Plattdeutsche Serie

Lektion 1: Tahlen (Zahlen) Mehr...

Een, twee, dree, veer, fief, söss, söven, acht, negen, teihn. Daarto: de eerste, de twete, de drüdde, de veerte, de föffte, de sösste usw. jümmer mit „te“ an'n End. Un jüst so geiht dat wieder mit: elven – de elvente, twölf – de twölfte, un denn dörteihn – de dörteihnste, veerteihn – de veerteihnste usw. Jümmer mit „ste“ an'n End. Na twintig kummt: dörtig, veertig, föfftig, sösstig, söventig, achtig, negentig, hunnert. Un eenuntwintig, tweeuntwintig usw. bit hen na negenunnegentig. Gifft uk Plattdüütsche, de seggt statts achtig – tachentig. De 88 höört sik op de Oort kandidel (lustig) an: tachentachentig. (fw)

Lektion 2: Die Uhrzeit (1) Mehr...

Wat de Klockentiet (Uhrzeit) betrifft: De plattdüütsche Klock (Uhr) hett uk 24 Stünnen, man blots twölf Tahlen. So heet dat „Klock veer“, „Klock söven“ or „Klock teihn“. Blots wenn nich klaar is, of vörmiddags or namiddags, middags or bi de Nacht meent is, heet dat „Klock veer namiddags“, or „Klock een bi de Nacht“ or „Klock negen an'n Vörmiddag“ usw.
Heet dat in Hoochdüütsch „acht Uhr“ is dat in Platt „Klock acht“. Uk bi halve Stünnen sett vele Plattsnacker „Klock“ vörweg. Aus „halb drei“ in Hoochdüütsch warrt in Platt „Klock halvig dree“. Man „Klock“ seggt se blots bi vulle un halve Stünnen.
Ist es zum Beispiel 16 Uhr und 10 Minuten heet dat in Platt „teihn Minuten na veer“ und 6 Uhr und 40 Minuten heet „twintig vör söven“. Viertel vor sieben heet op Platt „veerdel vör söven“ un viertel nach acht is op Platt veerdel na acht.
Jemanden nach der Uhrzeit fragen, kann man so: „Wat is de Klock?“ or ok: „Wo laat is dat?“ (fw)

Lektion 3: Die Uhrzeit (2) Mehr...

Wie spät ist es? oder „Wo laat is dat?“ – die Uhrzeit.
„Ik heff een Klock köfft.“ – eine Uhr gekauft.
Un „een Klock“ kann ok eine Glocke bedüden (bedeuten). Daarto een ganz gediegen Snack ut de Tiet, as de Hollänner in Buxtu weern un den woll jedereen al maal höört hett: „In Buxtehude, wo die Hunde mit dem Schwanz bellen“, op Platt: „In Buxtu, wo de Hunnen mit den Steert bellt.“ Meent sünd aver de Karkenklocken. Man hier sünd Wöör ut de Nedderlannen mit hooch- un plattdüütsche Wöör vermengeleert worrn un hett egens nix mit een Hund to doon. De Lüüd in Buxtu hebbt dunntomalen noch mit een Hamer op de Klocken slagen. De Hollän-ner aver bunnen een lang Reep (Seil) an den Klöppel (Bammel) un kunnen op de Oort lüden. Weer dat Seil an End wat utfranzt, harr de Ähnlichkeit mit een Hunnensteert. Un „bel-len“ meent klingeln, schellen, läuten.
Hier noch een Snack: Wenn een wat opsnappt hett un sik mäch-tig wichtig daarmit deit, aver von de Saak gor keen Ahnung hett, heet dat: „He hett de Klocken lüden höörn un weet nich, wo se hangt.“ (fw)

Lektion 4: De Dag Mehr...

De Dag fangt an mit den Morgen or Vörmiddag. Am frühen Morgen kann heten vörmiddaags or fröh an'n Morgen or vör Dau un Dag . Denn kummt Middag. Mittagspause machen heet: Middag maken. Jetzt machen wir eine Pause heet in Platt mehrsttiets nu maakt wi Foffteihn. Un so geiht dat wieder mit den Namiddag (namiddaags), den Avend (avends) un de Nacht (nachts).
Söven Daag hett de Week (Woche). Jümmer wenn wat an een un den sülven Wekendag passeert (montags, dienstags usw) is dat in Klammern achteran sett. Dat geiht los mit Maandag (maandaags), Deensdag (deensdaags), Middeweek (middewekens), Donnersdag (donnersdags), Freedag (freedaags), Sünnavend (sünnavends) un Sünndag (sünndaags). Wochenende heet Wekenend und Feiertag is Fierdag (Mehrzahl: Fierdaag).

Lektion 5: Vorstellen Mehr...

Wenn jemand sich mit seinem Namen vorstellt, wird in der Regel das Verb „wesen“ (sein) benutzt: Ick bün Christian. Un wokeen büst Du?Möglich ist auch das Voranstellen von „mein Name ist“. Mien Naam is Christian.

Lektion 6: Begrüßung Mehr...

Die klassische Begrüßung ist „Moin“, wobei man Moin zu jeder Tageszeit sagen kann. Es gibt Gegenden, in denen auch Moin, Moin gesagt wird. Bei uns ist die Dopplung zu vermeiden. Eine Theorie besagt, Moin stamme vom plattdeutsch-friesischen „moje“. Das bedeutet gut oder auch schön.

Am Morgen sagt man auch „Goden Morgen“ oder nur „Morgen“. Am Tag hört man „Goden Dag“ oder „Dag ok“. Gegen Mittag tut es auch ein „Mahltied“. Am Abend begrüßen sich die Menschen mit „Goden Avend“ oder nur kurz „’n Avend“. Zum Schluss heißt es dann „Gode Nacht“.

Lektion 7: Das Hilfswerb „haben“ Mehr...

Präsens: Ich habe – ik heff; du hast – du hest; er/sie/es hat – he/se/dat hett; wir haben – wi hebbt; ihr habt – ji hebbt; sie haben – se hebbt.

Ik heff een Fro. Du hest een Fründin. He hett twee Hüüs (Häuser). Wi hebbt dree Kinner.

p Vergangenheit: „gehabt“ – hatt; ik heff hatt, du hest hatt, he/se/dat hett hatt, wi/ji/se hebbt hatt.

Ik heff een Fründin hatt. Du hest twee Froon hatt. Se hett een Huus hatt. Ji hebbt fief Kinner hatt.

So, de Lex mit haben „hebbt wi hatt“.

Lektion 8: Das Hilfsverb „tun“ Mehr...

Ich tue – ik do, du tust – du deist, er/sie/es tut – he/se/dat deit, wir tun – wi doot, ihr tut – ji doot, sie tun – se doot.
Aber „doon“ bedeutet nicht nur aktives Tun, sondern steht auch als Ergänzung oder Betonung anderer Tätigkeiten:
„Ich freue mich, wenn der alte Motor läuft.“ – Ik freu mi, wenn de ole Motoor dat noch deit.
„Das ist nicht zu ändern.“ – Daar is nix an to doon.
Is doch eenfach, or!?
„Stellt Euch man nicht so an.“ – Doot man nich so

Lektion 9: Das Hilfsverb „sein“ Mehr...

