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Regeln der deutschen Rechtschreibung

Entsprechend den Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung 

Überarbeitete Fassung des amtlichen Regelwerks 2004 - 2006

 

"Das amtliche Regelwerk geht in seiner Anlage und Form auf das im Jahre 1996 anlässlich der Reform erstellte Regelwerk zurück. Es wurde in seinen Regelungen zuletzt im Jahre 2006 geändert, als auf Vorschlag des Rats größere Modifikationen in den Bereichen Getrennt- und Zusammenschreibung, Zeichensetzung, Worttrennung am Zeilenende und Teilen der Groß- und Kleinschreibung vorgenommen wurden." -- http://www.rechtschreibrat.com/

 

Hinweise der DWDS-Redaktion:

  1. Der folgende Text entspricht in seinem Wortlaut der 2006 überarbeiteten Fassung des amtlichen Regelwerks 2004, wurde aber für die Darstellungszwecke in eine HTML-Version konvertiert.
  2. Die Nachträge aus dem Bericht 2010 werden gegenwärtig in das Dokument eingearbeitet (Januar 2013). Das aktuelle Regelverzeichnis findet sich hier: http://rechtschreibrat.ids-mannheim.de/download/regeln2006.pdf
  3. Es erwies sich als notwendig, einige zusätzliche Regeln und Einzelfallregelungen einzuführen. Erst mit diesen Zusätzen war es möglich, alle Fälle, in denen die neue Rechtschreibung im Stichwortbestand des DWDS-Wörterbuchs zu Veränderungen führte, mit diesem Regelwerk zu verknüpfen. Die Regeln und Regelungen, die von uns stammen, haben wir mit einem Stern (*) markiert.

Grundlegende Laut-Buchstaben-Zu/ordnungen

§ 1 Als grundlegend im Sinne dieser orthografischen Regelung gelten die folgenden Laut-Buchstaben-Zuordnungen.
  Besondere Zuordnungen werden in den sich anschließenden Abschnitten behandelt.

1. Kurze einfache Vokale
 
Laute Buchstaben Beispiele
[a] a ab, Alter, warm, Bilanz
[E], [e] e enorm, Endung, helfen, fett, penetrant, Prozent
[@] e Atem, Ballade, gering, nobel
[I], [i] i immer, Iltis, List, indiskret, Pilot
[O], [o] o ob, Ort, folgen, Konzern, Logis, Obelisk, Organ
[2], [9] ö öfter, Öffnung, wölben, Ökonomie
[U], [u] u unten, Ulme, bunt, Museum
[Y], [y] ü Küste, wünschen, Püree

2. Lange einfache Vokale
 
Laute Buchstaben Beispiele
[a:] a artig, Abend, Basis
[e:] e edel, Efeu, Weg, Planet
[E:] ä äsen, Ära, Sekretär
[i:] ie (in einheimischen Wörtern:) Liebe, Dieb
i (in Fremdwörtern:) Diva, Iris, Krise, Ventil
[o:] o oben, Ofen, vor, Chor
[2:] ö öde, Öfen, schön
[u:] u Ufer, Bluse, Muse, Natur
[y:] ü üben, Übel, fügen, Menü, Molekül

3. Diphthonge
 
Laute Buchstaben Beispiele
[aI] ei eigen, Eile, beiseite, Kaleidoskop
[aU] au auf, Auge, Haus, Audienz
[OY] eu euch, Eule, Zeuge, Euphorie

Besondere Kennzeichnung der kurzen Vokale

Folgen auf einen betonten Vokal innerhalb des Wortstammes – bei Fremdwörtern betrifft dies auch den betonten Wortausgang – zwei verschiedene Konsonanten, so ist der Vokal in der Regel kurz; folgt kein Konsonant, so ist der Vokal in der Regel lang; folgt nur ein Konsonant, so ist der Vokal kurz oder lang. Deshalb beschränkt sich die besondere grafische Kennzeichnung des kurzen Vokals auf den Fall, dass nur ein einzelner Konsonant folgt.
 
§ 2 Folgt im Wortstamm auf einen betonten kurzen Vokal nur ein einzelner Konsonant, so kennzeichnet man die Kürze des Vokals durch Verdopplung des Konsonantenbuchstabens.
  Das betrifft Wörter wie:

Ebbe; Paddel; schlaff, Affe; Egge; generell, Kontrolle; schlimm, immer; denn, wann, gönnen; Galopp, üppig; starr, knurren; Hass, dass (Konjunktion), bisschen, wessen, Prämisse; statt (aber Stadt), Hütte, Manschette
 
§ 3 Für k und z gilt eine besondere Regelung:
(1) Statt kk schreibt man ck.
(2) Statt zz schreibt man tz.
  Das betrifft Wörter wie:

Acker, locken, Reck; Katze, Matratze, Schutz

Ausnahmen: Fremdwörter wie Mokka, Sakko; Pizza, Razzia, Skizze
E zu § 2 und § 3: Die Verdopplung des Buchstabens für den einzelnen Konsonanten bleibt üblicherweise in Wörtern, die sich aufeinander beziehen lassen, auch dann erhalten, wenn sich die Betonung ändert, zum Beispiel: Galopp – galoppieren, Horror – horrend, Kontrolle – kontrollieren, Nummer – nummerieren, spinnen – Spinnerei, Stuck – Stuckatur, Stuckateur
 
§ 4 In acht Fallgruppen verdoppelt man den Buchstaben für den einzelnen Konsonanten nicht, obwohl dieser einem betonten kurzen Vokal folgt.
  Dies betrifft
 
1. eine Reihe einsilbiger Wörter (besonders aus dem Englischen), zum Beispiel:
Bus, Chip, fit, Gag, Grog, Jet, Job, Kap, Klub, Mob, Pop, Slip, top, Twen
 
E1: Ableitungen schreibt man entsprechend § 2 mit doppeltem Konsonantenbuchstaben:
jobben – du jobbst – er jobbt; jetten, poppig, Slipper; außerdem: die Busse (zu Bus)
2. die fremdsprachigen Suffixe -ik und -it, die mit kurzem, aber auch mit langem Vokal gesprochen werden können, zum Beispiel:
Kritik, Politik; Kredit, Profit
 
3. einige Wörter mit unklarem Wortaufbau oder mit Bestandteilen, die nicht selbständig vorkommen, zum Beispiel:
Brombeere, Damwild, Himbeere, Imbiss, Imker (aber Imme), Sperling, Walnuss; aber Bollwerk
 
4. eine Reihe von Fremdwörtern, zum Beispiel:
Ananas, April, City, Hotel, Kamera, Kapitel, Limit, Mini, Relief, Roboter
 
5. Wörter mit den nicht mehr produktiven Suffixen -d, -st und -t, zum Beispiel:
Brand (trotz brennen), Spindel (trotz spinnen); Geschwulst (trotz schwellen), Gespinst (trotz spinnen), Gunst (trotz gönnen); beschäftigen, Geschäft (trotz schaffen), [ins]gesamt, sämtlich (trotz zusammen)
 
6. eine Reihe einsilbiger Wörter mit grammatischer Funktion, zum Beispiel:
ab, an, dran, bis, das (Artikel, Pronomen), des (aber dessen), in, drin (aber innen, drinnen), man, mit, ob, plus, um, was, wes (aber wessen)
 
E2: Aber entsprechend § 2 :
dann, denn, wann, wenn; dass (Konjunktion)
7. die folgenden Verbformen:
ich bin, er hat; aber nach der Grundregel (§ 2): er hatte, sie tritt, nimm!
 
8. die folgenden Ausnahmen:
Drittel, Mittag, dennoch
 
§ 5 In vier Fallgruppen verdoppelt man den Buchstaben für den einzelnen Konsonanten, obwohl der vorausgehende kurze Vokal nicht betont ist.
  Dies betrifft
 
1. das scharfe (stimmlose) s in Fremdwörtern, zum Beispiel:
Fassade, Karussell, Kassette, passieren, Rezession
 
2. die Suffixe -in und -nis sowie die Wortausgänge -as, -is, -os und -us, wenn in erweiterten Formen dem Konsonanten ein Vokal folgt, zum Beispiel:
-in: Ärztin – Ärztinnen, Königin – Königinnen
-nis: Beschwernis – Beschwernisse, Kenntnis – Kenntnisse
-as: Ananas – Ananasse, Ukas – Ukasse
-is: Iltis – Iltisse, Kürbis – Kürbisse
-os: Albatros – Albatrosse, Rhinozeros – Rhinozerosse
-us: Diskus – Diskusse, Globus – Globusse
3. eine Reihe von Fremdwörtern, zum Beispiel:
Allee, Batterie, Billion, Buffet, Effekt, frappant, Grammatik, Kannibale, Karriere, kompromittieren, Konkurrenz, Konstellation, Lotterie, Porzellan, raffiniert, Renommee, skurril, Stanniol
 
E: In Zusammensetzungen mit fremdsprachigen Präfixen wie ad-, dis-, in-, kon-/con-, ob-, sub- und syn- ist deren auslautender Konsonant in manchen Fällen an den Konsonanten des folgenden Wortes angeglichen, zum Beispiel:
Affekt, akkurat, Attraktion (vgl. aber Advokat, addieren); ebenso: Differenz, Illusion, korrekt, Opposition, suggerieren, Symmetrie
4. wenige Wörter mit tz (siehe § 3 (2)), zum Beispiel:
Kiebitz, Stieglitz
 

Besondere Kennzeichnung der langen Vokale

Folgt im Wortstamm auf einen betonten Vokal kein Konsonant, ist er lang. Die regelmäßige Kennzeichnung mit h hat auch die Aufgabe, die Silbenfuge zu markieren, zum Beispiel Kü|he; vgl. § 6. Folgt nur ein Konsonant, so kann der Vokal kurz oder lang sein. Die Länge wird jedoch nur bei einheimischen Wörtern mit [i:] regelmäßig durch ie bezeichnet; vgl. § 1. Ansonsten erfolgt die Kennzeichnung nur ausnahmsweise:

a) in manchen Wörtern vor l, m, n, r mit h; vgl. § 8
b) mit Doppelvokal aa, ee, oo; vgl. § 9
c) mit ih, ieh; § 12.

Zum ß (statt s) nach langem Vokal und Diphthong siehe § 25.
 
§ 6 Wenn einem betonten einfachen langen Vokal ein unbetonter kurzer Vokal unmittelbar folgt oder in erweiterten Formen eines Wortes folgen kann, so steht nach dem Buchstaben für den langen Vokal stets der Buchstabe h.
  Dies betrifft Wörter wie:
 
ah: nahen, bejahen (aber ja)
eh: Darlehen, drehen
oh: drohen, Floh (wegen Flöhe)
uh: Kuh (wegen Kühe), Ruhe, Schuhe
äh: fähig, Krähe, zäh (Ausnahme säen)
öh: Höhe (Ausnahme Bö, trotz Böe, Böen)
üh: früh (wegen früher)

Zu ieh siehe § 12(2).
Zu See u. a. siehe § 9.
 
§ 7 Das h steht ausnahmsweise auch nach dem Diphthong [aI].
  Das betrifft Wörter wie:

gedeihen, Geweih, leihen (aber Laien), Reihe, Reiher, seihen, verzeihen, weihen, Weiher; aber sonst: Blei, drei, schreien
 
§ 8 Wenn einem betonten langen Vokal einer der Konsonanten [l], [m], [n] oder [r] folgt, so wird in vielen, jedoch nicht in der Mehrzahl der Wörter nach dem Buchstaben für den Vokal ein h eingefügt.
  Dies betrifft:
 
1. Wörter, in denen auf [l], [m], [n] oder [r] kein weiterer Konsonant folgt, zum Beispiel:
 
ah: Dahlie, lahm, ahnen, Bahre
eh: Befehl, benehmen, ablehnen, begehren
oh: hohl, Sohn, bohren
uh: Pfuhl, Ruhm, Huhn, Uhr
äh: ähneln, Ähre
öh: Höhle, stöhnen, Möhre
üh: fühlen, Bühne, führen

Zu ih siehe § 12(1).
2. die folgenden Einzelfälle: ahnden, fahnden
 
E1: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber unterschiedlich geschriebene Wortstämme wie: Mahl aber Mal, mahlen aber malen, Sohle aber Sole; dehnen aber denen; Bahre aber Bar, wahr aber er war, lehren aber leeren, mehr aber Meer, Mohr aber Moor, Uhr aber Ur, währen aber sie wären
 
E2: zu § 6 bis § 8: Das h bleibt auch bei Flexion, Stammveränderung und in Ableitungen erhalten, zum Beispiel: befehlen – befiehl – er befahl – befohlen, drehen – gedreht – Draht, empfehlen – empfiehl – er empfahl – empfohlen, gedeihen – es gedieh – gediehen, fliehen – er floh – geflohen, leihen – er lieh – geliehen, mähen – Mahd, nähen – Naht, nehmen – er nahm, sehen – er sieht – er sah – gesehen, stehlen – er stiehlt – er stahl – gestohlen, verzeihen – er verzieh – verziehen, weihen – geweiht – Weihnachten

Ausnahmen, zum Beispiel: Blüte, Blume (trotz blühen), Glut (trotz glühen), Nadel (trotz nähen)
 
E3: In Fremdwörtern steht bis auf wenige Ausnahmen wie Allah, Schah kein h.
 
§ 9 Die Länge von [a:], [e:] und [o:] kennzeichnet man in einer kleinen Gruppe von Wörtern durch die Verdopplung aa, ee bzw. oo.
  Dies betrifft Wörter wie:
 
aa: Aal, Aas, Haar, paar, Paar, Saal, Saat, Staat, Waage
ee: Beere, Beet, Fee, Klee, scheel, Schnee, See, Speer, Tee, Teer; außerdem eine Reihe von Fremdwörtern mit ee im Wortausgang wie: Armee, Idee, Kaffee, Klischee, Tournee, Varietee
oo: Boot, Moor, Moos, Zoo

Zu die Feen, Seen siehe § 19.
 
E1: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber unterschiedlich geschriebene Wortstämme wie: Waage aber Wagen; Heer aber her, hehr; leeren aber lehren; Meer aber mehr; Reede aber Rede; Seele, seelisch aber selig; Moor aber Mohr
 
E2: Bei Umlaut schreibt man nur ä bzw. ö, zum Beispiel: Härchen – aber Haar; Pärchen – aber Paar; Säle – aber Saal; Bötchen – aber Boot
 
§ 10 Wenige einheimische Wörter und eingebürgerte Entlehnungen mit dem langen Vokal [i:] schreibt man ausnahmsweise mit i.
  Dies betrifft Wörter wie:

dir, mir, wir; gib, du gibst, er gibt (aber ergiebig); Bibel, Biber, Brise, Fibel, Igel, Liter, Nische, Primel, Tiger, Wisent
 
E: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber unterschiedlich geschriebene Wörter wie: Lid aber Lied; Mine aber Miene; Stil aber Stiel; wider aber wieder
 
§ 11 Für langes [i:] schreibt man ie in den fremdsprachigen Suffixen und Wortausgängen -ie, -ier und -ieren.
  Dies betrifft Wörter wie:

Batterie, Lotterie; Manier, Scharnier; marschieren, probieren

Ausnahmen, zum Beispiel: Geysir, Saphir, Souvenir, Vampir, Wesir
 
§ 12 In Einzelfällen kennzeichnet man die Länge des Vokals [i:] zusätzlich mit dem Buchstaben h und schreibt ih oder ieh.
  Im Einzelnen gilt:
 
1. ih steht nur in den folgenden Wörtern (vgl. § 8): ihm, ihn, ihnen; ihr (Personal- und Possessivpronomen), außerdem Ihle
 
2. ieh steht nur in den folgenden Wörtern (vgl. § 6): fliehen, Vieh, wiehern, ziehen

Zu ieh in Flexionsformen wie befiehl (zu befehlen) siehe § 8 E2.
 

