WOLFS- ODER WOLLSCHEUNE IN DOBERAN

Bad Doberan. Abseits von den prachtvollen Backsteinbauten im Klostergelände steht im nördlichen und etwas abgelegenen Teil die so genannte „Wolfsscheune“, das heißt, was heute an Ruine noch übrig geblieben ist. Dieser Ort ist gelegentlich einen kleinen Spaziergang wert, ist er doch immer ein wenig geheimnisumwittert geblieben. In den bekannten Kunsthandbüchern von Dehio und Schlie oder in den „Bau- und Küstendenkmale in der mecklenburgischen Küstenregion“ ist nur sehr wenig darüber zu erfahren. Aufschlussreicher dagegen ist ein Beitrag vom Gymnasialprofessor Dr. Robert Tetzner (1854 bis 1928/gestorben in Bad Doberan), der von 1885 bis 1920 am hiesigen Gymnasium unterrichtete und mit Aufsätzen zur Landesgeschichte an die Öffentlichkeit getreten ist. Über die „Wolfsscheune“ in Doberan schrieb Tetzner in dem Jahrgang 1923 in „Mecklenburg“, der Zeitschrift des Heimatbundes Mecklenburg. „Wolfsscheune“, wie dieses um 1280/1290 errichtete Gebäude im Volksmund heißt, könnte seinen Namen einmal von dem nicht weit von der Biegung der Dammchaussee liegenden Hügel „Wolfsberg“ erhalten haben. (Dort befand sich zudem einmal die Villa Wolfsburg.) Oder der Name entstand, als 1762 auf Vorschlag des Oberhauptmanns von Oertzen in diesem alten Bauwerk eine Wollwarenfabrik mit 24 Webstühlen und einer großen Anzahl von Spinnern eingerichtet wurde. Welchem Zweck dieses zweistöckige Gebäude ursprünglich diente, ist nicht mehr mit Sicherheit festzustellen. Tetzner meint, es könne ursprünglich das Schlaf- und Speisehaus der Konversen gewesen sein, die vor allem als Handwerker oder Landwirte im Kloster beschäftigt waren. Danach scheint es erwiesen zu sein, dass hier sowohl Gäste als auch Kranke eine Unterkunft fanden. Die Zisterzienser waren ja dafür bekannt, dass sie die Gastfreundschaft besonders pflegten und Hilfsbereitschaft gegenüber Kranken gewährten. Da es aber bereits ein Krankenhaus für bedürftige Klosterinsassen gab, könnte es sich um ein Siechenhaus gehandelt haben, wo dauerhaft Kranke und Krüppel gepflegt wurden. Dafür würde der etwa abseits gelegene Platz des Gebäudes sprechen. Ebenso könnten hier die reichen Vorräte des Klosters zeitweilig gelagert haben. Nach Dr. Robert Tetzner wurde die Woll- oder Wolfsscheune, nachdem die Wollwarenfabrik und Spinnerei mit ihrer Tuchproduktion keinen Gewinn abwarf und geschlossen werden musste, später von dem Pächter des Kammergutes als Getreidescheune genutzt, bis vor etwa 150 Jahren ein schwerer Sturm das Dach von dem Gemäuer hinweg fegte und damit der alte Bau dem Verfall preis gegeben wurde, bis heute. Nach Zeichnungen von Möckel hatte dieses Gebäude die Abmessungen von 11 m Breite und 31,80 m Länge, und von diesem Baumeister existiert noch eine Ostansicht, die die einstige Schönheit dieses Backsteingebäudes erahnen lässt.

Peter Gerds

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