Heute: Erklären (Verklaren) des Hilfsverbs „sein“: ik bün, du büst, he/se/dat is, wi/ji/se sünd; Ik bün hier to Besöök (zu Besuch). Du büst hier tohuus (zu Hause). He is Muurmann (Maurer). Wi sünd ut Beers (Bad Bederkesa).
Ein weiteres Hilfsverb ist „werden“: ik warr, du warrst, he/se/dat warrt, wi/ji/se warrt.
„Ik warr kamen.“ – Ich werde kommen. „Du warrst töven.“ – Du wirst warten. „Ji warrt wunnerwarken.“ – Ihr werdet staunen.
Woort för Woort översetten von een Spraak in een annere, egaal in welke, höört sik faken (oft) holperig an. Dat liggt daar an, dat du hoochdüütsch denkst, wat du op platt seggst. Hauptsaak is aver doch, dat dien Gegenöver versteiht, wat du em seggst or fraagst!
Also gellt: Snack so as di de Snavel wussen is. Beispiele, (nicht wörtlich übersetzt):
„Sie kann bei ihm nichts ausrichten.“ – Se kann bi em nix warrn. „Das ist zwecklos.“ – Daar warrt nix von. „Er kann es noch zu etwas bringen.“ – Ut em kann noch wat warrn.

Lektion 10: Aussprache des „a“ Mehr...

Wenn du mit een Plattsnacker kabbeln (streiten) wullt, snack von de Schrievwies. Dat Verdregen achterna – bi Kööm un Beer – is doch to un to schöön. Dat geiht sünners goot bi „Selbstlauten“, ok in Hoochdüütsch.
Bi Wal, Saal, Wahl, Beet, Befehl, Rede, Seele, äu, eu, oi, Stil un Stiel, Boote un Bote,     Sohle un Mole, Stuhl un Mut is keen Ünnerscheed to hören.
Aver wi all weet, wo de Wöör to schrieven sünd, wiel wi dat lehrt hebbt.
Blots in Platt schrifft doch so männicheen, as he meent (phonetisch). Dat troot de sik in Hoochdüütsch nich. Süht ja ok dummerhaftig ut. Blots bi Platt markt dat nich jeder foorts (sofort).
Dat „a“ in Plattdüütsch höört sik faken (häufig) an as dat in Hoochdüütsch klingt bi Nord, Mord, Morgen, Sorgen, fort. Dat is keen „o“ un keen „a“, sünnern een „open a“. Un dat gellt (gilt) in Platt för düsse Wöör: Straat, Kahn, Saal, Spraak, laat, Malen un annere mehr.
Jümmer, wenn in een Woort een langes „a“, „aa“ or „ah“ steiht, warrt dat as een „open a“ spraken.
Kabbelt man noch'n beten. Ik düker (tauche) eerst maal ünner.

Lektion 11: Snacks Mehr...

So wie im Hochdeutschen gibt es natürlich auch im Plattdeutschen Sprüche. Hier ein paar besonders schöne:
„Do wat Du wullt, de Lüüd snackt doch.“
Dieser Satz bedeutet: Egal, was Du tust, die Menschen reden über Dich. Denn niemand ist vor dem Geschwätz der anderen sicher.
„Wat de Buer nich kennt, dat fritt he nich.“
Die Menschen gehen gerne ihren Gewohnheiten nach. Deshalb stehen sie Neuerungen skeptisch gegenüber. Was der Bauer nicht kennt, dass frisst (isst) er nicht.
„Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigall.“
Was des einen Eule, ist des anderen Nachtigall. Hier die eher unheimliche Eule, da der fröhliche Sänger der Dämmerung. Gemeint sind Gegensätze, der eine mag klassische Musik, der andere nicht.
„'N beten scheev hett Gott leev.“
Ein bisschen schief hat Gott lieb. Bezeichnung für verwachsenen Menschen oder nicht akkurate Handwerksarbeit.

Lektion 12: Modalverben können, sollen und dürfen Mehr...

Du schallst nu Plattdüütsch lernen, nee nur wenn Du dat ok wullt. Man mutt dat nich, over man kann bi uns wat lernen, mitmoken dröff jeder. Allens klar?
Modalverben können als Vollverben in einem Satz benutzt werden, meistens stehen sie aber zusammen mit einem Vollverb, dessen Bedeutung sie im Satz leicht verändern. So benutzt man sie richtig:
- können/könen: ik kann, du kannst, he/se/dat kann, wi köönt, ji köönt, se köönt
- sollen/schölen: ik schall, du schallst (das ll wird nicht gesprochen), he/se/dat schall, wi/ji/se schüllt (das ll wird im Plural nicht gesprochen)
- dürfen/dörven: ik dröff, du dröffst, he/se/dat dröff, wi/ji/se dröfft
- wollen/willen: ik will, du wullt, he/se/dat will, wi/ji/se wüllt
- müssen/möten: ik mutt, du muttst, he/se/dat mutt, wi/ji/se mööt
- möchten/mögen: ik mag, du magst, he/se/dat mag, wi/ji/se möögt. (cd)

Lektion 13: Hilfsverben warrn, hebben Mehr...

- warrn/werden: ik warr, du warrst, he/se/dat warrt, wi/ji/se warrt.
- hebben/haben: ik heff, du hest, he/se/dat hett, wi/ji/se hebbt.
Die Bedeutung von warrn ergibt sich häufig erst aus dem Zusammenhang.
Wat schall dorvun warrn? Was soll dabei herauskommen.
He kann nix bi ehr warrn. Er kann nicht bei ihr landen. (cd)

Lektion 14: Brüche un Gewichte Mehr...

1/2 = een half,
1/3 = een drüddel,
1/4 = een veerdel,
1/8 = een achtel,
1/20 = een twintigstel,
1/100 = een hunnertstel,
1/1000 = een dusendstel
500 g = fiefhunnert g or een Pund
1000g = dusend g or een Kilo
1500g = annerhalf Kilo or dree Pund
250g = een half Pund
125g = een veerdel Pund (fw)

Lektion 15: Johrns-Tahlen allgemeen Mehr...

Von 6. Johrhunnert (Jh.) an sünd de Sachsen de Kelten in England mächtig op't Fell rückt; in 1291 is de Schweiz gründt worrn; siet 12. Jh. gifft dat achter den Vörnaam in Düütschland Familiennaams; een Drüddel von de Minschen in Europa sünd in't 14. Jh. an de Pest storven.
Johrns-Tahlen to'n 9. November:
p 1918 – negenteihnhunnert-achtteihn
p 1923 – negenteihnhunnert-dree-un-twintig
p 1938 – negenteihnhunnert-acht-un-dörtig
p 1967 – negenteihnhunnert-söven-un-sösstig
p 1989 – negenteihnhunnert-negen-un-achtig (fw)

Lektion 16: Flächenmaße Mehr...

mm, cm, dm, m, km sünd ok in Platt nix anners. Daarto kennt wi Ar (1a = 100 m²), Hektar (1ha = 10.000 m²) un Morgen (1mg = 2500 m²). (fw)

Lektion 17: Bildhafte Verben Mehr...

Das Plattdeutsche ist bei vielen Menschen hier in Norddeutschland so beliebt wegen seiner handlungsorientierten, verbalen Sprache. Viele Dinge kann man so einfach und direkt aussagen. Aufallend sind auch die vielen lautmalenden und bildhaften Wörter. So gibt es eine Reihe von Verben, die ein Bild in sich tragen. Wenn Sie jemanden „smustergrienen“ (schmunzeln) sehen, haben Sie ein solches Gesicht gleich vor Augen. Und auch „lickmulen“ macht mehr Spaß, als das hochdeutsche „schlecken“. Wer etwas nicht weiß, wird „tuckschullern“ (mit den Schultern zuc-ken), und beim nächsten Mal genau „luuk-ohren“ (lauschen), und wenn er dann verstanden hat „nickkoppen“ (mit dem Kopf nicken). Darüber, dass einige vor anderen „duuknacken“ (dienern) oder immer etwas „begriesmulen“ (etwas schlecht machen), kann man nur „schüttkoppen“ (den Kopf schütteln). Vielleicht aber sollte man, wie es auch der Plattdeutschen Art ist, nicht alles gar so ernst nehmen und öfter mal listig „knippögen“ (mit den Augen zwinkern).  (Gro)

Lektion 18: Das Futur Mehr...

