AKW-KatastropheDie Mär vom kontrollierbaren Super-GAU

Lecks, hohe Strahlung, Flickschusterei: Am AKW Fukushima ist die Lage ernst. Japans Premier schickt Geld und rügt Betreiberin Tepco. Er versucht, die Atomkraft zu retten. von 

Besuch nahe lecken Tanks: Vergangene Woche informierte sich der japanische Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi (rechts) über die Lage im AKW Fukushima.

Besuch nahe lecken Tanks: Vergangene Woche informierte sich der japanische Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi (rechts) über die Lage im AKW Fukushima.  |  © Reuters/Kyodo

Die Tokyo Electric Power Company, kurz Tepco, kämpft seit zweieinhalb Jahren damit, die Überreste der Atomanlage Fukushima-Daiichi zu kühlen. In drei der vier Reaktoren werden geschmolzene Brennstäbe vermutet. Seither wird ununterbrochen Wasser in die rissigen Blöcke eingeleitet und radioaktiv belastetes wieder herausgepumpt. Das wird nun mehr und mehr zum Problem.

Mehr als 280.000 Tonnen kontaminiertes Wasser lagern hinter den Blöcken in 1.000 Metalltanks. Und die werden undicht. Fast täglich gesteht Tepco neue Lecks ein, misst hohe Strahlenwerte, ohne zunächst zu wissen, was genau sie auslöst. Die Lage ist ernst, die täglich wachsende Wassermenge überfordert die Arbeiter. Was nun?

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Japans Premierminister Shinzo Abe stellt Tepco jetzt umgerechnet 360 Millionen Euro (47 Milliarden Yen) in Aussicht. "Die Welt schaut auf uns, um zu sehen, ob wir die Stilllegung des Atomkraftwerks Fukushima bewerkstelligen, einschließlich der Probleme mit verseuchtem Wasser", sagte er nach einem Ministertreffen am Dienstag.

Dabei geht es allerdings weniger um die Welt, vielmehr hat Abe ein innenpolitisches Problem. Sein Vorhaben, das Land wieder mit günstigem Atomstrom zu versorgen, steht auf dem Spiel. "Radikale Maßnahmen" seien vonnöten, sagte er, "keine planlosen Reaktionen".

Doch Geld allein wird die Lage nicht entschärfen. Tepco arbeitet nicht nur mit undichten Tanks. Die zylindrischen Behälter umgibt ein kleiner Schutzwall, dessen Abflusshähne bis vor Kurzem offenkundig nicht richtig gesichert waren. So meldete Tepco vergangene Woche, dass 300.000 Liter kontaminiertes Wasser einfach verschwunden sind. Anschließend verkündete die Betreiberin, erstmal alle Hähne zu verschließen.

Die Anlage sei ein "Geisterhaus"

Der Leiter der neu gegründeten Atomaufsicht NRA ist so besorgt, dass er die Lage als "ernsten Störfall" einstufen ließ. Fukushima-Daiichi sei ein "Geisterhaus", sagt Shunichi Tanaka. Auf jede Panne folge eine weitere ohne Aussicht auf ein Ende. Der Nuklearingenieur scheint Tepcos Krisenmanagement nicht mehr hinnehmen zu wollen. Zu oft hat das Betreiberunternehmen Probleme heruntergespielt oder erst eingeräumt, wenn sie nicht mehr verheimlicht werden konnten.

Japans Katastrophe
Tage am Abgrund nach Beben, Tsunami und GAU
11. März 2011, 14.46 Uhr
Satellitenbild von Japan

Satellitenbild von Japan  |  © Nasa/Goddard/SeaWiFS/ORBIMAGE

Das schwerste Erdbeben in der Geschichte Japans erschüttert rund sechs Minuten das Land mit einer Stärke von 9,0. Das Epizentrum liegt rund 130 Kilometer vor der Ostküste der Hauptinsel Honshu. Die Auswirkungen sind dramatisch: Auf dem Meeresgrund reißt die Erdkruste auf 400 Kilometern Länge, Teile der Küste verlagern sich ruckartig um bis zu 50 Meter nach Osten. Eine Fläche so groß wie Schleswig-Holstein hebt sich um einige Meter an.

