Verdichtungsräume

Verdichtungsräume sind bedeutende Wohnschwerpunkte und herausragende Wirtschaftsstandorte hoher Standortqualität, welche jeweils von einer Randzone umgeben sind, die Gebiete mit erheblicher Siedlungsverdichtung in ihrem Einzugsbereich umfassen. 

Stuttgart

Der größte Verdichtungsraum ist der Mittlere Neckarraum mit Stuttgart, in dem mit 2,7 Millionen Menschen etwa ein Viertel der Landesbevölkerung wohnt. Die Stadt Stuttgart selbst ist umgeben von einem Kranz bedeutender nachgeordneter Zentren und Industriestädte wie Esslingen, Böblingen, Sindelfingen, Leonberg, Ludwigsburg, Fellbach, Waiblingen.

Aufgrund der Topografie greifen die Ausläufer des Verdichtungsraumes weit neckarauf- und -abwärts. Zu dynamischen Wachstumsspitzen sind vor allem die Gemeinden im Westen längs der Autobahn nach Singen geworden, während die traditionellen Industriegemeinden im Osten, im Remsund Filstal, ein verhalteneres Wachstum aufweisen.

Mannheim und Heidelberg

Der zweitgrößte Verdichtungsraum Rhein-Neckar ist in seinen Randzonen- gemeinden inzwischen mit dem Mittleren Neckarraum zusammengewachsen. Mannheim und Heidelberg, die ehemals kurpfälzischen Residenzstädte, haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Mannheim, mit dem wichtigsten Rheinhafen des Landes, an der europäischen Verkehrsachse der Rheinschiene gelegen, ist bis heute eine Verkehrs- und Industriestadt geblieben, während die Universitätsstadt Heidelberg das Zentrum für Forschung und Entwicklung und tertiärwirtschaftliche Funktionen darstellt. Insgesamt lebt im Verdichtungsraum Rhein-Neckar etwa ein Drittel der Bevölkerung des Mittleren Neckarraums.

Die weiteren fünf Verdichtungsräume liegen wie in einem Kranz an den verschiedenen Peripherien des Landes: Karlsruhe/Pforzheim, Freiburg, Lörrach/Weil (als baden-württembergischer Teil des großen Verdichtungsraumes Basel) sowie der länderübergreifende Verdichtungsraum Ulm/Neu-Ulm. Im Landesentwicklungsplan 2002 wird der Bodenseeregion – neben dem Oberrheingebiet und dem Mittleren Neckarraum – spezifische Aufmerksamkeit gewidmet und ein Verdichtungsraum Bodenseeraum mit besonderer struktureller Prägung ausgewiesen.


Räumliche Planung und Kulturlandschaftsentwicklung

Gebietskategorien der Raumordnung haben sich seit der Etablierung der räumlichen Planung in den 60er-Jahren sukzessive entwickelt; so laufen auch im letzten Landesentwicklungsplan von 2002 aus verschiedenen Kontexten stammende Ordnungssysteme nebeneinander her.

Neben den Verdichtungsräumen bilden nach wie vor die Zentralen Orte ein wichtiges Instrument einer an Nachhaltigkeit orientierten, Siedlungs- zersplitterung vermeidenden Kulturlandschaftsentwicklung, deren Steuerungswirkung allerdings zunehmend in Zweifel gezogen wird. Selbst das System der Entwicklungsachsen, das dem Denken der frühen 70er-Jahre entstammt, wird im Landesentwicklungsplan 2002 weitergeführt.

Kategorien der Raumordnung sind immer auch Objekte des "politischen Opportunismus". So hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur die Zahl der (höherrangigen) Zentralen Orte kontinuierlich vermehrt, da "Zentralität" für viele (Ober-)Bürgermeister nach wie vor ein wichtiger Ausweis der Bedeutung ihrer Stadt ist, sondern es wurden auch neue Gebietskategorien im europäischen Kontext geschaffen. Typisches Beispiel sind die europäischen Metropolregionen, in deren Reihen inzwischen nicht nur der Verdichtungsraum Stuttgart, sondern jüngst auch der Rhein-Neckar-Raum aufgenommen wurde.



© 2016 Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg
www.lpb-bw.de