Festival des österreichischen Films
Graz, 8.–13. März 2016

Medienpartner: TV5MONDE

Österreichpremiere Eden
in Kooperation mit FM4
mit freundlicher Unterstützung des Institut Français d’Autriche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kinostart von Eden:
30. April 2015

 

Zu Gast: Mia Hansen-Løve

Mit der Programmschiene Zu Gast setzt die Diagonale grenzüberschreitende Akzente und lässt das österreichische mit dem internationalen Kino in einen Dialog treten. Dieses Jahr bringt das Tribute eine vielversprechende und bereits mehrfach preisgekrönte Stimme des europäischen Kinos nach Graz: die junge französische Filmemacherin Mia Hansen-Løve.

Im Mittelpunkt des filmischen Universums von Mia Hansen-Løve steht ihr Interesse für die Zeit und deren Verstreichen. Mit beeindruckender Zurückgenommenheit inszeniert Hansen-Løve in ihrem bislang noch schmalen Werk komplexe Beziehungen, Lebens- und Liebesgeschichten. Das vermeintlich Unspektakuläre des Alltäglichen rückt sie dabei ins Zentrum ihrer Filme. Die von ihr entworfenen Figuren sind weder Helden noch Sonderlinge, sondern in erster Linie Menschen. Bezugnehmend auf ihr jüngstes Werk Eden (2014), das seine Premiere im letzten Herbst auf dem Internationalen Filmfestival von Toronto feierte, merkte die Regisseurin an, dass es ihr ausdrücklicher Wunsch sei, in ihren Filmen jene Figuren aus dem Schatten treten zu lassen, die nicht im herkömmlichen Sinn Leinwandcharakteren entsprechen.

Eden © Thimfilm

Eden © Thimfilm

Lost in Music: Mit Félix de Givry in der Hauptrolle zeichnet Hansen-Løve in Eden in einer Art Langzeitbeobachtung das Porträt eines jungen Mannes, der sich im besten wie im prekären Sinn in der Musik verliert. Mitte der 1990er-Jahre erlebt Paul einen schwindelerregenden Aufstieg als DJ im Umfeld der French-House-Welle. Doch der ganz große Erfolg bleibt ihm verwehrt. Während die Kollegen von Daft Punk im Lauf der Zeit zu weltweiten Popstars avancieren, gerät Pauls Karriere als DJ alsbald ins Stocken, sein Leben immer mehr aus der Bahn. Auf der Diagonale 2015 wird Eden seine mit Spannung erwartete Österreichpremiere in Kooperation mit FM4 erleben.

Die im Tribute der Diagonale 2015 vorgestellten Arbeiten Hansen-Løves durchschreiten alle auf ihre Weise verhältnismäßig große Zeitspannen. Wir begegnen Menschen, lernen sie ein Stück weit kennen, verlassen sie an einem mehr oder weniger beliebigen Ort und treffen sie Jahre später wieder, um sie als andere zu erleben.

Jeder ihrer ersten drei Langfilme legt unaufgeregt, jedoch spürbar intuitiv die verschiedenen Facetten der (weiblichen) Adoleszenz offen. Zugleich sind sie auch Filme über das Erwachsenwerden. In Un amour de jeunesse (2011), ihrem in Locarno prämierten und vielleicht persönlichsten Werk, geht es um die Bewältigung der Liebeskrankheit von Camille. Auf behutsame Weise schafft es die Regisseurin, dass wir in jedem Moment nicht nur an, sondern zugleich auch auf Camilles Seite sind, wenn diese sich ihrem Schmerz hingibt und nicht einsehen will, dass Liebe endlich sein kann.

Tout est pardonné © Filmladen

Tout est pardonné © Filmladen

In Le père de mes enfants (2009), der in Cannes ausgezeichnet wurde, geht es um Clémence und deren Trauer um ihren Vater, während Tout est pardonné (2007) ohne große Gesten und dennoch ungemein eingängig Pamelas Emanzipation von der Geschichte ihrer Eltern schildert. In berührender Schlichtheit und jenseits jeglicher manipulativer Plotmechanik lässt uns Hansen-Løve in ihren Arbeiten an den existenziellen Erfahrungen dieser jungen Frauen teilhaben und miterleben, wie diese sich im Lauf der Zeit weiterentwickeln.

2007 schrieb Jean-Michel Frodon in den Cahiers du Cinéma: „Diese Filme erzählen eine sehr komplizierte Geschichte auf eine sehr einfache Weise.“ Kompliziert habe dabei jedoch nichts mit „schwer verständlich“ zu tun. Die Einfachheit bestehe vielmehr darin, „jede Szene so zu filmen, als wäre sie die erste und letzte … als wäre sie der ganze Film“. Die Drehbuchautorin und Regisseurin führt diese ungewöhnliche Art des Erzählens in Interviews gern auf die Tatsache zurück, dass sie keine formelle Filmausbildung genossen hat. Ihre Filmschule seien vielmehr die Sets von Olivier Assayas gewesen und ihre Arbeit als Filmkritikerin bei den Cahiers du Cinéma, wo sie viel über die Ökonomie des Schreibens und den präzisen Ausdruck gelernt habe, bevor sie sich ausschließlich dem Filmemachen widmete.

Im Rahmen des internationalen Specials der Diagonale 2015 werden neben allen vier Langfilmen Hansen-Løves auch der Kurzfilm Après mûre reflexion (2004), und eine aus zwei Filmen bestehende Carte blanche für Mia Hansen-Løve gezeigt.

 

Biografie Mia Hansen-Løve

Mia Hansen-Løve © Olivier Vigerie

Mia Hansen-Løve © Olivier Vigerie

 

Nachdem die 1981 in Paris geborene Mia Hansen-Løve als 17-Jährige von Olivier Assayas in Fin août, début septembre (1998) besetzt worden war und anschließend in Les destinées sentimentales ein zweites Mal für ihn vor der Kamera stand, brach sie das Schauspielstudium ab und arbeitete von 2003 bis 2005 als Filmkritikerin für die renommierten Cahiers du Cinéma. Aus dieser Zeit stammt auch ihr erster Kurzfilm. Der Produzent Humbert Balsan wurde auf sie aufmerksam und wollte ihr Spielfilmdebüt produzieren. Während der Dreharbeiten zu Tout est pardonné (2007) nahm er sich das Leben. Le père de mes enfants (2009) nimmt auf dieses Ereignis Bezug. Auch in den weiteren Kinofilmen, Un amour de jeunesse (2010) und Eden (2014), finden sich autobiografische Spuren. So basiert Eden auf den Erfahrungen ihres Bruders Sven, der auch am Drehbuch zum Film mitgeschrieben hat.

 

Die Diagonale 2015 präsentiert:

Eden (FR 2014)
Un amour de jeunesse (FR/DE 2011)
Le père de mes enfants (FR/DE/BE 2009)
Tout est pardonné (FR 2007)
Après mûre reflexion (FR 2004)

 

Carte blanche

Le pélican (Gérard Blain, 1973)
Ådalen 31 (Bo Widerberg, 1969)