11. März 2011, ca. 15.40 Uhr
Zerstörung in der Stadt Natori

Zerstörung in der Stadt Natori  |  © STR/AFP/Getty Images

Ein Tsunami rast mit 800 Kilometern pro Stunde auf die Küste zu. Über zehn Meter sind die Flutwellen mancherorts hoch, an einzelnen Stellen erreichen sie fast 40 Meter. Kilometerweit dringen die Wassermassen landeinwärts. Mehr als 18.000 Menschen sterben. Ganze Städte werden ausgelöscht. Im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi fällt der Strom aus. Das Beben hat die Leitungen gekappt, der Tsunami Dieselgeneratoren überspült.

11. März 2011, 16.30 bis 20.30 Uhr
Das AKW Fukushima am 12. März 2011

Das AKW Fukushima am 12. März 2011  |  © STR/AFP/Getty Images

Die Wasserkühlung zweier Reaktoren des Kraftwerks Fukushima-Daiichi ist ausgefallen. Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan sagt, die Lage in den 54 Reaktoren des Landes sei stabil, weil sie sofort nach dem Beben automatisch heruntergefahren wurden. Um 20.30 Uhr muss die Regierung dann für Fukushima-Daiichi den atomaren Notfall verkünden. Etwa 2.000 Bewohner in der Umgebung werden aufgefordert, sofort ihre Häuser zu verlassen.

12. März 2011, morgens
Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.

Soldaten retten Menschen aus den Unglücksgebieten.  |  © STR/AFP/Getty Images.jpg

Nach Strahlenmessungen am Kernkraftwerk wird die Evakuierungszone vergrößert. Mindestens 60.000 Personen sind auf der Flucht. Ministerpräsident Kan fliegt im Hubschrauber nach Fukushima, um sich ein Bild der Lage zu machen. Im AKW lassen Ingenieure Dampf durch die Notventile ab, um den Druck in den Reaktorbehältern zu senken. Inzwischen kocht das Wasser in den Notkühlbecken.

12. März 2011, 15.36 Uhr
Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.

Menschen in aller Welt sehen die Explosion im Fernsehen.  |  © Park Ji-Hwan/AFP/Getty Images

In Fukushima-Daiichi entzündet sich Wasserstoff und zerfetzt die Außenhülle von Reaktor 1. Ohne Strom für die Pumpen, die den Kühlkreislauf antreiben, waren Temperatur und Druck zu stark angestiegen. Trotz Abschaltung des Blocks begannen so die Brennstäbe zu glühen, Wasser verdampfte und Wasserstoffgas bildete sich, während der Reaktorkern schmolz. Japan und die Welt fürchten die atomare Apokalypse.

13. März 2011
Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.

Der damalige Premier Naoto Kan am 13. März während einer Pressekonferenz.  |  © JIJI PRESS/AFP/Getty Images

In der Nähe des von Reaktor 1 in Fukushima-Daiichi wird eine vierhundertfach erhöhte Radioaktivität gemessen. Ministerpräsident Kan räumt erstmals ein, dass eine Kernschmelze möglich sei. Simulationen und Messdaten von außen bestätigen die Schmelze in den Wochen nach der Havarie. Heute ist die Ruine, die von Block 1 übrig ist, luftdicht in Plastik eingehüllt.

14. März 2011
Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.

Eine Frau sucht in der Verwüstung nach Habseligkeiten.  |  © Paula Bronstein/Getty Images

Allein in der Präfektur Miyagi im Nordosten Japans werden 2.000 Tote gefunden. 390.000 Menschen sind auf der Flucht aus dem Tsunami-Katastrophengebiet, mehr als 1.400 Notlager werden eingerichtet. Inzwischen gibt es an vielen Orten kein Heizöl mehr, die Menschen frieren. Rund 400.000 Häuser sind zerstört weitere Huntertausende Gebäude beschädigt, Straßen, Zugstrecken und ganze Landstriche unpassierbar.

14. März 2011
Fallout nahe der Küste

Fallout nahe der Küste  |  © ZEIT-Grafik

Obwohl die AKW-Arbeiter die Reaktoren verzweifelt mit Meerwasser kühlen, gibt es eine weitere Wasserstoffexplosion, im Reaktor 3 von Fukushima-Daiichi. Radioaktives Material dringt nach draußen, der Großteil wird in den kommenden Tagen auf den Pazifik geweht. Doch ein Teil verbreitet sich auch über dem Festland. Die Abbildung zeigt, wo sich langlebiges Cäsium konzentriert hat (rot steht für die höchsten Strahlenwerte).

