Zur Geschichte des Grossmünsters

Grossmünster – Ausgangspunkt der deutsch-schweizerischen Reformation unter Huldrich Zwingli (1484-1531) und Heinrich Bullinger (1504-1575 ).



Die im achten Jahrhundert schriftlich vorliegende Legende bezeugt den Ort des heutigen Grossmünsters zusammen mit der Wasserkircheninsel als Wallfahrtsstätte zur Verehrung der Stadtheiligen Felix und Regula.
Für das wachsende allemannische Bistum Konstanz war der Ort Zürich Vorposten gegen die Alpen hin. Vorhandene römische Tradition bot Anlaß auch zum Anschluß an frühe christliche Märtyrertradition. Noch in karolingischer Zeit entstand eine Chorherrengemeinschaft im Einklang mit der Aachener Regel Karls des Grossen. Fundamente eines damals entstandenen größeren Kirchenbaus sind festgestellt. Zur Hochblüte kam das Stift dann vor allem im 11. Jahrhundert an, stolzer Ausdruck der wachsenden Kaufmannssiedlung auf der rechten Seite der Limmat und der freien Reichsstadt am Übergang zu Italien. Mit 24 Kanonikats und 32 Kaplaneipfründen folgte das Stift unmittelbar auf den Domstift in Konstanz im größten deutschen Bistum.


1187 bestätigt Herzog Berchtold der Fünfte von Zähringen dem Kapitel der Chorherren das Recht der freien Wahl eines Leutpriesters für die umfangreiche Seelsorge.



Das jetzige Münster entstand im Wesentlichen zwischen 1100 und 1250. Bauliche Einflüsse weisen ins Gebiet des Oberrheins und der Lombardei. Die reiche Bauplastik vor allem nach Pavia. Der Beitrag zum kirchlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben der wachsenden Stadt war grundlegend verbunden mit Namen wie Manesse, Mure, Hemmerlin.



Unter dem 1519 aus Einsiedeln ans Grossmünster berufenen Leutpriester Huldrich Zwingli und seinem Nachfolger Heinrich Bullinger wurde das Grossmünster zur Mutterkirche der Reformation zwinglischer Prägung, mit unmittelbaren Auswirkungen im deutschschweizerischen und süddeutschen Raum, mit bleibenden Verbindungen in die reformierte Kirchenfamilie vor allem in der Pfalz, den Niederlanden und Ungarn, aber auch zur Kirche von England, die dem theologischen Rat von Heinrich Bullinger wesentliches verdankte. Bullingers Bundestheologie wirkte nicht zuletzt bei den puritanischen Gründungsvätern in den Vereinigten Staaten nach. Rechte und Pflichten wurden vom Kanton Zürich übernommen.



Seither ist das Grossmünster in erster Linie Kirche der gleichnamigen evangelisch-reformierten Kirchgemeinde. Seine geschichtliche Bedeutung, wie auch seine Lage im Herzen der Stadt, lassen es aber immer wieder auch zum Ort von Gottesdiensten und weiteren Anlässen in besonderer Stunde werden.