Groundhopping: von Spiel zu Spiel

Groundhopping: von Spiel zu Spiel

Zwickau und Plauen hätte ich sonst wohl nie gesehen, dabei sind das schöne Städte“, sagt David Gohla. Was den Hamburger in die ostdeutsche Provinz führt? Seine Sammelleidenschaft: Fußballplätze. Groundhopping nennt sich sein Hobby, das manchmal fast eine Sucht ist.

Auckland, Sarajewo, Jena: David Gohla kommt rum. Der Hamburger sammelt Fußballstadien, Groundhopping nennt sich sein außergewöhnliches Hobby. Seit 2007 sammelt er, mittlerweile hat David 127 Stadien in 25 Ländern besucht. Ohne Liste geht da nichts mehr. Feste Regeln, wann ein Ground als besucht gilt, gibt es nicht. Davids Regel: Ein Ground muss mit einem Fußballspiel verbunden sein, der bloße Stadionbesuch zählt nicht. Und er versucht, so lange wie möglich beim Spiel zu bleiben, meistens sieht er das ganze. Wenn er aber einen Flieger noch erwischen will oder schon der nächste Ground wartet, können es auch mal fünf Minuten weniger sein.

Bildergalerie: Groundhopper David Gohla

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Foto: David Gohla

Ein Fußballromantiker

„Ich unterscheide zwischen Stadion und Sportplatz. Zu einem richtigen Stadion gehört für mich eine Tribüne“, sagt David. Die großen Arenen, „Klötze am Stadtrand“ wie er sagt, mag er dennoch nicht. „Ich bin eher ein Fußballromantiker, vielleicht auch Nostalgiker. Ich würde ein Zweitligaspiel in Litauen dem spanischen Classico vorziehen.“ Den Fußball, seine Kultur und die Atmosphäre im Stadion, das alles möge er lieber rauh als glatt. Er suche das Besondere. Auch deshalb besucht David lieber Stadien im Ausland – zumal er die der 1. und 2. Bundesliga fast alle kennt. Die internationalen Reisen kosten Zeit und auch die Recherchearbeit vorher ist nicht zu unterschätzen. Groundhopping-Datenbanken helfen. Aber nicht immer könne man sich auf die Informationen verlassen, erklärt David, der hauptberuflich für ein Fußballmagazin arbeitet. Das gelte vor allem für die Ligen in Osteuropa. In Bosnien und Herzegowina hätten viele Vereine nicht einmal eine eigene Webseite, da muss jede Info – zur Anstoßzeit, zum Ort, zum Ticketkauf – irgendwie gegengeprüft werden, auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse. Mehr als ein grober Plan ist da nicht möglich, vieles entscheidet sich erst vor Ort – ein Abenteuer. David mag diese Spannung und die Ungewissheit, sie steigern seine Vorfreude auf die Reise und auf das Spiel.

Eine Tour durch 21 Länder

Die Verbindung seiner Leidenschaften – reisen und Fußball – machen für David beim Groundhoppen den besonderen Reiz aus. Wann immer es geht, versucht er deshalb, etwas von der Stadt, dem Land und der Kultur mitzunehmen. Oder er geht den umgekehrten Weg und verbindet einen geplanten Urlaub mit dem Besuch eines Stadions.

Besonderes Highlight war eine Reise durch den afrikanischen Kontinent, die ihn durch 21 Länder und über 24.000 Kilometer führte. Dabei hat David unter anderem Matches in Namibia und der Elfenbeinküste gesehen. Ein Trip, den David mit Freunden unternahm. Sonst reist er regelmäßig allein. „Bei einer zehntägigen Groundhopping-Tour durch Sachsen und Thüringen hört bei vielen das Verständnis auf“, lacht er.

50 Spiele sieht David im Schnitt pro Jahr. „Manchmal fühlt es sich schon ein bisschen wie eine Sucht an“, sagt er. Aus diesem Grund habe er auch mal auf die Bremse getreten und sogar Spiele abgesagt, als er merkte, dass ihm alles zu viel wurde. „Mein Job ist Fußball, ich spiele selbst Fußball und Groundhopping bedeutet auch Fußball“, sagt er.

An seiner Leidenschaft ändert das aber nichts, auch in diesem Jahr sollen noch ein paar Grounds dazukommen: David möchte ins Mutterland des Fußballs, Norwich City, Stoke City und Leeds United reizen ihn. Die alte Fußballerweisheit gilt eben auch für Groundhopper: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.

Von Eva und Alex