Bernd Lucke spricht auf dem Parteitag in Bremen. | Bildquelle: dpa

AfD-Parteitag in Bremen Lucke dankt Tsipras

Stand: 01.02.2015 18:10 Uhr

Am Ende hat Bernd Lucke dem griechischen Wahlsieger Tsipras für die Unterstützung gedankt: Auf dem Bundesparteitag der AfD in Bremen konnte Lucke seine Position stärken, Gegenspieler aus dem nationalkonservativen Lager mussten zurückstecken.

Zum Abschluss des Bundesparteitages der Alternative für Deutschland dankt der Vorsitzende Bernd Lucke dem neuen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. Dieser erscheine zwar vielen als "sozialistischer Rabauke", sagte Lucke in Bremen, er persönlich sei ihm aber "sehr dankbar dafür, dass er mal aufgestanden ist und diesen Leuten in der Eurozone gezeigt hat, dass es so einfach nicht geht".

Lucke sieht sich durch den Wahlsieg des griechischen Linkspopulisten bestätigt, der mit seinen Ankündigungen den Verbleib des Landes in der Euro-Zone zumindest aufs Spiel setzt. Auch der AfD-Chef fordert einen Schuldenschnitt für Griechenland - allerdings verbunden mit einem Austritt aus der Gemeinschaftswährung.

Tim Herden, ARD Berlin, mit Informationen vom AfD-Parteitag in Bremen
tagesschau24 11:00 Uhr, 01.02.2015

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Die AfD-Mitglieder unterstützen in Bremen seinen Kurs, der einen Fokus der Partei auf Eurokritik vorsieht. Eurokritik, Änderungen im Zuwanderungs- Bildungs- und Sozialsystem seien "wichtige Anliegen, die von den Altparteien nicht ausreichend behandelt werden, die bagatellisiert und totgeschwiegen werden", sagte er am Rande des Treffens dem ARD-Hauptstadtstudio. In abschließenden Worten sprach Lucke sich auf dem Parteitag klar gegen Extremismus, Fremden- und Islamfeindlichkeit aus. Bestimmte Grenzen in der Partei dürften nicht überschritten werden, sagte er wohl auch mit Blick auf entsprechende Tendenzen in seiner Partei.

Zwei konkurrierende Flügel

Die 1700 angereisten Delegierten hatten zuvor für die von Lucke forcierte Satzungsänderung gestimmt, die künftig nur noch einen Parteivorsitzenden vorsieht - aller Wahrscheinlichkeit nach Lucke selbst.

Der Entscheidung gingen allerdings teils turbulente Debatten voraus. Denn längst nicht alle sehen die AfD als rein eurokritische Vereinigung. "Die Partei hat zwei Flügel, die jetzt deutlich konkurrieren. Auf der einen Seite gibt es die eurokritische Position einer liberalen Wirtschaftspolitik um Bernd Lucke", sagte Alexander Gauland der ARD. Auf der anderen Seite gibt es Nationalkonservative wie ihn.

Der stellvertretende AfD-Sprecher und Landesvorsitzende Brandenburgs will die Themen Einwanderung, Asyl, Multikulti und Innere Sicherheit stärker betont haben. Er sieht in Pegida "natürliche Verbündete", während Lucke dem ARD-Hauptstadtstudio sagt: "Ich glaube auch nicht, dass wir eine Zusammenarbeit mit Pegida erwogen haben." Luckes Position werde derzeit gestärkt durch "die Entwicklung in Griechenland und all den Zirkus, der sich da abspielen wird", erkennt Gauland an. Das Abstimmungsergebnis auf dem Parteitag hat das sehr deutlich gezeigt.

Neuer Streit ist vorprogrammiert

Doch beugen will Gauland sich nicht. Unterstützung erhält er aus Sachsen, wo die AfD wie in Brandenburg und Thüringen ein starkes Ergebnis eingefahren hat. Die sächsische Parteichefin Frauke Petry stellte sich wie Gauland gegen Luckes Pläne, die Führungsstruktur zu straffen. Auch sie musste auf dem Parteitag eine Niederlage einstecken.

Dass die Auseinandersetzung die Partei schwächen könnte, sehen die Beteiligten nicht: "Ich glaube überhaupt nicht, dass da Kratzer sind", sagte Lucke der ARD. Wenigstens da ist er sich einig mit Gauland. Aber schon nach der Wahl in Hamburg könnte in der AfD eine neue Diskussion um die Ausrichtung beginnen, falls es nicht gelingt, nur mit eurokritischen Themen zu punkten und im Westen ein Landesparlament zu erobern.

Und Lucke deutete bereits an, dass es bald wieder Reibereien geben könnte: Es müsse gegenseitigen Respekt geben, fordert er von seinen Parteifreunden. "Ich will offen sagen, dass ich ihn auch beanspruchen werde, denn Sie wissen, dass ich in manchen Fragen anders ticke, als viele andere von Ihnen im Raum." Es könne sein, dass er als Europaabgeordneter Entscheidungen fälle, die nicht jedem in der AfD gefallen.

AfD-Parteitag nicht ohne Groll beendet
T. Grieß, DLR
01.02.2015 17:37 Uhr

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