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4 Heimatkunde und Ausflüge ohne Motorrad

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eine Wanderung zwischen Greiz, Gommla und Kurtschau

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zu Fuß unterwegs im Thüringer Vogtland

Was macht man im Dezember, der kein bunter Herbst mehr und auch kein richtiger Winter ist; nicht Fisch und nicht Fleisch – die Temperaturen aber mehr als einladend sind, raus zu gehen? Man macht eine kleine Wanderung, ohne großes Ausflugsziel, einfach der Nase nach. Temperaturen knapp über 10 bis maximal 15 Grad sind zum Wandern ideal. Die (zwei Tage vor der Wintersonnenwende) relativ tief stehende Sonne tauchte selbst um die Mittagszeit alles in ein warmes Licht – nicht so grell und gleißend wie zur Mittagszeit im Hochsommer. Die Sonne hat zu dieser Jahreszeit auch keine Möglichkeiten mehr und auch nicht die Kraft, in jedem entlegensten Winkel die Waldwege abzutrocknen. Die Feuchtigkeit im Wald, zwischen den kleinen Felsen aus Schiefergestein und besonders in den kleinen, aber tiefen Tälern gab dem Drumherum einen besonderen Reiz.

Unterwegs sind wir zwischen Greiz – der Perle des Vogtlandes – und den Ortsteilen Gommla und Kurtschau. Die Wanderung selbst ist kein Spaziergang. Auch wenn der Weg auf einzelnen Abschnitten befestigt oder gar asphaltiert ist – über weite Strecken ist er es nicht. Nasses Laub, offen liegendes Wurzelwerk, Tannenzapfen, feuchtes Moos sowie ein ständiges Auf und Ab über teilweise recht beachtliche Steigungen oder Gefälle erfordern Kondition und eine gewisse eigene „Geländegängigkeit“. Trittfestes und mindestens knöchelhohes Schuhwerk, das auch mal einen schlammigen Abschnitt wegsteckt, ist ebenfalls Voraussetzung.

Die Wanderung selbst ist ein Rundkurs, man kommt in jedem Falle wieder bei seinem Auto an. Ungefähr 11 Kilometer mit stetig wechselndem Höhenprofil gilt es zu meistern. Drei Startpunkte kann ich empfehlen: entweder der Parkplatz am Arbeitsamt/Gaststätte Holzwurm in Greiz an der B 94/Bruno-Bergner-Straße/Zentastraße; oder der Parkplatz an der B 94/Bruno-Bergner-Straße neben dem Zapfwerk am Imbiss „Pausen-Engel“ – oder der Parkplatz an der Bushaltestelle „Silberloch“ an der Gabelung der B 92/B 94 am Fuße des Gommlaer Berges. Und – egal welchen Startpunkt und egal welche Richtung man sich aussucht – es geht immer gleich mit einem heftigen Aufstieg los. Vom Arbeitsamt-Parkplatz oder dem „Pausen-Engel“ aus entweder in Richtung Gasparinen-Tempel oder in Richtung Gommla; vom Silberloch entweder in Richtung Kurtschau oder Gommla/Schnarrtanne – man startet immer gleich bergauf. Wir hatten uns für den Parkplatz an der B 94/B 92 am Zapfwerk am Imbiss entschieden und starteten den Rundweg in Richtung Gommla.

Durch diese hohle Gasse ..... Start in Richtung Hirschwiese

Blick zurück ins Elster-Tal: Durch diese hohle Gasse ….. Start in Richtung Hirschwiese

Wir laufen mit Blick zum Weißen Kreuz ein kleines Stück in Richtung der „Luftbrücke“, die sich über die Weiße Elster schwingt und biegen alsbald nach links in Richtung Gommla ab. Es ist der Wanderweg mit dem blauen Querbalken. Zunächst recht steil und in einigen engen Kehren erreichen wir auf dem Plateau einen Funk- und Sendemast, der linker Hand als gute Orientierung dient. Hier haben wir auf einem kurzen Stück relativ viel an Höhe zugelegt. Ein Blick zurück und wir kommen zu der Meinung, hier bereits höher zu sein, als das gegenüber liegende Obere Schloß. Danach geht der Weg beinahe ebenerdig und befestigt weiter; nach einer großen Lichtung (rechter Hand) passieren wir die Gartenkolonie „An der Hirschwiese“ (links von uns). Später gesellt sich von rechts der Wanderweg mit dem roten Punkt dazu, der von der Elften Stunde und der Ida-Höhe herüber kommt. Wir laufen aber weiter in Richtung Gommla/Schnarrtanne.

An der Hirschwiese

An der Hirschwiese

Wir bleiben auf dem blau-roten Wanderweg, der hier ein Teilstück des Fernwanderweges von den Saale-Talsperren im Thüringer Schiefergebirge bis zur Ostsee ist. Obwohl beinahe ebenerdig geht es immer noch leicht und fast unmerklich, aber dafür stetig bergauf. Und zwar bis nach Gommla. Die ersten Häuser, die uns erscheinen, gehören zur Gommlaer Siedlung Schnarrtanne. Rechts steht das Forsthaus, wenig später links ein Kindergarten. Gleich danach biegen wir rechtwinklig nach links in Richtung Kurtschau/Silberloch/Weißer Stein ab. Wir streifen die Ausläufer von Gommla also nur. Wir verlassen auch den Wanderweg mit dem blauen Balken, für uns bleibt der rote Punkt bindend. Steil geht es vom Gommlaer Berg hinab ins Tal bis ins Silberloch.  

Blick auf Gommla

Blick auf Gommla

von Gommla hinab ins Silberloch

von Gommla hinab ins Silberloch

im Silberloch

im Silberloch

Im Silberloch scheint es ein wenig abenteuerlich zu werden. Während der Wanderweg zum Weißen Stein eindeutig zu erkennen ist, scheint sich unserer in Richtung Bushaltestelle Silberloch – es ist immer noch der Weg mit dem roten Punkt – im Nichts aufzulösen. Wir stapfen die 300 Meter über die Wiese und überqueren den Bach (keine Ahnung, ob dort jemals ein Steg gewesen ist…) und stehen an der B 92/B 94. Wir überqueren die Bundestraße und dort, wo sich die B 92 und B 94 am Fuße des Gommlaer Berges trennen, gleich nach dem Bosch-Autodienst, schlagen wir den Weg links in Richtung Kurtschau ein. Wieder geht es steil bergauf, diesmal aber asphaltiert.   

Der kleine und zunächst weitläufige Greizer Ortsteil Kurtschau wirkt einladend und beschaulich. Ein Blick zurück zum Gommlaer Berg zeigt uns noch einmal, wo wir hergekommen sind und welchen Höhenunterschied wir überwunden haben. Kurtschau liegt genauso wie Gommla oben auf den Berg gekleckst, nur dass dazwischen das tiefe Silberloch liegt.

Blick von Neu-Kurtschau zurück zum Gommlaer Berg

Blick von Neu-Kurtschau zurück zum Gommlaer Berg

schmuckes Umgebindehaus in Kurtschau

schmuckes Umgebindehaus in Kurtschau

In Kurtschau schlängeln wir uns auf Gassen und Anliegerstraßen durch Siedlungen und kommen an der Rückseite des Gasthofes Kurtschau heraus. Dort überqueren wir die Dorfstraße. Es ist immer noch der rote Punkt, der uns führt. Hinter Kurtschau geht es wieder steil ins Tal, bis wir an eine Wegegabelung kommen. Geradeaus geht es nach Zoghaus; wir schlagen aber eine steile Haarnadelkurve nach links ein und folgen dem roten Punkt in den Höllgrund in Richtung Gasparinentempel/Jahnteich. Obwohl die gesamte Wanderung reizvoll ist, hier ist wahrscheinlich das romantischste Stück der Wanderung. Die kleinen Schieferfelsen, der Bachlauf im Höllgrund, das feuchte Moos und die sattgrünen Bäume, es ist urig hier.    

Abstieg hinter Kurtschau

Abstieg hinter Kurtschau

Wegegabelung vor dem Höllgrund

Wegegabelung vor dem Höllgrund

im Höllgrund

im Höllgrund

Im Höllgrund laufen wir bis zum Abzweig Schafteich/Tempel/Hasenthal; jetzt NICHT mehr dem roten Punkt, SONDERN dem roten Balken folgend. Es geht – wie nicht anders zu erwarten, wenn man aus einem Tal heraus will – wieder einmal bergauf. Regentropfen vom Morgen hängen in kleinwüchsigen Fichten direkt in Augenhöhe und glitzern in der Sonne wie hunderte Diamanten. Wir erreichen Untergrochlitz, überqueren am Schafteich die Dorfstraße und bleiben auf dem Weg mit dem roten Balken in Richtung Schleuse/Hasenthal/Tempel. Nach dem Schafteich und einer Weide tauchen wir wieder in einem Wäldchen unter. Später im Hasenthal stoßen wir wieder auf unseren vorhin verlassenen Weg mit dem roten Punkt.

im Wald unterwegs

im Wald unterwegs

am Schafteich in Untergrochlitz

am Schafteich in Untergrochlitz

Nach dem Hasenthal (die Siedlung liegt trotzdem nicht im Tal), wieder oben auf der Bergkuppe (Schleuse/Milchacker) hat man noch einmal einen schönen Rundblick. Zurück geschaut sieht man Kurtschau und ein Stück Gommla, nach vorn geschaut in die Ferne den Kuhberg bei Brockau/Netzschkau und halblinks beginnt Greiz mit den Ortsteilen Irschwitz und Reinsdorf ins Blickfeld zu rücken.

Weiter geht´s …. Nunmehr wieder auf dem roten Punkt und roten Balken gehen wir in Richtung Greiz Bahnhof/Tempel. Während uns bezeichnenderweise ein Feldhase in Richtung Hasenthal über den Weg rennt, laufen wir weiter in Richtung Sportplatz. Nach passieren des Sportplatzes könnten wir einen Abstecher zum Gasparinen-Tempel machen (links herum). Da wir aber erst neulich dort gewesen sind, sparen wir uns das Stück. Ich muss aber sagen, dass es sich lohnt – und der Weg ist nicht unbedingt weiter als der, den wir einschlagen. Und beide Varianten treffen ohnehin wieder aufeinander.

Blick auf Greiz, die Perle des Vogtlandes

Blick auf Greiz, die Perle des Vogtlandes

Wir laufen direkt durch den Tempelwald, jetzt wieder auf dem Weg nur mit dem roten Balken, in Richtung Bahnhof Greiz. Bei Verlassen des Waldes hat man einen schönen Blick auf Greiz, der vom Gasparinen-Tempel natürlich noch viel schöner ist. Wir kommen nach dem Abstieg auf dem Parkplatz Arbeitsamt/Gaststätte Holzwurm an und haben jetzt noch etwa 300 Meter bis zum Auto vor uns. Dabei laufen wir an der B 94/B 92 entlang der Weißen Elster, hinter welcher der Greizer Landschaftspark mit Parksee, Sommerpalais und Café Küchenhaus beginnt. Allerdings hat das Café in den Wintermonaten geschlossen, so dass wir nach Hause fahren, wo ebenfalls Kaffee und Weihnachtsplätzchen auf uns warten.

 

Flusswanderung am Regen (2015)

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Unterwegs am Großen Regen zwischen der Grenzstadt Bayerisch Eisenstein und dem Ferienort Zwiesel (auf einem Teilstück des Regental-Wanderweges von Bayerisch Eisenstein nach Regen)

Nach 750 Kilometern auf dem Motorrad zu lohnenswerten Zielen auf schönen Fahrwegen im Bayerwald wird es uns nun bei zunehmenden Temperaturen bis über 30 Grad auf dem Motorrad zu warm. Eine Woche bei über 30, fast bis 36 Grad in einem Urlaub, der vorwiegend für Motorradtouren und Wanderausflüge gedacht ist, das ist so wie eine Woche Regen an der Ostsee: nicht unbedingt optimal. Allerdings, so dachten wir, eine Wanderung im Gebirge, vorwiegend im Wald und an einem kühlen Fließgewässer sollte möglich sein.

