhr

    und man wird sie wohl auch beantworten können - aber: so viel, wie heute in Schlachtvieh gespritzt wird, nicht nur als Medikament, das geht ja schon auf keine Kuhhaut ...

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  4. Ihr Kommentar ist mir nicht ganz klar. Wer braucht den Psychologen? An sich doch derjenige, der töten will, wenn es nicht notwendig ist, was ja nun das Ziel der Forschung ist. Aber ihren Kommentar könnte man auch andersherum verstehen. Wer Fleisch nur essen will, weil getötet wurde, obwohl die Substanz am Ende dieselbe ist, sollte sich wirklich fragen, warum. Und die Gesellschaft sollte sich fragen, ob so ein hochgradig irrationales Verhalten dann noch gerechtfertigt sein kann.

    Inwieweit so jemand dann medizinische Hilfe braucht, ist sicherlich einzelfallabhängig. Grundsätzlich scheint es aber nicht abwegig, jemandem mit einem Tötungstrieb Hilfe anzubieten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ernährung | Stammzellenforschung | Forschung | Nahrungsmittel | Fleisch | Rind
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