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THDE liest: Daemon - Wie ein Programm die Welt verändern könnte

THDE liest: Daemon - Wie ein Programm die Welt verändern könnte
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Heute präsentieren wir euch einmal eine ganz andere Hardware - vorausgesetzt ihr lasst ein Buch als Hardware durchgehen: Daemon: Die Welt ist nur ein Spiel von Daniel Suarez.

Die Themen auf Tom's Hardware, die uns heute als ganz normal vorkommen, waren vor vielen Jahren noch Science Fiction und vor noch mehr Jahren wären sie als Magie durchgegangen - seien es nun Internet, Smartphones, Nanotechnologie, Roboter und vieles mehr. Letztlich befinden wir uns alle auf einer Reise in die Science Fiction und ich gehe mal davon aus, dass das Lesen dieser Webseite als Beweis dafür angesehen werden kann, dass ihr gerne auf dieser Reise seid.

Wer sich viel mit den heutigen Trends beschäftigt, ist vermutlich auch neugierig darauf, wie denn die weitere Zukunft aussehen könnte und eventuell sogar, wie sich Menschen der letzten 50 Jahre die Zukunft vorgestellt haben. Mich jedenfalls interessierte das brennend und es interessiert mich immer noch. Immer mehr Bücher extrapolieren die heutigen Technologien und machen daraus interessante Geschichten rund um diese Trends, die erzählerisch teils auf erheiternde und teils auf schockierende Weise weiterentwickelt werden.

Ich möchte die Chance nutzen, euch einige dieser Erzählungen vorzustellen und so eine Liste an Büchern für "Geeks" zu erstellen. Diese Listen gibt es allerdings schon zuhauf. Darauf befinden sich etliche bekannte Romane und ganze Büchereihen wie zum Beispiel die Herr der Ringe-Trilogie, Per Anhalter durch die Galaxis und Neuromancer. Genau deshalb lassen wir diese Werke hier auch nicht auftauchen: Ihr werdet sie entweder ohnehin schon längst kennen oder euch offensichtlich bewusst dagegen entschieden habt, sie zu lesen/hören/sehen.

Die Auswahl der Bücher ist vollkommen subjektiv und ich erhebe nicht den Anspruch, sie objektiv zu betrachten oder auszuwählen. Deshalb sind jegliche Kritiken und Kommentare erwünscht. Auch erwünscht sind natürlich Anregungen zu weiteren Büchern, die hier besprochen werden sollen. Und ganz besonders sind Kommentare erwünscht, die uns einschätzen lassen, ob euch diese Idee gefällt und ob wir sie fortsetzen sollen.

Den Anfang macht der Roman Daemon: Die Welt ist nur ein Spiel von Daniel Suarez. Dieses Buch erschien zuerst im Eigenverlag und baute sich mit der Zeit eine beachtliche Fan-Gemeinde auf. Dadurch wurde dann ein größerer Verlag auf den Titel aufmerksam und seitdem hat er seinen Siegeszug fortgesetzt.

Daemon beginnt mit einem Ende. Dem Ende des Lebens der Hauptperson. Der Mitbegründer der Spielesoftwarefirma CyberStorm Entertainment, Matthew A. Sobol, stirbt und damit wird ein Programm von ihm aktiv, das das Internet zu einem Werkzeug macht. Zu Beginn nur zu einem Werkzeug für einen Mord und dann im Laufe der Geschichte zu einem Werkzeug für eine Revolution. Seine im Internet implantierte Software manipuliert zuerst das Netz selbst und dann einzelne Individuen über das Internet. Das perfide daran ist, dass sich die meisten Menschen dessen nicht bewusst sind und so aus einer normalen Handlung ein Mord resultieren kann.

Die von Sobol entwickelte Software ist allerdings nur eine Art Initialzündung, denn sie entwickelt sich weiter mit jedem Menschen, der von ihr eingebunden wird. Per Abstimmung entscheiden die Menschen gleichzeitig über den weiteren Verlauf und werden dennoch wiederum vom Daemon manipuliert. Ihre Handlungen und Reaktionen werden vorausberechnet und machen sie so zu willigen Werkzeugen eines größeren Plans.

Gegenspieler des toten Sobol ist Detective Pete Sebeck. Dieser hat es nicht so mit Computerspielen und ebenso wenig mit virtuellen Welten, daher stößt er bei seinen Ermittlungen inmitten von Server-Clustern und Algorithmen auf vieles, auf das er sich keinen Reim machen kann.

Während Sebeck noch ein normales Verbrechen aufzuklären versucht, zieht der Daemon immer weitere Kreise und die Gesellschaft wird zu dessen Spielball.

Daemon ist gleichzeitig actiongeladen, visionär und nachdenklich. Unweigerlich fragt man sich, ob das, was Suarez in Daemon beschreibt, Realität werden kann. Immer wenn man denkt, dass man weiß, wie der digitale Hase läuft, schlägt der Daemon den nächsten Haken und die Erzählung entwickelt sich weiter. Letztlich ist die Geschichte in Daemon so groß, dass sie nicht in ein Buch passt. Sie wird im Sequel Darknet fortgesetzt und zieht dort immer weitere Kreise.