Siehe dazu auch frühere Blogbeiträge zum Thema Bayerischer Wald:

Nach der Wanderungen am Schwarzen Regen im vorigen Jahr soll dieses Jahr die zweite Hälfte der Flusswanderung zwischen Bayerisch Eisenstein und Regen folgen. Die Regental-Wanderung ist ein Tip aus der „Wanderkarte Zwieseler Winkel“. Die komplette Flusswanderung verläuft entlang des Flusses Regen (beziehungsweise seiner beiden Zuflüsse Großer und Schwarzer Regen) von Bayrisch Eisenstein über Zwiesel und führt den Wanderer über 27 Kilometer bis nach Regen. Wir wollten heute das Teilstück am Großen Regen von der Grenzstadt Bayerisch Eisenstein nach Zwiesel unter die Wanderschuhe nehmen. Doch zuvor etwas Wissenswertes zum Fluß-System des Regen, einem Nebenfluss der Donau. Der Regen mündet in Regensburg in die Donau, nachdem er 103 Kilometer zuvor durch Zusammenfluss des Schwarzen und des Weißen Regen bei Pulling entstanden ist. Der Weiße Regen entspringt den Höhenlagen des Bayrischen Waldes, und zwar dem Kleinen Arbersee am Westhang des Großen Arber. Er ist etwa 32 Kilometer lang. Der andere Regen-Zufluss (der Schwarze Regen) ist etwa 52 Kilometer lang und bildet sich in Zwiesel durch den Zusammenfluss des Großen und des Kleinen Regen. Der Große wiederum kommt aus dem Böhmerwald in Tschechien, ist etwa 22 Kilometer lang und überschreitet die tschechisch-deutsche Grenze bei Bayrisch Eisenstein. Der Kleine Regen, als letzter und mit 16 Kilometer Länge kleinster der vier Zuflüsse des Regen, kommt ebenfalls aus dem Böhmerwald in Tschechien (in der Nähe des Großen Rachels) und fließt über Frauenau nach Zwiesel. Bei so viel Regen ist es nicht verwunderlich, daß etliche Städte und Gemeinden und sogar ein Landkreis mit dem Namen Regen hausieren gehen; so zum Beispiel die Stadt Regen, Regensburg, Regendorf, Regenhütte, Regenpeilstein und Weissenregen.

Aber nun zur Wanderung – die ihrerseits sehr empfehlenswert ist, dem Wander- und dem Naturfreund gleichermaßen:

Wir sind mit dem Zug (der „Wald-Bahn“) zwei Stationen von Zwiesel nach Bayerisch Eisenstein gefahren. In Bayrisch Eisenstein verlassen wir den dort endenden Zug am historischen Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein (D) beziehungsweise Alžbětín (CZ). Ausflugstips für Bayerisch Eisenstein in Bahnhofsnähe: das Localbahnmuseum (ein technisches Museum, aber mit einer 16-Kilometer-Wanderung vor Augen sicher nicht machbar) und der Besuch der Grenzglashütte. Wer die Tour umgekehrt in Angriff nehmen will, also erst wandern und dann mit dem Zug heim fahren, der kann nach erschöpfender Wanderung vor der Heimfahrt in der Schmugglerhütte Eisenstein neben dem Bahnhof einkehren. 

In Bayerisch Eisenstein liefen wir von der Bahnhofstraße den Anton-Pech-Weg hinab in die Stadt; liefen weiter in Richtung Ortsausgang, ein kurzes Stück entlang der B 11 in Richtung Zwiesel und erreichten die Eisensteiner Mühle hinter dem Parkplatz an den Tennisplätzen. Dort erreicht man den Startpunkt zur Tour; die bisher 1,4 gelaufenen Kilometer muss man zu den noch folgenden 16 Kilometern dazu zählen. Am Ende werden es für uns bis Bahnhof Zwiesel etwa 17,5 Kilometer sein, für die wir mit Pausen und Fotostops 5 Stunden und 15 Minuten benötigten. Am schlimmsten waren dabei die letzten 2,2 Kilometer innerhalb Zwiesels (etwa 30 Minuten). Die Temperaturen erreichten mittlerweile über 30 Grad, auf der Straße im Gewerbegebiet Zwiesel-Theresienthal regte sich kein Lüftchen und von der Kühle des Flusses waren wir weit entfernt. Aber das soll nicht bezeichnend für die gesamte wundervolle Flusswanderung sein. Ich will damit nur andeuten, dass wir gegen Ende mehr als k.o. waren.

Der Regen-Flusswanderweg (Wanderzeichen: gewellte, schräg verlaufende Striche) ist zunächst noch identisch mit dem überregionalen Fernwanderweg Goldsteig und außerdem identisch mit dem in Bayerisch Eisenstein beginnenden Luchspfad (Wanderzeichen Luchspfote). Bei diesem Erlebnispfad auf den Spuren des Luchses (dem Patentier der beiden Nationalparkgemeinden Lindberg und Eisenstein) geht es um die Vermittlung des grenzüberschreitenden, europäischen Projektes der Wiederansiedlung des Luchses. An allen größeren Stationen und Hauptwanderpunkten finden sich unterwegs gut gestaltete Info´-Tafeln über den Luchspfad und den weiteren Verlauf des Flusswanderweges.

Info´-Tafel bei Regenhütte

Info´-Tafel bei Regenhütte

Als wir die Wanderung in Bayerisch Eisenstein beginnen, begleiten wir einen romantisch, aber kräftig dahin rauschenden Gebirgsbach mit vielen Steinen im Bachbett, ausgewaschenen Böschungen am Ufer und einem urigen Umfeld. Der Schatten des Waldes und die abgehende Kühle des Wassers sind bei dieser Hitze eine Wohltat. Auch dem kniehohen Farn und den interessanten Flechten und Moosen sowie dem sich später dazu gesellenden Riesenspringkraut scheint das Klima hier zu behagen. Alle paar Meter plätschert Wasser in Rinnsalen von den Hängen dem Bach zu, so dass man bereits nach zwei … drei Kilometern beim Großen Regen von einem kleinen Fluss sprechen kann. Zusätzlich zu der bereits erwähnten und interessanten Pflanzenwelt gesellt sich eine Tierwelt, die man erst einmal entdecken muss, die aber des Beobachtens würdig ist. Wir sahen einen Frosch, eine Blindschleiche, Forellen, Eidechsen und die imposanten (bis zu zehn Zentimeter großen) beeindruckenden Raupen des Weidenbohrers – ein Nachtfalter, der wohl jedem schon begegnet ist, die Raupen aber weniger bekannt sind. Die Raupen sind häufig zu sehen, wenn sie in naturreichen Regionen relativ hastig über Wiesenwege und Pfade auf der Suche nach neuen Verpuppungsplätzen kriechen. Sehr interessant und beeindruckend waren auch die Spuren der Biber….. siehe Foto:

unterwegs am Großen Regen; erster Abschnitt

unterwegs am Großen Regen; erster Abschnitt

Wir erreichen auf unserer Wanderung Seebachschleife. Seebachschleife war bis 1901 eine Glashütte mit mehreren angesiedelten Glasschleifereien (Kristall- und Optikschliff). 1908 wurden alle Betriebsgebäude abgerissen und stattdessen zwei Wohngebäude errichtet. Heute befindet sich dort ein Waldhotel. In Seebachschleife zweigt ein Wanderweg zum Großen Arber ab. Was uns persönlich sehr stört, ist ab Seebachschleife die Nähe zu und damit der Lärm von der B 11. Man kann es nicht ändern, es ist aber so. Auf der Flusswanderung zwischen Regen und Zwiesel hatten wir diese Belästigung und Störung der Idylle in diesem Maße nicht. Wir marschieren weiter: in Regenhütte, dort wo der Wanderweg die Straße kreuzt – die ihrerseits über eine Brücke den Fluss kreuzt – dort machen wir die erste Rast mit Picknick. Eine einladende Sitzmöglichkeit befindet sich direkt an der Info´-Tafel (siehe Foto ganz oben). Ich muss dazu auch gleich sagen, dass es bis hierher mehrere Ausruhmöglichkeiten in Form von Bänken gab. Ab hier – und der größere Teil der Wanderung steht erst noch bevor – gibt es keine einzige Sitzmöglichkeit mehr.

Auf dem Weg nach Ludwigsthal ändert sich das Antlitz des Flusses. Aus dem dahin rauschenden Gebirgsbach ist mittlerweile ein träge dahinfließender kleiner Fluss geworden. Der Regen umgeht Ludwigsthal wie eine Umgehungsstraße. Wir bekommen bei unserer Wanderung von dem auf der anderen Flußseite liegenden Ort fast nichts mit. Dabei ist Ludwigsthal durchaus erwähnenswert: im Ort befand sich ehemals eine königliche Glashütte (König Ludwig), desweiteren befindet sich im 1830 vom Glasfabrikanten erbauten Schloss ein Zentrum für Umweltbildung. Als wahrhaft außergewöhnlich darf man auch die Kirche des Ortes bezeichnen. Allerdings bedarf es großer Anstrengungen um die „Herz Jesu-Kirche“ vor dem Verfall zu retten. Unbedingt erwähnt werden müssen auch das Wildtiergehege und das Besucherzentrum Haus zur Wildnis.

Auf dem weiteren Weg nach Zwiesel erreichen wir das (Hoch?)-moor Rotfilz. Moore heißen im Bayerischen Wald Filze. Wie so viele andere Moore in Deutschland wird auch dieses Moor renaturalisiert und steht als sensibles, wichtiges Ökosystem unter Naturschutz. Wir bekommen auf unserem Weg zwischen dem Moor und dem Fluß von dem Moor außer den Hinweis- und Info´-Tafeln eigentlich nicht viel mit. Was uns aber allmählich echt zu schaffen macht, ist die Sonne. Die schattigen Bäume haben wir vorerst verlassen, vom Fluss dringt kaum noch Kühle zu uns. Seit einer Woche 30 Grad und mehr (und das nicht zum ersten Mal diesen Sommer 2015) – die Luft steht förmlich. Es wird Zeit, dass wir wieder Bäume erreichen; obwohl – so dicht, wie zwischen Eisenstein und Regenhütte wird der Wald nicht mehr. Auch wenn wir immer wieder schattige Abschnitte erreichen, es wird zunehmend auch Baum-frei. 

Kurz vor dem Fällenrechen – einer ehemaligen Triftsperre – müssen wir in einem weiten Bogen ein Grundstück umgehen. Auf der anderen Seite erreichen wir den erwähnten Fällenrechen: An dieser Stelle verengt sich das Tal, der Große Regen nimmt für wenige hundert Meter noch einmal den Charakter eines dahin rauschenden Gebirgsbaches an. Um die Flößerei besser regulieren zu können, legte man an dieser Stelle einen Treibgutrechen an. Das dazugehörige Wohnhaus bekam eine Anbindung zur gegenüberliegenden Straße per überdachter Holzbrücke (die heute offiziell nur von den Bewohnern des Hauses passiert werden darf).

unterwegs am Großen Regen; zweiter Abschnitt

unterwegs am Großen Regen; zweiter Abschnitt

Vom Fällenrechen bis zum Ortseingang von Zwiesel am Gewerbegebiet Theresienthal/Fürhaupten sind es etwa noch 1100 Meter. Schon bald erreichen wir den Waldrand (Achtung, Stechgefahr! Bienen…. uns haben sie nichts getan). Die Sonne brennt mit unbarmherziger Wucht auf uns herunter. Mittlerweile haben wir weit über 30 Grad und das schlimmste Stück – die letzten 2,2 Kilometer mit müden Beinen und in sengender Hitze – noch vor uns. Die wunderschöne Flusswanderung kann uns aber dieser letzte Abschnitt nicht vermiesen.

Angaben zur Tour und Fazit:

  • Zuzüglich des Weges vom Bahnhof Eisenstein zum Ausgangspunkt der Wanderung sind es 17,5 Kilometer, für die wir mit Picknick und Fotopausen 5 Stunden und 15 Minuten benötigten
  • Vom Geländeverlauf ist die Wanderung mäßig bis wenig anspruchsvoll. Es ist aber dennoch kein Spaziergang und zumindest auf einzelnen Abschnitten sollte man unbedingt trittsicher sein und geeignetes Schuhwerk tragen.
  • Unser Problem an diesem Tag war die seit Tagen anhaltende fürchterliche Hitze.
  • Die Ausschilderung des Wanderweges ist super, die angegebenen Zeiten betrachte ich allerdings als sehr optimistisch. Zumindest sind die Zeiten sehr subjektiv und nicht auf jeden übertragbar. Objektiver und besser einzuschätzen wären Entfernungsangaben.
  • Verwendet haben wir die Wanderkarte von Fritsch. Die Karte ist ok, allerdings nicht meine erste Wahl. Wanderkarten von Dr. Barthels, die ich favoritisiere, gibt es aber leider in dieser Region nicht.
  • Ich würde niemandem empfehlen, beide Etappen der Flusswanderungen Regen/Zwiesel und Zwiesel/Eisenstein) an einem Tag durchzuziehen. Am schlimmsten ist dabei, dass man zwischen beiden Abschnitten durch die Stadt Zwiesel muss. Nach 11 oder 16 Kilometern will man das nicht wirklich. Sicher sind 27 Kilometer für Wanderfreaks an einem Tag machbar (und das ist nur die „Netto“-Angabe), aber der Genuss an der Natur und der Umgebung bleibt auf der Strecke. Man ist irgendwann gesättigt und nicht mehr aufnahmefähig. Man läuft ja letztlich nicht los, um Rekorde zu brechen, sondern getreu dem Biker-Motto „Der Weg ist das Ziel“ läuft man los, um unterwegs zu sein.  