15. März 2011
Strahlenuntersuchung

Strahlenuntersuchung  |  © Issei Kato/AFP/Getty Images

Eine dritte und vierte Explosion ereignen sich in Fukushima. Das Gebäude von Reaktor 2 bleibt intakt, Wasserstoff aus Block 3 sprengt das Dach von Reaktor 4. Von vorher 800 Arbeitern bleiben etwa 40 im stockfinsteren Kraftwerk. Vergeblich hatten sie versucht, weitere Detonationen zu verhindern. Das Unglück wird als nukleares Ereignis der Stufe 6 bewertet. Einen Monat später erhält es wie Tschernobyl die Höchststufe 7: GAU.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie

Fukushima-Daiichi ein Jahr nach der Havarie  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

In einem der sechs Reaktorblöcke ereignete sich offenbar eine komplette Kernschmelze, in zwei weiteren verflüssigten sich die Brennstäbe wohl mindestens zur Hälfte. Die Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage von Fukushima-Daiichi mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Vorläufige Bilanz des Unglücks
Eine Stadt in Trümmern

Eine Stadt in Trümmern  |  © Nicholas Kamm/AFP/Getty Images

Die Strahlenbelastung der Menschen war weit geringer als für die Bewohner von Tschernobyl. Das Strahlenschutz-Komitee der UN schätzt, dass die Zunahme der Krebsfälle nicht messbar sein wird. Das liegt vor allem daran, dass kaum radioaktives Jod von Menschen eingeatmet oder mit der Nahrung aufgenommen worden ist. Der Tsunami hingegen tötete mehr als 18.000 Menschen. Bis heute wohnen Überlebende in provisorischen Wohnungscontainern.

So informierte das Unternehmen am 21. Juli darüber, dass unterhalb der Reaktoren kontaminiertes Wasser versickere und zum Teil in den Pazifik fließe. Drei Tage zuvor habe man davon erfahren, hieß es. Die Öffentlichkeit setzte Tepco aber erst nach den Oberhauswahlen in Kenntnis, die dem konservativen Premier Abe einen Sieg bescherten und seiner Koalition zu einer Mehrheit in beiden Parlamentskammern verhalf. Seither kann die Regierungspartei LDP zusammen mit ihrem Partner Komeito Gesetze im Alleingang beschließen.

Abe möchte, dass der oberste Atomaufseher Tanaka bald das schrittweise Wiederanfahren der restlichen 46 Kernreaktoren des Landes genehmigt. 

Sven Stockrahm
Sven Stockrahm

Sven Stockrahm ist Redakteur im Ressort Wissen bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Für den Premier steht fest, dass Japan seine finanziellen Probleme nur mit einer starken Wirtschaft in den Griff bekommen kann. Und die braucht viel und billigen Strom. Den soll wieder die Kernenergie liefern, trotz Super-GAU im eigenen Land.

Die brenzlige Situation in Fukushima erleichtert dieses Vorhaben nicht gerade. Daher macht Abe auch Tepco allein zum Sündenbock. Dabei ist das System das Problem, Tepco missachtet Vorschriften, was allen bekannt ist, auch dem Premier. Trotzdem hat er das lange Jahre gedeckt, nun soll das Unternehmen offenbar geopfert werden, um den Atomstrom insgesamt wieder anzuschalten.

Mit dem Multimillionenpaket zur Lösung der Wasserprobleme will der Regierungschef außerdem offenkundig Handlungsfähigkeit beweisen. Die Botschaft lautet: Nicht die Atomkraft ist das Problem, sondern unfähige Anlagenbetreiber.  

Leserkommentare
  1. >>In drei der vier Reaktoren werden geschmolzene Brennstäbe vermutet.<<

    Nach zweieinhalb Jahren wird immer noch VERMUTET?

    Ja, liebe Atomkraftbefürworter, ihr habt die Sache wirklich im Griff ... Griff... Griff.... fffffff

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    Redaktion

    Liebe(r) KaffeAusToGo,

    Der Grund, warum sich die Kernschmelzen (an denen kein Atomphysiker zweifelt) nur vermuten lassen, ist simpel: Es ist derzeit schlicht unmöglich in die Reaktorkerne zu schauen. Die radioaktive Strahlung ist viel zu extrem. Allerdings gelten die Schmelzen als gesichert, unterschiedliche Messdaten lassen kaum einen anderen Schluss zu.