Umlautschreibung bei [E]

§ 13 Für kurzes [E] schreibt man ä statt e, wenn es eine Grundform mit a gibt.
  Dies betrifft flektierte und abgeleitete Wörter wie:

Bänder, Bändel (wegen Band); Hälse (wegen Hals); Kälte, kälter (wegen kalt); überschwänglich (wegen Überschwang)
 
E1: Man schreibt e oder ä in Schenke/Schänke (wegen ausschenken/Ausschank), aufwendig/aufwändig (wegen aufwenden/Aufwand).
E2: Für langes [e:] und langes [E:], die in der Aussprache oft nicht unterschieden werden, schreibt man ä, sofern es eine Grundform mit a gibt, zum Beispiel:
quälen (wegen Qual). Wörter wie sägen, Ähre (aber Ehre), Bär sind Ausnahmen.
 
§ 14 In wenigen Wörtern schreibt man ausnahmsweise ä.
  Dies betrifft Wörter wie:

ätzen, dämmern, Geländer, Lärm, März, Schärpe
 
E: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber unterschiedlich geschriebene Wörter wie: Äsche aber Esche; Färse aber Ferse; Lärche aber Lerche
§ 15 In wenigen Wörtern schreibt man ausnahmsweise e.
  Das betrifft Wörter wie:

Eltern (trotz alt); schwenken (trotz schwanken)
 


 

Umlautschreibung bei [OY]

§ 16 Für den Diphthong [OY] schreibt man äu statt eu, wenn es eine Grundform mit au gibt.
  Dies betrifft flektierte und abgeleitete Wörter wie:

Häuser (wegen Haus), er läuft (wegen laufen), Mäuse, Mäuschen (wegen Maus); Gebäude (wegen Bau), Geräusch (wegen rauschen), sich schnäuzen (wegen Schnauze), verbläuen (wegen blau)
§ 17 In wenigen Wörtern schreibt man ausnahmsweise äu.
  Das betrifft Wörter wie:

Knäuel, Räude, sich räuspern, Säule, sich sträuben, täuschen
 

Ausnahmen beim Diphthong [aI]

§ 18 In wenigen Wörtern schreibt man den Diphthong [aI] ausnahmsweise ai.
  Das betrifft Wörter wie:

Hai, Kaiser, Mai
 
E: Zu unterscheiden sind gleich lautende, aber unterschiedlich geschriebene Wortstämme wie: Bai aber bei; Laib aber Leib; Laich aber Leiche; Laie, Laien aber leihen; Saite aber Seite; Waise aber Weise, weisen
 

Besonderheiten beim e

§ 19 Folgen auf -ee oder -ie die Flexionsendungen oder Ableitungssuffixe -e, -en, -er, -es, -ell, so lässt man ein e weg.
  Das betrifft Wörter wie:

die Feen; die Ideen; die Mondseer, des Sees; die Knie, knien; die Fantasien; sie schrien, geschrien; ideell; industriell
 

Spezielle Laut-Buchstaben-Zuordnungen in Fremdwörtern

§ 20 Über die bisher dargestellten Laut-Buchstaben-Zuordnungen hinaus treten in Fremdwörtern auch fremdsprachige Zuordnungen auf. In den folgenden Listen sind nur die wichtigeren angeführt.
  Dabei ist zu beachten, dass Kürze und Länge der Vokale von der Betonung abhängen. Vokale, die in betonten Silben lang sind, werden in unbetonten Silben kurz gesprochen, zum Beispiel Analyse mit langem Vokal [y:] – analysieren mit kurzem Vokal [y].

1. Fremdsprachige Laut-Buchstaben-Zuordnungen
 
Laute Buchstaben Beispiele
[a], [a:] u Butler, Cup, Make-up, Slum
at Eklat, Etat
[E], [E:] a Action, Camping, Fan, Gag
ai Airbus, Chaiselongue, fair, Flair, Saison
[e], [e:] é Abbé, Attaché, Lamé
er Atelier, Bankier, Premier
et Budget, Couplet, Filet
ai Cocktail, Container
[i], [i:] y Baby, City, Lady, sexy
ea Beat, Dealer, Hearing, Jeans, Team
ee Evergreen, Spleen, Teenager
[o], [o:] au Chaussee, Chauvinismus
eau Niveau, Plateau, Tableau
ot Depot, Trikot
[2:] eu adieu, Milieu; häufig in den Suffixen -eur, -euse: Ingenieur, Souffleuse
[U], [u], [u:] oo Boom, Swimmingpool
ou Journalist, Rouge, Route, souverän
[Y], [y], [y:] y Analyse, Hymne, Physik, System, Typ; auch in den Präfixen dys- (aber dis), hyper-, hypo-, syl-, sym-, syn-: dysfunktional, hyperkorrekt, Hypozentrum, Syllogismus, Symbiose, synchron
[A~], [A~:] an Branche, Chance, Orange, Renaissance, Revanche
ant Avantgarde, Pendant, Restaurant
en engagiert, Ensemble, Entree, Pendant, Rendezvous
ent Abonnement, Engagement
[E~], [E~:] ain Refrain, Souterrain, Terrain
eint Teint
in Bulletin, Dessin, Mannequin
[O~], [O~:] on Annonce, Chanson, Pardon
[9~], [9~:] um Parfum
[aU] ou Couch, Countdown, Foul, Sound
ow Clown, Countdown, Cowboy, Power(play)
[aI] i Lifetime, Pipeline
igh Copyright, high, Starfighter
y Nylon, Recycling
[OY] oy Boy, Boykott
[oa] oi Memoiren, Repertoire, Reservoir, Toilette

2. Doppelschreibungen

Im Prozess der Integration entlehnter Wörter können fremdsprachige und integrierte Schreibung nebeneinanderstehen. Manche fremdsprachige Schreibungen sind nur noch fachsprachig üblich.
 
Laute Buchstaben Beispiele
[E], [E:] ai – ä Drainage – Dränage, Mayonnaise – Majonäse, Mohair – Mohär, Polonaise – Polonäse
[e], [e:] é – ee Bouclé – Buklee, Doublé – Dublee,Exposé – Exposee, Café – Kaffee (mit Bedeutungsdifferenzierung), Kommuniqué – Kommunikee, Varieté – Varietee
[o], [o:] au – o Sauce – Soße
[U], [u], [u:] ou – u Bravour – Bravur, Bouquet – Bukett, Doublé – Dublee, Coupon – Kupon, Nougat – Nugat
 
§ 21 Fremdwörter aus dem Englischen, die auf -y enden und im Englischen den Plural -ies haben, erhalten im Plural ein -s.
  Das betrifft Wörter wie:

Baby – Babys, Lady – Ladys, Party – Partys
 
E: Bei Zitatwörtern gilt die englische Schreibung, zum Beispiel:
Grand Old Ladies.
 
Laut-Buchstaben-Zuordnung Konsonanten  

Grundlegende Laut-Buchstaben-Zuordnungen

§ 22 Als grundlegend im Sinne dieser orthografischen Regelung gelten die folgenden Laut-Buchstaben-Zuordnungen.
  Besondere Zuordnungen werden in den sich anschließenden Abschnitten behandelt.

1. Einfache Konsonanten
 
Laute Buchstaben Beispiele
[b] b backen, Baum, Obolus, Parabel
[ç], [x] ch ich, Bücher, lynchen; ach, Rauch
[d] d danken, Druck, leiden, Mansarde
[f] f fertig, Falke, Hafen, Fusion
[g] g gehen, Gas, sägen, Organ, Eleganz
[h] h hinterher, Haus, Hektik, Ahorn, vehement
[j] j ja, Jagd, Boje, Objekt
[k] k Kiste, Haken, Flanke, Majuskel, Konkurs
[l] l laufen, Laut, Schale, lamentieren
[m] m machen, Mund, Lampe, Maximum
[n] n nur, Nagel, Ton, Natur, nuklear
[N] ng Gang, Länge, singen, Zange
[p] p packen, Paste, Raupe, Problem
[r], [R], [6] r rauben, Rampe, hören, Zitrone
[s] s skurril, Skandal, Hast, hopsen
[z] s sagen, Seife, lesen, Laser
[S] sch scharf, Schaufel, rauschen
[t] t tragen, Tür, fort, Optimum
[v] w wann, Wagen, Möwe

2. Konsonantenverbindungen (innerhalb des Stammes)
 
Laute Buchstaben Beispiele
[kv] qu quälen, Quelle, liquid, Qualität
[ks] x xylographisch, Xenophobie, boxen, toxisch
[ts] z zart, Zaum, tanzen, speziell, Zenit

 

Auslautverhärtung und Wortausgang -ig

§ 23 Die in großen Teilen des deutschen Sprachgebiets auftretende Verhärtung der Konsonanten [b], [d], [g], [v] und [z] am Silbenende sowie vor anderen Konsonanten innerhalb der Silbe wird in der Schreibung nicht berücksichtigt.
 
E1: Bei vielen Wörtern kann die Schreibung aus der Aussprache erweiterter Formen oder verwandter Wörter abgeleitet werden, in denen der betreffende Konsonant am Silbenanfang steht, zum Beispiel:
 
Konsonant am Silbenende usw. Konsonant am Silbenanfang  
Lob, löblich, du lobst Lobes, belobigen (aber Isotop – Isotope)
trüb, trübselig, eingetrübt trübe, eintrüben (aber Typ – Typen)
Rad, Radumfang Rades, rädern (aber Rat – Rates)
absurd absurde, Absurdität (aber Gurt – Gurte)
Sieg, siegreich, er siegt siegen (aber Musik – musikalisch)
Trug, er betrog, Betrug betrügen (aber Spuk – spuken)
gläubig gläubige (aber Plastik – Plastiken)
Möwchen Möwe (aber Öfchen – Ofen)
naiv, Naivling, Naivheit Naive, Naivität (aber er rief – rufen)
Preis, preislich, preiswert Preise (aber Fleiß – fleißig)
Haus, häuslich, behaust Häuser (aber Strauß – Sträuße)
E2: Bei einer kleinen Gruppe von Wörtern ist es nicht oder nur schwer möglich, eine solche Erweiterung durchzuführen oder eine Beziehung zu verwandten Wörtern herzustellen. Man schreibt sie trotzdem mit b, d, g bzw. s, zum Beispiel:

ab, Eisbein (Eis – Eises), flugs (Flug), Herbst, hübsch, jeglich, Jugend, Kies (Kiesel), Lebkuchen, morgendlich, ob, Obst, Plebs (Plebejer), preisgeben, Rebhuhn, redlich (Rede), Reis (Reisig), Reis (= Korn; Reise fachsprachlich = Reissorten; aber Grieß), ihr seid (aber seit), sie sind, und, Vogt, weg (Weges), weissagen (weise)
 
§ 24 Für den Laut [ç] schreibt man regelmäßig g, wenn erweiterte Formen am Silbenanfang mit dem Laut [g] gesprochen werden.
  Das betrifft Wörter wie:

ewig, Ewigkeit (wegen ewige), gläubig (wegen gläubige); aber unglaublich (wegen unglaubliche); heilig, Käfig, ruhig
 
E: In einigen Sprachlandschaften wird -ig mit [k] gesprochen; dann gilt § 23.
 

Besonderheiten bei [s]

§ 25 Für das scharfe (stimmlose) [s] nach langem Vokal oder Diphthong schreibt man ß, wenn im Wortstamm kein weiterer Konsonant folgt.
  Das betrifft Wörter wie:

Maß, Straße, Grieß, Spieß, groß, grüßen; außen, außer, draußen, Strauß, beißen, Fleiß, heißen

Ausnahme: aus

Zur Schreibung von [s] in Wörtern mit Auslautverhärtung wie Haus, graziös, Maus, Preis siehe § 23.
 
E1: In manchen Wortstämmen wechselt bei Flexion und in Ableitungen die Länge und Kürze des Vokals vor [s]; entsprechend wechselt die Schreibung ß mit s. Beispiele:
fließen – er floss – Fluss – das Floß
genießen – er genoss – Genuss
wissen – er weiß – er wusste

 
E2: Steht der Buchstabe ß nicht zur Verfügung, so schreibt man ss. In der Schweiz kann man immer ss schreiben. Beispiel:
Straße – Strasse
 
E3: Bei Schreibung mit Großbuchstaben schreibt man SS, zum Beispiel:
Straße – STRASSE
 
§ 26 Folgt auf das s, ss, ß, x oder z eines Verb- oder Adjektivstammes die Endung -st der 2. Person Singular bzw. die Endung -st(e) des Superlativs, so lässt man das s der Endung weg.
  Das betrifft Wörter wie:

du reist (zu reisen), du hasst (zu hassen), du reißt (zu reißen), du mixt (zu mixen), du sitzt (zu sitzen); (groß – größer –) größte
 


 

Besonderheiten bei [S]

§ 27 Für den Laut [S] am Anfang des Wortstammes vor folgendem [p] oder [t] schreibt man s statt sch.
  Das betrifft Wörter wie:

spielen, verspotten; starren, Stelle, Stunde
 


 

Besonderheiten bei [N]

§ 28 Für den Laut [N] vor [k] oder [g] im Wortstamm schreibt man n statt ng.
  Das betrifft Wörter wie:

Bank, dünken, Enkel, Schranke, trinken; Mangan, Singular
 


 

Besonderheiten bei [f] und [v]

§ 29 Für den Laut [f] schreibt man v statt f in ver- (wie in verlaufen) sowie am Anfang einiger weiterer Wörter.
  Das betrifft Wörter wie:

Vater, Veilchen, Vettel, Vetter, Vieh, viel, vielleicht, vier, Vlies, Vogel, Vogt, Volk, voll (aber füllen), von, vor, vordere, vorn

Dazu kommen Frevel, Nerv (Nerven).
 
§ 30 Für den Laut [v] schreibt man in Fremdwörtern regelmäßig und in wenigen eingebürgerten Entlehnungen v statt w.
  Das betrifft Wörter wie:

privat, Revolution, Universität, Virus, zivil, Malve, Vase;
Suffix bzw. Endung -iv, -ive: Aktivität, die Detektive, Motivation; Initiative, Perspektive
 
E: Bei einigen Wörtern schwankt die Aussprache von v zwischen [v] und [f] wie bei Initiative, Larve, Pulver, evangelisch, Vers, Vesper, November, brave.
 

Besonderheiten bei [ks]

§ 31 Für die Lautverbindung [ks] schreibt man in einigen Wortstämmen ausnahmsweise chs bzw. ks statt x.
  Das betrifft Wörter wie:

Achse, Achsel, Büchse, Dachs, drechseln, Echse, Flachs, Fuchs, Lachs, Luchs, Ochse, sechs, Wachs, wachsen, Wechsel, Weichsel[kirsche], wichsen

Keks, schlaksig

 
E: Die bei Flexion und in Ableitungen entstehende Lautverbindung [ks] wird je nach dem zugrunde liegenden Wort gs, ks oder cks geschrieben, zum Beispiel:
du hegst (wegen hegen), du hinkst (wegen hinken), Streiks (wegen Streik), Häcksel (wegen hacken)
 

Spezielle Laut-Buchstaben-Zuordnungen in Fremdwörtern

§ 32 Über die bisher dargestellten Laut-Buchstaben-Zuordnungen hinaus treten in Fremdwörtern auch fremdsprachige Zuordnungen auf.
  In den folgenden Listen sind nur die wichtigeren angeführt.