 

Kleiner Arbersee und Hindenburgkanzel im Bayerischen Wald

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Eine Wanderung zum Kleinen Arbersee unter erschwerten Bedingungen

Siehe dazu auch frühere Blogbeiträge zum Thema Bayerischer Wald:

Dass es den Großen Arber (den König des Bayerwaldes, 1.455,5 Meter über NN) gibt, wissen wohl die meisten. Weniger wissen wohl, dass es auch einen Kleinen Arber gibt; 1.384 Meter hoch und wenige Kilometer vom großen Bruder entfernt. Bekannt ist auch der Große Arbersee, an der Südostflanke des Großen Arber gelegen. Der See ist per Straße zu erreichen, er kann mit dem Ruderboot oder einem Wassertreter befahren werden und ist ein beliebtes Touristenziel sowie Bikertreff. Am See gibt es Souvenir-Buden und mit dem Arberseehaus eine gut besuchte Bergwirtschaft. Natürlich ist der Große Arbersee auch ein Wanderziel und in verschiedene Wanderwege eingebunden.

Nicht ganz so bekannt ist, dass es auch einen Kleinen Arbersee gibt. Dieser ist nur per Wanderung oder Tschu-Tschu-Bahn zu erreichen. Der See liegt westlich des Großen Arbergipfels in einem 400-Hektar-Naturschutzgebiet und ist im Vergleich zum Großen Arbersee bedeutend weniger frequentiert. Durch fehlende Straßenanbindung und ausschließlich „sanften Tourismus“ strahlt der See eine wohltuende Ruhe aus.  Allein ist man dort aber trotzdem nicht.

Dieser Kleine Arbersee sollte unser Wanderziel sein. Doch vorher zu einem kurzen Zwischenstop:

1.) Die Hindenburgkanzel bei Brennes

Schon mehrfach sind wir mit dem Motorrad auf der Straße zwischen Lam beziehungsweise Lohberg und Brennes beziehungsweise Bayerisch Eisenstein (die ST 2154) an der Hindenburgkanzel vorbei gekommen. Die Hindenburgkanzel ist ein Aussichtsfelsen (1.043 Meter über NN) – zwei Parkplätze befinden sich (je einer) links und rechts der Straße direkt neben dem Felsen. Diesen Aussichtsfelsen wollten wir vorab unbedingt besuchen.

Günstig ist ein Besuch der Hindenburgkanzel am Vormittag, dann hat man die Sonne im Rücken beziehungsweise seitlich. Am Nachmittag dagegen schaut man direkt in die Sonne, was der Fernsicht abträglich und auch für´s Fotografieren ungünstig ist. 

Von der Felsenkanzel bietet sich ein schöner Blick auf den Großen Arber und weiter ins Gebiet des Lahmer Winkel. Markante Berge und Höhenzüge im Blickfeld sind der Hohe Bogen (zwischen 976 Meter und 1.079 Meter hoch) mit seinen auffälligen sogenannten NATO-Türmen und der Kleine sowie der Große Osser (1.266/1.293 Meter über NN). Am Osser verläuft die Grenze zu Tschechien. 

Nach dem Verlassen der Hindenburgkanzel schlagen wir den Weg in Richtung Lohberg ein und beginnen unsere heutige Hauptwanderung zum Kleinen Arbersee.

Brennes, Hindenburgkanzel

Brennes, Hindenburgkanzel

Aussicht von der Hindenburgkanzel

Aussicht von der Hindenburgkanzel

2.) Wanderung zum Kleinen Arbersee

Wir fahren nach Lohberg in den Ortsteil Lohberghütte und schlagen auf der Sommerauer Straße die Richtung Kleiner Arbersee beziehungsweise Sommerau ein. Die Straße ist sehr schmal, und – Vorsicht: hier verkehrt auch die Tschu-Tschu-Bahn. Nach etwa drei Kilometern erreichen wir den Wanderparkplatz an der Reißbrücke. Hier, unmittelbar in der Nähe des Parkplatzes, mündet der Ebenbach in den aus dem Kleinen Arbersee kommenden Weißen Regen. Wir stellen das Auto ab und schauen uns die Info´tafeln an. Der vorgeschlagene Wanderweg soll auf der in einen befestigten Forstweg übergehenden Arberseestraße verlaufen. Wir können uns nicht vorstellen, dass man den Wanderer auf einer „Straße“ zum Arbersee schickt; und nach unserem Geschmack ist das auch nicht. Etwa reichlich zweieinhalb oder knapp drei Kilometer wären es bis zum Arbersee. Links neben dem Wanderweg und unmittelbar am Bach verläuft ein gut sichtbarer Wanderweg in dieselbe Richtung. Diesen wollen wir nutzen; und damit beginnt unserer späteres Problem, welches wir aber mit Bravour gemeistert haben.

Parkplatz Reißbrücke und Wanderweg

Parkplatz Reißbrücke und Wanderweg

Schnell wird uns klar, dass unser Wanderweg nichts mit dem ausgeschriebenen gemein hat. Er ist weder ausgeschildert noch mit der in anderen Wanderbeschreibungen erwähnten Klassifizierung „leicht“ vereinbar. Allerdings besitzt unser Weg einen rustikalen Charme. Das Wasser stürzt eher wie in einer Klamm ins Tal. Es gibt um uns herum nichts, was auf Zivilisation hinweist. Wir sind völlig allein. Ein satt grüner Wald mit hohen Farnen und interessanten Moosen und Flechten umgibt uns. Der Weg ist oftmals mehr zu ahnen als wirklich zu sehen. Wir ahnen bereits, dass wir uns auf unser Bauchgefühl und den Orientierungssinn verlassen müssen. Wer diesen Trampelpfad zum Kleinen Arbersee bezwingen will, der sollte unbedingt knöchelhohes, rutsch- und trittfestes Schuhwerk tragen sowie eigene Trittsicherheit und Geländegängigkeit besitzen. Stellenweise hat unsere Fortbewegung mehr mit Kraxeln als mit Wandern zu tun. Auch eine gewisse Kondition ist vonnöten, denn der Höhenunterschied vom Parkplatz zum See beträgt auf diesem relativ kurzen Stück etwa 300 Meter. Auf unserem Weg ist es so, dass die größte Steigung im letzten Drittel erfolgt; und die hat es echt in sich. Zwischendurch beschlichen uns sogar Zweifel, überhaupt anzukommen. Aber solange wir am Bach entlanglaufen, der immerhin aus dem See kommt, müssen wir auch ankommen. Und tatsächlich: nach geschätzten drei sehr anstrengenden Kilometern standen wir am Abfluss des Baches aus dem Kleinen Arbersee in der Nähe des Parkplatzes der Tschu-Tschu-Bahn an der Bergwirtschaft Seehäus´l.

Im Nachhinein würde ich unseren „Wander“weg dem offiziellen Weg jederzeit wieder vorziehen. Aber man muss fit sein!

Blick über den Kleinen Arbersee zum Großen Arber und zum Seehäus´l

Blick über den Kleinen Arbersee zum Großen Arber und zum Seehäus´l

Zunächst ein paar interessante Fakten zum Kleinen Arbersee: Der See zu Füßen des Großen Arber befindet sich in einer Höhe von 919 Metern über NN. Der See ist ein ehemaliger Eiszeitsee und einer von drei Seen des Bayerischen Waldes ohne jegliche Zuflüsse (Karsee). Er wird offenbar nur vom zusammenlaufenden Bodenwasser, von der Schneeschmelze und vom Regen  gespeist. Allerdings sprechen andere Quellen vom Seebach als Zufluss (Google Maps, Wikipedia). Abflüsse aus dem See sind der Weiße Regen – einer von vier Flüsschen, die später den Donaunebenfluss Regen bilden – und der Seebach. Durch sauren Regen ist der ph-Wert des Sees so niedrig, dass der ehemals an Forellen reiche See auf Grund des Säuregehalts für Fische keinen Lebensraum bietet. Lediglich Kleinlebewesen können in diesem Gewässer überleben. Dafür ist umso mehr das Umfeld des Sees ein Naturschutzgebiet und ein Auerhuhn-Schutzgebiet. Interessant ist auch die Entstehungsgeschichte des heutigen Sees. Als der See im 19. Jahrhundert drohte, zu verlanden, legte man den See wieder frei und erhöhte auch die Stauhöhe. Damit wuchs die Fläche des Sees um das circa Dreifache, auch die Wassertiefe stieg auf sechs bis zehn Meter. Es war die Zeit des ausklingenden 19. Jahrhunderts, als der regionale Heimattourismus aufkam und man den See zu einem Ausflugsziel mit Bergwirtschaft – unter Beachtung des Naturschutzes – machte. 

Ein Phänomen des Kleinen Arbersees sind auch seine drei schwimmenden Inseln. Beim Anstauen 1885 haben sich in den Jahren danach drei Moorfilze vom Ufer gelöst und treiben seit dem als sogenannte Schwingrasen auf dem See. Die größte der schwimmenden Inseln ist 4.500 qm groß (der ganze See reichliche neun Hektar). Die Dicke der Inseln reicht von 1,5 Meter bis zu 3,5 Meter – mit dem Ergebnis, dass sogar Bäume auf den Inseln wachsen.

Derart gebildet und beeindruckt umrunden wir den See auf einem äußerst romantischen Seeuferweg und erreichen die Stelle, wo der offizielle Wanderweg aus dem Tal ankommt. Diesen nutzen wir jetzt für unseren beginnenden Rückmarsch. Dazu schlagen wir die Richtung Lohberg, Brennes und Mooshütte ein.

Beginn des Rückmarsches

Beginn des Rückmarsches

Der Rückweg: Auf dem Weg in Richtung Lohberg und Mooshütte bleiben wir für etwa 600 Meter, danach schlagen wir die Richtung Mooshütte und Brennes ein. Der Berggasthof Mooshütte erscheint nach ungefähr 800 Metern und circa 11 Minuten auf der linken Seite. Ein wunderbarer Blick über das Tal hin zum Hohen Bogen sowie dem Kleinen und Großen Osser bietet sich uns. Wir laufen weiter in Richtung Ebensäge und Brennes bis zum Abzweig des Wanderweges LO3 (rot-weißes Wanderzeichen). Der Abzweig erscheint recht unscheinbar, also Augen aufmachen! Bis hierher war der Wanderweg, mehr einem unbefestigten Fahrweg gleichend, eher unspektakulär. Durch den jetzt nach links abbiegenden Wanderweg LO3 ändert sich der Charakter des Weges völlig.

Der Wanderweg verläuft mal mehr, mal weniger steil bergab auf relativ holprigem Geläuf. Wurzeln, Steine und ausgewaschener Grund verlangen eine gewisse Aufmerksamkeit und Trittsicherheit. Kein Weg für Schickimicki-Wanderer oder Menschen, die unsicher auf ihren Beinen sind. Die Kategorisierung „leicht“ in anderen Veröffentlichungen bezeichne ich als sehr optimistisch. Nachdem sich zu Beginn des Abstieges der Große Arber noch einmal zeigt, verschwinden wir alsbald im Wald. So geht es vorwärts bis zur ausgeschilderten Ebensäge. Die (vermutlich ehemalige Sägemühle) Ebensäge am Ebenbach ist heute ein Brotzeitstüberl (Donnerstag geschlossen). 

Die letzten 600 bis 700 Meter unserer Wanderung verlaufen jetzt nahezu frei von Gefälle auf einem tatsächlich als leicht zu bezeichnendem Wanderweg – begleitet vom dahin plätschernden Ebenbach, der ebenso wie wir zum Parkplatz Reißbrücke will. Während der Bach dort in den Weißen Regen mündet, lassen wir uns zu einem Picknick unter dem dortigen Wanderer-Pavillon nieder.   

Angaben zur Wandertour:

  • Weglänge knapp 10 Kilometer, Dauer 4 Stunden 45 Minuten
  • auf reichlich drei Kilometer überwindet man reichlich 300 Höhenmeter. Das sind durchschnittlich 10 % Steigung. Das klingt nicht viel, hat es aber zumindest auf unserem Hinweg zum See phasenweise in sich!!
  • Die Wanderung ist mittelmäßig anspruchsvoll, in einzelnen Abschnitten leicht. Unser vorgestellter erster Abschnitt (der bis zum See) ist allerdings sehr anspruchsvoll und verlangt Kondition, Trittsicherheit und eigene Geländegängigkeit sowie diesbezügliches Schuhwerk
  • Das Umfeld des Kleinen Arbersees (Rundweg) ist sehr romantisch
  • Einkehrmöglichkeiten: Seehäus´l, Berggasthof Mooshütte und Brotzeitstüberl Ebensäge

Ein paar organisatorische Hinweise:

  • Genutzt haben wir die Fritsche-Wanderkarten. Meine erste Wahl sind sie allerdings nicht. Die Kartengestaltung bringt das Auge förmlich durcheinander. Die von mir favorisierten Dr. Barhel-Wanderkarten gibt es aber in dieser Region leider nicht (nur in den 5 neuen Bundesländern)
  • Entfernungsangaben auf den Wanderwegweisern sind oftmals irreführend. So wäre es manchmal hilfreicher, wenn statt Zeitangaben eine Entfernungsangabe stehen würde. Dann kann sich jeder selbst ein subjektives Bild machen. Die angegeben Zeiten sind häufig sehr optimistisch, und ich bin wahrlich kein Wander-Laie. Aber ich bin der Meinung, dass man losläuft, um unterwegs zu sein; und nicht um im Kampf gegen die Stopuhr eine Wanderwegstrecke zu bewältigen. 

