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„Völkerschlacht“: Zwei Jahrhunderte der Geschichte

„Völkerschlacht“: Zwei Jahrhunderte der Geschichte

Im Oktober 1813 fand in der Nähe von Leipzig die damals größte Schlacht in der Geschichte, an welcher rund 5000 Tausend Soldaten aus ganz Europa beteiligt waren, statt. Etwa 100 Tausend von ihnen verloren auf dem Schlachtfeld ihr Leben. Diese Schlacht ging als die Völkerschacht von Leipzig in die Geschichte ein. Mit etwa 23 Tausend gefallenen Offizieren und Soldaten hatte die russische Armee die größten Verluste erlitten.

Die Völkerschlacht war die Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege und markierte das Ende der Herrschaft von Napoleon in Zentraleuropa. In Leipzig und den anliegenden Städten wurden dem 200. Jahrestag der Schlacht Dutzende Ausstellungen, Konferenzen und verschiedene Veranstaltungen gewidmet. Ein bedeutendes Ereignis war die Eröffnung des Panoramas „Leipzig 1813 – In den Wirren der Völkerschlacht“.

An den Jubiläumsveranstaltungen in Leipzig nahm auch die Delegation der Moskauer Regierung teil. Sie wurde von dem Minister der Moskauer Regierung, Leiter des Departements für außenwirtschaftliche und internationale Beziehungen Sergej Tscherjomin geleitet. Der Delegation gehörten Minister der Moskauer Regierung, Leiter des Kulturerbe-Departements Alexander Kibowsky, Vertreter der Bildungs- und Kulturdepartements der russischen Hauptstadt und andere Beamte an.

Am 17. Oktober kamen Hunderte von Menschen, sowohl Russen, als auch Deutsche, zur St. Alexi-Gedächtniskirche, welche Anfang des 20. Jahrhunderts zur Erinnerung an die russischen Soldaten, die in der Völkerschacht gefallen sind, erbaut wurde. An der Ehrenmesse nahmen Alexander Kibowsky, der Oberbürgermeister von Leipzig Burkhard Jung und der Botschafter von Russland in Deutschland Wladimir Grinin teil.

Herr Jung erklärte in seiner Rede, dass die Kirche bald ohne die Baugerüste erscheinen wird. Er erzählte auch, wie die Entscheidung über den Bau der Kirche gefällt wurde. Vor über 100 Jahren hat sein Vorgänger Rudolf Dietrich während einer Sitzung des Stadtrates gesagt: „Der Bau der Kirche ist ein Ausdruck der Höflichkeit. Unsere Pflicht ist, solche Wünsche zu bejahen“. Nach solchen Worten blieb dem Stadtrat nichts anderes übrig als dem Bau der russischen Kirche zuzustimmen. „Die Kirche wurde im Jahr 1913 eröffnet – fuhr Herr Jung fort – es konnte ja niemand ahnen, dass ein Jahr später der Erste Weltkrieg ausbricht“.

Heute verläuft die Straße des 18. Oktobers in Leipzig zwischen der Gedächtniskirche und dem Völkerschlachtdenkmal. „Die St.-Alexi-Gedächtniskirche ist ein Wahrzeichen der Stadt. Früher konnte man von der Aussichtsplattform des Völkerschlachtdenkmals sehen, wie von der goldenen Kuppel das Licht entfließt. Ich versichere Ihnen, dass dieses Licht die Stadt Leipzig bald wieder fluten wird“ – versprach der Oberbürgermeister in seiner Rede.

Der russische Botschafter erklärte, dass die Kirche nach dem Abschluss der wichtigsten Arbeiten fast in ihrer ursprünglichen Pracht erscheinen wird. Wladimir Grinin bedankte sich bei der Regierung für Moskau für die tatkräftige Unterstützung des Wiederaufbaus der Kirche. Er betonte, dass nach den Jubiläumsveranstaltungen die Kirche nicht nur ein Denkmal der militärischen, sondern auch der diplomatischen Ehre sein wird. In direkter Nähe der Kirche wurden an diesem Feiertag ein Denkmal für die russischen Diplomaten in Sachsen, die russischen Botschafter Enst Gave, Fedor Sapozhnikow und Iwan Schwaz eröffnet. Der Anlass für die Eröffnung des Denkmals war der 230. Jahrestag der Eröffnung der ersten russischen diplomatischen Vertretung in Sachsen.  

Nach dem Vormittagsgedenkgottesdienst in der Krypta der Kirche und anschließender Kranzniederlegung, trat vor den Besuchern der Kirche der Moskauer Synodalchor auf. Alexander Kibowsky übergab dem Ekklesiarch der Kirche die Ikone des heiligen Alexi von Moskau.

Die Delegation der russischen Hauptstadt nahm an der Diskussion der europäischen Bürgermeister und der Vertreter der nationalen Parlamente zum Thema „Europa und Verantwortung der lokalen und nationalen Behörden“ teil. Die Ehrengäste aus Europa haben symbolische Bäume an den historischen Orten von Leipzig gepflanzt. Vor der S.-Alexi-Gedächtniskirche wurden Birken und Mehlbeerbäume gepflanzt.