    • bayert
    • 03. September 2013 16:12 Uhr

    die Kollegen vom Spiegel melden, dass man erst in 30-40 Jahren die geschmolzenen Reaktorkerne bergen wird. Da wird noch viel Wasser im Pazifik versickern. Wie stellt man sich die Bergung der abgebrannten Brennelemente in den Abklingbecken vor?

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    • siar
    • 03. September 2013 17:05 Uhr

    der Brennelemente aus dem Abklingbecken in Block 4 kann man eigentlich nur beten, selbst wenn man nicht an Gott glaubt. Wenn da was passiert ist Japan unbewohnbar.

    • Mirkor
    • 05. Februar 2014 10:25 Uhr

    Mit der Bergung der abgebrannten Brennelemente in den Abklingbecken wird bereits begonnen. Man kann nur hoffen, dass dabei alles gut geht.

    http://www.zeit.de/video/...

    http://www.sueddeutsche.d...

  2. Zu Recht sind alle empört über das Giftgasverbrechen in Syrien.
    Warum kein Aufschrei durch die UN geht auf Grund der atomaren Verseuchung in Japan bleibt mir ein Rätsel.

    In Syrien überlegt man Mittel und Wege, wie eine Wiederholung dieses Giftgasverbrechens verhindert werden kann.

    In Japan vertraut man den Verursachern der radioaktiven Verseuchung, die diese aber nicht in den Griff bekommen.

    Die beabsichtigten finanziellen (kriegerischen) Mittel, die man überlegt in Syrien einzusetzen, könnten in Japan gut gebraucht werden.
    Es sollte so etwas wie eine Umwelt Task Force der UN geben.

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    der "Halle" über dem Restreaktor in Tschernobyl ist auch nicht gesichert. Weder heute, noch für die restlichen paar tausend Jahre.

  3. sondern sich selbst sowie die anderen Verantwortlichen, zu Aufräumarbeiten in die Anlage schicken.

    Würde aber auch nichts helfen. Strahlung lässt sich weder schmieren noch kaufen.

    17 Leserempfehlungen
  4. der "Halle" über dem Restreaktor in Tschernobyl ist auch nicht gesichert. Weder heute, noch für die restlichen paar tausend Jahre.

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  5. Redaktion

    Liebe(r) KaffeAusToGo,

    Der Grund, warum sich die Kernschmelzen (an denen kein Atomphysiker zweifelt) nur vermuten lassen, ist simpel: Es ist derzeit schlicht unmöglich in die Reaktorkerne zu schauen. Die radioaktive Strahlung ist viel zu extrem. Allerdings gelten die Schmelzen als gesichert, unterschiedliche Messdaten lassen kaum einen anderen Schluss zu.

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    Antwort auf "Vermutungen"
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    >>Es ist derzeit schlicht unmöglich in die Reaktorkerne zu schauen. Die radioaktive Strahlung ist viel zu extrem.<<

    Genau das drückt aus, wie unbeherrschbar diese Technik letztlich ist. Mehr wollte ich gar nicht sagen. Vielen Dank für die Konkretisierung.

  6. Deutschland ist nicht Japan. Hier gibt es keine (größeren) Erdbeben und keine Tsunamis. Also können wir hier getrost Atomkraftwerke betreiben.[...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jk

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    dass deutsche Betreiber sehr viel gesetzestreuer sind. Dass es hier keine Unternehmer gibt, die Einsparungen vor Sicherheit setzen. Sie sind davon überzeugt, dass deutsche Atomkraftwerke sicher sind, dass Deutschland (offensichtlich im Geheimen und ohne jemanden davon in Kenntnis zu setzen) das Problem der Endlagerung gelöst hat.

    Gegen Atomkraft zu sein, ist genau das Gegenteil von unverantwortlich. Unverantwortlich aber ist es, so zu tun, als verursache Atomstrom keinerlei Probleme und Schuld an dem ganzen Desaster sei nur die Presse.

    Im Übrigen sind Tsunami und Erdbeben nicht die einzigen Natur- und menschgemachten Probleme, die eine Katastrophe auslösen können.

    Denn sonst hätte man ja längst ein Endlager für Atommüll gefunden! Gorleben und die Asse lassen grüßen.

    Entfernt. Kritik an der Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/ls

    Also hätte der Super-GAU in Japan überhaupt nicht passieren können, denn laut der Argumentation der Kernkraft-Befürworter vor Fukushima sind und waren westliche Reaktoren ja alle modern und sicher (anders als die Reaktoren in der ehemaligen UDSSR) und ein Super-GAU völlig ausgeschlossen.