 

     

   

 

Der Wiedeturm auf dem Wolfstein

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„Am Berge wachsende Bäume, im Tale gewerblicher Fleiß; darüber hochhimmlische Räume, dem Schöpfer sei Lob und Preis“

Dieser Spruch von Turm-Erbauer Anton Wiede aus dem Jahre 1903 ziert umlaufend die Brüstung des Geländers der Aussichtsplattform. Etwas einfacher ausgedrückt möchte ich folgenden Spruch hinzufügen: „Je höher der Turm, desto näher die Weite.“

Eigentlich sollte dieser Ausflug das Ziel einer Motorradtour werden. Wir sind froh, dass wir es letztlich doch anders gemacht haben: die Anfahrt erfolgte mit dem Auto und der spätere Aufstieg in „Normal“bekleidung. Der Anstieg zum Gipfel war nämlich heftiger als gedacht. Die Entfernungsangabe von 1,2 Kilometern täuscht ein wenig darüber hinweg. Wir haben eine knappe halbe Stunde dafür benötigt. Wer sich dieses Ausflugsziel partout in Motorradkluft antun will – die Region ist nämlich auch eine vorzügliche Adresse für Motorradtouren – der oder die sollte sich nicht unbedingt den wärmsten Tag dafür aussuchen. Und noch etwas: ich spreche hier vom kürzesten Weg zum Turm. Der Aussichtsturm ist aber noch auf einigen anderen Wanderwegen erreichbar. Doch nun zu unserem Ausflug:

Der Wolfstein ist eine 549 Meter hohe Erhebung im Frankenwald, gelegen am linken Saaleufer und etwa 800 Meter südlich der Stelle, wo der Nebenfluss Selbitz in die Saale mündet. Obwohl die nächstgelegene Stadt Blankenstein (Thüringen) wäre, gehört der Turm zur Ortschaft Issigau (Oberfranken). Ein weiterer markanter Ort dieser Region wäre in unmittelbarer Nähe die Kleinstadt Lichtenberg. Die kleinste und nördlichste Stadt des Landkreises Hof mit ihrer Burgruine ist einladend und sehenswert.

Der Turm steht im Grenzgebiet zwischen Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald, zwischen Bayern und Thüringen; und er stand 40 Jahre lang zwischen DDR und BRD. Dabei hatte er wohl noch Glück; in der DDR wäre er wahrscheinlich gesprengt oder zumindest hermetisch abgeriegelt worden. Auf BRD-Seite hat er die deutsche Teilung überstanden und präsentiert sich seit 1989 wieder in neuem Gewande. Geprägt wird die Landschaft der Region durch die beiden Mittelgebirge sowie durch die Flusslandschaften der Saale – die hier von der Fränkischen Flur auf die Thüringer Seite fließt und hier trotzdem die „Sächsische Saale“ genannt wird (es gibt nämlich noch die Fränkische Saale) – und der Selbitz, die hier, aus dem romantischen Höllental kommend, in die Saale mündet. Die gesamte Region ist ein herrliches Wandergebiet. Ebenfalls wissenswert: der Rennsteig hat hier in Blankenstein an der Selbitzbrücke seinen Anfang. Dieser 170 bis 180 Kilometer lange Grenz- und Höhenweg zwischen Frankenwald, Thüringer Schiefergebirge und Thüringer Wald ist der älteste sowie meist begangene Fernwanderweg Deutschlands und als Kammwanderweg des Thüringer Waldes bekannt. Aber hier in Blankenstein hat er seinen Anfang. In Eisenach OT Hörschel an der Werra endet er. So viel Heimatkunde am Rande unseres Ausflugs zum Wolfstein-Aussichtsturm.

Ab dem Jahre 1881 kam es im Blankensteiner Ortsteil Rosenthal zur Gründung der „Wiedes Papierfabrik Rosenthal“. Ab 1883 nahm man die Produktion auf. Der Betrieb existiert heute noch, hat sogar die deutsche Teilung und sein Dasein im streng gesicherten inneren Grenzgebiet der DDR überlebt. Nicht nur unternehmerische Fähigkeiten mit Sachverstand und Weitblick zeichneten den Kommerzienrat Anton Wiede aus, sondern auch Heimatliebe und Gemeinwohl. Und so ließ er 1903 zum 20-jährigen Jubiläum der Aufnahme der Papierproduktion den Aussichtsturm errichten; auf der anderen Seite der Saale, auf dem gegenüberliegenden Wolfstein.

Wolfstein, Wiedeturm_1

Der Turm ist bis zur Spitze 18,55 Meter hoch. Der Innendurchmesser erreicht unten 2,30 Meter und oben 2,15 Meter; bei einer Mauerstärke von 0,90 Meter unten und 0,65 Meter oben. Errichtet wurde der Turm aus Natursteinen, das Turmdach ist mit Schiefer eingedeckt. Orientierungstafeln erleichtern die Orientierung in nah und fern (Frankenwald, Fichtelgebirge, Thüringer Schiefergebirge). Der Turm ist immer geöffnet.

Aus nördlicher Richtung kommend (Lobenstein, Gefell, Hirschberg) fährt man bis Blankenstein, durchquert den Ort in Richtung Lichtenberg und man gelangt am Ortsausgang zur Selbitzbrücke (nicht mit der Saale verwechseln!). Aus südlicher Richtung kommend (Hof, Lichtenberg) fährt man bis zum Ortseingang Blankensteins und man erreicht demzufolge zuerst jene besagte Selbitzbrücke. Dort biegt man in Richtung Kemlas / Eisenbühl ab. Es ist die Panoramastraße (Straßennummer HO8). Man erreicht nach etwa einem Kilometer die Issigauer Ortsteile Unterreichenstein und Unterwolfstein. Vor dem Ortseingang Unterwolfstein befindet sich ein Wanderparkplatz (Das „Wanderdrehkreuz“) mit Platz für PKW, Orts- und Info´-Tafeln sowie Wegweisern. Auf der Gegenüberseite befindet sich Blankenstein, dazwischen fließt die Saale. Wer übrigens sein Auto in Blankenstein (zum Beispiel auf dem Selbitzplatz) abstellt, kann zu Fuß vom Blankensteiner „Drehkreuz des Wanderns“ aus auf der Saalebrücke (diese ist nur für Fußgänger) die Saale überqueren und gelangt nach etwa 200 Metern ab Selbitzplatz automatisch zum Wanderdrehkreuz auf fränkischer Seite.

Im Routenplaner OpenStreetMap ist sowohl das Wanderdrehkreuz (Franken) als auch das Drehkreuz des Wanderns (Thüringen) eingezeichnet und in der Vergrößerung gut zu sehen. Suchbegriff: Blankenstein, Selbitzplatz.

Wir folgen dem Wanderweg in Richtung Wiedeturm beziehungsweise Wolfstein, halten uns aber später immer in Richtung Wiedeturm. Mehrere gut ausgeschilderte Rund- und Fernwanderwege berühren unseren Wanderabschnitt und man bekommt Lust auf mehr. Es ist ein landschaftlich reizvolles Wandergebiet mit einem gut ausgeschildert angelegten Wegenetz. Regionale Bezeichnungen fallen dabei immer wieder ins Auge: Der Saaleweg, der Rosenthalweg oder der Frankenweg. Unser Wanderweg beginnt trotz Steigung relativ geschmeidig; wobei wir alsbald den befestigten Weg verlassen, der automatisch in einen Waldweg übergeht. Im zweiten Drittel werden wir allerdings richtig gefordert. Trittsicherheit und einigermaßen trittfestes Schuhwerk sind nötig, ebenso ein Mindestmaß an Kondition. Für einen Marsch in der Motorradkombi wäre das spätestens ab hier nicht mehr der richtige Weg. Im letzten Drittel läuft der Weg in der Ebene auf dem Wolfstein aus und wir gelangen nach der Abschlussetappe zum Wolfsteinturm (wie er auch genannt wird).

Einladend ist das einer Lichtung ähnliche Areal mit verschiedensten Sitzplätzen und Rastmöglichkeiten, Waldpflanzen, Bäumen und auch ein paar Blumen und den alles eine urige Note verleihenden Felsbrocken. Wir haben unser Ziel erreicht.

Da ich früher schon mehrfach Probleme hatte, den Wiedeturm zu finden (allerdings befand ich mich da auf Motorradtour und hatte wohl eh nicht die richtige Muße, danach zu suchen) habe ich diesmal den Frankenwaldverein e.V. angeschrieben und um Hilfe gebeten. Vielen Dank für die prompte Antwort und für die Tips, die wir nahezu Eins zu Eins umgesetzt haben.

Wolfstein, Wiedeturm_2

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Der Moorlehrpfad im Pöllwitzer Wald (2015)

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Unterwegs im Pöllwitzer Wald im Landkreis Greiz (Ostthüringen)

Ende April unternahmen wir einen Ausflug in den Pöllwitzer Wald in Ostthüringen. Im Süden grenzt der Wald an das Nachbarbundesland Sachsen. Das Waldgebiet befindet sich im Landkreis Greiz; es erstreckt sich zwischen den Orten Pöllwitz, Zeulenroda-Triebes, Niederböhmersdorf, Neuärgerniß, Naitschau und Ortsteilen der Gemeinde Vogtländisches Oberland (Erbengrün, Dobia, Wellsdorf). Auch wenn die Vegetation der Jahreszeit entsprechend noch nicht sehr weit fortgeschritten und es zudem sehr trocken war, möchte ich diesen Ausflug weiterempfehlen. Auch die Kargheit dieser Jahreszeit und die derzeit vorherrschende Witterung hatten ihren Reiz.

Der Pöllwitzer Wald ist aus verschiedenen Richtungen gut zu erreichen. Wir nutzten die B 94 zwischen Greiz und Zeulenroda, aus Greiz kommend. Die Bundesstraße ist hier ein Teilstück der Tourismusroute Reußische Fürstenstraße. Diese Information aber nur am Rande. Wir fuhren in Zeulenrodaer Richtung bis zum Ortsausgang von Neuärgerniß. Der Parkplatz zum Pöllwitzer Wald ist rechts der Bundesstraße, der Eingang in den Wald auf der anderen Straßenseite. Schon auf dem Parkplatz bekommt man auf der anschaulichen Info´-Tafel einen Überblick über das Leben und die Natur im Pöllwitzer Wald sowie auch einen Überblick über die Wanderwege. Zwei Rundwanderwege als auch mehrere Richtungswanderwege laden den Wanderer ein, die Natur zu Fuß zu erkunden und zu genießen. Außerdem laden zwei oder drei Anhöhen mit einer herrlichen Fernsicht (zum Beispiel bei Dobia) zum Verweilen ein. Die mittlere Höhenlage des Waldgebietes liegt bei etwa 450 Metern über NN.

Erstmals wurde der Pöllwitzer Wald 1359 als „Gehörne“ erwähnt. Er gehörte im Hochmittelalter zum Herrschaftsgebiet der Voigte von Weida, den Begründern des Vogtlandes (siehe Osterburg). Zu DDR-Zeiten beschlagnahmte die NVA einen Teil des Waldes als Truppenübungsplatz und als Schießplatz. In diesem Zusammenhang mussten mehrere Forsthäuser und Waldarbeiterhäuser aufgegeben werden. Das Militär verfügte bis 1990 über dieses militärische Sperrgebiet, es diente unter anderem zur Ausbildung der DDR-Grenztruppen. Erst nach der politischen Wende in der DDR und erst nach der Dekontaminierung des Militärgeländes erhielt die Bevölkerung wieder Zugang in diesen Teil des Waldes.

Es entstanden (die oben erwähnten) Wanderwege und verschiedene Lehrpfade. Der Pöllwitzer Wald hat als Naherholungsgebiet und für den sogenannten sanften Tourismus große Bedeutung. Teile des Gebietes sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Damit erhält der Wald wissenschaftlich begründete und nach Lage und Umfang definierte Nutzungsbeschränkungen. Gegenwärtig werden verschiedene Angebote zur Erschließung der über das gesamte Forstgebiet verteilten Naturschönheiten und Sehenswürdigkeiten erarbeitet. Das von mir weiter unten erwähnte Torfmoor mit Moorlehrpfad ist ein Teil davon.

im Pöllwitzer Wald

im Pöllwitzer Wald

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Der Moor-Erlebnispfad im Pöllwitzer Wald:

Was sind eigentlich Moore; und was sind Sümpfe? Nun, Sümpfe sind Feuchtgebiete, die vorwiegend in Flussniederungen oder im Bereich von Seeufern vorkommen. Sümpfe sind Lebensräume mit stark vernässten oder schlammigen Böden und oftmals stehendem (Oberflächen-)Wasser. Die Sümpfe in großen Flussdeltas (wie der Donau oder des Mississippi) dürften sicher zu den Paradebeispielen für Sümpfe gehören.