1. Fremdsprachige Laut-Buchstaben-Zuordnungen

1.1. Einfache Konsonanten
 
Laute Buchstaben Beispiele
[f] ph Atmosphäre, Metapher, Philosophie, Physik
[k] c Clown, Container, Crew
ch Chaos, Charakter, Chlor, christlich
qu Mannequin, Queue
[r] rh Rhapsodie, Rhesusfaktor
rt Dessert, Kuvert, Ressort
[s] c, ce Annonce, Chance, City, Renaissance, Service
[S] ch Champignon, Chance, charmant, Chef
sh Geisha, Sheriff, Shop, Shorts
[Z] g Genie, Ingenieur, Loge, Passagier, Regime;
auch im Suffix -age: Blamage, Garage
j Jalousie, Jargon, jonglieren, Journalist
[t] th Ethos, Mathematik, Theater, These
[v] v Virus, zivil (vgl. § 30)

1.2. Konsonantenverbindungen
 
Laute Buchstaben Beispiele
[dZ] g Gentleman, Gin, Manager, Teenager
j Jazz, Jeans, Jeep, Job, Pyjama
[lj] / [j] ll Billard, Bouillon, brillant, Guerilla, Medaille, Pavillon, Taille
[nj] gn Champagner, Kampagne, Lasagne
[ts] c Aceton, Celsius, Cellophan
t (vor [i] + Vokal) sehr häufig im Suffix -tion; außerdem häufig in Fällen wie -tie, -tiell, -tiös:
Funktion, Nation, Produktion; Aktie, partiell, infektiös
[tS] c Cello, Cembalo
ch Chip, Coach, Ranch
ge College
dge Bridge
2. Doppelschreibungen

Im Prozess der Integration entlehnter Wörter können fremdsprachige und integrierte Schreibung nebeneinanderstehen. Manche fremdsprachige Schreibungen sind nur noch fachsprachlich üblich.
Laute Buchstaben Beispiele
[f] ph – f -photo- – -foto-, zum Beispiel Photographie – Fotografie
-graph- – -graf-, zum Beispiel Graphik – Grafik
-phon- – -fon-, zum Beispiel Mikrophon – Mikrofon,
Delphin – Delfin, phantastisch – fantastisch
[g] gh – g Ghetto – Getto, Joghurt – Jogurt, Spaghetti – Spagetti
[j] y – j Yacht – Jacht, Yoga – Joga, Mayonnaise – Majonäse
[k] c – k Calcit – Kalzit, Caritas – Karitas, Code – Kode, codieren – kodieren, circa – zirka
qu – k Bouquet – Bukett, Kommuniqué – Kommunikee
[r] rh – r Katarrh – Katarr, Myrrhe – Myrre
[s] c – ss, ß Facette – Fassette, Necessaire – Nessessär, Sauce – Soße
[S] ch – sch Anchovis – Anschovis, Chicorée – Schikoree, Sketch – Sketsch
[t] th – t Kathode – Katode, Panther – Panter, Thunfisch – Tunfisch
[ts] c – z Acetat – Azetat, Calcit – Kalzit, Penicillin – Penizillin, circa – zirka
t – z (vor [i]+ Vokal) pretiös – preziös, Pretiosen – Preziosen;
potentiell – potenziell
(wegen Potenz),
substantiell – substanziell
(wegen Substanz)

Getrennt- und Zusammenschreibung  
 

Verb

Zusätzlich zur generellen Unterscheidung von Wortgruppen (wie auf den Berg steigen) und Zusammensetzungen (wie bergsteigen) hat man bei Verbstämmen untrennbare von trennbaren Zusammensetzungen zu unterscheiden:
  1. Untrennbare Zusammensetzungen bestehen aus einem Verbstamm, dem ein Stamm eines Substantivs, eines Adjektivs oder einer Partikel vorausgeht. Man erkennt sie daran, dass die Reihenfolge ihrer Bestandteile stets unverändert bleibt:

    maß + regeln: Wer jemanden maßregelt … Man maßregelte ihn … Niemand wagte, ihn zu maßregeln. Er wurde offiziell gemaßregelt.
  2. Trennbare Zusammensetzungen bestehen aus einem Verbstamm, dem ein Verbzusatz vorausgeht. Man erkennt sie daran, dass die Reihenfolge ihrer Bestandteile in Abhängigkeit von ihrer Stellung im Satz wechselt:

    hinzu + kommen: Wenn dieses Argument hinzukommt … Dieses Argument kommt hinzu. Dieses Argument kommt erschwerend hinzu.
 
§ 33 Substantive, Adjektive oder Partikeln (Präpositionen, Adverbien) können mit Verben untrennbare Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie zusammen.
  Dies betrifft:
 
1. Zusammensetzungen aus Substantiv + Verb, zum Beispiel:
brandmarken (gebrandmarkt, zu brandmarken), handhaben, lobpreisen, maßregeln, nachtwandeln, schlafwandeln, schlussfolgern
 
  E: In manchen Fällen stehen Zusammensetzung und Wortgruppe nebeneinander, zum Beispiel:
danksagen/Dank sagen (er sagt Dank), gewährleisten/ Gewähr leisten (sie leistet Gewähr), staubsaugen/Staub saugen (er saugt Staub); brustschwimmen/Brust schwimmen (er schwimmt Brust), delfinschwimmen/Delfin schwimmen (sie schwimmt Delfin), marathonlaufen/Marathon laufen (sie läuft Marathon).

Zu Fällen wie Acht geben/achtgeben vgl. § 34 E6.
2. Zusammensetzungen aus Adjektiv + Verb, zum Beispiel:
frohlocken (frohlockt, zu frohlocken), langweilen, liebäugeln, vollbringen, vollenden, weissagen
 
3. Zusammensetzungen aus Präposition + Verb oder Adverb + Verb mit Betonung auf dem zweiten Bestandteil, zum Beispiel:
durchbrechen (er durchbricht die Regel, zu durchbrechen), hintergehen, übersetzen (sie übersetzt das Buch), umfahren, unterstellen, widersprechen, wiederholen
 
§ 34 Partikeln, Adjektive, Substantive oder Verben können als Verbzusatz mit Verben trennbare Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie nur in den Infinitiven, den Partizipien sowie im Nebensatz bei Endstellung des Verbs zusammen.
 
Dies betrifft
 
1. Zusammensetzungen mit einer Verbpartikel als erstem Bestandteil.

Verbpartikeln sind Bestandteile die
  1.1 formgleich mit Präpositionen sind, zum Beispiel:
ab-, an-, auf-, aus-, bei-, durch-, ein- (zur Präposition in-, entgegen-, entlang-, gegen-, gegenüber-, hinter-, in-, mit-, nach-, über-, um-,unter-, vor-, wider-, zu-, zuwider-, zwischen-
  1.2 formgleich mit Adverbien, insbesondere Adverbien der Richtung, des Ortes, der Zeit sowie mit Pronominaladverbien sind, zum Beispiel:
abwärts-, auseinander-, beisammen-, davon-, davor-, dazu-, dazwischen-, empor-, fort-, her-, heraus-, herbei-, herein-, hin-, hinaus-, hindurch-, hinein-, hintenüber-, hinterher-, hinüber-, nebenher-, nieder-, rückwärts-, umher-, voran-, voraus-, vorbei-, vorher-, vorweg-, weg-, weiter-, wieder-, zurück-, zusammen-, zuvor-
    E1: Zur Unterscheidung von Verbpartikel und selbständigem Adverb:
Bei Zusammensetzungen liegt der Hauptakzent normalerweise auf der Verbpartikel (vgl. wiedersehen, zusammensitzen, während bei Wortgruppen das selbständige Adverb auch unbetont sein kann (vgl. wieder sehen, zusammen sitzen. Wenn das Betonungskriterium nicht zu einem eindeutigen Ergebnis führt, hilft in manchen Fällen eine der folgenden Proben weiter:
      1) Das Adverb kann im Aussagesatz vor dem finiten Verb an erster Stelle stehen, die Verbpartikel hingegen nicht, vgl.:
Dabei wollte sie nicht immer sitzen, sondern auch ab und zu mal stehen (Adverb dabei), aber Dabeisitzen wollte sie nicht immer (Verbpartikel dabei-).
 
      2) Zwischen Adverb und Infinitiv können ein oder mehrere Satzglieder eingeschoben werden, zwischen Verbpartikel und verbalen Bestandteil hingegen nicht, vgl.:
Sie wollte dabei nicht immer sitzen, sondern auch ab und zu mal stehen Adverb dabei, aber Sie wollte nicht immer dabeisitzen (Verbpartikel dabei-).
    E2: Eine Reihe von Pronominaladverbien mit dem Bestandteil dar- wirft besonders bei der Verwendung als Verbpartikel das a ab, zum Beispiel:
darin sitzen – drinsitzen, ähnlich dran- (dranbleiben), drauf- (draufhauen), drauflos- (drauflosreden).
 
    E3: Unter Kontrastakzent kann die Verbpartikel an die erste Stelle im Satz treten und wird dann vom Verb getrennt geschrieben, zum Beispiel:
Beisammen bleiben wir immer. Heraus kam leider nichts. Hintan stellte er seine eigenen Bedürfnisse.
 
    E4: Zusammensetzungen mit wieder-: In Verbindung mit einem Vollverb kann wieder- untrennbare Zusammensetzungen bilden, die sich semantisch von den trennbaren Zusammensetzungen unterscheiden (s. auch: *§34 E5) können. "Wieder"-Zusammensetzungen, in denen die Verbpartikel die Bedeutung 'zurück' hat, werden zusammengeschrieen, Beispiel: das Buch wiederbekommen = zurückbekommen.
 
    *E5: Zusammensetzungen mit wieder-: In Verbindung mit einem Vollverb kann wieder- trennbare Zusammensetzungen bilden, die sich von den untrennbaren Zusammensetzungen semantisch unterscheiden (s. auch: *§34 E4). "Wieder"-Zusammensetzungen, in denen die Verbpartikel die Bedeutung 'erneut, nochmals, ein weiteres Mal' hat, werden getrennt geschrieben, Beispiel: ein Kompliment wieder bekommen = erneut, nochmals bekommen.
 
  1.3 die Merkmale von frei vorkommenden Wörtern verloren haben, zum Beispiel:
abhanden-, anheim-, bevor-, dar-, einher-, entzwei-, fürlieb-, hintan-, inne-, überein-, überhand-, umhin-, vorlieb-, zurecht-
 
    E4: Dazu gehören auch die folgenden ersten Bestandteile, die in der Verwendung beim Verb nicht mehr einer bestimmten Wortartkategorie zugeordnet werden können:
fehl-, feil-, heim-, irre-, kund-, preis-, wahr-, weis-, wett-

Zu Fällen wie infrage stellen – in Frage stellen vgl. § 39 E3(1).
2. Zusammensetzungen mit einem adjektivischen ersten Bestandteil.

Dabei sind folgende Fälle zu unterscheiden:
  2.1 Es kann zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden, wenn ein einfaches Adjektiv eine Eigenschaft als Resultat des Verbalvorgangs bezeichnet (sog. resultative Prädikative), zum Beispiel:
blank putzen/blankputzen, glatt hobeln/glatthobeln, klein schneiden/kleinschneiden; kalt stellen/kaltstellen, kaputt machen/kaputtmachen, leer essen/leeressen
  2.2 Es wird zusammengeschrieben, wenn der adjektivische Bestandteil zusammen mit dem verbalen Bestandteil eine neue, idiomatisierte Gesamtbedeutung bildet, die nicht auf der Basis der Bedeutungen der einzelnen Teile bestimmt werden kann, zum Beispiel:
krankschreiben, freisprechen, (sich) kranklachen; festnageln (= festlegen), heimlichtun (= geheimnisvoll tun), kaltstellen ([politisch] ausschalten), kürzertreten (sich einschränken), richtigstellen (= berichtigen), schwerfallen (= Mühe verursachen), heiligsprechen
 
    E5: Lässt sich in einzelnen Fällen keine klare Entscheidung darüber treffen, ob eine idiomatisierte Gesamtbedeutung vorliegt, so bleibt es dem Schreibenden überlassen, getrennt oder zusammenzuschreiben.
  2.3 In den anderen Fällen wird getrennt geschrieben. Dazu zählen insbesondere Verbindungen mit morphologisch komplexen oder erweiterten Adjektiven, zum Beispiel:
bewusstlos schlagen, ultramarinblau streichen, ganz nahe kommen, dingfest machen, schachmatt setzen
 
3. Zusammensetzungen mit einem substantivischen ersten Bestandteil.

Dabei handelt es sich um folgende Fälle, bei denen die ersten Bestandteile die Eigenschaften selbständiger Substantive weitgehend verloren haben:
eislaufen, kopfstehen, leidtun, nottun, standhalten, stattfinden, stattgeben,statthaben, teilhaben, teilnehmen, wundernehmen
 
  E6: In den nachstehenden Fällen ist bei den nicht näher bestimmten oder ergänzten Formen sowohl Zusammen- als auch Getrenntschreibung möglich, da ihnen eine Zusammensetzung oder eine Wortgruppe zugrunde liegen kann:
achtgeben/Acht geben (aber nur: sehr achtgeben, allergrößte Acht geben), achthaben/Acht haben, haltmachen/Halt machen, maßhalten/Maß halten

Zu Fällen wie staubsaugen/Staub saugen vgl. § 33 E.
4. Verbindungen mit einem verbalen ersten Bestandteil.

Verbindungen aus zwei Verben werden getrennt geschrieben, zum Beispiel:
laufen lernen, arbeiten kommen, baden gehen, lesen üben
 
  E7: Bei Verbindungen mit bleiben und lassen als zweitem Bestandteil ist bei übertragener Bedeutung auch Zusammenschreibung möglich. Dasselbe gilt für kennen lernen:
sitzen bleiben/sitzenbleiben (= nicht versetzt werden), stehen lassen/stehenlassen (= nicht länger beachten, sich abwenden), liegen bleiben/liegenbleiben (= unerledigt bleiben); kennen lernen/kennenlernen (= Erfahrung mit etwas oder jmdm. haben).
 
§ 35 Verbindungen mit sein werden getrennt geschrieben.
  Zum Beispiel:

beisammen sein, fertig sein, los sein, vonnöten sein, vorbei sein, vorhanden sein, vorüber sein, zufrieden sein
 

Adjektiv

§ 36 Substantive, Adjektive, Verben, Adverbien oder Wörter anderer Kategorien können als erster Bestandteil zusammen mit einem adjektivischen oder adjektivisch gebrauchten zweiten Bestandteil Zusammensetzungen bilden.
   
