Von unserem nach Breverhaven entsandten

Redaktionsmitglied Bruno Gaukel

Bremerhaven, 9. November In der Nacht zum Sonnabend sind, wie berichtet, der schwedische Frachter "Björkö" und das amerikanische Liberty-Schiff "Seawind" an der Außen-Weser, fast an der gleichen Stelle, an der vor zwei Jahren der argentinische Passagierdampfer "Maipu" untergegangen (4. November) ist, zusammengestoßen. Während der Amerikaner keine nennenswerten Schäden erlitten hat, ist der mit Erz geladene Schwede untergegangen. Leider haben dabei sieben brave schwedische Seeleute, Angehörige einer Nation, die uns in kritischen Zeiten die Treue gehalten hat, ihr Leben verloren. Gestern wurde die Suchaktion abgeschlossen. Die Schiffbrüchigen befinden sich auf dem Weg in ihre Heimat. Einer liegt mit schwerer Lungenentzündung im Krankenhaus von Bremerhaven.

Bei diesem Schiffszusammenstoß hat eine Frau eine männlich-heroische Rolle gespielt. Sie heißt Mirjam Eskola, aus

Finnland und war Funkerin des schwedischen Schiffes. Eine Frau in den besten Zwanzigern, gut aussehend, hat als Funkerin wie ein Mann ihren Mann gestellt. Mit der den Seeleuten eigenen Zurückhaltung erzählte sie Ober die dramatischen Vorgänge.

-Ich saß in meiner Funkbude und nahm Sturmwarnungen auf. Mit einem Mal zitterte das Schiff. Ein schweres Beben ging durch den Schiffskörper. Es klang, als ob unser Frachter auf einen harten Gegenstand oder auf einen Felsen aufgelaufen sei. So heftig, wie der Ruck auch war; die Funkapparatur funktionierte weiter. Wenige Augenblicke später betrat hastig, aber ohne Aufregung, Kapitän Bostedt den Funkraum und gab Anweisung, SOS-Rufe zu senden. Meine drahtlosen Notrufe wurden sofort von Elbe-Weser-Radio beantwortet. Die Hilfsaktion funktionierte sogleich. Zuerst meldete sich ein Hochseeschlepper. Kurz darauf schaltete siah der Amerikaner, der unser Schiff gerammt hatte, in das Gespräch ein, und teilte uns mit, daß er uns zu Hilfe eilen wollte. Wir forderten darauf einen Lotsen an. Inzwischen aber hatte sich der Amerikaner wieder gemeldet und teilte uns mit, daß er ein Rettungsboot entsenden wollte. Zu unserem Erstaunen traf als erster der deut-

sehe Lotse ein. Ich hatte gerade noch Zeit, mich über das Tempo zu wundern, mit dem der Mann an Bord gekommen war, als der Kapitän mit der Daanpfpfeife Warnungssignale an vorbeifahrende gab.

Ich sä© uttunterbrochen'Äh 'der Morsetaste. Von allen Seiten kam Höfe. Nicht weniger als fünf Boote der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger waren von ihren Stationen ausgelaufen. Der in Hamburg beheimatete Tanker "Lacklan" meldete, daß er mit äußerster Maschinenkraft nach der Unfallstelle fahre. Bei soviel Hüfte sagte ich mir, kann nichts passieren. Ich hatte keine Ahnung, wie schwer die "Björkö" getroffen war."

Wie ein Mann auf dem Posten Das ist der Bericht der tapferen Frau, die wie jeder Mann so lange auf ihrem Posten ausgehalten hat, bis das Schiff untergegangen ist.

Daß sie mit Gewalt aus ihrer Funkbude von ihren Kollegen am Arm herausgezerrt worden ist, berichteten ihre Schiffskameraden. Der Schwede, mit Erz schwer beladen und unterwegs nach einem holländischen Hafen, sank viel schneller, als angenommen werden konnte. Die Mähner in der Maschine hatten durch das einstürzende Wasser kaum Zeit, an Deck zu kommen. Der Mann, der neben dem Kapitän die gleich große Verantwortung trägt, der leitende Ingenieur Englund, ein echter Seegentleman von 65 Jahren, blieb zu lange auf seinem Posten und ist mit dem Schiff untergegangen. Er wollte nach jahrzehntelanger Seefahrt zum Jahresende an Land bleiben. Das Schicksal hat ihm einen tragischen Strich unter seine Lebensrechnung gemacht.

Die Versuche des Kapitäns, mit Hilfe des deutschen Lotsen, der mit dem Versetzdampfer "Ludwig Plate" an Bord gekommen war, sein Schiff auf Grund zu setzen, waren nicht mehr möglich; 1 Rückartig und wie ein Stein sackte das schwedische Schiff achtern ab. Nur wenige Augenblicke hat der Kampf dieses braven Frachters gedauert. Das Schiff hat sieben Mann mit in die Tiefe gerissen. Die Deutschen, die in nächster Nähe diesen Untergang beobachtet haben, sind sich wie ein Mann darüber klar, daß ihre schwedischen Kollegen sich tapfer, großartig und in jeder Hinsicht seemännisch verhalten haben. Ein Ölfleck und Trümmer sind die letzten stummen Zeugen des Schiffsdramas, mit dem die Natur die grauenhafte Saison der Winterstürme und der Schiffsunglücke begonnen hat. Die Umstände, wie es zu dem Unglück gekommen ist, werden noch untersucht.