Sie sind hier: Startseite » Stadt » Übersicht »

Nahverkehr im Schwebezustand

Artikel vom 19.12.2014 - 15.55 Uhr

Nahverkehr im Schwebezustand

Gießen (mö). Im Nahverkehr war es auch am Donnerstag wieder ein ganz normaler Tag: Über 40 000 Fahrgäste transportierten die elf Stadtbuslinien kreuz und quer durch Gießen. Nicht ganz normal ist indes die Grundlage, auf der momentan in Gießen der Nahverkehr stattfindet.

olibusse_191214
Lupe - Artikelbild vergrössern
Ob mit dauerhafter oder vorläufiger Konzession: Die Stadtbusse transportieren auch derzeit täglich zehntausende Menschen durch die Stadt. (Foto: Schepp)
© Oliver Schepp
Denn eigentlich sind die Konzessionen für die elf Linien und die zwei Nachtbusstrecken mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember abgelaufen. Derzeit bedient die Stadtwerke-Tochter Mit.Bus die Linien auf Grundlage einer »einstweiligen Erlaubnis«, wie der städtische Verkehrskoordinator Ralf Pausch gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung sagte.

Grund für diesen Schwebezustand ist ein neuerliches Tauziehen um den Gießener Stadtbusverkehr. Denn bekanntlich hatte sich neben den Stadtwerken/Mit.Bus das heimische Unternehmen ESW, zu dem die Firmen Erletz, Schwalb und Weber gehören, um die elf Linien beworben. Seit September ist beim hiesigen Verwaltungsgericht eine Klage von ESW anhängig, die die Stadt Gießen als Aufgabenträgerin des Nahverkehrs daran hindert, die Stadtwerke direkt mit der Weiterführung des Stadtbusverkehrs zu beauftragen. Das Regierungspräsidium hatte Anfang Dezember die elf Linien, die zwei Nachtbusstrecken und den Sonderverkehr in der kommenden Silvesternacht zwar genehmigt, aber eben nur auf der Grundlage der besagten einstweiligen Erlaubnis. Nach Einschätzung von Pausch wird dieser Zustand noch eine Weile andauern, da das Gericht erst kürzlich die Beteiligten zur Stellungnahme aufgefordert hatte.

Das RP, das die Linienvergaben genehmigt, hatte im vergangenen März im Rahmen einer Neuausschreibung der elf Gießener Linien ein Angebot von ESW als unzureichend abgelehnt. Um den Stadtbusverkehr hatten sich vor zwei Jahren die Stadtwerke bzw. deren Tochter Mit.Bus sowie das neue Unternehmen aus dem Kreisgebiet beworben. Beide Bewerber versicherten, den Stadtbusverkehr »eigenwirtschaftlich« und mithin ohne Zuschuss aus Steuermitteln fahren zu können. Das RP indes lehnte beide Angebote als unrealistisch ab und teilte damit die Einschätzung der Stadt Gießen.

Stadt geht von Bezuschussung aus

Die hatte im Juni 2013 das neuerliche Tauziehen um den Stadtbusverkehr durch eine Veröffentlichung in der hessischen Ausschreibungsdatenbank ins Rollen gebracht. Diese Mitteilung der Stadt enthielt die Absichtserklärung, den Busverkehr direkt an ein Unternehmen zu vergeben, das von ihr »beherrscht« wird und das die Linien auch bezuschusst (»gemeinwirtschaftlich«) betreiben könnte. Dabei handelt es sich um die SWG/Mit.Bus. Daraufhin reichten die drei Unternehmen aus dem Kreisgebiet noch im Sommer vergangenen Jahres ihr Angebot ein, worauf die SWG/Mit.Bus im Oktober mit einer eigenen Bewerbung nachzogen.

Die Bemühungen von ESW stellen den zweiten Versuch dar, die Stadtwerke als Betreiberin des Stadtbusverkehrs abzulösen. Vor einigen Jahren scheiterte die Verkehrsgesellschaft Mittelhessen, ein Tocherunternehmen des Essener Konzerns Abellio. Bei den Stadtwerken hängen rund 120 Arbeitsplätze am Erhalt der Nahverkehrssparte.

Artikel Drucken Drucken  Versenden
Artikel vom 19.12.2014 - 15.55 Uhr
Social Networks
Facebook Twitter studiVZ meinVZ schülerVZ MySpace  Del.icio.us
X Diesen Artikel versenden






* Bitte füllen Sie alle Felder aus.
Kommentar schreiben
Impressum Kontakt AGB Nutzungsbedingungen Datenschutz
TopSeitenanfang