    Nun ist also Japan irgendwie doch Russland, was uns als Europäer aber nicht weiter beunruhigen muss, denn immerhin ist Deutschland - zumindest bis auf weiteres - nicht Japan, und damit ist ein Super-GAU völlig ausgeschlossen.

    Das ist gut zu wissen, leider aber ungefähr so brauchbar wie der Beweis, dass der Weihnachtsmann existiert, weil an Weihnachten Geschenke unterm Baum liegen, und die müssen ja irgendwo herkommen.

    Deutsche Kernkraftwerke mögen nicht unbedingt von Erdbeben oder Tsunamis bedroht werden, aber dass sich nicht genau die gleiche Katastrophe ereignen kann wie in Japan bedeutet nicht, dass sich gar keine Katastrophe ereignen kann.

    Kühlmittelpumpen zum Beispiel können nicht nur aufgrund von Tsunamis ausfallen, sondern aus dutzenden anderen Gründen, und in den letzten Jahren gab es genug Fälle, in denen bei gründlichen Untersuchungen festgestellt wurde, dass Notfallsysteme aufgrund mangelnder Wartung reihenweise nicht funktionsfähig waren.

    Wenn es schlecht läuft, kommen ein paar dieser Unvorhersehbarkeiten, die eigentlich gar nicht sein können und erst recht nicht sein dürfen, zusammen, und dann ist Deutschland auf einen Schlag plötzlich doch Japan.

    (http://de.wikipedia.org/w...ällen_in_kerntechnischen_Anlagen)

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

    Es braucht keine Naturkatastrophen, um einen Supergau auch in Deutschland auszulösen. Es braucht nicht einmal einen technischen Defekt oder menschliches Versagen (wobei dies auch in Deutschland nicht auszuschließen ist, egal was die Betreiber behaupten). Es genügt ein Passagierflugzeug, das - egal ob absichtlich oder aufgrund eines dummen Zufalls - auf einen Reaktor stürzt, dann gibt es hier eine Katastrophe. Kein einziger der deutschen Reaktoren kann dem Absturz eines großen Flugzeugs standhalten.

    Das Risiko eines Supergaus in Deutschland mag gering sein, die Folgen wären es nicht. In Deutschland wird die radioaktive Wolke nicht über das Meer abziehen und das radioaktive Wasser in den Ozean abfließen. Hier trifft es dicht besiedeltes Gebiet. Und auch bei uns braucht man nicht zu hoffen, dass Betreiber und Regierung das Problem in den Griff kriegen, da die Technologie und die finanziellen Ressourcen dazu einfach nicht vorhanden sind.

    Ich darf Sie darauf hinweisen, dass der letzte Vulkanausbruch in Deutschland ca. 10 000 Jahre zurück liegt, nach geologischen Massstäben ein Wimpernschlag, und dass das Vulkanfeld der Eifel nicht als erloschen betrachtet werden kann.

    http://de.wikipedia.org/w...

    Darüber hinaus ist der Rheingraben, in dem viele AKWs wie Biblis und Philippsburg liegen eine tektonisch seit über 50 Mio. Jahren aktive Region, für die sehr starke tektonische Bewegungen (Erdbeben) nachweisbar sind. Eine relative Ruhephase für diese Region ist maximal für die letzten 2000 Jahre gesichert (Beginn der historischen Epoche), ebenfalls ein geologisch völlig unbedeutender Zeitraum. Auch diese Ruhephase kann jederzeit enden.
    Ein schweres Erdbeben gab es in diesem Zusammenhang zudem in Basel (Im Jahr 1356: ca. 6-7 auf der Richterskala, 100-2000 Tote, http://de.wikipedia.org/w...).

    Erdbeben in der norddeutschen Tiefebene sind z. B. durch Auslaugung und/oder Aufstieg von Salzstöcken möglich.

    Eine Vorhersage von Erdbeben ist mit derzeitigen technischen Mitteln nicht möglich.

    ...dürften Sie uns eine vertretbare Lösung für die Lagerung nuklearer Abfälle wohl auch schuldig bleiben, oder?

    Aber 6x Leserempfehlung zu einer so faktisch dünnen Aussage - da muss die Energiewende wohl einige mächtig schmerzen...