Wer möchte nicht gern in die Zukunft schauen können, um zu wissen, was morgen passiert. Zumindest die Absicht können wir mit dem Futur ausdrücken: "Ich werde dich besuchen." Auf Platt: "Ik warr di besöken." Gebildet wird das Futur durch Personalformen von "werden (warrn)" und dem Infinitiv des Verbs "besuchen (besöken)". Doch die Plattdeutschen mögen diese etwas sperrige Ausdrucksweise nicht so gern. Sie sind gegenwartsbezogener und drücken Zukünftiges lieber im Präsens aus. Dabei drücken sie die Information "Zukunft" in zukunftsbezogenen Adverbien oder Wortgruppen aus. " Ik besöök di morgen", "Ik fohr tokamen Week na Berlin", "He arbeit över-morgen nich" oder "Ik meld mi disse Daag (in den nächsten Tagen) noch bi di". Eine weitere Art, Zukünftiges auszudrücken, wird mit den Hilfszeitwörter "willen" oder "schölen" ausgedrückt. Ich werde ein Buch lesen: "Ik will een Book lesen" oder: Du wirst dich wundern. "Du schallst di wunnern". Was Ihnen die Zukunft bringt, weiß ich nicht, aber ich hoffe: Alles wird gut! "Allens schall woll goot warrn."(Gro)

Lektion 19: Das Partizip Präsenz (Mittelwort) Mehr...

Kennen Sie auch diesen schönen Kanon: "Lachend, lachend, lachend, lachend kommt der Sommer über das Feld, usw". Die Form des Verbs "lachend" ist Partizip Präsenz. Man sagt auch Mittelwort, weil es mitten zwischen dem Verb (Tätigkeitswort) und dem Adjektiv (Eigenschaftswort) steht. Es wir häufig benutzt wie ein Adjektiv (das lachende Gesicht), wird aber aus dem Verb gebildet (was tut das Gesicht?). Mittelwörter kommen im Plattdeutschen selten vor. Sie werden gebildet, indem an den Wortstamm ein –en angehängt wird. So entsprechen sie dem Infinitv z.B. "dat lachen Gesicht, de singen Kinner". Bei festen Wendungen treffen wir das Partizip Präsenz öfter an. So bezeichnet man Ebbe und Flut auf Plattdeutsch "aflopen und oplopen Water". "Dat is wassen Wedder, or ok Weer" bezeichnet ein Wetter, bei dem die Pflanzen gut wachsen. Vielleicht kann man jetzt ja von Ihnen sagen: "De dat Blatt lesen Hochdüütsche kriggt Spaaß an de Lüüd tohoop bringen plattdütsche Spraak." (Gro)

Lektion 20: Das Passiv Mehr...

Die Plattdeutsch sprechenden Menschen müssen wohl eher zupackende, aktive Leute sein. Zumindest beim Sprechen und Schreiben drückt sich das darin aus, dass sie das Passiv (Leideform) möglichst vermeiden und sich im Aktiv ausdrücken. "Der Hund wird geschlagen" würde der Plattdeutsche lieber so ausdrücken: " Dor sleit een den Hund". Um das aktive Handeln auszudrücken, holen sie sich eine allgemeine, unbestimmte Person dazu, die das getan hat, wie "een" (man) oder "de Lüüd" (die Leute). Wenn es gar nicht anders geht, dann nimmt auch der Plattdeutsche das Passiv, was dann wie im Hochdeutschen gebildet wird. Man braucht dazu das Partizip (Mittelwort) Perfekt verbunden mit dem Hilfszeitwort werden (warrn). Aus "Die Tür wird von mir gestrichen" wird dann "De Döör warrt von mi streken". In der Vergangenheit wird meist auch hier das Perfekt benutzt: "De Döör is von mi streken worrn". So sind diese Zeilen von einem Freund des Plattdeutschen geschrieben worden: "Disse Rehgen sünd vun een schreven worrn, de man to geern Plattdüütsch snackt". (Gro)

Lektion 21: Das Perfekt (Vergangenheit) Mehr...

Nach dem guten Abschluss eines perfekten Geschäftes in der Vergangenheit kann man auf Plattdeutsch hören: "Dor hest du avers goot wat för kregen!" Oft wird also Vergangenes im Perfekt ausgedrückt. Gebildet wird das Perfekt aus einer Form von "wesen" (sein) oder "hebben" (haben) und der Partizip-Perfekt-Form des Tätigkeitswortes. "Ik bün weglopen", "he hett lacht". Wie im Hochdeutschen verändert sich nur das Hilfsverb (wesen, hebben) in den Personalformen, das Partizip bleibt unverändert: "He is weglopen, se sünd weglopen". Anders als im Hochdeutschen wird das Partizip Perfekt gebildet. Am Wortanfang steht nicht ein ge- (gelaufen, gemacht), sondern es wird nur wie im Hochdeutschen bei schwachen Verben an den Wortstamm ein –t (maakt, lacht) und bei starken Verben ein –en (lopen, sungen) angehängt. Verben der Bewegung verlangen als Hilfsverb eine Form von "wesen" (ik bün flagen, wi sünd utwannert), die anderen eine Form von "hebben" (ji hebbt logen, du hest seggt). Süh, nu hest wedder wat dorto lehrt! (Gro)

Lektion 22: Das Präteritum (Vergangenheit) Mehr...

"Fröher weer allens beter!" Sind deswegen die meisten Geschichten oder Romane in der Vergangenheitsform geschrieben? Allerdings wird das Präteritum – früher Imperfekt - als erste Vergangenheit nur noch selten benutzt. Viel häufiger drücken wir Handlungen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, im Perfekt aus: "Ik heff een Leed sungen", "Ik bün na Huus kamen." Bei schwachen Verben ist das Präteritum im Plattdeutschen oft nicht leicht zu erkennen, weil es der Gegenwartsform (Präsenz) sehr nahekommt oder gar gleich ist. "Ik arbeit in de Stadt" kann also je nach Sinnzusammenhang heißen: "Ich arbeite in der Stadt" oder "Ich arbeitete …" Bei starken Verben erkennt man das Präteritum an der Veränderung des Stammvokals, z.B. "finnen – ik funn, flegen – ik floog, kieken – ik keek, rüken – ik röök". Am meistens verwendet man das Präteritum noch bei den Hilfsverben "wesen (sein), hebben (haben), warrn (werden) doon (tun)" oder bei den Modalverben "mögen, dörven, könen, möten, willen. schölen". "Fröher weer allens beter? Ne: Hüüt is hüüt, un dat is goot so"! (Gro)

Lektion 23: Johrstieden un Maandennaams Mehr...

Fröhjohr, Sommer, Harvst un Winter maakt dat Johr ut.

Dat Fröhjohr warrt regional uk Lent, (hdtsch. Lenz) nöömt.

Die niederdeutschen Monatsnamen sind heute leider weitgehend in Vergessenheit geraten. So hießen

Januar - Sneemaand (Österreich: Jänner),

Februar - Hornung (heute noch gebräuchlich in der Schweiz und am Bodensee),

März - Lentmaand (Frühlingsanfang),

April - Oostermaand (Ostern),

Mai - Maimaand,

Juni - Braakmaand (Brachmonat),

Juli - Haumaand (Heumonat),

August - Aarnmaand (Erntemonat),

September - Harvstmaand (Herbstanfang),

Oktober - Wienmaand (Zeit der Weinlese),

November - Nevelmaand (viel Nebel),

Dezember - Christmaand (Geburt Christi). (fw)

Lektion 24: Die Fälle, Artikel Mehr...

De, den, den, de - de, de, de, de – dat, dat, dat, de - man könnte glauben, hier geht es um die ersten Sprachübungen eines Kleinkindes, aber nein. Heute widmen wir uns den Fällen, den Artikeln im Plattdeutschen. Dabei geht es übersichtlicher zu als im Hochdeutschen, wenn auch nicht so einprägsam wie im Englischen mit "the". So werden die Formen im Dativ und im Akkusativ im Plattdeutschen nicht unterschieden.