1. Es wird zusammengeschrieben, wenn
  1.1 der erste Bestandteil mit einer Wortgruppe paraphrasierbar ist, zum Beispiel:
angsterfüllt, bahnbrechend, butterweich, fingerbreit, freudestrahlend, herzerquickend, hitzebeständig, jahrelang, knielang, meterhoch, milieubedingt; denkfaul, fernsehmüde, lernbegierig, röstfrisch, schreibgewandt, tropfnass; selbstbewusst, selbstsicher; altersschwach, anlehnungsbedürftig, geschlechtsreif, lebensfremd, sonnenarm, werbewirksam
 
    E1: Im Unterschied zur Zusammensetzung weist die entsprechende syntaktische Fügung Artikel, Präpositionen u. ä. auf, zum Beispiel:
von Angst erfüllt (= angsterfüllt), das Herz erquickend (= herzerquickend), durch das Milieu bedingt (= milieubedingt), rot wie Feuer (= feuerrot)
    E2: Viele der Zusammensetzungen sind bereits an der Verwendung eines Fugenelements zu erkennen, zum Beispiel:
altersschwach, sonnenarm, werbewirksam
  1.2 der erste oder der zweite Bestandteil in dieser Form nicht selbständig vorkommt, zum Beispiel:
einfach, zweifach; letztmalig, redselig, saumselig, schwerstbehindert, schwindsüchtig; blauäugig, großspurig, kleinmütig, vieldeutig; der schwerwiegendere Vorwurf, die zeitsparendste Lösung
  1.3 das dem Partizip zugrunde liegende Verb entsprechend § 33 bzw. § 34 mit dem ersten Bestandteil zusammengeschrieben wird, zum Beispiel:
wehklagend (wegen wehklagen); herunterfallend, heruntergefallen; irreführend, irregeführt; teilnehmend, teilgenommen
  1.4 es sich um gleichrangige (nebengeordnete) Adjektive handelt, zum Beispiel:
blaugrau, dummdreist, feuchtwarm, grünblau, nasskalt, taubstumm

Zur Schreibung mit Bindestrich siehe § 45(2).
  1.5 der erste Bestandteil bedeutungsverstärkend oder bedeutungsabschwächend ist. Mit Bestandteilen dieser Art werden zum Teil lange Reihen gebildet, zum Beispiel:
bitter- (bitterböse, bitterernst, bitterkalt), brand-, dunkel-, erz-, extra-, früh-, gemein-, grund-, hyper-, lau-, minder-, stock-, super-, tod-, ultra-, ur-, voll-

Zu adjektivischen Bestandteilen siehe § 36(2.2).
  1.6 es sich um mehrteilige Kardinalzahlen unter einer Million sowie allgemein um Ordinalzahlen handelt, zum Beispiel:
dreizehn, siebenhundert, neunzehnhundertneunundachtzig; der siebzehnte Oktober, der einhundertste Geburtstag, der fünfhunderttausendste Fall, der zweimillionste Besucher

Beachte aber Substantive wie Dutzend, Million, Milliarde, Billion, zum Beispiel:
zwei Dutzend Hühner, eine Million Teilnehmer, zwei Milliarden fünfhunderttausend Menschen
  *1.7: Adjektivische Zusammensetzungen, die eine neue semantische Einheit bilden (d.h. dass Gesamtbedeutung sich nicht mehr aus den einzelnen sprachlichen Elementen ableiten lässt), werden obligatorisch zusammengeschrieben, z.B. kleinkariert, i.S.v. engstirnig.
2. Zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden kann, wenn der entsprechende Ausdruck sowohl als Zusammensetzung als auch als syntaktische Fügung angesehen werden kann.

Dies betrifft:
  2.1 Verbindungen von Substantiven, Adjektiven, Verben, Adverbien oder Partikeln mit adjektivisch gebrauchten Partizipien, zum Beispiel:
die Rat suchenden/ratsuchenden Bürger, eine allein erziehende/alleinerziehende Mutter; ein klein geschnittenes/kleingeschnittenes Radieschen, selbst gebackene/selbstgebackene Kekse
    E3: Bei erweiterten bzw. gesteigerten Formen richtet sich die Schreibung danach, ob nur der erste Bestandteil oder die gesamte Verbindung betroffen ist, vgl.
ein schwerwiegenderer Vorfall – ein schwerer wiegender Vorfall; eine äußerst notleidende Bevölkerung – eine große Not leidende Bevölkerung
  2.2 Verbindungen mit einem einfachen unflektierten Adjektiv als graduierender Bestimmung, zum Beispiel:
allgemein gültig/allgemeingültig, eng verwandt/engverwandt, schwer verständlich/schwerverständlich, schwer krank/schwerkrank
    E4: Ist der erste Bestandteil erweitert oder gesteigert, dann wird getrennt geschrieben, zum Beispiel:
leichter verdaulich, besonders schwer verständlich, höchst erfreulich

In Zweifelsfällen entscheidet die Akzentplatzierung, vgl. er ist höchstpersönlich gekommen – das ist eine höchst persönliche Angelegenheit.
  2.3 Verbindungen von nicht mit Adjektiven, zum Beispiel:
eine nicht öffentliche/nichtöffentliche Sitzung, nicht operativ/nichtoperativ behandeln
    E5: Bezieht sich nicht auf größere Einheiten, wie zum Beispiel auf den ganzen Satz, so wird es getrennt vom Adjektiv geschrieben, vgl. Die Sitzung findet nicht öffentlich statt.
  *2.4 Wenn bei zusammengesetzten Adjektiven weder der erste Bestandteil des Adjektivs graduierbar ist noch das zugrundeliegende Adjektiv ein adjektivisch gebrauchtes Partizip ist, kann dieses Adjektiv je nach Betonung optional getrennt oder zusammengeschrieben werden, z.B. allgemein verständlich vs. allgemeinverständlich
*3. Alle Zusammensetzungen von Adjektiv und Adjektiv, die nicht in den Paragrafen 36(1) und 36(2) beschrieben sind, werden obligatorisch getrennt geschrieben, z.B. schmutzig grau
 

Substantiv

§ 37 Substantive, Adjektive, Verbstämme, Pronomen oder Partikeln können mit Substantiven Zusammensetzungen bilden. Man schreibt sie ebenso wie mehrteilige Substantivierungen zusammen.
  Dies betrifft
 
1. Zusammensetzungen
  1.1 mit substantivischem Erstglied:
Holztür, Hoheitsgebiet, Holzbearbeitung, Hosenrock
    E1 Als Erstelemente können auch Eigennamen (Goethegedicht; Parisreise) und in lexikalisierten Fällen von Namen abgeleitete Herkunfts- und Zugehörigkeitsbezeichnungen auf -er (Danaergeschenk) auftreten (vgl. aber § 38).
    E2 Das betrifft auch Eigennamen mit dieser Struktur – es handelt sich besonders um Straßennamen (Bahnhofstraße, Schopenhauerstraße; zum Typ Willy-Brandt-Straße vgl. § 50).
  1.2 mit adjektivischem Erstglied:
Hochhaus, Schnellstraße, Freileitung
 
  1.3 mit verbalem Erstglied:
Backform, Schreibtisch, Waschmaschine
  1.4 mit pronominalem Erstglied:
Ichsucht, Wemfall, Niemandsland
  1.5 mit Elementen unflektierter Wortarten (Adverbien, Partikeln):
Jetztzeit, Nichtraucher, Selbstverständnis
  E3 Dieser Regel folgen auch lexikalisierte, ursprünglich aus dem Englischen stammende bzw. aus englischen Einheiten gebildete Zusammensetzungen:
Bandleader, Cheerleader, Chewinggum, Mountainbike, Bluejeans, Hardware, Swimmingpool.

Zu den verschiedenen Fällen von Bindestrichschreibung vgl. § 45.
  E4 Aus dem Englischen stammende Bildungen aus Adjektiv + Substantiv können zusammengeschrieben werden, wenn der Hauptakzent auf dem ersten Bestandteil liegt, also Hotdog oder Hot Dog, Softdrink oder Soft Drink, aber nur High Society, Electronic Banking oder New Economy.
  E5 Bruchzahlangaben vor entsprechenden Maßeinheiten können als ein zweiteiliges Zahladjektiv angesehen werden: fünf hundertstel Sekunden. Der Nenner der Bruchzahl kann auch mit der Maßeinheit eine Zusammensetzungen bilden: fünf Hundertstelsekunden. Bei der Unterscheidung hilft die Betonung.
2.

 

Mehrteilige Substantivierungen, zum Beispiel:
das Holzholen, das Inkrafttreten; der Kehraus, das Stelldichein, das Vergissmeinnicht
 
§ 38 Ableitungen auf -er von geografischen Eigennamen, die sich auf die geografische Lage beziehen, schreibt man in der Regel von dem folgenden Substantiv getrennt.
  Beispiele:
Allgäuer Alpen, Brandenburger Tor, Naumburger Dom, Potsdamer Abkommen, Thüringer Wald, Wiener Straße
 


 

Andere Wortarten

Manche mehrteilige Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen und Pronomen sind aus Elementen verschiedener Wortarten entstanden. Zum Teil sind sie als Wortgruppe erhalten geblieben, zum Teil haben sie sich zu einer Zusammensetzung entwickelt.

In Zweifelsfällen siehe das Wörterverzeichnis.
 
§ 39 Mehrteilige Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen und Pronomen schreibt man zusammen, wenn die Wortart, die Wortform oder die Bedeutung der einzelnen Bestandteile nicht mehr deutlich erkennbar sind.
  Dies betrifft
 
1. Adverbien, zum Beispiel:
bergab, bergauf; kopfüber; landaus, landein; stromabwärts, stromaufwärts; tagsüber; zweifelsohne
-dessen indessen, infolgedessen, unterdessen
-dings allerdings, neuerdings, schlechterdings
-falls allenfalls, ander(e)nfalls, keinesfalls, schlimmstenfalls
-halber ehrenhalber, umständehalber
-mal diesmal, einmal, zweimal, keinmal, manchmal
-mals erstmals, letztmals, vielmals
-maßen dermaßen, einigermaßen, gleichermaßen, solchermaßen, zugegebenermaßen
-orten allerorten, mancherorten
-orts allerorts, ander(e)norts, mancherorts
-seits allseits, allerseits, and(e)rerseits, einerseits, meinerseits
-so ebenso, genauso, geradeso, sowieso, umso, wieso
-teils einesteils, großenteils, meistenteils
-wärts himmelwärts, meerwärts, seitwärts
-wegen deinetwegen, deswegen, meinetwegen
-wegs geradewegs, keineswegs, unterwegs
-weil alldieweil, alleweil, derweil
-weilen bisweilen, derweilen, zuweilen
-weise probeweise, klugerweise, schlauerweise
-zeit all(e)zeit, derzeit, jederzeit, seinerzeit, zurzeit
-zeiten beizeiten, vorzeiten, zuzeiten
-zu allzu, geradezu, hierzu, immerzu
bei- beileibe, beinahe, beisammen, beizeiten
der- derart, dereinst, dergestalt, dermaßen, derweil(en), derzeit
irgend- irgendeinmal, irgendwann, irgendwie, irgendwo, irgendwohin
nichts- nichtsdestominder, nichtsdestoweniger
zu- zuallererst, zuallerletzt, zuallermeist, zuerst, zuhauf, zuhinterst, zuhöchst, zuletzt, zumal, zumeist, zumindest, zunächst, zuoberst, zutiefst, zuunterst, zuweilen, zuzeiten
 
E1 Zu Fällen wie abhanden kommen, anheim fallen siehe § 34 1.3; zu Fällen wie außerstand setzen/außer Stand setzen, imstande sein/im Stande sein siehe unten E3(1).
2. Konjunktionen, zum Beispiel:
anstatt (dass/zu), indem, inwiefern, sobald, sofern, solange, sooft, soviel, soweit
3. Präpositionen, zum Beispiel:
anhand, anstatt (des/der), infolge, inmitten, zufolge, zuliebe
4. Pronomen, zum Beispiel:
irgend-: irgendein, irgendetwas, irgendjemand, irgendwas, irgendwelcher, irgendwer
E2: In anderen Fällen schreibt man getrennt. Siehe auch § 39 E3(1).

Dies betrifft
  E2.1: Fälle, bei denen ein Bestandteil erweitert ist, zum Beispiel:
dies eine Mal (aber diesmal), den Strom abwärts (aber stromabwärts)
der Ehre halber (
aber ehrenhalber), in keinem Fall, das erste Mal, ein einziges Mal, in bekannter Weise, zu jeder Zeit
irgend so ein/eine/einer (
aber irgendein), irgend so etwas
  E2.2: Fälle, bei denen die Wortart, die Wortform oder die Bedeutung der einzelnen Bestandteile deutlich erkennbar ist, und zwar
    E2.2.1

 

Fügungen in adverbialer Verwendung, zum Beispiel:
zu Ende [gehen, kommen], zu Fuß [gehen], zu Hilfe [kommen], zu Lande, zu Wasser und zu Lande, zu Schaden [kommen]
darüber hinaus, nach wie vor, vor allem
    E2.2.2 mehrteilige Konjunktionen, zum Beispiel:
ohne dass, statt dass, außer dass
    E2.2.3 Fügungen in präpositionaler Verwendung, zum Beispiel:
zur Zeit [Goethes], zu Zeiten [Goethes]
    2.2.4 so, wie oder zu + Adjektiv, Adverb oder Pronomen, zum Beispiel:
so (wie, zu) hohe Häuser; er hat das schon so (wie, zu) oft gesagt; so (wie, zu) viel Geld; so (wie, zu) viele Leute; so (wie, zu) weit
    E2.2.5 gar kein, gar nicht, gar nichts, gar sehr, gar wohl
E3: In den folgenden Fällen bleibt es dem Schreibenden überlassen, ob er sie als Zusammensetzung oder als Wortgruppe verstanden wissen will:
  E3.1: Fügungen in adverbialer Verwendung, zum Beispiel:
außerstand setzen/außer Stand setzen; außerstande sein/außer Stande sein; imstande sein/im Stande sein; infrage stellen/in Frage stellen; instand setzen/in Stand setzen; zugrunde gehen/zu Grunde gehen; zuhause/zu Hause [bleiben, sein]; zuleide tun/zu Leide tun;, zumute sein/zu Mute sein; zurande kommen/zu Rande kommen; zuschanden machen, werden/zu Schanden machen, werden; zuschulden kommen lassen/zu Schulden kommen lassen; zustande bringen/zu Stande bringen; zutage fördern, treten/zu Tage fördern, treten; zuwege bringen/zu Wege bringen
  E3.2: die Konjunktion
sodass/so dass
  E3.3: Fügungen in präpositionaler Verwendung, zum Beispiel:
anstelle/an Stelle; aufgrund/auf Grund; aufseiten/auf Seiten; mithilfe/mit Hilfe; vonseiten/von Seiten; zugunsten/zu Gunsten; zulasten/zu Lasten; zuungunsten/zu Ungunsten
 
Schreibung mit Bindestrich  
 

Zusammensetzungen und Ableitungen, die keine Eigennamen als Bestandteile enthalten

§ 40 Man setzt einen Bindestrich in Zusammensetzungen mit Einzelbuchstaben, Abkürzungen oder Ziffern.
  Dies betrifft
 
1. Zusammensetzungen mit Einzelbuchstaben, zum Beispiel:
ADur (ebenso CisDur), bMoll, βStrahlen, iPunkt, nEck, SKurve, sLaut, sförmig, TShirt, TTräger, xbeliebig, xbeinig, xmal, yAchse; Dative, Zungenspitzenr, Fugens
2. Zusammensetzungen mit Abkürzungen und Initialwörtern, zum Beispiel:
dpaMeldung, DZug, KfzSchlosser, kmBereich, UNOSicherheitsrat, VIPLounge; FußballWM, LungenTbc; H2Ogesättigt, DGBeigen, Nahaltig, UVbestrahlt; Abt.Leiter, Inf.Büro
Abt.
Ltr. (= Abteilungsleiter), Dipl.Ing. (= Diplomingenieur), Tgb.Nr. (= Tagebuchnummer), Telegr.Adr. (= Telegrammadresse)

E: Aber ohne Bindestrich bei Kurzformen von Wörtern (Kürzeln), zum Beispiel: Busfahrt, Akkubehälter
3. Zusammensetzungen mit Ziffern, zum Beispiel:
3Tonner, 2Pfünder, 8Zylinder; 5mal, 4silbig, 100prozentig, 1zeilig, 17jährig, der 17Jährige
8:6
Sieg, 2:3Niederlage, der 5:3[2:1-]Sieg (auch 5:3[2:1]Sieg)
2/3
Mehrheit, 3/4Takt, 2nEck
 
§ 41 Vor Suffixen setzt man nur dann einen Bindestrich, wenn sie mit einem Einzelbuchstaben verbunden werden.
  Beispiele: der xte, zum xten Mal, die nte Potenz

E: Aber: abclich, ÖVPler; der 68er, ein 32stel, 100%ig
 
 
§ 42 Bilden Verbindungen aus Ziffern und Suffixen den vorderen Teil einer Zusammensetzung, so setzt man nach dem Suffix einen Bindestrich.
  Beispiele: ein 100stelMillimeter, die 61erBildröhre, eine 25erGruppe, in den 80erJahren (auch in den 80er Jahren)
 
E: Aber ausgeschrieben: die Zweierbeziehung, die Zehnergruppe, die Achtzigerjahre (auch die achtziger Jahre)
 
§ 43 Man setzt Bindestriche in substantivisch gebrauchten Zusammensetzungen (Aneinanderreihungen), insbesondere bei substantivisch gebrauchten Infinitiven mit mehr als zwei Bestandteilen.
  Beispiele:
das Entweder-oder, das Teils-teils, das Alsob, das Sowohlalsauch; der BoogieWoogie, das WalkieTalkie;
das Auf-
die-lange-Bank-Schieben, das An-den-Haaren-Herbeiziehen, das In-den-Tag-Hineinträumen, das Von-der-Hand-in-den-Mund-Leben
 
E: Dies gilt nicht für übersichtliche Zusammensetzungen mit Infinitiv, zum Beispiel:
das Autofahren, das Ballspielen, beim Walzertanzen, das Inkrafttreten

Zur Groß- und Kleinschreibung siehe § 57 E3.
 