Moore sind nasse, mit niedrigen Pflanzen bewachsene Lebensräume. Im Moor kommt es zu einem ständigen Wasserüberschuss; entweder aus Niederschlägen oder durch Mineralbodenwasser. Während man bei einem Überschuss von Niederschlagswasser vom Hochmoor spricht – es regnet also mehr als verdunsten oder der Boden aufnehmen kann (wie häufig in den Kammregionen der deutschen Mittelgebirge, aber auch in Nordwestdeutschland) – so spricht man bei der Verlandung von nährstoffreichem Bodenwasser vom Niedermoor. Im Gegensatz zum nährstoffreichen und etwas ph-Wert-höherem Niedermoor ist das Hochmoor nährstoffarm und ph-Wert-niedrig (sauer).

Im Moor kommt es zur Bildung von dicken Torfschichten (im Gegensatz beispielsweise zum Wald, wo Humus entsteht). Bedingt durch den Sauerstoffmangel kommt es zu einem Absterben der Pflanzen und der Ablagerung der Pflanzenreste als Torf. So eine Torfschicht muss mindestens 30 cm stark sein, um als eine solche bezeichnet zu werden. Durch die Anhäufung von Torf wächst die Oberfläche von lebenden Mooren in die Höhe. Pro Jahr wächst eine gesunde Torfschicht um etwa einen Millimeter pro Jahr. Die mächtigsten europäischen Torfschichten finden sich in Mooren bei Grenada (Spanien) mit bis zu sage und schreibe 70 Metern Torfschichtstärke.

In früheren Jahrhunderten wurden Torfmoore massiv trockengelegt, die Torfschichten abgestochen (Beruf: Torfstecher) und als Brennmaterial genutzt. Erst in der Neuzeit begann man damit, Moore wieder zu naturalisieren. Moore sind gewaltige Wasserspeicher, und sie sind in sich geschlossene Ökosysteme. Sie sind aber leider eben auch sehr sensible Systeme.

Bei unserem heutigen Besuch konnte von Wasserüberschuss keine Rede sein. Zumindest sichtbar an der Oberfläche war durch den Regenmangel der letzten Wochen alles wie ausgedörrt. Wie es innerhalb der Torf- und Moosschichten aussah… keine Ahnung. Interessant ist so ein Moorbesuch allemal. Der Moorerlebnispfad im Pöllwitzer Wald ist mit seinen anschaulichen Tafeln sehr liebevoll und durchaus auch kindergerecht gestaltet. Für uns war es nach dem Hochmoor Kleiner Kranichsee (Erzgebirge), dem Hochmoor Soos (im Egerbecken in Tschechien) und dem Pietzmoor bei Schneverdingen (Lüneburger Heide) der vierte Besuch eines Moores. Irgendwie sind sie alle gleich; und trotzdem irgendwie anders. Aber sie sind alle gleich interessant. Und noch etwas haben sie alle gemeinsam: Man wird auf einem Bohlenweg (den man nicht verlassen sollte) durchs Moor geführt. Ein Wanderweg bringt den Besucher außen um das Moor herum zum Ausgangspunkt zurück.

Im Pöllwitzer Moor

Im Pöllwitzer Moor

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Tagesausflug Sächsische Schweiz

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Wandertip: Ausflug auf den Lilienstein

Die Sächsische Schweiz ist ein Teil des Elbsandsteingebirges, gelegen im Osten Sachsens an der Grenze zu Tschechien. Mit der Böhmischen Schweiz findet dieser wunderbare Naturraum seine Fortsetzung jenseits der Grenze. Bizarre Felsformationen und mächtige Tafelberge im Einklang mit der Elbe kennzeichnen diese Landschaft, die bei Naturfreunden, Wanderern und Fotographen gleichermaßen beliebt ist.

Als gebürtiger Dresdner und später immer wieder Besucher dieser Region habe ich schon viele Ausflugsziele der Sächsisch-Böhmischen Schweiz erkundet; so zum Beispiel die Basteifelsen nebst Basteibrücke und Felsenburg Neurathen, den Hockstein, das Polenztal, das Kirnitzschtal nebst Lichtenhainer Wasserfall, den Amselgrund nebst Amselsee, den Großen Winterberg, den Krippengrund, die Schwedenlöcher, das Prebischtor und die Edmundsklamm, den Kuhstall, die sagenhafte und berüchtigte Festung auf dem Königstein und die Burg Hohnstein. Einladende kleine Orte finden sich zwischen Pillnitz, Pirna und Schmilka oder zwischen Sebnitz und Hrensko. Für den mobilisierten Besucher ist außerdem die Panoramastraße zwischen Sebnitz und Bad Schandau (aus Sebnitzer Richtung kommend) ein Erlebnis; vorausgesetzt es herrscht Fernsichtwetter.

Ein Ausflugsziel stand jedoch ganz oben auf der Liste der noch nicht abgearbeiteten Ziele: der Lilienstein. Schon oft fragte ich mich beim Besuch auf dem Königstein und dem Blick zum Lilienstein: „Kann man auch auf den Lilienstein?“ Ja, man kann. Die Idee war geboren.

Der Lilienstein ist einer der markantesten der ohnehin markanten Tafelberge der Sächsischen Schweiz. Nicht umsonst war seine Silhouette das Vorbild für das Signet des Naturparks Sächsische Schweiz. Der Lilienstein ist 415 Meter (ü.NN) hoch und steigt aus der Elbe-Ebene relativ schnell sehr steil in die Höhe. Oben bildet er ein großes Felsplateau. Die Elbe windet sich zwischen der Landesgrenze bei Hrensko und Schmilka, den Schrammsteinen, dem Lilien- und dem Königstein sowie dem Basteifelsen bei Rathen in einer Art Doppel-S-Kurve zwischen den Felswänden und Tafelbergen hindurch. Der Lilienstein wird von drei Seiten von der Elbe umflossen. Siehe auch HIER

Von Lohmen, Hohnstein oder Rathmannsdorf kommend gelangt man in den Porschdorfer Ortsteil Waltersdorf. Dort biegt man ab auf die Liliensteinstraße und erreicht nach 2,9 Kilometern den Parkplatz am Lilienstein. Der Wanderparkplatz ist gebührenpflichtig, eine Abgabe die man gern bereit ist zu zahlen. Wir laufen auf dem Parkplatz wenige Meter zurück in die Richtung, aus der wir gekommen sind und erreichen die Parkplatzgrenze. Dort biegen wir rechts ab und laufen etwa 800 Meter auf einem gepflasterten Feldweg, entlang des Waldrandes am Fuße des Liliensteins weiter bis zum Kirchsteig (Kirchweg) beziehungsweise der Ausschilderung zum Nordaufstieg. Dort biegen wir wieder rechts ab und folgen dem Wanderschild mit dem blauen Balken.

Die Variante Nordaufstieg hoch und Südaufstieg runter würde ich jederzeit wieder so machen. Beschwerlich sind beide Aufstiege. Der Nordaufstieg liegt aber im Schatten. Zumindest bei warmen Wetter würde ich den Südaufstieg nur zum Abstieg nutzen, denn er liegt spätestens ab Mittag und spätestens ab der Mitte – nämlich ab da, wo der Aufstieg richtig mühsam wird – in der prallen Sonne.

 

Der Nordaufstieg zum Lilienstein

Der Nordaufstieg zum Lilienstein

Nach Verlassen des Waldes und des Waldweges geht der Aufstieg in Metall- und natürliche Steinstufen über. Die ersten Aussichten verlocken zu einem Halt und den Blick zurück; so zum Beispiel in Richtung Rathen und Basteifelsen. Oben angekommen erwartet den Wanderer die Felsbaude Lilienstein, eine gemütliche Bergwirtschaft auf dem Plateau des Berges.

auf dem Lilienstein

auf dem Lilienstein

Ich muss sagen, dass der Lilienstein all meine Erwartungen übertraf, auch wenn das erste frühlingshafte Wetter des Jahres 2015 und die Osterferien in Sachsen dem Ausflugsverkehr natürlich entgegen kam. Es war eine wahre Völkerwanderung im Gange – die sich trotzdem verlief und nie lästig war. Mit Fotoapparaten und/oder Ferngläsern bewaffnete Ausflügler kamen voll auf ihre Kosten. Kinder hatten viel Auslauf, Obacht sei trotzdem geboten, nicht überall befinden sich Geländer (was sicher auch niemand ernsthaft möchte). Offiziell angelegte Aussichtspunkte befinden sich bei den beiden Obelisken sowie an der West- und der Ostseite des Felsens. Aber auch zwischendurch hat man immer wieder die Gelegenheit der Aussicht ins Elbtal, in den Ort Königstein am Fuße der Festung (die sich ebenfalls malerisch in Szene setzt), zu den anderen zahlreichen Tafelbergen auf der anderen Elbseite oder in die Richtung, aus der wir heute Morgen aufgebrochen sind: nach Bad Schandau, Schmilka und Hrensko (CZ).

Wer nicht in der Felsbaude einkehren und/oder auf der Terrasse der Wirtschaft die ersten wärmenden Sonnenstrahlen genießen möchte, der kann sich irgendwo zum Picknick nieder lassen. Überall saßen auf Baumstämmen oder auf Steinen Wanderer; Familien zumeist, aber nicht nur – und verzehrten, was sie im Wanderrucksack hier hoch geschleppt hatten. Nach unserem Mahl im Freien besuchten wir noch den letzten und wohl spektakulärsten Aussichtspunkt des Liliensteins, den an der Westseite. Danach begaben wir uns zum Südaufstieg, der für uns der Abstieg sein wird und der in der Nähe des Westaussichtspunktes und der Felsbaude beginnt (immer noch das Wanderzeichen mit dem blauen Querbalken).

Lilienstein, Suedabstieg

Die Stufen in der Bildmitte gehören zum Südauf- bzw. Abstieg

Auf halbem Wege und schon den beschwerlichsten Teil hinter uns gelassen teilt sich der Weg: geradeaus geht es in Richtung Panoramahotel, Königstein, Elbfähre – rechts herum und damit den blauen Wanderweg verlassend geht es in Richtung Parkplatz.

Anforderungen: Der Umfang der Wanderung ist überschaubar. Damit ist der Lilienstein auch als Kurzausflug geeignet, wenn man einen etwas weiteren Anreiseweg hat. Je nachdem, wie lange man sich auf dem Berg aufhält, kommt man auf etwa 3,5 bis 5 Kilometer. Man sollte dennoch nicht zu knapp einkalkulieren. Mindestens drei Stunden sind realistisch, man will ja den Berg, die Aussicht und die Einkehr oder sein Picknick genießen. Schönes Wetter wäre von Vorteil. Eigene Geländegängigkeit und Trittsicherheit sollten vorhanden sein; trittfestes und knöchelhohes Wanderschuhwerk sind ein unbedingtes Muss.

Viel Spaß

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Das Bergbau-Areal Schönborn in Mittelsachsen (2015)

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Unterwegs an der Zschopau zwischen Frankenberg/Sa. und Mittweida

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Zschopau als der einzige nennenswerte sächsische Fluss bezeichnet wird, hat sie doch die Quelle so wie auch die Mündung in Sachsen. Gut, ich hab´s nicht überprüft. Wenn ich aber an die Zwickauer Mulde denke, dann kann die Behauptung nicht stimmen. Wenn man die Mulde aber als Gesamtfluss ansieht, dann stimmt es wieder. Aber egal: Ich liebe das Zschopautal :-)

Zum Ersten, weil ich unsere sächsischen Flusslandschaften alle liebe, zum anderen weil ich 27 Jahre in Frankenberg an der Zschopau gewohnt habe. Und drittens hängt es mit meinem Urgroßvater Paul, er lebte von April 1877 bis September 1977, zusammen. Heute können Urlaubs- und Hochzeitsreisen nicht weit genug, nicht verrückt genug und nicht teuer genug sein. Dafür bleiben Heimatliebe und Heimatwissen auf der Strecke. Die Hochzeitsreise meines Urgroßvaters fand im Zschopautal zu Fuß statt. Er und seine junge Frau bewanderten um 1900 das Zschopautal von der Quelle am Fichtelberg im Erzgebirge bis zur Mündung bei Döbeln in Mittelsachsen; bevor er sich als junger Ehemann wieder seinem Tagesgeschäft als Schuhmacher und sie, die junge Gattin Frieda, ihrer Tätigkeit als Hausfrau zuwandten.