Die ersten Fälle (Nominativ Singular, Dativ Singular, Akkusativ Singular) beziehen sich auf die männlichen Formen, die zweiten auf die weiblichen und die dritten auf die sächlichen Artikel. Im Plural heißt es immer de.

Dat Rad hett ne Klingel.

Der Genetiv wird nicht wie im Hochdeutschen gebildet (Artikel plus Substantiv; des Mannes, der Frau, des Kindes), sondern es sind Umschreibungen notwendig:

He is de Broder von Silke. (Er ist Silkes Bruder)

Den Mann sien Hoot. (Der Hut des Mannes)

De Frau ehr Hund. (Der Hund der Frau)

Für sogenannte nicht-menschliche Objekte gilt: vun + Artikel + Substantiv im Dativ:

Dat Been vun den Hund (das Bein des Hundes). (cd)

Lektion 25: Der Konjunktiv Mehr...

"Harr ik, so wull ik!" diesen Satz habe ich in meinen Kindertagen häufig gehört. Eigentlich ein Nonsenssatz ("Hätte ich, so wollte ich", wörtlich übersetzt), der mir die Absurdität oder Unerfüllbarkeit meiner Wunschvorstellungen vor Augen führen sollte. Der Konjunktiv, die Möglichkeitsform, wird im Hochdeutschen (Der Politiker sagte, dass er für die Zukunft schwarz sehe) aber noch mehr im Plattdeutschen vermieden, weil sie vor allem in der gesprochenen Sprache als gestelzt und fremd empfunden wird. Man kehrt zum Indikativ zurück: "Das Kind sagte, dass es noch nicht lesen kann (Konjuktiv: könne)". So finden wir den Konjuktiv auch im Plattdeutschen vor allem bei der Indirekten Rede: "De Vadder telefoneer, he kööm later na Huus". Sätze, die mit der Konjuktion "wenn" beginnen, erfordern ebenfalls die Möglichkeitsform. "Wenn all Lüüd ehr Stüern betahlen deen, wöör dor noog Geld vör de tweien Straten över". Wie im Hochdeutschen bildet man im Plattdeutschen den Konjuktiv gern mit "würde": "Ik wöer mi freuen, wenn’t jo all goot güng." (Gro)

Lektion 26: Feminine Formen Mehr...

An die Anrede "Frau Bundeskanzlerin" haben wir uns ja inzwischen gewöhnt. Bei der weiblichen Form von Bezeichnungen fügen wir im Hochdeutschen in der Regel ein "-in" an: "Rentnerin, Ärztin, Busfahrerin." Im Plattdeutschen gibt es mehrere Möglichkeiten. Häufig wird ein "-sch(e)" angefügt, wie bei "Verköpersch(e), Schoolmestersch(e), Neihersch(e) oder Doktorsch(e)". Doch auch die Endung mit "-in" gibt es in Platt. Manchmal ist beides möglich: "Lehrerin/Lehrersch(e), Schölerin/Schölersch(e)" manchmal ist nur eine Endung möglich: "Polizistin, Maschinistin, Finanzbeamtin". Wenn eine männliche Form auf "-mann" endet, muss bei der weiblichen Form umschrieben werden: "Koopmann – se verköfft dit un dat, Muermann – se arbeit bi de Muerlüüd, Seemann – se fohrt na See". Einfallsreich, wie die Plattdeutschen so sind, fällt ihnen auch bei ungewöhnlichen Ausdrücken was Neues ein. Denn wenn "de Paster" neuerdings eine Frau ist, sagen sie einfach "Fro Paster". Und in den Plattdeutschen Nachrichten heißt es dann: "Fro Bundeskanzlersch(e) hett seggt, dat …". (Gro)

Lektion 27: Fragepronomen Mehr...

Erinnern Sie sich noch an die Liedzeile aus den Anfangszeiten der Sesamstraße "…Wer nicht fragt, bleibt dumm!" Das Fragen ist einer der wichtigsten sprachlichen Möglichkeiten beim Weg ins Leben. Eingeleitet werden die meisten Fragen durch Fragepronomen: "Wer? Wie? Was? usw." Im Plattdeutschen werden bis auf die Ausnahmen "Wat? (Was?), Wannehr? (Wann?) Welk? (Welche?)" alle Fragewörter in Zusammensetzung mit Wo? gebildet. Dabei heißt "Wo?" allein entweder "Wo?" Oder aber auch "Wie?"(Wo hest du dat maakt?) Es gibt Fragewörter, die man nicht trennen kann, wie "Woans? (Wo?), Wonem? (Wohin?), Worüm? (Warum?) Wokeen? (Wer). Bei letzterem lässt man gern das "wo" weg: "Keen büst du denn? (Wer bis du denn)". Trennbare Fragewörter sind z.B.: Wohen? "Wo geihst du hen?", Wovon? "Wo leevst du von?", Wona? "Wo smeckt dat na?". Schließlich gibt es Konstruktionen aus mehreren Wörter, die Fragesätze einleiten: "Wat för een Profeschoon hest du?". Sie antworten doch sicher: "Ik bün een Plattdüütschen." (Gro)

Lektion 28: Imperativ Mehr...

"Kummandeer mi nich so rum! Ik weet sülven, wat för mi goot is." Auf die Befehlsform (Imperativ) reagieren viele Leute nicht immer freundlich. Aber meist steckt dahinter ja nur die gut gemeinte Aufforderung, etwas Bestimmtes zu tun oder zu lassen. Im Plattdeutschen nimmt man dazu den Wortstamm des Verbs ohne Endung: "Kummanderen – kummandeer! Seggen, segg! Lopen – loop! Snacken - snack!" Wenn Sie die Aufforderung an mehrer Leute richten wollen, benutzen Sie die Pluralform des Verbs: "Wi danzt – danzt! Wi singt – singt!" Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, z.B.: "Doon – do! – doot! Könen – kann! – köönt! Mögen – mag! – möögt! Sehn – süh! – seeht! Typisch plattdeutsch heißt "Setze dich!" auf Platt "Gah sitten!" oder "Sett di daal!" Ja, denn man to: Nehm di een Stohl un sett di daal! Röög di nich un snack nich so veel! Luster goot to un paas up, wat ik di segg! Denn do, wat du wullt, de Lüüd snackt doch! Dat best is: Snack Platt, ik do dat ok! (Gro)

Lektion 29: Lehnwörter aus dem Französischen Mehr...

Viele Menschen regen sich heute auf über das "Denglisch", die Zunahme von englischen Worten, die unseren Alltag heute bestimmt. Im Plattdeutschen hat sich ein ähnlicher Vorgang schon vor 200 Jahren ereignet, allerdings mit dem Französischen. Diese Worte gehören heute wie selbstverständlich zum plattdeutschen Wortschatz. Farbe heißt "Klöör" vom französischen "couleur", gehen wir zurück, heißt es "retuur" (retour), und sind wir "praat" (parade), dann sind wir fertig. Wir haben es gern "kommodig" (commode) und so leicht bringt uns nichts aus der "Fassong" (facon). Wer hätte gedacht, dass in den folgenden drei Sätzen zehn französiche Lehnwörter stecken: "He seet in den Bredullje (bredouille), as em de Buddel (bouteille) direktemang (directment) von de veerte Etaasch (etage) daal full. Dat weer een Mallöör (malheur) un partu (partout) keen Pläseer (plaisir). He sä "Pardong" (pardon) in den Momang (moment) un weer nu op ’n Kiewief ("Qui vive" – Losungswort). Die französische Endsilbe "-age" hören wir in Wörtern wie Kledaasch und Packelaasch. Un ik segg nu tschüüß (adieu). (Gro)

Lektion 30: Personal-Pronomen Mehr...