§ 44 Man setzt einen Bindestrich zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, in denen eine Wortgruppe oder eine Zusammensetzung mit Bindestrich auftritt, sowie in unübersichtlichen Zusammensetzungen aus gleichrangigen, nebengeordneten Adjektiven.
  Dies betrifft
 
1. mehrteilige Zusammensetzungen, in denen eine Wortgruppe oder eine Zusammensetzung mit Bindestrich auftritt, zum Beispiel:
ADur-Tonleiter, DZug-Wagen, SKurvenreich (aber kurvenreich), VitaminBhaltig (aber vitaminhaltig), K.o.-Schlag, UVStrahlengefährdet (aber strahlengefährdet), Dipl.Ing.Ök.
2
Euro-Stück, 800Jahr-Feier, 40Stunden-Woche, 55Cent-Briefmarke, 8Zylinder-Motor, 400m-Lauf, 2kg-Büchse, 3Zimmer-Wohnung, 1/2kg-Packung
Berg-und-Tal-Bahn, Frage-und-Antwort-Spiel; Kopf-an-Kopf-Rennen, Mund-zu-Mund-Beatmung, Wort-für-Wort-Übersetzung
Arzt-Patient-Verhältnis, Grund-Folge-Beziehung, Links-rechts-Kombination, Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Ost-West-Gespräche, September-Oktober-Heft (auch September/Oktober-Heft;
siehe § 106(1))
Ad-hoc-Bildung, Als-ob-Philosophie, De-facto-Anerkennung, Do-it-yourself-Bewegung, Erste-Hilfe-Lehrgang, Go-go-Girl, Rooming-in-System; Make-up-freie Haut, Ruhe-vor-dem-Sturm-artig, Fata-Morgana-ähnlich; Trimm-dich-Pfad
Abend-Make-up, Wasch-Eau-de-Cologne
2. unübersichtliche Zusammensetzungen aus gleichrangigen, nebengeordneten Adjektiven, zum Beispiel:
der wissenschaftlichtechnische Fortschritt, ein lateinischdeutsches Wörterbuch, deutschösterreichische Angelegenheiten; manischdepressives Verhalten; physikalischchemischbiologische Prozesse
 
§ 45 Man kann einen Bindestrich setzen zur Hervorhebung einzelner Bestandteile, zur Gliederung unübersichtlicher Zusammensetzungen, zur Vermeidung von Missverständnissen, in Zusammensetzungen aus gleichrangigen (nebengeordneten) Adjektiven oder beim Zusammentreffen von drei gleichen Buchstaben.
  Dies betrifft
 
1. Hervorhebung einzelner Bestandteile, zum Beispiel:
der dass-Satz, die Ich-Erzählung, das Ist-Aufkommen, die Kann-Bestimmung, die Soll-Stärke; die Hoch-Zeit, das Nach-Denken, Vor-Sätze, begreifen
2. Unübersichtliche Zusammensetzungen, zum Beispiel:
Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz, Haushalt-Mehrzweckküchenmaschine, Lotto-Annahmestelle, Mosel-Winzergenossenschaft, Software-Angebotsmesse, Ultraschall-Messgerät
3. Vermeidung von Missverständnissen, zum Beispiel:
Drucker-Zeugnis und Druck-Erzeugnis, Musiker-Leben und Musik- Erleben; reintegrieren
4. Zusammentreffen von drei gleichen Buchstaben in Zusammensetzungen, zum Beispiel:
Hawaii-Inseln, Kaffee-Ersatz, See-Elefant, Zoo-Orchester; Bett-Tuch, Schiff-Fahrt, Schrott-Transport
E1: Aus anderen Sprachen stammende Verbindungen aus Substantiv + Substantiv, die sich im Deutschen grammatisch wie Zusammensetzungen verhalten, werden zusammengeschrieben; ebenso ist die verdeutlichende Schreibung mit Bindestrich möglich.
Sexappeal (Sex-Appeal), Sciencefiction (Science-Fiction), Shoppingcenter(Shopping-Center), Desktoppublishing (Desktop-Publishing), Midlifecrisis(Midlife-Crisis)

Zur Groß- und Kleinschreibung siehe § 55(1) und § 55(3).

Zu Verbindungen aus Adjektiv + Substantiv siehe § 37 E4.
E2: Aus dem Englischen stammende Substantivierungen aus Verb + Adverb schreibt man mit Bindestrich; das Adverb wird dann kleingeschrieben, zum Beispiel:
Make-up, Go-in

Daneben ist auch Zusammenschreibung möglich, sofern die Lesbarkeit nicht beeinträchtigt ist, zum Beispiel:
Countdown (Countdown), Comeback (Comeback), Knockout (Knockout), Standby (Standby)
 

Zusammensetzungen und Ableitungen, die Eigennamen als Bestandteile enthalten

§ 46 Man setzt einen Bindestrich in Zusammensetzungen, die als zweiten Bestandteil einen Eigennamen enthalten oder die aus zwei Eigennamen bestehen.
  Dies betrifft
 
1. Zusammensetzungen mit Personennamen, zum Beispiel:
Frau Müller-Weber, Herr Schmidt-Wilpert; Eva-Maria (auch Eva Maria, Evamaria), Karl-Heinz (auch Karl Heinz, Karlheinz)
die Bäcker-Anna, der Schneider-Karl; Blumen-Richter, Foto-Müller, Möbel-Schmidt; Müller-Lüdenscheid, Schneider-Partenkirchen
  E1: Die standesamtliche Schreibung mehrteiliger Personennamen kann von dieser Regelung abweichen.
2. geografische Eigennamen, zum Beispiel:
Annaberg-Buchholz, Baden-Württemberg, Flughafen Köln-Bonn, Neu-Bamberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt
  E2: Die amtliche Schreibung von Zusammensetzungen mit einem geografischen Eigennamen, die ihrerseits zu einem geografischen Eigennamen geworden sind, kann von dieser Regelung abweichen.

Adjektiv + Eigenname, zum Beispiel:
Neu Seehagen, Neubrandenburg

Immer Getrenntschreibung bei Sankt, zum Beispiel:
Sankt Georgen (St. Georgen)

Substantiv + Eigenname, zum Beispiel:
Nordkorea, Königs Wusterhausen, Marktredwitz, Markt Indersdorf, Stadtlauringen, Stadt Rottenmann
Immer Getrenntschreibung bei Bad, zum Beispiel: Bad Säckingen

Zwei Eigennamen, zum Beispiel:
Grindelwald Grund, Rostock Lütten Klein; Berlin Schönefeld (auch Berlin-Schönefeld)
 
§ 47 Werden Zusammensetzungen mit einem ursprünglichen Personennamen als Gattungsbezeichnung gebraucht, so schreibt man ohne Bindestrich zusammen.
  Beispiele:
Gänseliesel, Heulsuse, Meckerfritze
 
§ 48 Bei Ableitungen von Verbindungen mit einem Eigennamen als zweitem Bestandteil bleibt der Bindestrich erhalten.
  Beispiele:
baden-württembergisch (Baden-Württemberg), rheinland-pfälzisch, alt-wienerische/Alt-Wiener Kaffeehäuser, Spree-Athener
 
§ 49 Bei Ableitungen von mehreren Eigennamen, von Titeln und Eigennamen oder von einem mehrteiligen Eigennamen setzt man einen Bindestrich.
  Beispiele:
die sankt-gallischen/st.-gallischen Klosterschätze (St. Gallen), die gräflich-rieneckische Güterverwaltung (Graf Rieneck)
die kant-laplacesche Theorie (Kant und Laplace), der de-costersche Roman (de Coster), die gräflich-rienecksche Güterverwaltung (Graf Rieneck)
die Kant-Laplace’sche Theorie (Kant und Laplace), der de-Coster’sche Roman (de Coster), die Gräflich-Rieneck’sche Güterverwaltung (Graf Rieneck)


Zur Groß- und Kleinschreibung und zur Schreibung mit Apostroph siehe § 62.
 
E: Bei Ableitungen auf -er kann man den Bindestrich weglassen, zum Beispiel:
die Bad-Schandauer (Bad Schandau)/Bad Schandauer, die Sankt-Galler/Sankt Galler, die New-Yorker/New Yorker
 
§ 50 Man setzt einen Bindestrich zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, deren erste Bestandteile aus Eigennamen bestehen.
  Beispiele:
Albrecht-Dürer-Allee, Heinrich-Heine-Platz, Kaiser-Karl-Ring, Ernst-Ludwig-Kirchner-Straße, Rainer-Maria-Rilke-Promenade, Thomas-Müntzer-Gasse
Elbe-Havel-Kanal, Oder-Neiße-Grenze, La-Plata-Mündung
Albert-Einstein-Gedenkstätte, Georg-Büchner-Preis, Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Preis, Goethe-Schiller-Archiv, Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium, Van-Gogh-Ausstellung
am Lago-di-Como-seitigen Abhang, Fidel-Castro-freundlich
 
§ 51 Man kann einen Bindestrich in Zusammensetzungen setzen, die als ersten Bestandteil einen Eigennamen haben, der besonders hervorgehoben werden soll, oder wenn der zweite Bestandteil bereits eine Zusammensetzung ist.
  Beispiele:
Goethe-Ausgabe, Johannes-Passion, Richelieu-freundlich, Kafka-Kolloquium; Goethe-Geburtshaus, Brecht-Jubiläumsausgabe
Ganges-Ebene, Krim-Treffen, Mekong-Delta; Elbe-Wasserstandsmeldung, Helsinki-Nachfolgekonferenz
 
§ 52 Wird ein geografischer Eigenname von einem nachgestellten Substantiv näher bestimmt, so kann man einen Bindestrich setzen.
  Beispiele:
Frankfurt Hauptbahnhof/Frankfurt-Hauptbahnhof, München Ost/München-Ost
 
Groß- und Kleinschreibung  
 

Kennzeichnung des Anfangs bestimmter Texteinheiten durch Großschreibung

§ 53 Das erste Wort einer Überschrift, eines Werktitels, einer Anschrift und dergleichen schreibt man groß.
  Dies betrifft unter anderem
 
1. Überschriften und Werktitel (etwa von Büchern und Theaterstücken, Werken der Bildenden Kunst und der Musik, Rundfunk- und Fernsehproduktionen), zum Beispiel:
Allmähliche Normalisierung im Erdbebengebiet
Hohe Schneeverwehungen behindern Autoverkehr
Keine Chance für eine diplomatische Lösung!
Kleines Wörterbuch der Stilkunde
Wo warst du, Adam?
Der kaukasische Kreidekreis
Der grüne Heinrich
Hundert Jahre Einsamkeit
Ungarische Rhapsodie
Unter den Dächern von Paris
Ein Fall für zwei
2. Titel von Gesetzen, Verträgen, Deklarationen und dergleichen sowie Bezeichnungen für Veranstaltungen, zum Beispiel:
Bayerisches Hochschulgesetz
Potsdamer Abkommen
Internationaler Ärzte- und Ärztinnenkongress
Grüne Woche
(in Berlin)
E1: Die Großschreibung des ersten Wortes bleibt auch dann erhalten, wenn eine Überschrift, ein Werktitel und dergleichen innerhalb eines Textes gebraucht wird, zum Beispiel:
Das Theaterstück „Der kaukasische Kreidekreis“ steht auf dem Programm. Sie lesen Kellers Roman „Der grüne Heinrich“.

Wird dabei am Anfang ein Titel und dergleichen verkürzt oder sein Artikel verändert, so schreibt man das nächstfolgende Wort des Titels groß, zum Beispiel:
Wir haben im Theater Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“ gesehen. Sie lesen den „Grünen Heinrich“.

Zur Schreibung nach Gliederungsangaben oder nach Auslassungszeichen und Zahlen siehe § 54(5) und (6). Zum Gebrauch der Anführungszeichen siehe § 94(1).
3. Anschriften, Datumszeilen und Anreden sowie Grußformeln etwa in Briefen, zum Beispiel:

 
Frau Ulla Schröder
Rüdesheimer Str. 29
D-65197 Wiesbaden
Donnerstag, 16. Februar 2006
Sehr geehrte Frau Schröder,
entsprechend unserer telefonischen Vereinbarung ...
..erwarten wir Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen
Werner Meier
E2: Wenn man nach der Anrede – wie in der Schweiz üblich – auf ein Satzzeichen verzichtet, schreibt man das erste Wort des folgenden Abschnitts groß.
Siehe auch § 69 E3.
 
§ 54 Das erste Wort eines Ganzsatzes schreibt man groß.
  Beispiele:
Gestern hat es geregnet. Du kommst bitte morgen! Hat er das wirklich gesagt?
Nachdem sie von der Reise zurückgekehrt war, hatte sie den dringenden Wunsch, ein Bad zu nehmen. Im Hausflur war es still, ich drückte erwartungsvoll auf die Klingel. Meine Freundin hatte den Zug versäumt, deshalb kam sie eine halbe Stunde zu spät. Wir sehen nach, was Paul macht. Sehen Sie nur, wie schön die Aussicht ist. Haben Sie ihn aufgefordert, die Wohnung zu verlassen?
Kommt doch schnell! Bitte die Türen schließen und Vorsicht bei der Abfahrt des Zuges!
Ob sie heute kommt? Nein, morgen. Warum nicht? Gute Reise!
Vorwärts! Vgl. Anlage 3, Ziffer 7.
Alles war zerstört: das Haus, der Stall, die Scheune. Die Teeküche kann zu folgenden Zeiten benutzt werden: morgens von 7 bis 8 Uhr, abends von 18 bis 19 Uhr.