    • kokko
    • 04. September 2013 3:02 Uhr

    allein wenn man sich mal im internet nach zwischenfällen in atomkraftanlagen umschaut, sieht man schon, dass es keine naturkatastrophen braucht, damit da mal zwischenfälle passieren, die man nicht mehr einfach unter den teppich kehren kann und die man melden muss...

    ... wie hier mal wieder die Einheitsmeinung auf einen einzelnen Atomkraftbefürworter hereinfällt. Die Liste der "Kerntechnischen Unfälle" von Wikipedia ist wirklich amüsant zu lesen. Da wird sogar aufgeführt, wenn ein einzelner Mitarbeiter einer "mittelfristig hohen Strahlungsdosis" ausgesetzt war. Ich schreibe mal eine Liste der Unfälle beim Montieren von Solarpaneelen und bei der Wartung von Offshore-Windanlagen (die werden per Helikopter gewartet), da bekommen Sie Augen. Fakt ist: es gab bisher 2 nennenswerte Atomunfälle, Tschernobyl und Fukushima. Laur WHO und UNO ist in Fukushima nicht eine einzige Person aufgrund Strahlenspezifischer Umstände gestorben. In Tschernobyl waren es 58. Der Tsunami bzw. das Erdbeben war eins der heftigsten seit 500 Jahren, Japan hat sich dabei um 7 Meter!!! auf der Weltkarte nach Westen verschoben. Alle Atomkraftwerke in Japan haben sauber abgeschaltet, nur fukushima wurde vom Tsunami überrascht (meines erachtens ein Konstruktionsfehler, den Meiler direkt am Wasser zu bauen, sodass Wasser in den Reaktorkern dringen konnte). Aufgrund von 2 bedeutenden Unfällen in fast 60 Jahren Nuklearenergie sagen sie also, Atomkraft muss weg. Das wäre, als wenn sie sagen würden, es dürfe keine Flugzeuge mehr geben, weil eine geringe Absturzwahrscheinlichkeit besteht. Das ist schlichtweg unsinn.

    Zur endlagerung: schauen sie sich mal Dual-Fluid-Reaktor des Berliner Instituts für Festkörperphysik an:
    http://dual-fluid-reaktor...

  7. und das wird sich auch so schnell nicht ändern lassen.

    Atomkraft ist unsicher, im Störfall nicht beherrschbar, die Abfallentsorgung nicht vorhanden.

    Keine Chemie-Anlage würde unter diesen Bedingungen eine Betriebserlaubnis bekommen. Auch in Japan nicht.

    Warum hat diese Technik jemals eine Betriebserlaubnis bekommen?

    27 Leserempfehlungen
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    die Entscheidungsträger hatten dabei vor allem eines im Kopf: $$$
    Und mit einem AKW wird nunmal Unmengen mehr Geld "produziert" als mit jeder chem. Anlage.

    • kalle11
    • 07. Dezember 2013 11:48 Uhr

    Atomkraft ist extrem sicher, nur ist der Versagensfall so schrecklich. Aber schauen Sie mal nach, wie viele Leute durch Atomunfälle und wie viele durch Chemieunfälle ums Leben gekommen sind, das ist u.A. auf Wikipedia dokumentiert.
    Und wenn Sie sich das Schwarz-Weiss-Denken komplett verhageln wollen, schauen Sie noch dazu mal nach, wieviele Leute durch Wasserkraft ums Leben gekommen sind.

    Leider krankt die ganze Diskussion an einer völlig ideologisierten Sichtweise auf allen Seiten. Das ist bedauerlich, weil zwangsläufig unseriös. Wie Ihr Kommentar zeigt - Sie glauben, offensichtlich ohne jegliches Fachwissen, dass Chemie eine "bessere" Technologie darstelle... und dass vermutlich nur, weil die ganzen Chemieunfälle nicht so sehr in "jetzt müssen wir alle sterben"-Artikeln breitgetreten werden.

    Ich glaube dass jetzt alle auf die Atomkraft einschlagen, weil sie ein bequemes Bauernopfer darstellt - und weiter an dem Glauben gestrickt werden kann, der moderne Lebensstil liesse sich auch ohne Kollateralschäden an Mitmenschen und Natur bewerkstelligen. Man müsste nur die bösen Ingenieure in ihre Schranken weisen, und auf den gesunden Menschenverstand vertrauen.... schon liefe alles wie geschmiert.

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  • Schlagworte Shinzo Abe | Japan | Reaktor | Fukushima
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