Pronomen, wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt sind Fürwörter. "För alle Naams, un Lüüd, un Saken nehmt Se een lüttet Woord." Hier einige Bespiele: "Kathrin süht Hinnerk. Se süht em." "De Schoolmester fragt de Kinner. He fraagt jem." "De Spegel is twei. He is twei." Jeder von uns kann die Personal-Pronomen auf Hochdeutsch runterrappeln: ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie. Das geht auch auf Platt: ik, du, he, se, dat, wi, ji, se. Wenn das Fürwort für ein Hauptwort im Dativ oder Akkusativ steht, gibt es auf Platt nur jeweils ein Wort: mi, di, em, ehr, dat, us, jo, jem. Ein Reflexiv-Pronomen bezieht sich als Objekt des Satzes immer auf das Subjekt. "Ich schäme mich. Ik schaam mi. Du schaamst di. He schaamt sik. Wi schaamt us. Ji schaamt jo. Se schaamt sik." Nach einem leckeren Aal-Essen prostet man sich mit einem Löffel Kööm gern so zu: "Ik se di. Dat freut mi. ik suup di to. Dat do. Ik hebb di tosapen. Hest den rechten drapen." Un denn ward de Leepels ümdreiht, un daar dröfft keen Druppens mehr daalfallen. (Gro)

Lektion 31: Pluralbildung Mehr...

"Mehr" ist ein Wort, das immer wieder zu Höchstleistungen antreibt: mehr Geld, mehr Macht. Bei der Mehrzahlbildung gibt es im Hochdeutschen mehrere Möglichkeiten, im Plattdeutschen aber noch mehr. So verändert sich in einigen Fällen bei der Mehrzahl das Wort nicht: "Een Fisch – twee Fisch, een Stück – dree Stück". Häufig wird ein "-en" oder "-n" angehängt: "Een Straat – veele Straten, een Appel – veer Appeln." Dabei wird der harte Laut machmal am Ende weich: "De Tiet – de Tieden." Eine andere Wortverlängerung wird mit "-er" gebildet, zusätzlich wird manchmal aus einem langen "o" ein "ö": "Een Ei – teihn Eier, dat Book – de Böker." Schließlich wird einfach ein "-s" angehängt: "Een Deern – twee Deerns, een Jung – dree Jungs." Die Veränderung des Selbstlautes ist eine weitere Pluralbildung: "Een Boom – veele Bööm, een Schipp – veele Scheep, een Dag – twee Daag." Bei Wörtern, die auf "-nd" enden, wird in der Mehrzahl ein "-nn" daraus: "Een Kind – twölf Kinner, een Hand – twee Hannen." Schließlich gibt es noch die Pluralbildung mit "-lüüd": "Seelüüd und Muerlüüd sünd meist Mannslüüd, keen Fruunslüüd."(Gro)

Lektion 32: Possessiv-Pronomen Mehr...

Mein und Dein zu unterscheiden lernen wir von Kindesbeinen an. Denn wer das nicht kann, gerät recht schnell in Konflikt mit seinen Mitmenschen. "Mein Auto, mein Haus, meine Yacht, mein Pool!": wer so auftrumpfen kann, glaubt dass er es geschafft hat. Natürlich gibt es auch im Plattdeutschen die Possessiv-Pronomen, die zur Klärung der Besitzverhältnisse erforderlich sind. "Ik – mien, du – dien, he – sien, se – ehr, dat – sien, wi – us, ji – jo, se – ehr". Als ich einmal mit einem befreundeten Bauer durch seine Felder ging, um seine Ernte zu bestaunen, kam promt mit einer ausholenden Geste der Satz: "All mien!". Bescheidener und sympathischer klingt dann schon: "Wat mien is, schall uk dien ween." Damit werden aber wohl viele überfordert sein. Ganz alltäglich heißt es dann: "Mien Vadder geiht mit sien Fro in us Goorn spazeern." "An us Strand hebbt vele Lüüd ehr Badtüüch an, un ji sitt in jo Strandkorf". Wenn jemand auf Plattdeutsch ganz deutlich herausgestellt haben möchte, wem etwas nun gehört, dann sagt er mit Nachdruck: "Dat is mien sien!" oder "Dat is dien sien!" Dann ist das ja schon mal geklärt! (Gro)

Lektion 33: Obst und Gemüse Mehr...

Die meisten Obst- und Gemüsesorten lassen sich aus dem Hochdeutschen gut übersetzen, und sind durchaus verständlich, wenn sie auf Platt" ausgesprochen werden.

Dor gifft dat ‘n ganzen Barg von, watt wi kennt un ok bi uns op ‘n Disch kummt. Ik will nun mol ‘n poor uptelln. Appelsina, Appel, Beer, Plumm, Brommelbeer, Zitroon, Kiwi, Kassbeer (Kirsche), Eerdbeer, Stickbeer, Jehannsbeer, Banan. To dat Grööntüüch (Gemüse) hört Bohn, Arft, Gröönkohl, Sellerie, Wuttel, Swattwuttel, Rotkohl, Bruunkohl, Wittkohl, Spargel, Kantüffel, Petersill, or Linsen. (jm)

Lektion 34: Präpositionen 1 Mehr...

Wer mit wem ein Verhältnis hat, ist für manche höchst interessant. Um darüber eine Aussage machen zu können, in welcher Beziehung Personen, Sachen, Orte oder Zeiten zueinander stehen, brauchen wir die Präpositionen, auf Deutsch Verhältniswörter, auch im Plattdeutschen. "Dat Auto steiht op de Straat. De Voss löppt dör dat Holt. De Deern geiht mit den Jungen. Ik speel gegen di Football. He is vör mi an de Reeg." Im Hochdeutschen fordern Präpositionen entweder den Genetiv, den Dativ oder den Akkusativ, auf ein Verhältniswort in Platt folgt immer der 4. Fall (Akkusativ). Das kann inhaltliche Mißverständnisse ergeben: "Ik gah in dat Water" kann heißen: "Ich gehe in das Wasser (Richtung)", aber auch "Ich gehe im Wasser (Ort). Vermeiden kann man diese Doppelbedeutung durch eine Ergänzung zum Verb: "Ik gah in dat Water rin. Ik loop ünner de Brügg dör". Im Hochdeutschen wird oft Präposition und Artikel zusammengezogen: in dem – im, an das – ans, zu der – zur. In Platt wird der verkürzte Artikel mit einem Apostroph angehängt: "Ik gah in’t Water. De Voss löppt dör’t Holt. Ik kaam nu to’n Sluss". (Gro)

Lektion 35: Präpositionen 2 Mehr...

Ein Verhältnis zwischen zwei Personen kann manchmal schwierig oder spannend oder besonders sein. So gibt es auch bei den Verhältniswörtern im Plattdeutschen einige Besonderheiten. Wenn ich mich irgendwo hin begeben will, sage ich im Hochdeutschen bei Personen "zu": Ich gehe zu meinem Freund, bei Orten oder Gebäuden "nach": Ich fahre nach Bremen. Im Plattdeutschen sagt man immer "na": Ik loop na Huus, ik fohr na Oma, ik gah na den Koopmann. Für die Präposition "zwischen" gibt es in Platt zwei Wörter: "mank und twüschen". Wenn es sich um eine größere Anzahl handelt, sagt man: "Ik stah mank de Lüüd." Handelt es sich aber nur um zwei Dinge oder Personen, heißt es: "He sitt twüschen de Stöhl." Schließlich gibt es noch Redewendungen und feststehende Verbindungen, bei denen die Verhältniswörter eine weitergehende und besondere Bedeutung haben. Er singt gerade: "He is an’t Singen". Er hat es bald geschafft: "He is dor bald mit dör." Plattdeutsche sind stets verlässlich: "Dor kannst op af". Un wenn een beter platt snacken kann as ik, den segg ik: "He is mi över." (Gro)

Lektion 36: Spielsachen Mehr...