Im Einzelnen ist zu beachten:
 
1. Wird die nach dem Doppelpunkt folgende Ausführung als Ganzsatz verstanden, so schreibt man das erste Wort groß, zum Beispiel:
Beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Alle Bänke sind frisch gestrichen. Die Regel lautet: Würfelt man eine Sechs, dann ...
2. Das erste Wort der wörtlichen Rede schreibt man groß, zum Beispiel:
Sie fragte: „Kommt er heute?“ Er sagte: „Wir wissen es nicht.“ Alle baten: „Bleib!“
3. Folgt dem wörtlich Wiedergegebenen der Begleitsatz oder ein Teil von ihm, so schreibt man das erste Wort nach dem abschließenden Anführungszeichen klein, zum Beispiel:
„Hörst du?“, fragte sie. „Ich verstehe dich gut“, antwortete er. „Mit welchem Recht“, fragte er, „willst du das tun?“ Sie rief mir zu: „Wir treffen uns auf dem Schulhof!“, und lief weiter.
4. Das erste Wort von Parenthesen schreibt man klein, wenn es nicht nach einer anderen Regel großzuschreiben ist, zum Beispiel:
Eines Tages, es war mitten im Sommer, hagelte es. Er behauptete – so eine Frechheit! –, dass er im Kino gewesen sei. Sie hat das (erinnerst du dich?) gestern gesagt.

Zu den Satzzeichen siehe § 77(1), § 84(1), § 86(1).
5. Gliederungsangaben wie Ziffern, Paragraphen, Buchstaben gehören nicht zum nachfolgenden Ganzsatz; entsprechend schreibt man das folgende Wort groß. Dies gilt auch für Überschriften, Werktitel und dergleichen. Beispiele:
3. Die Besitzer und Besitzerinnen von Haustieren sollten ...
§ 13 Die Behandlung sollte sofort einsetzen.
c) Vgl. Anlage 3, Ziffer 7.
2 Die Säugetiere
6. Auslassungspunkte, Apostroph oder Zahlen zu Beginn eines Ganzsatzes gelten als Satzanfang; entsprechend bleibt die Schreibung des folgenden Wortes unverändert. Dies gilt auch für Überschriften, Werktitel und dergleichen. Beispiele:
... und gab keine Antwort.
's ist schade um sie.
52 volle Wochen hat das Jahr.
 

Substantive und Desubstantivierungen

§ 55 Substantive schreibt man groß.
  Beispiele:
Tisch, Wald, Milch, Mond, Genie, Team, Ladung, Feuer, Wasser, Luft, Sandkasten
Verständnis, Verantwortung, Freiheit, Aktion
Gabriela, Markus, Europa, Wien, Alpen


Substantive dienen der Bezeichnung von Gegenständen, Lebewesen und abstrakten Begriffen. Sie besitzen in der Regel ein festes Genus (Maskulinum, Femininum, Neutrum) und sind im Numerus (Singular, Plural) und im Kasus (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ) bestimmt.

Die Großschreibung gilt auch
 
1. für nichtsubstantivische Wörter, wenn sie am Anfang einer Zusammensetzung mit Bindestrich stehen, die als Ganzes die Eigenschaften eines Substantivs hat, zum Beispiel:
die Ad-hoc-Entscheidung, der A-cappella-Chor (vgl. auch § 55 E2), das In-den-Tag-hinein-Leben (vgl. auch § 57(2)), der Trimm-dich-Pfad, die X-Beine, die S-Kurve

Abkürzungen sowie zitierte Wortformen und Einzelbuchstaben und dergleichen bleiben allerdings unverändert, zum Beispiel:
die km-Zahl, die pH-Wert-Bestimmung, der dass-Satz, die x-Achse, der i-Punkt (der Punkt auf dem kleinen i)
2. für Substantive – auch Initialwörter (§ 102(2)) und Einzelbuchstaben, sofern sie nicht als Kleinbuchstaben zitiert sind – als Teile von Zusammensetzungen mit Bindestrich, zum Beispiel:
die Natrium-Chlor-Verbindung, der 400-Meter-Lauf, zum Aus-der-Haut-Fahren (vgl. auch § 57(2))
pH-Wert-neutral, Napoleon-freundlich, S-Kurven-reich, Formel-1-tauglich
UV-empfindlich, T-förmig
(in der Form eines großen T), S-förmig oder s-förmig (in der Form eines großen S bzw. eines kleinen s), x-beliebig
3. für Substantive aus anderen Sprachen, wenn sie nicht als Zitatwörter gemeint sind. Sind sie mehrteilig, wird der erste Teil großgeschrieben. Beispiele:
das Crescendo, der Drink, das Center, die Ratio; die Conditio sine qua non, das Cordon bleu, eine Terra incognita; das Know-how, das Make-up

Substantivische Bestandteile werden auch im Innern mehrteiliger Fügungen groß geschrieben, die als Ganzes die Funktion eines Substantivs haben, zum Beispiel:
die Alma Mater, die Ultima Ratio, das Desktop-Publishing, der Full-Time-Job, der Soft Drink, der Sex-Appeal, das Corned Beef, der Chewing-Gum
  E1: Teilweise wird auch zusammengeschrieben, siehe Getrennt- und Zusammenschreibung, § 37 E3 und E4, und Schreibung mit Bindestrich, § 44 und § 45.
Beispiele: der Softdrink, der Sexappeal, das Cornedbeef
4. für Substantive, die Bestandteile fester Gefüge sind und nicht mit anderen Bestandteilen des Gefüges zusammengeschrieben werden (siehe dazu auch Teil B, Getrennt- und Zusammenschreibung, § 34(3), zum Beispiel:

auf Abruf, in Bälde, in/mit Bezug auf, im Grunde, auf Grund (auch aufgrund); zu Grunde gehen (auch zugrunde gehen), zu Händen von (aber zuhanden von), in Hinsicht auf (aber infolge), zur Not (aber vonnöten), zur Seite, von Seiten, auf Seiten (auch aufseiten, vonseiten)

etwas außer Acht lassen, die Haare stehen jemandem zu Berge, in Betracht kommen, zu Hilfe kommen, in Kauf nehmen

Auto fahren, Rad fahren, Maschine schreiben, Kegel schieben, Diät leben, Folge leisten, Hof halten, Not leiden, Gefahr laufen, Modell sitzen, Radio hören, Tee trinken, Unkraut jäten, Zeitung lesen


Ernst machen mit etwas, Wert legen auf etwas, Angst haben, jemandem Angst (und Bange) machen, (keine) Schuld tragen (vgl. aber § 34(2.3) sowie § 56(1) und &sect, 56 E2, zum Beispiel: etwas ernst nehmen, ernst sein/werden; recht sein, unrecht sein; recht/Recht haben)

zum ersten Mal (aber nach § 39(1): einmal, diesmal, nochmal)

eines Abends, des Nachts, letzten Endes, guten Mutes, schlechter Laune ( aber nach § 56(3): abends, nachts; aber nach § 39(1): keinesfalls, andernorts)
  E2: In festen adverbialen Fügungen, die als Ganzes aus einer fremden Sprache entlehnt worden sind, gilt Kleinschreibung, zum Beispiel:
a cappella, in flagranti, à discrétion, de jure, de facto, in nuce, pro domo, ex cathedra, coram publico

Zu Schreibungen wie A-cappella-Chor, De-facto-Anerkennung siehe oben Absatz 1.
5. für Zahlsubstantive, zum Beispiel:
ein Dutzend, das Schock (= 60 Stück), das Paar (aber ein paar = einige), das Hundert (zum Beispiel: das erste Hundert Schrauben), das Tausend, eine Million, eine Milliarde, eine Billion

Zu Dutzend, Hundert und Tausend siehe auch § 58 E5.
6. für Ausdrücke, die als Bezeichnung von Tageszeiten nach den Adverbien vorgestern, gestern, heute, morgen, übermorgen auftreten, zum Beispiel:

Wir treffen uns heute Mittag. Die Frist läuft übermorgen Mitternacht ab. Sie rief gestern Abend an.

Zu Verbindungen wie (am) Dienstagabend siehe § 37(1).
 
§ 56 Klein schreibt man Wörter, die formgleich als Substantive vorkommen, aber selbst keine substantivischen Merkmale aufweisen.
  Dies betrifft
 
1. Wörter, die vorwiegend prädikativ gebraucht werden, wie angst, bange, feind, freund, gram, klasse, leid, pleite, recht, schuld, spitze, unrecht, weh in Verbindung mit den Verben sein, bleiben oder werden.

Beispiele:
Mir wird angst. Uns ist angst und bange. Wir sind ihr gram. Sein Spiel ist klasse. Mir ist das alles leid. Die Firma ist pleite. Das ist mir recht.
  E1: Das gilt auch für Zusammensetzungen mit diesen Wörtern, zum Beispiel:
Er ist ihm spinnefeind.
  E2: Groß- wie kleingeschrieben werden können recht/Recht und unrecht/Unrecht in Verbindung mit Verben wie behalten, bekommen, geben, haben, tun, zum Beispiel:
Ich gebe ihm recht/Recht. Du tust ihm unrecht/Unrecht.
2. den ersten Bestandteil unfest zusammengesetzter Verben auch in getrennter Stellung (siehe auch § 34(3)), zum Beispiel:
Ich nehme daran teil (teilnehmen). Die Besprechung findet am Freitag statt (stattfinden). Die Stadt stand kopf (kopfstehen). Man konnte ihm ansehen, wie leid es ihm tat (leidtun). Es nimmt mich wunder (wundernehmen).
  E3: Wird ein Substantiv mit dem Infinitiv nicht zusammengeschrieben, so schreibt man es entsprechend § 55(4) groß, zum Beispiel:
Ich nehme daran Anteil (Anteil nehmen). Du fährst Auto, und ich fahre Rad (Auto fahren, Rad fahren). Sie leistete der Aufforderung nicht Folge (Folge leisten).
3. Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen auf -s und -ens, zum Beispiel:
abends, anfangs, donnerstags, schlechterdings, morgens, hungers (hungers sterben), willens, rechtens (rechtens sein, etwas rechtens machen); abseits, angesichts, mangels, mittels, namens, seitens; falls, teils ... teils
4. die folgenden Präpositionen:
dank, kraft (kraft ihres Amtes), laut, statt, an ... statt (an Kindes statt, an seiner statt), trotz, wegen, von ... wegen (von Amts wegen), um ... willen, zeit (zeit seines Lebens)
5. die folgenden unbestimmten Zahlwörter:
ein bisschen (= ein wenig), ein paar (= einige)
Beispiele:
ein bisschen Leim, dieses kleine bisschen Leim; ein paar Steine, diese paar Steine (aber nach § 55(5): ein Paar Schuhe)
6. Bruchzahlen auf -tel und -stel
  6.1. vor Maßangaben (siehe auch § 37 E2), zum Beispiel:
ein zehntel Millimeter, ein viertel Kilogramm, in fünf hundertstel Sekunden, nach drei viertel Stunden
 
E4: Hier ist auch Zusammenschreibung nach § 37 E5 möglich, zum Beispiel:
ein Zehntelmillimeter, ein Viertelkilogramm, in fünf Hundertstelsekunden, nach drei Viertelstunden
  6.2. in Uhrzeitangaben unmittelbar vor Kardinalzahlen, zum Beispiel:
um viertel fünf, gegen drei viertel acht
  E5: In allen übrigen Fällen schreibt man Bruchzahlen auf -tel und -stel entsprechend § 55 groß, zum Beispiel:
ein Drittel, das erste Fünftel, neun Zehntel des Umsatzes, um drei Viertel größer, um (ein) Viertel vor fünf
 

Substantivierungen

§ 57 Wörter anderer Wortarten schreibt man groß, wenn sie als Substantive gebraucht werden (= Substantivierungen).
  Substantivierte Wörter nehmen die Eigenschaften von Substantiven an (vgl. § 55). Man erkennt sie im Text an zumindest einem der folgenden Merkmale:
 
a) an einem vorausgehenden Artikel (der, die, das; ein, eine, ein), Pronomen (dieser, jener, welcher, mein, kein, etwas, nichts, alle, einige ...) oder unbestimmten Zahlwort (ein paar, genug, viel, wenig ...), die sich auf das substantivierte Wort beziehen;
b) an einem vorangestellten adjektivischen Attribut oder einem nachgestellten Attribut, das sich auf das substantivierte Wort bezieht;
c) an ihrer Funktion als kasusbestimmtes Satzglied oder kasusbestimmtes Attribut.

Siehe dazu folgende Beispiele:
Das In-Kraft-Treten (a, b, c) des Gesetzes verzögert sich. Er übersah alles Kleingedruckte (a, c). Das Ausschlaggebende (a, b, c) für ihre Einstellung war ihr sicheres Auftreten (a, b, c). Nichts Menschliches (a, c) war ihr fremd. Das Deutsche (a, c) gilt als schwere Sprache. Sie bot ihr das Du (a, c) an. Der Beschluss fiel nach langem Hin und Her (b, c). Bananen kosten jetzt das Zweifache (a, b, c) des früheren Preises. Lesen und Schreiben (c) sind Kulturtechniken. Sie brachte eine Platte mit Gebratenem (c). Du sollst Gleiches (c) nicht mit Gleichem (c) vergelten. Man sagt, Liebende (c) seien blind.
 
E1: Zahlreiche Substantivierungen sind ein fester Bestandteil des Substantivwortschatzes geworden, zum Beispiel:
das Essen, das Herzklopfen, das Leben, das Deutsche, die Grünen, die Studierenden, der/die Angestellte, das Durcheinander, das Jenseits, das Vergissmeinnicht

Die folgende Aufgliederung der Großschreibung von Substantivierungen ist nach Wortarten geordnet.
 
1. Substantivierte Adjektive und adjektivisch gebrauchte Partizipien, besonders auch in Verbindung mit Wörtern wie alles, allerlei, etwas, genug, nichts, viel, wenig, zum Beispiel:
Wir wünschen alles Gute. Zum Aperitif gab es Süßes und Salziges. Geh nicht mit Unbekannten! Das Ausschlaggebende für die Einstellung war ihre Erfahrung. Er hat nichts/wenig/etwas/viel Bedeutendes geschrieben. Das nie Erwartete trat ein. Sie hatte nur Angenehmes erlebt. Der Umsatz war dieses Jahr um das Dreifache höher. Das andere Gebäude war um ein Beträchtliches höher. Das ist das einzig Richtige, was du tun kannst. Es wäre wohl das Richtige, wenn wir noch einmal darüber reden. Bitte lesen Sie das unten Stehende/unten Stehendes genau durch. Wir haben das Folgende/Folgendes verabredet. Wir werden das im Folgenden noch genauer darstellen. Des Näheren vermag ich mich nicht zu entsinnen. Sie hat mir die Sache des Näheren erläutert. Wir haben alles des Langen und Breiten diskutiert. Wir wohnen im Grünen. Beim Umweltschutz liegen noch viele Dinge im Argen. Wir sind uns im Großen und Ganzen einig. Die Arbeiten sind im Allgemeinen nicht schlecht geraten. Das ist im Wesentlichen richtig. Im Einzelnen sind aber noch Verbesserungen möglich. Plötzlich ertönte eine Stimme aus dem Dunkeln. Die Polizei tappt im Dunkeln. Die Direktorin war auf dem Laufenden.