Anschließend hielt Herr Tscherjomin im Leipziger Rathaus auf der Sitzung des Stadtrates anlässlich des 200. Jahrestages der Völkerschlacht eine Rede. Er begrüßte die Abgeordneten im Namen des Bürgermeisters von Moskau Sergej Sobjanin. Im Begrüßungswort des russischen Bürgermeisters an die Organisatoren, Teilnehmer und Gäste der Veranstaltung sprach Herr Sobjanin darüber, dass die Völkerschlacht, als Meilenstein in der Weltgeschichte, heute ein Symbol für das vereinigte Europa ist, weil nur das vereinigte Europa mit den alliierten Truppen von Russland, Österreich, Preußen und Schweden die Armee von Napoleon besiegen konnte.  

Die Delegation der Moskauer Regierung organisierte einen Runden Tisch zu den Fragen der Partnerschaft zwischen Moskau in Leipzig. Anfang des nächsten Jahres wird in Moskau eine große Delegation der Leipziger Wirtschaftskreise mit dem Oberbürgermeister Jung an der Spitze, zur Unterzeichnung des Protokolls über die Zusammenarbeit zwischen zwei Städten, erwartet.

Die feierliche Zeremonie „Appell an den Frieden aus Leipzig“, welche dem 200. Jahrestag der Völkerschlacht gewidmet war, fand am 18. Oktober am Ehrendankmal statt. An den Feierlichkeiten nahmen der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz, sächsischer Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Oberbürgermeister von Leipzig Burkhard Jung, Delegation der Moskauer Regierung und Ehrengäste aus ganz Europa teil. Jugendliche aus Österreich, England, Deutschland, Italien, Niederlanden, Polen, Russland, Schweden, Frankreich, Tschechien und Estland haben von der Bühne vor dem 91 Meter großem Denkmal kurze Vorträge in ihrer Muttersprache und in Deutsch gehalten, in welchen sie den Erwachsenen erzählt haben, wie sie die Zukunft Europas sehen, ohne Kriege und Gewalt, ohne Rassendiskriminierung, mit gleichen Rechten und Möglichkeiten für alle, in erster Linie mit dem Recht auf Bildung. Abgeschlossen wurde die symbolische Eröffnungszeremonie des restaurierten Denkmals mit einer Lichtshow „Cosmogole“.

Am 19. Oktober wurden die Feierlichkeiten mit dem festlichen Programm „Europa am Völkerschlachtdenkmal“ fortgesetzt. AM Völkerschlachtdenkmal trat der Männerchor des Sretensky Klosters aus Moskau und Kosaken aus verschiedenen russischen Städten auf. Abgeschlossen wurde der Tag mit der Multimediashow „Imagine Europe“.

Der krönende Abschluss der Feierlichkeiten war die Neuinszenierung der historischen Ereignisse 1813 unter dem Motto „Feuer des Krieges 1813 – Feuer des Friedens 2013“. An einem riesigen kostümierten Fest unter dem freien Himmel in der Nähe von Wachau nahmen über 6000 Darsteller aus vielen europäischen Ländern, darunter auch Russland teil. Über 40 Tausend Zuschauer verfolgen die Inszenierung auf den Tribünen.

Am Reenactment-Fest war Russland durch eine Delegation aus Baschkirien mit Mitgliedern der Reenactmentgruppen aus Ufa „1. Baschkirisches Regiment“  und „Infanterie-Regiment von Ufa“. Die Bogenschützen aus Baschkirien haben vor 200 Jahren an der legendären Schlacht mit den russischen Truppen teilgenommen. Bei Leipzig kämpften die 4., 5., 9., 14. Regimente aus Baschkirien. Am 4. und 7. Oktober 1813 griff die Kavallerie aus Baschkirien die Truppen von Napoleon mit Bögen an. Für ihre außergewöhnliche Treffsicherheit nannten die Franzosen die russischen Bogenschützen „nördliche Amouren“.

Für ihre Tapferkeit und Mut wurden die Soldaten aus Baschkirien mit Orden ausgezeichnet und sogar von Goethe zu sich nach Hause eingeladen. Ildar Schayakhmetv, Vorsitzender des militärisch-historischen Reenactmentklubs „1. Reitregiment von Baschkirien Lyubizar“ erzählt, dass der berühmte Dichter einen Bogen, Köcher und Pfeiler als Geschenk bekommen hat.

„In dieser großen Schlacht haben die alliierten Truppen von Österreich, Preußen, Russland und Schweden die französische Armee von Napoleon Bonaparte besiegt, welcher seine Idee, Europa zu erobern, vergessen musste. Zwei Jahre nach der Völkerschlacht haben Österreich, Preußen und Russland die Heilige Allianz abgeschlossen, welcher später ein Großteil der europäischen Monarchen beitrat. Auch wenn das Bündnis nach wenigen Jahren aufgelöst wurde, sorgte er für eine Zeit für Frieden in Europa“ – erklärte der Leiter des Departements für außenwirtschaftliche und Internationale Beziehung von Moskau Sergej Tscherjomin.