Aber zurück zur Zschopau: An einem Sonntag im März fuhren wir nach Schönborn-Dreiwerden. Zwischen der Zschopau und der alten Papierfabrik Dreiwerden biegt die Talstraße von der Kreisstraße 8230 (Zum Zschopautal) in Richtung E-Werk und Parkplatz Alte Erzbahn ab. Dort, auf dem unbefestigten Parkplatz neben der Zschopaubrücke, stellen wir das Auto ab und ziehen die Wanderschuhe an. Der Wanderweg entlang der Zschopau ist gekennzeichnet mit einem roten Balken auf weißem Grund. Der Weg führt unmittelbar am Wasser entlang, und zwar entgegen der Fließrichtung und rechtseitig der Zschopau. Jedoch, wir laufen zunächst anders. Da die alte Erzbahn den Zugverkehr für die Besucher nach dem Winter noch nicht wieder aufgenommen hat, laufen wir auf den Gleisen entlang. Der Zugverkehr beginnt dieses Jahr Anfang April. Wir starten unseren Marsch am Lokschuppen des Bahnhofs Dreiwerden und haben dabei aus halber Höhe und entlang der Felsen einen schönen Blick ins Tal. Zu empfehlen ist der Weg aber nur, wenn man sich hundertprozentig sicher ist, dass kein Zugverkehr ist. Sogar einen kleinen Tunnel hält dieser Weg auf den Gleisen für uns parat. Den eigentlichen und ausgeschriebenen Wanderweg am Wasser werden wir dann auf dem Rückweg nutzen. Nach etwa 800 Metern erreichen wir den Bahnhof Schönborn. Hier ist Schluss mit laufen, denn die Gleise führen ins Bergwerk „Alte Hoffnung Erbstolln“ und das ist heute verschlossen. Spätestens hier wird einem auch klar, was es mit „Alte Erzbahn“ auf sich hat. Die Bahn wurde für den Erztransport und auch als Mannschaftstransport für die Einfahrt der Bergleute verwendet.

Wir verlassen die Gleise und das Bahngelände am Stollneingang und kehren zum Wanderweg am Fluss zurück.  

Erzbahn_Schoenborn

Hier an dieser Stelle gibt es zwei Möglichkeiten des weiteren Verlaufs der Wanderung. Doch dazu mehr auf dem Rückweg. Wir laufen also die 50 bis 100 Meter wieder hinunter zum Fluss und laufen weiter am Ufer entlang. Unglaublich ruhig ist es um uns herum. Einzig und allein Vogelgezwitscher und das Rauschen des Windes in den Bäumen sind zu vernehmen, und hin und wieder je nach Strömung die Wassergeräusche. Wir wandern aber nicht immer zu ebener Erde am Wasser entlang. Bis zum Picknickplatz am Bleibach (Pausenplatz mit der Liedtafel vom „Feierobndlied / ´s is Feierohmd“) wird der Weg jetzt anspruchsvoll. Trittsicheres und knöchelhohes Schuhwerk sowie auch eigene Geländegängigkeit und Trittsicherheit sind unbedingte Voraussetzung für die Bewältigung der nächsten Etappe. In einem ständigen Auf und Ab des Geländes sind wir auf einem teilweise sehr engen Weg mit steil abfallendem seitlichem Hang und ohne Geländer unterwegs. Dazu kommt, dass die Hochwasserschäden von 2002 und 2013 unübersehbar und noch nicht alle beseitigt sind. Der Weg (Der Bruhmsteig) ist anspruchsvoll, aber äußerst romantisch; beides steht außer Frage. Erwähnen möchte ich auch, dass es auf dem Weg nach Sachsenburg zahlreiche Pausenplätze für ein gepflegtes Picknick gibt.

Immer wieder kommen wir an noch sichtbaren Bergwerkslöchern, ehemaligen und bereits eingebrochenen Gruben, Bergwerksstollen (Stolln) und ehemaligen Erzwäschen vorbei. Und wie gesagt; der Alte Hoffnung Erbstolln ist ein Besucherbergwerk. Die felsige Gegend zwischen Schönborn-Dreiwerden bis zum Treppenhauer bei Sachsenburg ist in Vorzeiten geradezu von Bergbautätigkeit durchlöchert. Manche sind jüngeren Datums aus dem 19 Jahrhundert, andere wiederum reichen zurück bis zum 14./15. Jahrhundert. Silber und Blei wurde hier vorwiegend abgebaut. Das Erz wurde über den Landweg (Erzbahn) und teilweise über den Wasserweg auf der Zschopau abtransportiert. Der Betreiberverein des Besucherbergwerks Alte Hoffnung Erbstolln bietet für Besucher auch die Einfahrt per Boot an.

Alte Hoffnung Erbstolln: KLICK HIER

Alte Erzbahn: KLICK HIER

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im_Zschopautal

Immer noch auf dem rot-weißen Bruhmsteig unterwegs erreichen wir auf einem Abschnitt im Wald und etwas weiter entfernt vom Wasser den Zschopauweg, den Hauptwander- und Radweg zwischen Sachsenburg und Schönborn-Dreiwerden.

Nachdem wir auf der Gegenüberseite bereits den Ort Zschöppichen passiert haben, erreichen wir nun auf der Gegenüberseite die Ausläufer von Krumbach. Am anderen Ufer befindet sich die Ausflugsgaststätte „Wasserschänke“. Geradezu ironisch wurde sie schon mehrfach vom Hochwasser heimgesucht. Das nächste Hochwasser wird das letzte sein, das die Wirtsleute noch einmal mitmachen, so äußerten sie sich nach den Katastrophen von 2002 und 2013. Die Wasserschänke erreicht man von unserer Uferseite mit der Seilfähre Anna. Dazu muss man den Fährmann per Glocke herbeirufen. Doch auch Anna hielt noch Winterschlaf, säuberlich abgedeckt lag sie am anderen Flussufer. Und so wanderten wir weiter.

(Achtung: Fährzeiten und Preise auf dem Foto sind von 2007!!).

An der Wasserschänke / Seilfähre Anna

An der Wasserschänke / Seilfähre Anna

Wir erreichen, auf der anderen Flussseite gelegen, den Ort Biensdorf und bald darauf das Sachsenburger Freibad. Der Wanderweg ist mittlerweile auf seinem letzten Stück in eine grün-weiße-Markierung übergegangen. Wir sind am Treppenhauer, der mit 351 Metern höchsten Erhebung im Umfeld des Frankenberger Ortsteils Sachsenburg. Und natürlich finden sich auch hier Spuren ehemaligen Kupfer- und Silberbergbaus. Im 13./14. Jahrhundert kam es auf dem Treppenhauer zur Gründung der mittelalterlichen Bergbausiedlung „Bleiberg“, wo die Bergleute vorwiegend in Hütten und Erdwohnungen lebten. Wir erinnern uns, Markgraf Otto der Reiche von Meißen hatte einst das freie Bergrecht ausgerufen: „Ein jedermann, unabhängig vom Stand und von Grundbesitz, dürfe an jedem Ort schürfen.“ Mitte des 14. Jahrhunderts klang der Bergbau auf dem Treppenhauer wieder aus und die Bergleute verließen die Siedlung, die daraufhin als Wüstung verfiel. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts wird die Siedlung Bleiberg von einem Verein Stück für Stück aufgebaut und dem Besucher zugänglich gemacht. Zugänge zur Bleibergsiedlung findet man von der Ortslage Sachsenburg aus, desweiteren hinter der Gaststätte Fischerschänke oder eben hier von unserem Wanderweg aus. Dazu haben wir heute aber keine Zeit mehr, das heben wir uns für später auf. Der Wanderweg, der hier bereits auf seinen letzten hundert Metern ist, mündet im ehemaligen Betriebsgelände der Zwirnerei Sachsenburg und dem ehemaligen KZ Sachsenburg (nicht verwechseln mit Sachsenhausen). Letztlich endet der Weg an der „Fischerschänke“, eine Gastwirtschaft in einer früheren Flussfischersiedlung außerhalb Sachsenburgs. Hinter der „Fischerschänke“ erhebt sich der Treppenhauer, auf der anderen Seite der Schlossberg mit dem leider vor sich hin verfallenden Schloss Sachsenburg. Bis hierher waren wir etwa 6 ½ Kilometer und 1 ¾ Stunde unterwegs.

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Mittelalterliche Bergstadt Bleiberg: KLICK HIER

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Wir kehren um. Wir benutzen denselben Weg zum Auto wie gekommen. Am Pausenplatz „Feierobndlied“ am Bleibach stellen wir fest, dass der weitere Weg (das oben erwähnte anspruchsvolle Stück) direkt am Fluss entlang nicht nur als „Begehen auf eigene Gefahr ausgeschrieben ist, sondern dass der offenbar neu ausgeschriebene weiß-rot-weiße Wanderweg ab hier über den Wolfsberg und die Feldstraße über die Ortslage Schönborn zurück ins Zschopautal verläuft. Wir glauben aber, dass unser vorhin bereits benutzter Wanderweg der eindeutig schönere ist und bleiben auch auf diesem.

Nach 3 ½ Stunden sind wir zurück am Auto. Wir nehmen unserem Picknickkorb, setzen uns am Lokschuppen der Alten Erzbahn auf eine Bank und stärken unsere müden Knochen.

Nach dem Besuch des Schlosses Sachsenburg und des Uferstrandes an der Zschopau nebst Hängebrücke vor wenigen Wochen wird die Mittelalterliche Bergsiedlung Bleiberg auf dem Treppenhauer unser nächstes Ziel in dieser Region sein.

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siehe auch „Zschopautal und Harrasfelsen„: KLICK HIER

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Nachtrag 10 Tage später:

Witzig  :-)

Am vorletzten Wochenende wanderten wir im Bergbau-Areal rund um Schönborn-Dreiwerden im Zschopautal. Meine Schwester, die dort wohnt, fragte mich, ob wir die biber gesehen hätten.
„Nein“, meine verblüffte Antwort. Ich wusste das ja nicht mal.

Und siehe da, heute ist ein Artikel über die Biber im Zschopautal in der Freien Presse (Lokalseite Mittelsachsen):

http://www.freiepresse.de/LOKALES/CHEMNITZ/Biberspuren-im-Zschopautal-artikel9143440.php

 

 

 

Die Lobdeburg bei Jena-Lobeda/Drackendorf (2015)

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Ein Besuch auf der Ruine der ostthüringer Lobdeburg

Zu Beginn des Sommers 2010 war ich bisher das einzige Mal auf der Lobdeburg bei Jena. In der heutigen Ostthüringer Zeitung (OTZ) stellte man in der Wochenendbeilage im Thüringen Journal die Ruine der Lobdeburg vor. Unser Entschluss stand fest: wir statten der Lobdeburg wieder einmal einen Besuch ab.

„An der Saale hellem Strande, sitzt der Frosch mit seiner Tante….“ – ach nein, diese Ballade ging anders:

„An der Saale hellem Strande, stehen Burgen stolz und kühn. Ihre Dächer sind zerfallen und der Wind weht durch die Hallen, Wolken ziehen drüber hin. / Zwar die Ritter sind verschwunden, nimmer klingen Speer und Schild; doch dem Wandersmann erscheinen in den altbemoosten Steinen, oft Gestalten zart und mild.“

Was in diesem Volkslied von 1826 von Franz Kugler zum Ausdruck kommt, trifft auf die Ruine der Lobdeburg genauso zu wie auf die wenige Kilometer flussabwärts gelegene Ruine der Kunitzburg. Das Gemäuer ist zwar eine Ruine; aber dass die Landschaft an der Saale zwischen all den Felsen und den Muschelkalkhängen Ausflügler anlockt und sehr sehenswert ist, das haben schon Generationen von Sängern, Malern und Fotografen vor uns immer wieder auf´s neue entdeckt.

Siehe dazu auch:

Von der A 4 (Dresden – Eisenach) fährt man die Ausfahrt Jena-Lobeda (B 88) ab und fährt weiter in Richtung Uni-Klinikum, Lobeda, Drackendorf. Mittlerweile ist die Ruine der Burg auch schon in unser Blickfeld gerückt. In Drackendorf (1280 erstmals urkundlich erwähnt) stellen wir das Auto seitlich der Alten Dorfstraße ab, laufen weiter am Goethepark (dem ehemaligen Gutspark) entlang in Richtung der Drackendorfer Kirche und benutzen fortan den Drackendorfer Weg. Hier beginnt der Grün/Weiß markierte Wanderweg zur Burgruine; der Zick-Zack-Weg beziehungsweise der Drei-Gedenksteine-Weg. Es ist einer von drei Wanderwegen zur Burg – der Zick-Zack-Weg liegt am Südhang und ist im Sommer sicher ein wenig beschwerlich; wenn auch der Aufstieg nur 500 Meter betragen soll. Gefühlt ist es mehr. Aber jetzt, um diese Jahreszeit, ist die Südhanglage gerade recht, es ist mild in der Februar-Nachmittagsonne und der Weg ist gut abgetrocknet.