Spielsachen (Speeltüüch) gibt es in Hülle und Fülle. Ob zu Weihnachten oder zum Geburtstag sind die Kinderwünsche groß. Eenfach is dat bi ’n Ball, de heet ok op Platt Ball. Anners: Häufig lassen sich die Begriffe leicht vom Hochdeutschen ableiten – wi Billerbook = Bilderbuch, or Fohrrad = Fahrrad, Footballspeel = Fußballspiel, Handschen = Handschuh, Speeltüch ut Holt = hölten, Keed = Kette, Kledaasch = Kleidung, Marmel = Murmel, Poppenstuuv = Puppenstube, Poppenwagen = Puppenwagen, Boord = Regal, Schüffel = Schaufel, Springtau = Springseil, Pett-Auto = Tretauto. (jm)

Lektion 37: Regionale Vielfalt des Plattdeutschen Mehr...

Plattdeutsch ist kein Dialekt wie Bayerisch oder Hessisch, sondern eine eigene Sprache. Sie wurde 1999 in die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen aufgenommen. Zur Zeit der Hanse war Plattdeutsch die beherrschende Sprache in Nordeuropa. Wie alle Sprachen verfügt auch das Plattdeutsche über Dialekte, die sich regional unterscheiden durch die Aussprache, die Schreibweise, den Wortschatz und den Satzbau. Bei uns wird Nordniedersächsisch gesprochen. Es erstreckt sich vom Oldenburger Land, das Elbe-Weser-Dreieck, Bremen, Hamburg bis nach Holstein. Innerhalb dieses Gebietes gibt es von Dorf zu Dorf Unterschiede in Aussprache und Wortwahl. Nach Westen schließt sich das Ostfriesische und Emsländische an, nach Süden das Westfälische und das Ostfälische, nach Norden das Schleswigsche und nach Osten das Mecklenburg-Vorpommersche. "Das Mädchen spricht" heißt dann in Nordniedersächsisch "De Deern snackt", in Ostfriesisch "Dat Wicht praat", in Westfälisch "Dat Loit küert" und in Mecklenburgisch "De Diern spreekt." (Gro)

Lektion 38: Tätigkeitswörter in der Gegenwart Mehr...

Die Menschen teilen wir häufig ein in "das schwache" und das "starke Geschlecht". Dabei meinen wir Frauen und Männer, sollten uns aber bewusst sein, dass es auch starke Frauen und schwache Männer gibt. Das ist bei den Tätigkeitswörtern (Verben) anders. Im Hochdeutschen wie im Plattdeutschen sind Verben schwach, wenn bei den Personalformen (Konjugation) sich der Wortstamm nicht verändert z.B. "ik maak, du maakst, he maakt, wi maakt, ji maakt, se maakt". Bei den starken Verben gibt es in der 2. und 3. Person Einzahl eine Änderung des Vokals im Wortstamm, z.B. "ik loop, du löppst, he löppt, wi loopt, ji loopt, se loopt". Anders als im Hochdeutschen – hier machen es sich die Plattdeutschen wieder mal einfacher – kennen sie für die Mehrzahl nur eine Endung, nämlich –t. Hier weitere Beispiele. Schwaches Verb: "ik sitt, du sittst, he sitt, wi sitt, ji sitt, se sitt." Starkes Verb: "ik gah, du geihst, he geiht, wi gaht, ji gaht, se gaht". Sühst woll:

Platt snacken is gor nich so swoor.

Troo di man! Kummst al kloor. (Gro)

Lektion 39: Verben und Substantive Mehr...

Plattdeutsch klingt anders als Hochdeutsch, klar! Aber ein weiterer Unterschied fällt auf: Was die Plattdeutschen mit Verben (Tätigkeitswörtern) ausdrücken, erklären die Hochdeutschen gern mit einer Häufung von Substantiven (Hauptwörter). Solche Substantivierungen sind alle die Wörter mit – ung, -keit, -heit, -nis am Ende. Den Satz "Die Bedeutung einer erneuten Steuererhöhung nach Ablauf eines halben Jahres liegt außerhalb seiner Verstehensmöglichkeiten" würde ein Plattdeutscher in etwa so ausdrücken: "Dat se de Stüern na een half Johr al wedder ropsetten willt, dat kann he partu nich verstahn". Bei einer "Vergrößerung" wird auf Platt "wat gröter maakt", eine "Tätigkeit" führt aus, wenn "he weet, wat to doon is". Bei einem "Bedürfnis" "geiht een na Tante Meyer" und "Dummheit" bedeutet "de is man wat dösig". Nach einer "Verzeihung" "sünd se wedder goot miteenanner" und "Schnelligkeit" heißt, dass "een gau lopen kann". Die "Seltenheit" "kummt af un an mal för" und eine Person von großer "Vergesslichkeit" ist "een vergeten Dröömbüdel". (Gro)

Lektion 40: Vorsilben Mehr...

"Das musst du mir mal erklären!" heißt auf Plattdeutsch: "Dat mußt du mi mal verkloren!" Bei einer Reihe von Tätigkeitswörter, die im Hochdeutschen die Vorsilbe "er-" haben, benutzt man in Platt die Vorsilbe "ver-". "Vertell (erzähle) mal, hest di verköhlt (erkältet)! Denn mußt du di’n beten verhalen (erholen)." Und ein anderes Beispiel: "Mann wat hebb ik mi verjaagt (erschreckt), as ik hört hebb, dat dien Koh versapen (ersoffen) is." Bei den andere Verben mit Vorsilben werden diese wie im Hochdeutschen gebildet: "Anziehen – antrecken, aufmachen – opmaken, durchsagen – dörseggen, übersetzten – översetten, einkaufen – inkopen" Auch die Vorsilbe "ver-" kann erhalten bleiben: "Vergessen – vergeten, verdrießen – verdreten, verlieren – verleren." Eins sollten wir uns zu Herzen nehmen un nienich vergeten: "Dat is verlöövt (erlaubt), op’t Amt dien Saak op Plattdüütsch to vertellen (erzählen), uk wenn de Amtmann or Amtfro sik verjagen (erschrecken) kunn." (Gro)

Lektion 41: Rezepte/Gerichte Mehr...

Die Leibgerichte sind von Mensch zu Mensch, aber auch von Region zu Region unterschiedlich. Das gilt auch für Back- und Kochrezepte, beispielsweise für Omas Kuchenteig oder Tante Lottes Sauerbraten.
Allgemeen ward seggt: Eeten ward dat, wat op ‘n Disch kummt. Dat den een or annern wat besonners goot smecken deit, wo he na giert, versteiht sik von sölbens. Ik mach geern Swattsuur – anner Lüüd löppt dat kolt över ‘n Rüüch, wenn se dat hört. Overs Speck un Klüten, Gröönkohl, Haxen or Iisbeen mit Suurkruut, Buernfröhstück or Arfen mit Schinken un junge Kantüffeln mach ik ok. Un natürlich Fisch: Gnoot smeckt to jede Johrestied, mi am leevsten, wenn de Dannen gröön sünd, eben jümmers, Schulln un Matjes in ‘n Mai am besten. Ool mach ik ok geern. Mi is dat egol, op se brad, röökert or in Suur leggt sünd. (jm)

Lektion 42: Aussprache Mehr...