Daemon und Darknet zeichnen sich ebenso durch die Menge an Details, wie durch eine exakte Beschreibung technischer Prozesse und Entwicklungen aus. Hierbei überzeugt der Autor einerseits technische versierte Menschen durch sein Fachwissen, nervt jedoch womöglich in dieser Hinsicht weniger versierte Leser mit einer Fülle an Informationen, die ohne den richtigen Background nur schwer verständlich sind. Die eigentliche Stärke der Erzählung ist aber die Weiterentwicklung der heutigen Technik und die Vision einer veränderten Gesellschaft, wie sie durch den Daemon entsteht.

So befriedigt der Roman letztlich sowohl jene, die in der Action den schnellen Kick suchen, als auch jene, die der Schaffung einer neuen Gesellschaft zusehen wollen. Ich jedenfalls konnte den MP3-Player nicht aus den Händen legen und war froh, dass ich nahtlos mit der Fortsetzung Darknet fortfahren konnte, die zu diesem Zeitpunkt bereits erschienen war. Ich kann euch diese zwei Bücher nur ans Herz legen.

Daemon und Darknet gibt es neben der Buchausgabe sowohl als eBook, Hörbuch und als Hörspiel.

Alle 7 Kommentare anzeigen.
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Sortieren nach: Neueste zuerst | Älteste zuerst
  • db , 25. Oktober 2015 18:42
    Hi!

    Daemon und Darknet gehören auf jeden Fall auch zu mein absoluten Lieblingsbüchern...allerdings gibt es da noch einige andere die man in diesem Atemzug durchaus nennen sollte...z.b:

    "Ready Player One" von Ernest Cline
    "Extraleben" Triologie von Constantin Gillies
    "Out" Trilogie von Andreas Eschbach
    "Herr aller Dinge" von Andreas Eschbach (Dieses Buch hat zwar nicht wirklich den Geek Stempel verdient...mir gefällt aber trotzdem super)

    btw...die jüngeren Titel (Kill Decision und Control) von Suarez sind natürlich auch sehr lesenswert...aber auch hier fehlt etwas der Nerd Faktor!

    Gruß
    db
  • Bodo , 25. Oktober 2015 21:35
    @db
    mindestens einen der von dir genannten Titel habe ich aktiv auf dem Schirm (nein, Namen werden jetzt nicht genannt - ich will ja nicht die Spannung nehmen). "Herr aller Dinge" ist definitiv auch ein großartiges Buch. "Extraleben" kenne ich leider noch nicht.
  • Gudi , 26. Oktober 2015 22:13
    Klingt vielversprechend. Sowie ich Zeit finde, werde ich mal reinschnuppern.

    Eschbachs Herr aller Dinge fand ich sehr packend.
    Dave Eggers The Circle möchte ich an der Stelle noch in den Raum werfen. Beklemmend weil die Science Fiction nur einen Steinwurf weit voraus ist.
  • MBaumi , 29. Oktober 2015 12:37
    Zitat :
    Daemon und Darknet gehören auf jeden Fall auch zu mein absoluten Lieblingsbüchern...allerdings gibt es da noch einige andere die man in diesem Atemzug durchaus nennen sollte...z.b:

    "Ready Player One" von Ernest Cline
    "Extraleben" Triologie von Constantin Gillies
    "Out" Trilogie von Andreas Eschbach
    "Herr aller Dinge" von Andreas Eschbach (Dieses Buch hat zwar nicht wirklich den Geek Stempel verdient...mir gefällt aber trotzdem super)

    Ich habe tatsächlich Daemon, Darknet und Ready Player One alle vor 3 Jahren gelesen. Sehr interessante Bücher, auch wenn zumindest das zuletzt genannte Buch doch eher für ein jüngeres Publikum gedacht ist.
  • Bodo , 29. Oktober 2015 13:16
    @MBaumi
    Den Eindruck mit dem jüngeren Publikum hatte ich auch, wenn auch einige Aspekte dagegen sprechen.

    Da stellt sich die Frage, ob man nicht allzu leicht folgendem Trugschluss zum Opfer fällt:
    jugendliche Protagonisten = Jugendbuch
    kindliche Protagonisten = Kinderbuch

    Auch Eschbachs Herr aller Dinge beginnt jugendlich und wirkt deshalb so, entwickelt sich dann aber sehr erwachsen weiter.
  • Orgelnator , 2. November 2015 12:45
    Die oben genannten Bücher hab ich nicht gelesen, werde es aber mal tun ;) 

    Empfehlen kann ich auch "Blackout" von Marc Elsberg. Es hat nur eher am Rand etwas mit Internet zu tun, ist aber auch sehr technisch.
    Mich hat es jedenfalls begeistert.


  • MadEye , 5. November 2015 16:31
    Little Brother - Cory Doctorow

    Steht unter CreativeCommons auf deutsch zu lesen unter
    http://cwoehrl.de/files/lbdt_v1.pdf