Die Tuchmacher der Niederlausitz

 

Spinnen und Weben haben eine lange Geschichte, schon vor 9000 Jahren wurde Gewebe aus tierischen und pflanzlichen Fasern hergestellt. Mit der Entwicklung von Spinnrad und Trittwebstuhl im Jahr 1000 konnte eine weitere Entwicklung beginnen. Die ersten Tuchmacher und Leineweber wurden oft aus Flandern in die Niederlausitz angeworben. Bereits 1231 stellten die Markgrafen Vereinigungen der Wollenarbeiter unter ihren besonderen Schutz. Um 1300 ist die Arbeitsteilung zwischen Tuchmachern und Leinewebern verbreitet: Die Leineweber stellten für den bäuerlichen Alltag grobe, ungefärbte Ware zu niedrigen Preisen her, die veredelten Fasern der Tuchmacher waren an den Ansprüchen der städtischen Kultur ausgerichtet. Die Förderung von Handwerk und Gewerbe durch die Landesherren begünstigte den Aufstieg der Tuchmacherei. Spremberg, Forst und Guben waren bedeutende Zentren dieser Kunst. Die Tuchmacher und Leineweber verhalfen den Städten zu einer wirtschaftlichen Blüte im Mittelalter.


Wunderschön ist der Blaudruck, eine Reservefärbetechnik, bei der das Muster beim färben auf dem Stoff abgedeckt, also reserviert wird und daher weiß bleibt. Bis zur Industrialisierung wurde Wohlstand auch über aufwendige Stickereien und Verarbeitungen der Stoffe gezeigt, der Blaudruck mit dem vor allem Leinenstoffe der bäuerlichen Bevölkerung versehen waren, galt bis dahin als Kunst der armen Leute. Durch die mit der Industrialisierung aufkommenden maschinellen Verfahren konnten nur wenige Handwerksbetriebe die Kunst der Tuchmacherei und Leineweberei weiterführen. Heute können die handwerklichen Künste noch im brandenburgischen Textilmuseum in Forst in einer eigenen Tuchmacher-Schauwerkstadt besichtigt und selbst ausprobiert werden. Das ist zugleich eine gute Möglichkeit, Spinnern und Manipulanten zu begegnen, die hier ihre Handwerkskunst zeigen.


In Guben kann bei Stadtführungen noch auf den Spuren der 700-jährigen Geschichte der Wollen und Tuche gewandelt werden. Bei Betriebsrundgängen durch die Spremberger Tuche kann man sehen, wie sich die einstige Handwerkskunst heute darstellt: als moderner Industrieveredelungsbetrieb.