Sie war unsere Jüngste. Das Beste, was dieser Ferienort bietet, ist die Ruhe. Es ist das Beste, wenn du kommst. Es änderte sich nicht das Geringste. Dies geschieht zum Besten unserer Kinder. Er gab wieder einmal eine seiner Geschichten zum Besten. Sie konnte uns vor dem Ärgsten bewahren. Daran haben wir nicht im Entferntesten gedacht. Sie war bis ins Kleinste vorbereitet. Sie war aufs Schrecklichste/auf das Schrecklichste gefasst. Sie hat uns aufs Herzlichste/auf das Herzlichste begrüßt
(siehe auch § 58 E1).

Die Pest traf Hohe und Niedrige/Hoch und Niedrig. Diese Musik gefällt Jungen und Alten/Jung und Alt. Die Teilnehmenden diskutierten über den Konflikt zwischen Jungen und Alten/zwischen Jung und Alt. Das ist ein Fest für Junge und Alte/für Jung und Alt.

Sie trug das kleine Schwarze. Der Zeitungsbericht traf ins Schwarze. Wenn man Schwarz mit Weiß mischt, entsteht Grau. Die Ampel schaltete auf Rot. Wir liefern das Gerät in Grau oder Schwarz.

Das Englische ist eine Weltsprache. Ihr Englisch hatte einen südamerikanischen Akzent. Mit Englisch kommt man überall durch. In Ostafrika verständigt man sich am besten auf Swahili oder auf Englisch.
  E2: Gelegentlich ist Groß- oder Kleinschreibung möglich, zum Beispiel:
Sie spricht Englisch (was? – die englische Sprache)/englisch (wie?).
  Ordnungszahladjektive sowie sinnverwandte Adjektive, zum Beispiel:
Die Miete ist am Ersten jedes Monats zu bezahlen. Er ist schon der Zweite, der den Rekord des vergangenen Jahres überboten hat. Jeder Fünfte lehnte das Projekt ab. Endlich war sie die Erste im Staat. Dieses Vorgehen verletzte die Rechte Dritter. Er kam als Dritter an die Reihe. Er kam vom Hundertsten ins Tausendste. Fürs Erste wollen wir nicht mehr darüber reden. Die Nächste bitte! Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Trotz ihrer Verletzung wurde sie noch Viertletzte. Als Letztes muss der Deckel angeschraubt werden. Arthur und Armin gingen unterschiedliche Wege: der Erste/Ersterer wurde Beamter, der Zweite/der Letzte/Letzterer hatte als Schauspieler Erfolg.

Unbestimmte Zahladjektive (siehe aber auch § 58(5)), zum Beispiel:
Den Kometen haben Unzählige (Ungezählte, Zahllose) gesehen. Ich muss noch Verschiedenes erledigen. Er hatte das Ganze rasch wieder vergessen. Der Kongress war als Ganzes ein Erfolg. Das muss jeder Einzelne mit sich selbst ausmachen. Anita war die Einzige, die alles wusste. Alles Übrige besprechen wir morgen. Er gab sein Geld für alles Mögliche aus.
2. Substantivierte Verben, zum Beispiel:
Das Lesen fällt mir schwer. Sie hörten ein starkes Klopfen. Wer erledigt das Fensterputzen? Viele waren am Zustandekommen des Vertrages beteiligt. Die Sache kam ins Stocken. Das ist zum Lachen. Euer Fernbleiben fiel uns auf. Uns half nur noch lautes Rufen. Die Mitbewohner begnügten sich mit Wegsehen und Schweigen.
Sie wollte auf Biegen und Brechen gewinnen. Er klopfte mit Zittern und Zagen an. Ich nehme die Tabletten auf Anraten meiner Ärztin.
Sie hat ihr Soll erfüllt. Dies ist ein absolutes Muss.


Bei mehrteiligen Fügungen, deren Bestandteile mit einem Bindestrich verbunden werden, schreibt man das erste Wort, den Infinitiv und die anderen substantivischen Bestandteile groß (siehe auch § 55(1) und (2)), zum Beispiel:
es ist zum Auf-und-davon-Laufen, das Hand-in-Hand-Arbeiten, das In-den-Tag-hinein-Leben
  E3: Gelegentlich ist bei einfachen Infinitiven Groß- oder Kleinschreibung möglich, zum Beispiel:
Der Gehörgeschädigte lernt Sprechen. (Wie: Der Gehörgeschädigte lernt das Sprechen/das deutliche Sprechen.) Oder: Der Gehörgeschädigte lernt sprechen. (Wie: Der Gehörgeschädigte lernt deutlich sprechen.) (Ebenso:) Bekanntlich ist Umlernen/umlernen schwieriger als Dazulernen/dazulernen. Doch geht Probieren/probieren über Studieren/studieren.
3. Substantivierte Pronomen (vgl. aber auch § 58(4)), zum Beispiel:
Sie hatte ein gewisses Etwas. Er bot ihm das Du an. Das ist ein Er, keine Sie. Wir standen vor dem Nichts. Er konnte Mein und Dein nicht unterscheiden.
4. Substantivierte Grundzahlen als Bezeichnung von Ziffern, zum Beispiel:
Er setzte alles auf die Vier. Sie fürchtete sich vor der Dreizehn. Der Zeiger nähert sich der Elf. Sie hat lauter Einsen im Zeugnis. Er würfelt eine Sechs.
5. Substantivierte Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen, Interjektionen, zum Beispiel:
Es gab ein großes Durcheinander. Mich störte das ewige Hin und Her. Ich will das noch im Diesseits erleben. Auf das Hier und Jetzt kommt es an. Das Danach war ihr egal. Es gibt kein Übermorgen. Sie hatte so viel wie möglich im Voraus erledigt. Im Nachhinein wussten wir es besser. Er stand im Aus. Sie überlegte sich das Für und Wider genau. Sein ständiges Aber stört mich. Es kommt nicht nur auf das Dass an, sondern auch auf das Wie. Er erledigte es mit Ach und Krach. Ein vielstimmiges Ah ertönte. Ihr freudiges Oh freute ihre Kolleginnen. Das Nein fällt ihm schwer.
  E4: Bei mehrteiligen substantivierten Konjunktionen, die mit einem Bindestrich verbunden werden (siehe § 43), schreibt man nur das erste Wort groß, zum Beispiel:
ein Entweder-oder, das Als-ob, das Sowohl-als-auch
 
§ 58 In folgenden Fällen schreibt man Adjektive, Partizipien und Pronomen klein, obwohl sie formale Merkmale der Substantivierung aufweisen.
 
1. Adjektive, Partizipien und Pronomen, die sich auf ein vorhergehendes oder nachstehendes Substantiv beziehen, zum Beispiel:
Sie war die aufmerksamste und klügste meiner Zuhörerinnen. Vor dem Haus spielten viele Kinder, einige kleine im Sandkasten, die größeren am Klettergerüst. Es waren neun Teilnehmer erschienen, auf den zehnten wartete man vergebens. Alte Schuhe sind meist bequemer als neue. Dünne Bücher lese ich in der Freizeit, dicke im Urlaub. Zwei Männer betraten den Raum; der erste trug einen Anzug, der zweite Jeans und Pullover. Leih mir bitte deine Farbstifte, ich habe meine/die meinen/die meinigen vergessen. Der Verkäufer zeigte mir seine Auswahl an Krawatten. Die gestreiften und gepunkteten gefielen mir am besten.
2. Superlative mit „am“, nach denen mit „Wie?“ gefragt werden kann, zum Beispiel:
Dieser Weg ist am steilsten. (Frage: Wie ist der Weg?) Dieser Stift schreibt am feinsten. (Frage: Wie schreibt dieser Stift?) Der ICE fährt am schnellsten.
  E1: Superlative mit „am“ gehören zur regulären Flexion des Adjektivs; „am“ ist in diesen Fügungen nicht in „an dem“ auflösbar. Beispiele:
Dieser Weg ist steil – steiler – am steilsten. Dieser Stift schreibt fein – feiner – am feinsten.

In Anlehnung an diese Fügungen kann man auch feste adverbiale Wendungen mit aufs oder auf das, die mit „Wie?“ erfragt werden können, kleinschreiben, zum Beispiel:
Sie hat uns aufs/auf das herzlichste begrüßt (Frage: Wie hat sie uns begrüßt?). Der Fall ließ sich aufs/auf das einfachste lösen.

Superlative, nach denen mit „Woran?“ („An was“) oder „Worauf?“ („Auf was?“) gefragt werden kann, schreibt man nach § 57(1) groß, zum Beispiel:
Es fehlt ihnen am/an dem Nötigsten. (Frage: Woran fehlt es ihnen?) Wir sind aufs/auf das Beste angewiesen. (Frage: Worauf sind wir angewiesen?)
3. bestimmte feste Verbindungen
  3.1. aus Präposition und nichtdekliniertem Adjektiv ohne vorangehenden Artikel, zum Beispiel:
Ich hörte von fern ein dumpfes Grollen. Die Pilger kamen von nah und fern. Die Ware wird nur gegen bar ausgeliefert. Die Mädchen hielten durch dick und dünn zusammen. Das wird sich über kurz oder lang herausstellen. Damit habe ich mich von klein auf beschäftigt.
Er hatte die frei erfundene Geschichte für wahr gehalten. Man hat ihn für dumm verkauft. Sie hat sich die Argumentation zu eigen gemacht.
Das werde ich dir schwarz auf weiß beweisen. Die Stimmung war grau in grau.
  3.2. aus Präposition und dekliniertem Adjektiv ohne vorangehenden Artikel. In diesen Fällen ist jedoch auch die Großschreibung des Adjektivs zulässig, zum Beispiel:
Aus der Brandruine stieg von neuem/Neuem Rauch auf. Wir konnten das Feuer nur von weitem/Weitem betrachten. Der Fahrplan bleibt bis auf weiteres/Weiteres in Kraft. Unsere Pressesprecherin gibt Ihnen ohne weiteres/Weiteres Auskunft. Der Termin stand seit längerem/Längerem fest. Die Aufgabe wird binnen kurzem/Kurzem erledigt.
 
  E2: Substantivierungen, die auch ohne Präposition üblich sind, werden nach § 57(1) auch dann großgeschrieben, wenn sie mit einer Präposition verbunden werden, zum Beispiel:
Die Historikerin beschäftigt sich mit dem Konflikt zwischen Arm und Reich. Das ist ein Fest für Jung und Alt. Sein Vorschlag war jenseits von Gut und Böse. (Vgl.: Die Königin lud Arm und Reich ein. Das Fest gefiel Jung und Alt.)
Die Ampel schaltete auf Rot. Wir liefern das Gerät in Grau (= in grauer Farbe). (Vgl.: Das ist ein grelles Rot. Sie hasst Grau.)
Mit Englisch kommst du überall durch. In Ostafrika verständigt man sich am besten auf Swahili oder Englisch. (Vgl.: Bekanntlich ist Englisch eine Weltsprache. Sein Englisch war gut verständlich.)
4. Pronomen, auch wenn sie als Stellvertreter von Substantiven gebraucht werden, zum Beispiel:
In diesem Wald hat sich schon mancher verirrt. Ich habe mich mit diesen und jenen unterhalten. Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Das muss (ein) jeder mit sich selbst ausmachen. Wir haben alles mitgebracht. Sie hatten beides mitgebracht. Man muss mit (den) beiden reden.

Zur Großschreibung der Anredepronomen siehe § 65, § 66.
  E3: In Verbindung mit dem bestimmten Artikel oder dergleichen lassen sich Possessivpronomen auch als substantivische possessive Adjektive bestimmen, entsprechend kann man hier nach § 57(1) auch großschreiben, zum Beispiel:
Grüß mir die deinen/Deinen (die deinigen/Deinigen)! Sie trug das ihre/Ihre (das ihrige/Ihrige) zum Gelingen bei. Jedem das seine/Seine!
5. die folgenden Zahladjektive mit allen ihren Flexionsformen:
viel, wenig; (der, die, das) eine, (der, die, das) andere
Beispiele:
Das haben schon viele erlebt. Zum Erfolg trugen auch die vielen bei, die ohne Entgelt mitgearbeitet haben. Nach dem Brand war nur noch weniges zu gebrauchen. Sie hat das wenige, was noch da war, in eine Kiste versorgt. Die meisten haben diesen Film schon einmal gesehen. Die einen kommen, die anderen gehen. Was der eine nicht tut, soll der andere nicht lassen. Die anderen kommen später. Das können auch andere bestätigen. Alles andere erzähle ich dir später. Sie hatte noch anderes zu tun. Unter anderem wurde auch über finanzielle Angelegenheiten gesprochen.
  E4: Wenn der Schreibende zum Ausdruck bringen will, dass das Zahladjektiv substantivisch gebraucht ist, kann er es nach § 57(1) auch großschreiben, zum Beispiel:
Sie strebte etwas ganz Anderes an. Die Einen sagen dies, die Anderen das. Die Meisten stimmten seiner Meinung zu.
6. Kardinalzahlen unter einer Million, zum Beispiel:
Was drei wissen, wissen bald dreißig. Diese drei kommen mir bekannt vor. Sie rief um fünf an. Wir waren an die zwanzig. Er sollte die Summe durch acht teilen. Dieser Kandidat konnte nicht bis drei zählen. Wir fünf gehören zusammen. Der Abschnitt sieben fehlt im Text. Der Mensch &.uuml;ber achtzig schätzt die Gesundheit besonders.
  E5: Wenn hundert und tausend eine unbestimmte (nicht in Ziffern schreibbare) Menge angeben, können sie auch auf die Zahlsubstantive Hundert und Tausend bezogen werden (vgl. § 55(5)); entsprechend kann man sie dann klein- oder großschreiben, zum Beispiel:
Es kamen viele tausende/Tausende von Zuschauern. Sie strömten zu aberhunderten/Aberhunderten herein. Mehrere tausend/Tausend Menschen füllten das Stadion. Der Beifall zigtausender/Zigtausender von Zuschauern war ihr gewiss.

Entsprechend auch: Der Stoff wird in einigen Dutzend/dutzend Farben angeboten. Der Fall war angesichts Dutzender/dutzender von Augenzeugen klar.
 

Eigennamen mit ihren nichtsubstantivischen Bestandteilen sowie Ableitungen von Eigennamen

§ 59 Eigennamen schreibt man groß.
  Eigennamen sind Bezeichnungen zur Identifizierung bestimmter einzelner Gegebenheiten (eine Person, ein Ort, ein Land, eine Institution usw.). Viele sind einfache, zusammengesetzte oder abgeleitete Substantive, zum Beispiel Peter, Wien, Deutschland, Europa, Südamerika, Bahnhofstraße, Sigmaringen, Albrecht-Dürer-Allee, Ostsee-Zeitung. Sie werden nach § 55 großgeschrieben. Daneben gibt es mehrteilige Eigennamen, die häufig auch nichtsubstantivische Bestandteile enthalten, zum Beispiel Kap der Guten Hoffnung, Norddeutsche Neueste Nachrichten, Vereinigte Staaten von Amerika. Im Folgenden wird die Groß- und Kleinschreibung dieser Gruppe von Eigennamen dargestellt.
 
§ 60 In mehrteiligen Eigennamen mit nichtsubstantivischen Bestandteilen schreibt man das erste Wort und alle weiteren Wörter außer Artikeln, Präpositionen und Konjunktionen groß.
 
