Übergriffe an Silvester Weitere Opfer erstatten Anzeige

  • Kölner Stadtspitze und Polizei beraten am Dienstag (05.01.2016) über Übergriffe in Silvesternacht
  • Bisher haben 90 Opfer Anzeige erstattet
  • Gewerkschaft verteidigt Polizeieinsatz

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Gemeinsam mit dem Kölner Polizeipräsidenten und dem Präsidenten der Bundespolizei will die Stadt am Dienstag (05.01.2016) ein Maßnahmenpaket gegen Übergriffe wie in der Silvesternacht beschließen. Anfang Februar beginnt der Straßenkarneval. Dann werden wieder Hunderttausende Menschen nach Köln kommen. Die Polizei will die Zahl der Beamten zu Karneval im Vergleich zu anderen Jahren deutlich aufstocken. Im Gespräch sind auch Videokameras zur Überwachung des Kölner Hauptbahnhofs. "Man will sich aufstellen für die Karnevalstage und will versuchen zu vermeiden, dass so was nochmal passiert", sagte Heidemarie Wiehler von der Kölner Polizei am Dienstag dem WDR. Der Leiter des Ordnungsamtes Engelbert Rummel fordert eine bessere Koordination zwischen Stadt und Polizei.


Passanten, Haupteingang Kölner Hauptbahnhof
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Am Kölner Hauptbahnhof kam es in der Silversternacht zu zahlreichen Übergriffen

Jäger: "Das nehmen wir nicht hin"

Am Silvesterabend hatten sich auf dem Bahnhofsvorplatz laut Polizei etwa 1.000 Männer versammelt, die "dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum" stammen. Dies hätten alle Zeugen übereinstimmend ausgesagt. Aus der Menge heraus sollen einige von ihnen Frauen umzingelt, ausgeraubt und sexuell belästigt haben. Eine Frau soll vergewaltigt worden sein. Die Zahl der Anzeigen stieg am Dienstag auf 90. Seit Montag seien noch einmal 30 neue Anzeigen hinzugekommen, sagte Wiehler. Bei einem Viertel der Anzeigen handele es sich um sexuelle Übergriffe. Diese seien oft vorgenommen worden, um Diebstähle begehen zu können. Zugleich hofft die Polizei auf weitere Zeugenhinweise, Fotos oder Videos.


Nach den Tätern wird gesucht. Die Polizei hat fünf Männer festgenommen, die Frauen bedrängt und Reisende bestohlen haben sollen. Ob sie auch etwas mit den Taten in der Silvesternacht zu tun haben, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar. Die Polizei will nach eigenen Angaben noch am Dienstag Videos aus dem Hauptbahnhof auswerten, die erst am Dienstag zur Verfügung gestellt worden seien.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) kritisierte die Ereignisse scharf. "Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen", zitierten der Kölner "Express" und der "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag) den Minister. "Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt."

Gewerkschaft verteidigt Polizeivorgehen


Arnold Plickert, stellvertr. Bundesvorsitzender Gewerkschaft der Polizei (GdP)
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Plickert: "Neue Qualität"

Nach Polizei-Angaben sollen alle Einsatzkräfte, die zur Verfügung waren, vor Ort gewesen sein. Doch die Beamten hatten anscheinend nichts von den sexuellen Übergriffen und Diebstählen gemerkt. Der NRW-Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Arnold Plickert, verteidigte das Vorgehen der Polizei. "Die Polizei hat ja eingegriffen", sagte er am Dienstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Nachdem Raketen und Böller in die Menge geworfen worden seien, sei der Bahnhofsvorplatz gegen 23.30 Uhr geräumt worden. Später seien die Männer in Gruppen von bis zu 100 Menschen zurückgekehrt. Zwischen 1.00 und 1.30 Uhr seien die ersten Anzeigen erstattet worden. Wenn 150 Menschen Frauen umzingelten und einen Kordon bildeten, seien die Taten nur schwer zu sehen. Die betroffenen Frauen seien vermutlich so geschockt gewesen, dass sie sich erstmal entfernt hätten. "Das ist eine neue Qualität", sagte er.

Plickert warnte zugleich vor voreiligen Schlüssen. "Wir müssen fein sauber differenzieren", sagte er. Nicht jeder Flüchtling sei ein Straftäter. Man müsse nun genau ermitteln. Es müsse herausgestellt werden, dass nicht die Allgemeinheit sondern eine einzelne Gruppe für die Taten verantwortlich sei.


Nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei in NRW gab es ähnliche Vorfälle auch in Hamburg und Stuttgart, allerdings nicht so massiv wie in Köln. Plickert sprach von bis zu 1.500 beteiligten Männern in Köln. Ein vergleichbarer Fall in dieser Dimension sei ihm bisher nicht bekannt, sagte er in einem weiteren Interview im SWR-Radio. Über die sozialen Netzwerke hatten sich Berichte verbreitet, in Hamburg hätten - ähnlich wie in Köln - Hunderte junge Migranten Frauen bedrängt und teilweise massiv sexuell belästigt. Eine Bestätigung dafür gibt es hierfür laut dem NDR bislang nicht.


Stand: 05.01.2016, 12.06 Uhr