Lobdeburg (1)

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Goethe war auch hier. Wen wundert´s. Wo war er nicht, der Herr Dichterfürst? Zwischen 1802 und 1808 weilte Goethe des Öfteren bei einer befreundeten Familie in Drackendorf. Sein Gedicht „Bergschloss“ widmet er der Lobdeburg, die zu Zeiten Goethes schon eine Ruine gewesen ist (nämlich seit dem Jahr 1450 im Sächsischen Bruderkrieg).

„Da droben auf jenem Berge, da steht ein altes Schloss, wo hinter Toren und Türen, einst lauerten Ritter und Roß / Verbrannt sind Türen und Tore, und überall ist es so still; das alte verfall´ne Gemäuer, durchklett´r ich, wie ich nur will.“

Die Burg wurde Anfang des 12. Jahrhunderts von einem mittelfränkischen Adelsgeschlecht erbaut. Sie diente der Überwachung der Handelswege und der Saale-Furt bei Burgau sowie der Grenzsicherung zu den östlichen Sorbenstämmen (Slawen). Die Auhausener übernahmen für die Burg den Namen des Ortes Lobeda, sich selbst gaben sie ab etwa 1166 den Namen der Herren Lobdeburg. In der Geschichte Ost- und Mittelthüringens kommt man an den Lobdeburgern kaum vorbei; zahlreiche Siedlungsgründungen gehen auf ihr Konto (Kahla, Elsterberg, Lobenstein und Schleiz).

Die heutigen Reste der romanischen Burg lassen einige architektonische Besonderheiten zu Tage kommen. So ist der ehemals 30 Meter hohe, vierstöckige Wohnpalas mit Burgkapelle und Sakristei für die damalige Zeit eher außergewöhnlich. Der Apsis, ein halbrunder und erkerartiger Vorbau an der noch existierenden Burgmauer (siehe beide Fotos unten), beherbergte damals die Sakristei der Burgkapelle. Auch die der Lobdeburg eigen zu nennende Gestaltung einiger Fenster dürfte durchaus als Besonderheit gelten. Im Wohnpalas nebst dem kleineren, inneren Burghof spielte sich das höfische Leben ab – in einer Zeit, als die meisten Burgen von Rittern oder nur einer kleinen Wachmannschaft mehr spartanisch besetzt als wirklich bewohnt wurden. Vom Umbau in weiteren Jahrhunderten blieb die Burg weitgehend verschont; sie ist wie gesagt seit 1450 eine Ruine. Es heißt, dass zahlreiche Steine der Burg für den Bau der ersten Saale-Steinbrücke bei Burgau abtransportiert wurden – die Stelle, an der sich zu Zeiten der Burggründung die Saalefurt befand. Heute ist die Burg eine gut gesicherte Ruine – auch wenn die Ringanker und Traversen das Bild ein wenig stören, aber ohne diese lägen die letzten Mauern wohl schon als Steinhaufen da. Die Burg hat in diesem Zustand etwas von Ewigkeit und Vergänglichkeit gleichermaßen.

Lobdeburg (2)

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Von der Lobdeburg aus hat man einen wunderbaren Blick über Teile Jenas und über das Thüringer Land; hinüber bis zur Leuchtenburg bei Kahla, der Königin des Saaletals. Die Muschelkalkfelsen rund um Jena links und rechts der Saale ziehen sich von Kahla über Jena-Lobeda in nördlicher Richtung immerhin bis Dornburg und teilweise sogar bis Camburg. Die Symbiose von Muschelkalkfelsen und Saaletal stellt durchaus eine sehenswerte und geologisch interessante Landschaftsform dar. Der längste Wanderweg ergibt sich in der sogenannten Saale-Horizontale – ein 72 Kilometer langer Wanderweg, beginnend in Jena-Lobeda Saale abwärts bis nach Dorndorf-Steudnitz und auf der anderen Seite der Saale über Dornburg zurück bis nach Jena (Carl-Zeiss-Platz). Unser Wanderweg am Jenzig ist Teil dieser Saale-Horizontale.

Unterhalb der Lobdeburg und von der Stadt Jena aus auch bis dahin barrierefrei und/oder per Fahrzeug zu erreichen, befindet sich die Ausflugsgaststätte „Lobdeburgklause“ nebst kleinem Parkplatz. Die Burg selbst ist NICHT barrierefrei zu erreichen.

Wir marschierten unseren Weg wie gekommen zurück, um dann nach der knappen Hälfte nach rechts in Richtung Uni-Klinik, Lobeda, Straßenbahnhaltestellen abzubiegen. Wir umrundeten das gigantische Uni-Klinikumsgelände zum Teil, um dann weiter in Richtung Drackendorf zu laufen. Als letztes durchquerten wir den ehemaligen Gutspark, den heutigen Goethepark, und ließen uns zum Picknick nieder. Der Picknickkorb im Auto wartete bereits auf uns. Im Ort Drackendorf kann man aber auch einkehren: in der ´Landgaststätte am Goethepark´ oder in der ´Pension und Restaurant Burgblick´.

Mit Foto- und Ausguckpausen waren wir auf der Route Drackendorf – Lobdeburg – Uni-Klinik – Goethepark – Drackendorf 100 Minuten unterwegs.

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Flusswanderung am Regen (2014)

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Unterwegs am Schwarzen Regen zwischen der Kreisstadt Regen und dem Ferienort Zwiesel (auf einem Teilstück des Regental-Wanderweges von Bayerisch Eisenstein nach Regen)

Nach den beiden Wanderungen in die Steinklamm bei Spiegelau und dem Aufstieg zum Großen Rachel war die Flusswanderung am Regen unsere letzte und damit die Abschiedswanderung im Bayrischen-Wald-Urlaub. Morgen folgt dann noch die abschließende Motorradtour, und dann geht es wehmütig nach Hause. Die Regental-Wanderung ist ein Tip aus der „Wanderkarte Zwieseler Winkel“. Die komplette Flusswanderung geht entlang des Flusses Regen (beziehungsweise seiner beiden Zuflüsse Großer und Schwarzer Regen) von Bayrisch Eisenstein über Zwiesel und führt den Wanderer über 26 Kilometer bis nach Regen. Wir wollten heute das Teilstück am Schwarzen Regen von der Kreisstadt Regen nach Zwiesel unter die Wanderschuhe nehmen. Doch zuvor etwas Wissenswertes zum Fluß-System des Regen, einem Nebenfluss der Donau. Der Regen mündet in Regensburg in die Donau, nachdem er 103 Kilometer zuvor durch Zusammenfluss des Schwarzen und des Weißen Regen bei Pulling entstanden ist. Der Weiße Regen entspringt den Höhenlagen des Bayrischen Waldes, und zwar dem Kleinen Arbersee am Großen Arber. Er ist etwa 32 Kilometer lang. Der andere Regen-Zufluss (der Schwarze Regen) ist etwa 52 Kilometer lang und bildet sich in Zwiesel durch den Zusammenfluss des Großen und des Kleinen Regen. Der Große wiederum kommt aus dem Böhmerwald in Tschechien, ist etwa 22 Kilometer lang und überschreitet die tschechisch-deutsche Grenze bei Bayrisch Eisenstein. Der Kleine Regen, als letzter und mit 16 Kilometer Länge kleinster der vier Zuflüsse des Regen, kommt ebenfalls aus dem Böhmerwald in Tschechien (in der Nähe des Großen Rachels) und fließt über Frauenau nach Zwiesel. Bei so viel Regen ist es nicht verwunderlich, daß etliche Städte und Gemeinden und sogar ein Landkreis mit dem Namen Regen hausieren gehen; so zum Beispiel die Stadt Regen, Regensburg, Regendorf, Regenhütte, Regenpeilstein und Weissenregen.

Aber nun zur Wanderung – die ihrerseits sehr empfehlenswert ist, dem Wander- und dem Naturfreund gleichermaßen:

Wir sind mit dem Zug („Wald-Bahn“) zwei Stationen von Zwiesel nach Regen gefahren. In Regen liefen wir die Bahnhofstraße hinab, kreuzten die Zwieseler Straße und liefen auf dem Schleusenweg hinab zum Fluss. Man erreicht damit automatisch den Flusswanderweg, auf dem wir die Richtung Zwiesel einschlugen. Zunächst bewegt man sich noch in den Stadtrandgebieten der Stadt Regen auf einem Natur- und Flusslehrpfad. Dabei überqueren wir auch den Fluss zum ersten Mal. Nach Unterquerung der Steinbogen-Straßenbrücke haben wir den Ort aber schnell verlassen. Zunächst ähnelt der Weg noch einem Spazierweg, der Radweg verläuft identisch. Wir erreichen den Regenstausee vor den Toren der Stadt. Wir entdecken den ersten von insgesamt drei Ameisenhaufen großer schwarzer Waldameisen, blühendes Springkraut säumt unseren Weg und Angler bevölkern das Ufer des Stausees. Enten kommen fordernd auf uns zu und verlangen lautstark, gefüttert zu werden. Aber wir haben nichts. Wir überqueren den Fluss am Beginn des Stausees ein zweites Mal und bleiben jetzt bis Zwiesel auf der linken Flußseite in Fließrichtung Hier verlässt der Radweg den Wanderweg, und der Wanderweg ändert zudem seinen Charakter.

Regentalwanderung (1)

Der Weg wird schmal, mehr ein Trampelpfad als ein Weg. Wir kraxeln auf halber Hanghöhe über Wurzeln oder laufen am Uferrand auf Holzbohlen. Träge fließt der Fluss dem Stausee entgegen, Strömung gibt es hier kurz vor dem Stausee kaum. Dafür Libellen, Beeren tragende Sträucher und voller Vogelbeeren hängende Ebereschen – und die ersten Pilze stehen am Wegesrand. Später geht der Weg in den Wald über, es bleibt aber ein Kraxel-Weg, auch wenn aus dem Trampelpfad zwischendurch immer wiedermal ein „richtiger“ Wanderweg wird. Mit zunehmender Entfernung zum Stausee nimmt auch die Strömung zu, der Fluss macht jetzt auf dem steinigen Untergrund sogar Geräusche. Es gurgelt, plätschert und rauscht neben uns.

Nach etwa 7 Kilometern erreichen wir den Abzweig Bahnhof Bettmannsäge. Man könnte jetzt zum Bahnhof laufen und noch eine Station mit dem Zug zurück fahren, aber das wollen wir nicht. Bis zum Festplatz (Grenzland-Festplatz) in Zwiesel sollen es laut Wanderkarte 11 Kilometer sein – eine Entfernungsangabe, die sehr knapp berechnet ist, wie uns später bewusst wird. Das soll uns jedoch nicht stören. am Fluss im Wald läuft es sich wunderbar. Wir haben heute eh nichts anderes vor, und die gesammelten Pilze ergeben bereits unser Abendbrot. Um uns herum existiert nur Natur, nichts weiter. Eigentlich wartet man nur noch auf den Häuptling Chingachgook im Lederkanu oder im Einbaum-Kajak. Der kommt nicht, aber statt dessen eine Familie in einem roten Kanu, die sich auch gleich nach unserer Pilzernte erkundigen. Stolz hält Karin die Ausbeute sichtbar in die Höhe. Danach wird es wieder still um uns herum. Nur die im Regental verkehrende Wald-Bahn ist hin und wieder zu hören beziehungsweise zu sehen – wie bei der Flussüberquerung auf dem Viadukt bei Schweinhütt.

Regentalwanderung (2)

Nach einem Picknick und dem später erscheinenden Abzweig nach Langdorf erreichen wir eine Wegegabelung. Halbrechts-geradeaus geht es zum Zwieseler Grenzland-Festplatz (dort ist ein auch Wanderparkplatz), halblinks und weiter am Fluss entlang marschiert man in Richtung Zwiesel Innenstadt. Beide Varianten, sowohl links als auch rechts herum, sind Teil-Etappen des Zwieselberg-Rundwanderweges mit der Wanderweg-Nummer 21. Da wir aber in Richtung unserer Ferienwohnung ohnehin teilweise durch die Stadt müssen und uns der Parkplatz am Festplatz nichts nützt, bleiben wir am Fluss. Wir kommen in der Nähe des Zusammenflusses des Kleinen mit dem Großen Regen im Zwieseler Stadtgebiet nahe der Sägemühle Max Weikl heraus. Dafür lassen wir aber einen Abstecher zum zuvor ausgeschilderten Aussichtsfelsen sein; mittlerweile fehlte uns dafür die Zeit und auch die Kraft. Außerdem wissen wir nicht hundertprozentig, wie weit es für uns wirklich noch ist.