Von Gebiet zu Gebiet hört sich jede Sprache ein wenig anders an - auch unser Hochdeutsch. Höör maal to, wenn Lüüd ut Hamborg, Hessen un Baden hoochdüütsch miteenanner snackt. Daar kannst du nipp un nau ruthören, woneem de tohuus sünd. Worüm schall dat in us Platt anners wesen? Snack free von de Lebber weg, aver schriev keen Privaatplatt (phonetisch). Höörn kannst in Hooch un Platt faken nich, wo dat schreven warrt. Bi "geven" un "Segen" höört wi een "g", aver bi "wenig" klingt dat bi den een as "k" (wenik) un bi den annern as "ch" (wenich). In Platt warrt dat "g" an'n End von een Woort jümmer as "ch" spraken, to'n Bispeel bi "de Weg" (Wech). Bi "Giro", "Genie", "Blamage" is een "sch" or "dj" to höörn, aver schrieven doot wi "g". Jüst so verdwars is dat bi anner Bookstaven, to'n Bispeel "Tag", kann sik anhöörn as "Taak" or uk as "Tach". Un is keen Ünnerscheed bi "Achsel" un "Axel" to höörn. Bi Hexe aver schrievt un snackt wi "x". Dat findt ik "schick", äh "chic". Ik bün denn eerst maal weg (spraken: wech). (fw)

Lektion 43: In der Autowerkstatt Mehr...

Unser Nachbar hat eine Reparaturwerkstatt für Autos. Auffällig ist, dass an allen Arbeitsplätzen die Altgesellen nur Platt sprechen.

"Snackt nich so veel, in unse Warksteed ward nich snackt, dor ward arbeit", schimpfte einmal der Meister, "man to, man to. De Lüüd von ’n langen Diek mööt den Wogen waller trüch hem. Hannes, du schasst man gau nee Reifen optrecken." Ein Kunde jammerte: "Wenn blots de Sprit nich so düür wörr."
Der Meister ruft den Lehrling: "Kumm mol gau her. Pack den Stroomwieser, de grode Schruuv, de Sliep- un Bohrmaschien, de Knieptang, de Veerkantslötel un den Wogenhoochdreiher in de grode Kist." (hc)

Lektion 44: Schifffahrt Mehr...

Wenn ’n Mannsminsch ut Osnabrück no Bremerhaven kummt, von dor ut mit en Schipp ’n Krüüzfohrt no Skandinavien mookt, denn kann he wat beleven.
"As wi Klock tein an Bord unse Fröhstück kregen harrn, gung de Reis los. Achter den Hochweg-Lüchttoorn gung unse Schipp jümmer gauer op un dol. Mi hett dat Schuckeln over nix utmokt", vertell de Mann ut Osnabrück. Loter wörr dat fein an Bord, denn dor geev dat jümmer wat to kieken. Eendoon op dat nu Stüür- orer Backboord wörr.  Avends müssen de Lüüd an Bord um Klock söven no jeden Landgang waller an Bord wesen. Denn geev dat en dänisch Avendeeten. Ik bün fröh in de Puuch (Bett) gohn, over foken ins gung dat los. Ik harr lange Tied bi "Tante Meier" (Toilette) nödig. As wi waller in Bremerhaven wörrn, heff ik in ’n Fischereehaven von Bremerhaven Seetungen, Heringen un Knaat eeten. (hc)

Lektion 45: Feiern mit der Verwandtschaft Mehr...

Vondoog is Geboortsdag in Diekhuusen. "Koomt rin", seggt Helke, as de halve Verwandtschop mit mol vor de Döör steiht. Kaffee un Koken stunnen al op ’n Disch.
Un denn worr düchtig snackt över al dat, wat in de Stuuv wörr. So ok över dat nee Schapp. Helga sä: "Wat mi hier sünnerlich gefallt, dat sünd de Klören (Farben). Een is geel, een anner rot un de annern waller gröön. Op disse Ort kannst ni nich wat verkehrt moken mit anner Möbel oder mit de Dischdeeken." Se hebbt nich blots snackt, nee, ok drunken. "Gifft dat noch en Kunjack?" "Warraftig", sä Anna, un schenk noch düchtig welke in. Un an ’n End von de Fier worr waller över dat Schapp snackt. Dorto sä Anna: "Nich wiet von Ollnborg weg wohnt en Mester for Kunst. He kummt vonovend noch un will mit uns ’n lüttjen drinken. Noher kann he sik dat Schapp ankieken. Mol sehn, wat he seggt." (hc)

Lektion 46: Kledoosch Mehr...

For Kledoosch gifft männicheen veel Geld ut. Dat gung so los: Wenn sik fröher ene Fro antrocken hett, denn worr en BH anleggt, denn wörr de Unnerbüx an de Reeg, denn worrn gau de Strümp över de Fööt trocken, un denn en Ünnerkleed. Dat gung denn wieter mit en Kleed, mit Schoh un alldaags ’n Kittel. Is de Fro ut ’n Huus gohn, hett se ok mol enen Rock antrocken, ene Jack oder enen Mantel översmeten, ’n Schaal umhungen oder enen Hoot opsett.
In unse Tied is dat foken nich veel anners as bi de Mannslüüd. Wenn de Froons sik for de Arbeit kloormoken dot, denn geiht dat so: Ünnerhemd, Ünnerbüx, Strümp, Hemd oder Bluus, lange Büxen, ene Jack un ’n Poor Schoh. Alldaags treckt de Lüüd meistensdeels ene Jeansbüx an un enen Pullover. Hanschen un Stevel sind goot for de Wintertied. Bi Sneetieden blievt ok de Stöckelschoh in ’t Schohschapp. (hc)

Lektion 47: Fast vergessene Begriffe Mehr...

Es gibt Worte und Begriffe im Plattdeutschen, die findet man in keinem Wörterbuch, oder sie werden selten benutzt. Zum Beispiel droht das Wort Hamm für Wiese verloren zu gehen. Man findet in plattdeutschen Wörterbüchern für Wiese zumeist nur das Wort Wisch. Meine Mutter, geboren im Land Wursten, sagte früher, wenn sie zum Zahnarzt gehen musste: "Dor geiht mi de Groo vorto". (Da geht mir das Grauen vorweg). Oder sie zitierte, wenn ich von einem Traum erzählte, das Sprichwort: "De Droom is ’n Droch, is al sieleev so ween, un is ’t ok noch". (Der Traum ist Betrug, ist immer schon so gewesen und ist er auch noch). Das Wort stickelhoorig (widerspenstig) hört man selten. Auch das Wort Roffel für Spaten. In Wörterbüchern habe ich diese beiden Worte nicht entdeckt.
Spricht man mit einem redegewandten Kind, so sagt man: "Dat Göör is snuutig", In keinem Wörterbuch steht snuutig. Für sauber hört man im Wurster Land heute noch vereinzelt: kittig, heute fast ein Fremdwort. Das Wort Zaun ist in jedem plattdeutschen Wörterbuch als Tuun aufgeführt. Jedoch nicht das zwischen Weser- und Elbmündung gebräuchliche Wort: Fregen. Selten noch hört man das Wort Fenneln (niedriges Wiesenland). Zwischen Wremen und Sievern kreuzt die Verbindungstraße zwischen diesen beiden Ortschaften (die ehemalige "Specken") im östlichen Bereich der Wremer Feldmark ein Gebiet das man "Swiesfenneln" nennt. (hc)

Lektion 48: Wörterbücher, Teil 1 Mehr...