E1: Ein vorangestellter Artikel ist in der Regel nicht Bestandteil des Eigennamens und wird darum kleingeschrieben. Zu Ausnahmen siehe unten, Absatz (4.4).
Als Eigennamen im Sinne dieser orthografischen Regelung gelten:
1. Personennamen, Eigennamen aus Religion, Mythologie sowie Beinamen, Spitznamen und dergleichen, zum Beispiel:
Johann Wolfgang von Goethe, Gertrud von Le Fort, Charles de Coster, Ludwig van Beethoven, der Apokalyptische Reiter, Walther von der Vogelweide, Holbein der Jüngere, der Alte Fritz, Katharina die Große, Heinrich der Achte, Elisabeth die Zweite; Klein Erna
Präpositionen wie von, van, de, ten, zu(r) in Personennamen schreibt man im Satzinnern auch dann klein, wenn ihnen kein Vorname vorausgeht, zum Beispiel: Der Autor dieses Buches heißt von Ossietzky.

Präpositionen wie von, van, de, ten, zu(r) in Personennamen schreibt man im Satzinnern auch dann klein, wenn ihnen kein Vorname vorausgeht, zum Beispiel: Der Autor dieses Buches heißt von Ossietzky.
2. Geografische und geografisch-politische Eigennamen, so
  2.1. von Erdteilen, Ländern, Staaten, Verwaltungsgebieten und dergleichen, zum Beispiel:
Vereinigte Staaten von Amerika, Freie und Hansestadt Hamburg (als Bundesland), Tschechische Republik
  2.2. von Städten, Dörfern, Straßen, Plätzen und dergleichen, zum Beispiel:
Neu Lübbenau, Groß Flatow, Rostock-Lütten Klein, Unter den Linden, Lange Straße, In der Mittleren Holdergasse, Am Tiefen Graben, An den Drei Pfählen, Hamburger Straße, Neuer Markt
  2.3. von Landschaften, Gebirgen, Wäldern, Wüsten, Fluren und dergleichen, zum Beispiel:
Kahler Asten, Hohe Tatra, Holsteinische Schweiz, Schwäbische Alb, Bayerischer Wald, Libysche Wüste, Goldene Aue, Thüringer Wald
  2.4. von Meeren, Meeresteilen und -straßen, Flüssen, Inseln und Küsten und dergleichen, zum Beispiel:
Stiller Ozean, Indischer Ozean, Rotes Meer, Kleine Antillen, Großer Belt, Schweriner See, Straße von Gibraltar, Kapverdische Inseln, Kap der Guten Hoffnung
3. Eigennamen von Objekten unterschiedlicher Klassen, so
  3.1. von Sternen, Sternbildern und anderen Himmelskörpern, zum Beispiel:
Kleiner Bär, Großer Wagen, Halleyscher Komet (auch: Halley'scher Komet; § 62)
  3.2. von Fahrzeugen, bestimmten Bauwerken und Örtlichkeiten, zum Beispiel:
die Vorwärts (Schiff), der Blaue Enzian (Eisenbahnzug), der Fliegende Hamburger (Eisenbahnzug), die Blaue Moschee (in Istanbul), das Alte Rathaus (in Leipzig), der Französische Dom (in Berlin), die Große Mauer (in China), der Schiefe Turm (in Pisa)
  3.3. von einzeln benannten Tieren, Pflanzen und gelegentlich auch von Einzelobjekten weiterer Klassen, zum Beispiel:
der Fliegende Pfeil (ein bestimmtes Pferd), die Alte Eiche (ein bestimmter Baum)
  3.4. von Orden und Auszeichnungen, zum Beispiel:
das Blaue Band des Ozeans, Großer Österreichischer Staatspreis für Literatur
4. Eigennamen von Institutionen, Organisationen, Einrichtungen, so
  4.1. von staatlichen bzw. öffentlichen Dienststellen, Behörden und Gremien, von Bildungs- und Kulturinstitutionen und dergleichen, zum Beispiel:
Deutscher Bundestag, Statistisches Bundesamt, Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin, Naturhistorisches Museum (in Wien), Grünes Gewölbe (in Dresden), Klinik für Innere Medizin der Universität Rostock, Akademie für Alte Musik Berlin, Zweites Deutsches Fernsehen, Eidgenössische Technische Hochschule (in Zürich)
  4.2. von Organisationen, Parteien, Verbänden, Vereinen und dergleichen, zum Beispiel:
Vereinte Nationen, Internationales Olympisches Komitee, Deutscher Gewerkschaftsbund, Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Christlich-Demokratische Union, Allgemeiner Deutscher Automobilclub, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Österreichisches Rotes Kreuz
  4.3. von Betrieben, Firmen, Genossenschaften, Gaststätten, Geschäften und dergleichen, zum Beispiel:
Deutsche Bank, Österreichischer Raiffeisenverband, Bibliographisches Institut (in Mannheim), Deutsche Bahn, Weiße Flotte, Hotel Vier Jahreszeiten, Gasthaus zur Neuen Post, Zum Goldenen Anker (Gaststätte), Salzburger Dombuchhandlung, Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG
  4.4. von Zeitungen und Zeitschriften und dergleichen, zum Beispiel:
Berliner Zeitung, Sächsische Neueste Nachrichten, Deutsch als Fremdsprache, Dermatologische Monatsschrift, Die Zeit

Wird der Artikel am Anfang verändert, so schreibt man ihn klein, zum Beispiel:
Sie hat das in der Zeit gelesen.
5. inoffizielle Eigennamen, Kurzformen sowie Abkürzungen von Eigennamen, zum Beispiel:
Schwarzer Kontinent, Ferner Osten, Naher Osten, Vereinigte Staaten, Hohes Haus
A. Müller, Astrid M., A. M.
(= Astrid Müller), J. W. v. Goethe; SPD (= Sozialdemokratische Partei Deutschlands), DGB (= Deutscher Gewerkschaftsbund), EU (= Europäische Union), SBB (= Schweizerische Bundesbahnen), ORF (= Österreichischer Rundfunk)
6. bestimmte historische Ereignisse und Epochen, zum Beispiel:
der westfälische Frieden, der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871, der Zweite Weltkrieg, die Goldenen Zwanziger
 
E2: In einigen der oben genannten Namengruppen kann die Schreibung im Einzelfall abweichend festgelegt sein, zum Beispiel:
neue deutsche literatur, profil, konkret (Zeitschriften); Institut für deutsche Sprache, Akademie für Musik und darstellende Kunst „Mozarteum“, Zur letzten Instanz (Gaststätte)
Zur Kennzeichnung der Namen von Zeitungen und Zeitschriften mit Anführungszeichen siehe § 94(1).
 
§ 61 Ableitungen von geografischen Eigennamen auf -er schreibt man groß.
  Beispiele:
das Bad Krozinger Kurgebiet, die Berliner Bevölkerung, die Mecklenburger Landschaft, die New Yorker Kunstszene, der Schweizer Käse, das St. Galler/Sankt Galler Kloster

Zur Schreibung mit oder ohne Bindestrich siehe § 49 E.
 
§ 62 Kleingeschrieben werden adjektivische Ableitungen von Eigennamen auf -(i)sch, außer wenn die Grundform eines Personennamens durch einen Apostroph verdeutlicht wird, ferner alle adjektivischen Ableitungen mit anderen Suffixen.
  Beispiele:
die darwinsche/die Darwin’sche Evolutionstheorie, das wackernagelsche/Wackernagel’sche Gesetz, die goethischen/goetheschen/Goethe’schen Dramen, die bernoullischen/Bernoulli’schen Gleichungen
die homerischen Epen, das kopernikanische Weltsystem, die darwinistische Evolutionstheorie, tschechisches Bier, indischer Tee, englischer Stoff
mit eulenspiegelhaftem Schalk, eine kafkaeske Stimmung


Zur Schreibung mit Apostroph siehe auch Zeichensetzung, § 97 E.

Zur Schreibung mehrteiliger Ableitungen mit Bindestrich siehe § 49 E.
 

Feste Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv

§ 63 In substantivischen Wortgruppen, die zu festen Verbindungen geworden, aber keine Eigennamen sind, schreibt man Adjektive klein.
  Beispiele:
das autogene Training, das neue Jahr, die höhere Mathematik, die graue Maus, die schöne Bescherung, das tolle Treiben, der bunte Hund
  E: Bei Verbindungen mit einer neuen, idiomatisierten Gesamtbedeutung kann der Schreibende zur Hervorhebung dieses besonderen Gebrauchs das Adjektiv großschreiben, zum Beispiel:
das Schwarze Brett (= Anschlagtafel), der Weiße Tod (= Lawinentod)

Kleinschreibung des Adjektivs ist in diesen Fällen der Regelfall.
 
§ 64 In bestimmten substantivischen Wortgruppen werden Adjektive großgeschrieben, obwohl keine Eigennamen vorliegen.
  Dies betrifft
 
1. Titel, Ehrenbezeichnungen, bestimmte Amts- und Funktionsbezeichnungen, zum Beispiel:
der Heilige Vater, der Regierende Bürgermeister, die Königliche Hoheit, der Technische Direktor
2. besondere Kalendertage, zum Beispiel:
der Heilige Abend, der Internationale Frauentag, der Erste Mai
3. fachsprachliche Bezeichnungen bestimmter Klassifizierungseinheiten, so der Arten, Unterarten oder Rassen in der Botanik und Zoologie, zum Beispiel:
Fleißiges Lieschen, Grüner Veltliner, Roter Milan, Schwarze Witwe
E: Die Großschreibung von Adjektiven, die mit dem Substantiv zusammen für eine begriffliche Einheit stehen, ist auch in Fachsprachen außerhalb der Biologie und bei Verbindungen mit terminologischem Charakter belegt, zum Beispiel:
Gelbe Karte, Goldener Schnitt, Kleine Anfrage; Erste Hilfe

In manchen Fachsprachen wir demgegenüber die Kleinschreibung bevorzugt, zum Beispiel:
eiserne Lunge, grauer Star, seltene Erden
 

Anredepronomen und Anreden

§ 65 Das Anredepronomen Sie und das entsprechende Possessivpronomen Ihr sowie die zugehörigen flektierten Formen schreibt man groß.
  Beispiele:
Würden Sie mir helfen? Wie geht es Ihnen? Ist das Ihr Mantel? Bestehen Ihrerseits Bedenken gegen den Vorschlag?
 
E1: Großschreibung gilt auch für ältere Anredeformen wie:
Habt Ihr es Euch überlegt, Fürst von Gallenstein? Johann, führe Er die Gäste herein.
E2: In Anreden wie Seine Majestät, Eure Exzellenz, Eure Magnifizenz schreibt man das Pronomen ebenfalls groß.
 
§ 66 Die Anredepronomen du und ihr, die entsprechenden Possessivpronomen dein und euer sowie das Reflexivpronomen sich schreibt man klein.
  Beispiele:
Würdest du mir helfen? Hast du dich gut erholt? Haben Sie sich schon angemeldet?
  E: In Briefen können die Anredepronomen du und ihr mit ihren Possessivpronomen auch großgschrieben werden:

Lieber Freund,
ich schreibe dir/Dir diesen Brief und schicke dir/Dir eure/Eure Bilder ...
 

*Einzelfälle

In den folgenden Abschnitten werden einige Einzelfallgruppen erläutert, die sich nicht in das Regelsystem einordnen lassen.

*Einzelfall Mal/mal

Als Adverb zusammengeschrieben: einmal, zweimal, vieltausendmal (wie § 39(1))
mit Ziffer: 3-mal, 5-mal (wie § 40(3))

Als Substantiv getrennt- und großgeschrieben (wie § 39 E2(2)): jedes Mal, unzählige Mal, Millionen Mal, aber: viele tausend oder Tausend Mal.

Getrennt- oder Zusammenschreibung möglich bei:
einmal, aber: ein Mal (wenn beide Wörter betont werden); hundertmal, aber: hundert Mal (bei besonderer Betonung); wievielmal, auch: wie viel Mal; erstmal auch:erst mal

*Einzelfall „Stammprinzip“

Der Wortstamm bleibt in Zusammensetzungen erhalten: Rohheit (roh + heit); Zähheit (zäh + heit); Zierrat (zier + rat); im Falle von selbstständig(selbst + ständig (stand + ig)) sind beide Schreibungen zugelassen.

*Einzelfall "Mengenangabe als Substantiv + voll/breit"

Mengenangaben, die aus einem Nomen und -breitzusammengesetzt sind, werden

  • als Adjektiv klein geschrieben (wie § 36 (1.1)): fußbreit; fingerbreit; handbreit; spaltbreit
  • als Substantiv getrennt oder zusammengeschrieben: Fußbreit, Fuß breit; Fingerbreit, Finger breit; Handbreit, Hand breit; Spaltbreit, Spalt breit;

Ausnahme: Haarbreit, Haar breit wir nur als Substantiv verwendet.

Mengenangaben, die aus einem Nomen und -voll zusammengesetzt sind, werden

  • als Substantiv getrennt oder zusammengeschrieben: Armvoll, Arm voll; Mundvoll, Mund voll; Handvoll, Hand voll

*Einzelfall "sonst"

Verbindungen mit sonst werden immer getrennt geschrieben, z.B. sonst woher.

Einzelfall "Substantivierung"

Kleinschreibung als Adjektiv: der hunderste Besucher; am nächsten Morgen; das letztere (zuletzt genannte) Argument
Großschreibung bei Substantivierung (wie § 57(1)), z.B. vom Hundertsten ins Tausende kommen; Der Nächste, bitte!

*Einzelfall "h" am Wortende

Durch den Ausfall des "h" am Wortende soll eine einheitliche Schreibung für analoge Wörter ermöglicht werden:

  • rau wie

blau, grau, genau

  • Känguru wie Gnu, Kakadu (aber: Kuh)

 

*Einzelfall "wohl"

Die Empfehlung der DWDS-Redaktion ist: Zusammenschreibung ist gegenüber Getrenntschreibung zu bevorzugen.

Bei Getrenntschreibung kann es zur Mehrdeutigkeit zwischen einer modalen und einer qualitativen Lesart kommen, z.B. wohl verpackt

  • qualitativ i.S.v. gut verpackt
  • modal i.S.v. wahrscheinlich/vermutlich verpackt.

Diese Mehrdeutigkeit klärt sich meist im Kontext auf, vgl. aber: Er hat das Geschenk wohl verpackt (gut verpackt oder wahrscheinlich verpackt?).

Bei Fällen, in denen sowohl §36(1.5) als auch §36(2.2) anwendbar sind, haben wir uns für die optionale G/Z-Schreibung entsprechend §36(2.2) entschieden. Hier ist eine Graduierung des Adjektivs wohl (besser, am besten) möglich, allerdings ist im Fall der Zusammenschreibung auch eine intensivierende Lesart (Bedeutungsverstärkung) auszumachen. Beispiel wohlbewandert:

  • Diem war in der griechischen Geschichte wohlbewandert. (Süddt. Zeitung, Jahresausgabe 1996) – Bedeutungsverstärkung
  • Darin ist er sicherlich besser bewandert als ich. (Neue Zürcher Zeitung Gesamtausgabe 1999) – Graduierung

*Einzelfall Alternative Schreibung folgt etymologischen Prinzipien

Wenn formgeschichtlich eine andere Schreibung als die nach der bisherigen Rechtschreibung übliche möglich ist, werden nun beide Schreibungen zugelassen. Beispiele:
  • Alpdruck, Albdruck; Alpdrücken, Albdrücken; Alptraum, Albtraum
  • (Rote) Beete,Bete
  • Dioxid, Dioxyd