Fakt ist aber, daß das letzte Teilstück noch einmal ein echtes Naturerlebnis ist. Dieser Abschnitt am Fluss zwischen Kläranlage Zwieselberg und Campingplatz Tröpplkeller ist als Naturdenkmal ausgewiesen. Wenig später erreichen wir den Ortseingang von Zwiesel. Wir bleiben auf dem ausgeschilderten Flusswanderweg und erreichen die Fußgängerhängebrücke zwischen Angerplatz und Schlachthofstraße. Bis hierher waren es ab Bahnhof Regen etwa 12 bis 12 ½ Kilometer. Bis zum Zusammenfluss Großer und Kleiner Regen sind es jetzt noch 350 Meter; für uns war es allerdings bis in die Ferienwohnung jetzt noch etwa ein Kilometer. Nach 13,4 Kilometern waren wir „flusslandschaftgesättigt“ und k.o., aber sehr zufrieden. Und abends gab es Pilze mit Rührei und Zwiebeln :-)

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Daten zur Wanderung:

  • Der kleinere Abschnitt der Flusswanderung von Regen nach Zwiesel gehört zum Flusswanderweg Regen – Zwiesel – Bayrisch Eisenstein (oder anders herum)
  • Die Gesamtlänge beträgt lt. Karte 26 Kilometer, der Abschnitt Regen – Zwiesel/Festplatz soll laut Karte 11 Kilometer betragen. Wir sind vom Bahnhof Regen bis zur Hängebrücke in Zwiesel etwa 12,5 Kilometer gelaufen
  • mit Pilze sammeln, fotografieren und mit einem Picknick unterwegs benötigten wir fünf Stunden
  • Einkehrmöglichkeit: „Gasthof Regental“ in der Nähe des Haltepunktes Bettmannsäge, etwa auf halbem Wege
  • Die Wanderung ist auch an wärmeren Tagen möglich, man ist viel im Wald und sehr oft am Wasser unterwegs. Richtig in der Sonne ist man eigentlich nur am Stadtrand von Regen am ersten Stausee-Abschnitt unterwegs
  • Eigene Trittsicherheit und trittfestes Schuhwerk sind unbedingt erforderlich, auch wenn der Beginn der Wanderung bei Regen diesen Eindruck nicht vermittelt!

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Ein weiterer Tip:

 

     

Wanderung zum Großen Rachel (2014)

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Eine Rundwanderung vom Gfäll über das Waldschmidthaus zum Großen Rachel (Bayerischer Wald) und zurück über die Rachelkapelle und den Rachelsee zum Ausgangspunkt

Rückblick: Vor 24 Jahren, zu Pfingsten 1990, weilte ich schon einmal am Fuße des Großen Rachels. Es war damals der erste „richtige Westurlaub“ nach Öffnung der innerdeutschen Grenzen nach zuvor zwei Tagesausflügen nach Westberlin und nach Hof. Mit Trabi und Zelt machten wir Urlaub auf einem Zeltplatz im Landkreis Regen in der Nähe von Spiegelau. Damals unternahmen wir einen Ausflug zum Rachelsee, streiften dabei den Ort Spiegelau und kamen am Waldspielplatz zwischen Spiegelau und dem Rachelsee vorbei. Am Rachelsee erlebten wir einen drastischen Temperatursturz sowie einen plötzlichen und heftigen Wetterumschwung. Es goss wie aus Eimern und es wurde arschkalt. Wir kehrten um. So gesehen hatte ich mit dem Rachelsee noch eine Rechnung offen, die reichlich 24 Jahre später beglichen werden sollte. Der Große Rachel hatte also noch etwas gut zu machen.

2014: Nach der Wanderung in der Spiegelauer Steinklamm stand heute der Große Rachel auf dem Programm. Dazu eine kleine und das Allgemeinwissen verbessernde Einleitung.

Der Große Rachel ist mit 1.453 Metern Höhe die zweithöchste Erhebung im Bayrischen und Böhmerwald und mit 2,5 Metern niedrigerer Höhe nur unwesentlich kleiner als der höchste Berg des Bayrischen Waldes, der Große Arber. Zusammen mit dem benachbarten Kleinen Rachel bildet er das unweit der deutsch-tschechischen Grenze befindliche Bergmassiv Rachel. Im separat ausgezeichneten Nationalpark Bayrischer Wald ist der Große Rachel sogar der höchste Gipfel des Mittelgebirges. Der Berg ist sehr felsig, immer wieder wird unterwegs das Gestein (Gneis) sichtbar. Der Gipfel ist eine reine Felskuppe mit einem imposanten Gipfelkreuz. Die in der Nähe befindliche Bergwachthütte ist nicht immer besetzt. Am Fuße des Großen Rachels entspringt die Große Ohe, nach dem Abfließen aus dem Rachelsee heißt sie allerdings vorerst noch Seebach. Die Große Ohe bildet zusammen mit der Kleinen und der Mitternacher Ohe im weiteren Verlauf durch Zusammenfluss die Ilz. Der Fluss Ilz mündet später zusammen mit dem Inn in der Drei-Flüsse-Stadt Passau in die Donau. Doch soweit wollen wir heute sicherlich nicht wandern.

Der Rachel gilt als „Hausberg“ Frauenaus und Spiegelaus. Dort, in Oberfrauenau und Spiegelau sowie in Klingenbrunn (am Bahnhof), in Althütte oder in der Nähe Spiegelaus an der Racheldiensthütte oder am Wanderparkplatz Gfäll sind auf deutscher Seite auch die besten Ausgangspunkte für ausgiebige Wanderungen. Als Ausflugsziel ist der Berg sehr beliebt.

Unser Ausgangspunkt zur Tour war der P&R-Parkplatz in Spiegelau – unweit des Tourist-Info-Zentrums, auf der Gegenüberseite der Hauptstraße zwischen dem EDEKA- und dem NORMA-Markt. Dort befindet sich der Abfahrtspunkt für den Igel-Bus/Rachel-Bus zum Ausgangspunkt der Wanderung, am Haltepunkt Gfäll unterhalb des Großen Rachels. Die Schwarzachstraße, die von Spiegelau zum Gfäll führt, ist von Mai bis Oktober für den privaten Fahrzeugverkehr gesperrt. Eine Maßnahme, die dem Naturschutz im Nationalpark zu Gute kommt. Und es gleich einmal vorweg genommen: der halbstündliche Buspendelverkehr funktioniert hervorragend.

Rachelwanderung (1)

Am Parkplatz Gfäll haben wir eine Ausgangshöhe von 950 Metern erreicht und haben auch gleich die Qual der Wahl: in welche Richtung laufen wir? Der Wanderweg mit dem Auerhahn (im Bayerwald haben die Wanderwege Natursymbole als Wanderzeichen) ist ein Rundweg. Wir entscheiden uns kurz und spontan für den sofortigen Aufstieg zum Rachel und nehmen die Rachelkapelle und den Rachelsee auf dem Rückweg – wohlwissend, daß wir die folgenden 503 Meter Höhenunterschied in einem Zuge nehmen.

Beginn des Aufstieges zum Großen Rachels

Beginn des Aufstieges zum Großen Rachels

Sofort nach Betreten des Waldes geht es kontinuierlich und stellenweise steil nach oben. Der Weg ist befestigt und gleicht bisweilen (noch!) einem einfachen Wanderweg. Es wird kühl, später fast kalt. Die Sonne hat sich die letzten Tage sehr rar gemacht und es hat viel geregnet, das spürt man. Es ist feucht, wir stecken in einer Wolke. Wir erreichen einen idyllischen Pausenplatz mit Bänken und einer Trinkwasserquelle. Es geht weiter aufwärts. Wir verlassen die Wolke und auch die Vegetation lässt nach. Spätestens hier wird uns klar, daß uns das feuchte und kühle Wetter trotz allem lieber ist als Sommerhitze. In der prallen Sonne möchte ich hier nicht laufen.

Nach einer reichlichen Stunde erreichen wir das Waldschmidthaus. Kurz zuvor haben wir noch die Möglichkeit der Aussicht zum Rachelsee tief unter uns. Das Waldschmidthaus ist eine Bergwirtschaft auf 1.360 Meter Höhe. Auch Übernachtungen sind hier nach vorheriger Absprache möglich. Vom Gipfel trennen uns jetzt noch knapp 100 Meter Höhenunterschied, für da man etwa eine knappe halbe Stunde einplanen muss. Ab hier wird der Weg auch anstrengend und beschwerlich. Belohnt wird der Bergwanderer aber spätestens auf dem Gneisfelsen mit dem Gipfelkreuz mit einer herrlichen Rundumsicht, sofern das Wetter Fernsicht zulässt. Wir haben bei 1.453 Höhenmetern den Großen Rachel erklommen.

Das Waldschmidthaus und der Rachel-Gipfel

Das Waldschmidthaus und der Rachel-Gipfel

Der Abstieg beginnt, wie der Aufstieg endete: weitgehend ohne Vegetation, kaum Schatten und auf beschwerlichem Untergrund. Aber obwohl man sich sehr konzentrieren muss ist auch der Abstieg sehr interessant und reizvoll. Wir erreichen alsbald die Rachelkapelle (1.212 Meter), gefühlt und geschätzt könnte sie zwischen Rachelgipfel und Rachelsee auf etwa halber Höhe liegen. Wir lassen uns mit unserer Wanderbekanntschaft (einem netten „Mutter-Tochter-Gespann“ aus dem Raum Deggendorf) auf den beiden Bänken neben der Kapelle zum Picknick nieder – der Bayer nennt das Brotzeit – und dann schauen wir uns die kleine Kapelle oberhalb des Sees an. Interessant ist die Entstehungsgeschichte, die bis in das Jahr 1885 des ursprünglichen Baus der Kapelle zurück reicht; nachzulesen in der Kapelle selbst. Besonders gefallen hat mir auch ein in Holz geschnitzter Spruch, der das Leben mit einer Wanderung vergleicht und sinngemäß so lautete: „Das Leben gleicht dem Wandern / doch merken tun wir´s nur bei ander´n / fällt das Leben Dir zur Last / so halte inne und mach´ Rast!“ Eine Lebensweisheit, die man im Alltag viel öfter beherzigen sollte!

Rachelkapelle und Rachelsee

Rachelkapelle und Rachelsee

Spätestens nachdem wir die Kapelle hinter uns gelassen haben, tauchen wir vollends in den Wald ein. Es ist romantisch, der „Urwald am Rachelsee“ zieht uns in seinen Bann. Dieses Naturschutzgebiet innerhalb des Nationalparks Rachel-Lusen wird den menschlichen Einflüssen völlig entzogen. Solche Gebiete gibt es auch in der Sächsischen Schweiz, im oberen Harz und im Spreewald. Das Wandern wird ausschließlich auf den ausgezeichneten Wanderwegen gestattet. Der Wald wirkt mystisch, fast unheimlich. Beinahe glaubt man, daß die vielen moosüberzogenen Steine getarnte Trolle sind und sich irgendwann bewegen werden – oder man wartet fast auf das Erscheinen von Feen und Elfen. Dazu kommt, daß es beinahe aus jeder Ecke plätschert und unaufhörlich Wasser zu Rinnsalen zusammen läuft. In früheren Jahrzehnten war dieser Wald bei der hiesigen Bevölkerung sehr sagenumwoben.

Wir erreichen über einen wenige hundert Meter langen Abstecher den Rachelsee und befinden uns auf 1.070 Höhenmetern. Kalt weht es übers Wasser, es ist romantisch, aber ungemütlich. Unsere Blicke schauen noch einmal zum Gipfel zurück, wir rekonstruieren unseren bisherigen Abstieg und suchen die kleine Kapelle auf der Gegenüberseite im Wald auf dem Felsvorsprung. Nachdem wir sie entdeckt haben, treten wir die letzte Etappe an. Immer noch den Wanderweg mit dem Auerhahn nutzend schlagen wir die Richtung Gfäll ein. Die schlimmsten Steigungen und Gefälleabschnitte haben wir hinter uns. Ein Sonntagsspaziergang wird es bis zum Haltepunkt Gfäll dennoch nicht. Glücklich, bereichert und zufrieden, aber auch k.o. und müde in den Beinen erreichen wir nach etwa 9 ½ Kilometern den Ausgangspunkt zur Wanderung und warten auf den Pendelbus nach Spiegelau.

Abstieg und Rückweg

Abstieg und Rückweg

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Daten zur Wanderung:

  • Ausgangspunkt in Spiegelau, P&R-Parkplatz Rachel-Bus/Igel-Bus
  • Ausgangspunkt zur Wanderung, Haltepunkt Gfäll unterhalb des Rachels
  • Wegstrecke etwa knapp 10 Kilometer mit allen Abstechern
  • zu bewältigender Höhenunterschied, reichlich 500 Meter
  • Zeitdauer ohne Pausen mindestens 4 Stunden
  • Einkehrmöglichkeit im Waldschmidthaus unterhalb des Gipfels
  • Der Weg ist steinig und steil, anstrengend und stellenweise beschwerlich. Besonders zwischen Waldschmidthaus und Gipfel auf der einen Seite sowie zwischen Gipfel, Kapelle und See auf der anderen Seite ist trittfestes Schuhwerk und eigene Trittsicherheit ein unbedingtes Muss!
  • Man beachte, daß man sich in den Kammlagen eines Mittelgebirges befindet. Das Wetter kann plötzlich und heftig umschlagen. Man sollte unbedingt etwas Wärmendes zum Anziehen und Regenschutzbekleidung im Rucksack mit sich führen 

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Ein weiterer Tip:

 

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