Wilhelm Külz
Wilhelm Külz stammte aus einer sächsischen Pfarrersfamilie, besuchte die Fürstenschule in Grimma und schlug nach dem Studium der Staatswissenschaft eine Kommunallaufbahn ein. Als Anhänger der Nationalliberalen wurde er 1904 Oberbürgermeister von Bückeburg und 1912 von Zittau. Nach vier Jahren als Offizier im Feld schloss er sich 1918 der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) an, für die er ab 1920 im Reichstag saß.

Seine Tätigkeit als Bürgermeister in Dresden seit 1921 wurde 1926/27 durch die Ernennung zum Reichsinnenminister unterbrochen. 1931 wählte ihn das Dresdner Stadtparlament als republikanischen Kandidaten zum Oberbürgermeister. Als Külz sich der nationalsozialistischen Gleichschaltung in Dresden widersetzte, wurde er im März 1933 des Amtes enthoben. Die NS-Zeit überlebte er in der inneren Emigration als Mitarbeiter von Wirtschaftsverbänden, besaß aber Kontakte zu Widerstandskreisen.

Im Sommer 1945 gehörte Külz zu den Begründern der LDP(D), deren Vorsitzender er im November des gleichen Jahres nach einer Intervention der Sowjets wurde. Es gelang ihm zwar, die Berliner LDP(D) als Kern aller liberalen Organisationen in der sowjetisch besetzten Zone (SBZ) durchzusetzen, sein Anspruch auf eine gesamtdeutsche Führungsrolle scheiterte aber im Westen vor allem am Widerstand der württembergischen Liberalen um Theodor Heuss und Reinhold Maier . Diese kritisierten vor allem Külz Nachgiebigkeit gegenüber der SED, die sich etwa in seiner Zustimmung zur Blockpolitik (1945) oder später zur sog. "Volkskongressbewegung" (1947) äußerte.

Innerhalb der SBZ war Külz als Integrationsfigur der verschiedenen liberalen Strömungen weitgehend unangefochten, auch der Widerstand des Landesverbandes Berlin verhinderte nicht die zweimalige Wiederwahl von Külz als LDP(D)-Vorsitzenden. Jedoch scheiterte der Versuch einer gesamtdeutschen liberalen Dachorganisation in Form der Demokratischen Partei Deutschland (DPD), deren Vorsitzende Külz und Heuss waren, an der sich verschärfenden Lage in der SBZ. Kurz vor seinem Tode erkannte Külz offenbar die Absicht von SED und Sowjets, ihn und die LDP(D) als liberales Feigenblatt zu benutzen. Zu einer grundlegenden Kursänderung kam es aber nicht mehr.

Infolgedessen ist das Bild von Külz bis heute umstritten: Die gleichgeschaltete LDP(D)-Führung berief sich später immer bei ihrer völligen Anpassung an die SED auf Külz, und dieser verfügte auch bei der weniger gleichgeschalteten LDP(D)-Basis weiterhin über großes Ansehen. Im Westen galt er dagegen als wohlmeinender, aber wenig durchsetzungs- und konfliktfähiger Politiker, der nolens volens die Errichtung der SED-Diktatur unterstützte. Nach der Wiedervereinigung wurde die liberale Landesstiftung in Sachsen nach Külz benannt.