Es gibt eine ganze Reihe von plattdeutschen Wörterbüchern. Ein bemerkenswertes Nachschlagewerk, besonders für Anfänger zu empfehlen, ist der weithin bekannte "Sass". (Nach dem Sprachwissenschaftler Dr. Johannes Sass.) In der zweiten Auflage steht "Der neue Sass. Plattdeutsches Wörterbuch" (Plattdeutsch-Hochdeutsch und Hochdeutsch-Plattdeutsch) zur Verfügung (Wachholtz-Verlag). Ausführlich und gute Übersetzungen. Sie berücksichtigen besonders den Wortschatz unserer engeren Heimat.
Denn gifft dat noch dat "Plattdeutsche Wörterbuch" von Wolfgang Lindow. De hett Wöör von 30 Hörspelen inbrocht. Ok to dat "Hochdeutsch-plattdeutsche Wörterbuch" (Verlag Schuster, Leer) von Günter und Johanna Harte kann ’n jo seggen.
Un de Böker, de ik nu nömen do, de gellt for enkelte Bundeslänner un sünd to bruken: Beate Henning und Jürgen Meyer: "Kleines Hamburgisches Wörterbuch" (Wachholtz Verlag).
Renate Hermann-Winter: "Neues Plattdeutsch- hochdeutsches Wörterbuch", Hinstorff Verlag, Rostock. Un denn noch von Gernot de Vries: "Ostfriesisches Wörterbuch", Schuster Verlag). Bi beide Böker markt man den Unnerscheed: en ganz annert Platt. (hc)

Lektion 49: Wörterbücher, Teil 2 Mehr...

Das Sprechen dient dazu, dass sich Menschen verständigen können. Daarüm: Solang dien Gegenöver versteiht, wat du seggt hest, kann dat nich verkehrt wesen! Vermengeleern (Mischen) von hoochdüütsche un ingelsche Wöör höört to usen Alldag. Dat markt wi gor nich mehr. Aver fehlt us een plattdüütsch Woort, denn troot (trauen) wi us nich, mehr Platt to snacken. Tüünkraam is dat!!Snack so, as di de Snavel wussen is! Blots wenn een wat schrieven will, schull he Regeln achten. De DUDEN regelt Hochdeutsch. För Platt kennt wi den SASS. De lett regional bedingte Ünnerschede to: für sprechen - spreken, praten, kören, snacken; für Gebiet - Rebeet, Kuntrei, uam. Dat Platt in de Elvmasch (Elbmarsch), Hadeln un Sietland kennt daar een "o" (Stroot), wo annerwegens dat "a" steiht (Straat).A ver hier as dor gellt, dat Wiehnachten mit "t" schreven, aver ohn "t" spraken warrt. Un aver (aber), baven (oben) un Graven (Graben) schrifft SASS mit "v", ok wenn sik dat as een "b" anhöörn deit. Kabbelt (streitet) man noch een beten, aver vergeet dat Verdregen (Vertragen) achterna nich! (fw)

Lektion 50: Adjektive Mehr...

Neudeutsch sagt man ja Adjektiv, viel passender ist das gute alte Wie-Wort. Zusammen mit dem Artikel zeigt die Endung des Adjektivs an, welche Funktion der Ausdruck um das Substantiv im Satz einnimmt. Ähnlich wie im Hochdeutschen verlangt der bestimmte Artikel andere Formen als der unbestimmte.
Es gibt natürlich Maskulinum, Femininum und Neutrum. Ein Beispiel: Singular, Nominativ: een witte Hund, de witte Hund; im Singular, Akkusativ/Dativ: een witten Hund, den witten Hund; im Plural, Nominativ: witte Hunnen, de witten Hunnen; Plural (Akkusativ/Dativ): witte Hunnen, de witten Hunnen. Dat Ganze geiht natürlich ok mit een schwatte Katt or een groot Huus. (cd)

Lektion 51: Steigerung der Adjektive Mehr...

Adjektive zeichnen sich dadurch aus, dass man sie steigern kann. Die Steigerung selbst geschieht wie im Hochdeutschen und dem Englischen in zwei Stufen, dem Komparativ und dem Superlativ. Der Komparativ wird in der Regel dadurch gebildet, dass die Endsilbe -er an das Adjektiv angehängt wird: lütt – lütter. Der Superlativ wird gebildet durch an’n .......sten: an’n lüttsten. Es gibt wie im Hochdeutschen Adjektive, bei denen wird im Komparativ und Superlativ zu a, o und u auch der jeweilige Umlaut (ä, ö und ü) gebildet. Beispiel: jung, jünger, an’n jüngsten. Außerdem gelten die Regeln der lautlichen Angleichung. So wird in der Flexion aus -nd im Auslaut ein -nn- im Inlaut: gesund – gesünner – an’n gesünnsten. Gerät ein stimmloser Konsonant durch die Flexion zwischen zwei Vokale, so wird er stimmhaft gesprochen und auch so geschrieben: wiet – wieder – an’n wietsten. In einzelnen Fällen verändert sich ein langer Vokal in der Steigerung zu einem kurzen Vokal: groot – grötter – an’n gröttsten. Einige Adjektive bilden ihre Steigerungsstufen, indem sie auf andere Wortstämme zurückgreifen: goot – beter – an’n besten; veel – mehr – an’n meisten; geern – lever – an’n leefsten (cd)

Lektion 52: Plattdeutsches Liedgut Mehr...

"Wo de Nordseewellen trecken an den Strand", "Dat Du mien Leevsten büst" or "Herrn Pastor sien Kauh". Plattdeutsche Lieder gibt es wie Sand am Meer und werden auch gerne von Hochdeutschen mitgesungen, ohne dass die alles verstehen. "Lütt Matten, de Haas", ist ebenso bekannt wie "An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüdelband". Wer das Lied nicht kennt, hier der Text:

An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüddelband
in de anner Hand ´n Bodderbrood mit Kees,
wenn he blots nich mit de Been in´n Tüddel kümmt,
un dor liggt he ok all lang op de Nees.
Un he rasselt mit´n Dassel op´n Kantsteen,
un he bitt sick ganz geheurig op de Tung,
As he opsteiht, seggt he: hett nich weeh doon,
ischa ´n Klacks för ´n Hamborger Jung

Refrain
Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,
ruck zuck övern Zaun.
Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien.

An de Eck steiht ´n Deern mit´n Eierkorf
in de anner Hand ´n groote Buddel Rum.
Wenn se blots nich mit de Eier op dat Plaaster sleit,
un dor seggt dat ok al lang "bum bum".
Un se smitt de Eiers un den Rum tosomen,
un se seggt "so'n Eiergrog den hebb ik geern"
as se opsteiht, seggt se: "Hett nich weeh doon,
ischa´n Klacks för´n Hamborger Deern

Refrain
Jo, jo, jo, Klaun, klaun, Äppel wüllt wi klaun,
ruck zuck övern Zaun,
Ein jeder aber kann dat nich, denn he mutt ut Hamborg sien. (cd)

Lektion 53: Wer spricht Plattdeutsch? Mehr...

Noch sprechen 2,6 Millionen Menschen in Norddeutschland Plattdeutsch. Vor 25 Jahren waren es allerdings noch doppelt so viele. Dabei ist zu beobachten: Auf dem Dorf wird mehr Platt gesprochen als in der Stadt. In Küstennähe ist Platt verbreiteter als im Binnenland. Ältere sprechen mehr Platt als Jüngere. Frauen sprechen mehr Platt als Männer.
Die Zahl der Platt-Versteher ist drei Mal so hoch wie die der Platt-Snacker. Plattdeutsch wird gerne gehört. Die Bereitschaft selbst Platt zu sprechen ist natürlich höher, wenn im direkten Umfeld (Eltern, Großeltern, Verwandte) bereits Platt gesprochen wird.
"Sprache kann ganz schnell verloren gehen", sagte Niedersachsens Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) vor Kurzem. "Wir befürchten zwar nicht, dass die niederdeutsche Sprache ausstirbt. Wir müssen aber etwas dafür tun, dass junge Leute sagen, Plattdeutsch ist cool."
Neben Norddeutschland gibt es in der ganzen Welt noch plattdeutsche Sprachinseln, zum Beispiel in Polen, der Slowakei, in Dänemark, mehreren Staaten der einstigen Sowjetunion, in Nord- und Südamerika, Australien und Südafrika. Nach 1945 sind durch die Kriegsfolgen die niederpreußischen und hinterpommerschen Mundarten praktisch verschwunden. (cd)

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