THDE liest (9): Alles außer irdisch - Absurd (und) komisch

Science-Fiction muss bierernst sein und von Weltraumschlachten und Robotern handeln? "Alles außer irdisch" räumt mit diesem Vorurteil auf und tritt so in die Fußstapfen von "Per Anhalter durch die Galaxis".

Um was es so geht ...

Der deutsche Kabarettist Horst Evers legt mit seinem Roman über Raumschiffe, Zeitreisen und ähnlichen "Unsinn" eigentlich einen klassischen SF-Roman hin - wenn dieser nicht so sehr die Lachmuskeln strapazieren würde.

Die Geschichte führt den Leser von einer Absurdität in die nächste. Das absurdeste Highlight ist (wie unwahrscheinlich das auch immer klingen mag), die dann doch irgendwann vollzogene Eröffnung des Berliner Flughafens.

Protagonist Goiko, ein wahrlich grenzdebiler Erdling, erlebt die Eröffnung von BER aus der ersten Reihe. Er sitzt nämlich in genau dem Flugzeug, das den ersten Start dieses sagenumwobenen Flughafens zelebrieren soll.

Dummerweise stürzt schon 7,34 Sekunden nach Eröffnung des Flughafens ein Raumschiff auf die Landebahn. Und immer wenn man denkt, es könne nicht absurder werden ...

Nicht ganz zufällig ähnelt der Roman Douglas Adams' Klassiker Per Anhalter durch die Galaxis. Das beginnt mit vom Himmel fallenden Walen und endet in der Erwähnung desselben Romans.

Die Erde soll zwar nicht für eine außerirdische Umgehungsstraße zerstört werden, doch stattdessen lautet der Plan, sie in einen Truppenübungsplatz der außerirdischen Schorfen zu verwandeln - was ungefähr auf das Gleiche hinausläuft.

Also im Prinzip würden sie aus der Erde so etwas wie einen Truppenübungsplatz machen. Der wäre rund um die Uhr in Betrieb. Wobei die Cyanen argumentieren, dass die Menschheit den Unterschied kaum bemerken würde. Also gemessen an den aktuellen Zuständen auf der Erde.

Aus genau diesem Grund soll Goiko gemeinsam mit ein paar außerirdischen Artenschützern zum intergalaktischen Gerichtshof fliegen. Dass auf dieser Reise nicht alles ganz rund läuft, dürfte auf der Hand liegen.

Um was es eigentlich nicht geht ...

In "Alles außer irdisch" nimmt Evers so ziemlich alles aufs Korn und ist dabei ebenso lustig wie nachdenklich. So lernen wir viel über Religionen und dass eine außerirdische Rasse namens Frissdrecken keine andere Religion als die Zinsakkumulation akzeptiert.

Auch das Rätsel, warum Schalke 04 seit den 50er Jahren nicht mehr Meister werden konnte wird ganz nebenbei gelüftet:

>> In dem Moment, in dem Schalke Meister wird, öffnet sich die Pforte und …<<
>>… Du willst sicher lieber nicht wissen, was dann geschieht.<<
>>Seit Jahren schon versuchen übersinnliche, wohlmeinende Kräfte daher, eine Meisterschaft der Schalker um jeden Preis zu verhindern.<<
>>Auch wenn es ihnen für die Fans manchmal ein bisschen leidtut."<<

Goiko muss lernen, dass man Allgemeine Geschäftsbedingungen wirklich gründlich lesen sollte, damit keine wirklich schlimmen Dinge passieren. Wir müssen lernen, was es mit Friedrich Nietsches geistigem Verfall auf sich hatte und was die eigentlich Ursachen dafür waren.

Auch der Zusammenhang zwischen dem "vom Maya-Kalender prophezeiten" Weltuntergang und der geplanten Neueröffnung des Flughafens BER im gleichen Jahr dürfte ohne dieses Buch kaum jemandem klar gewesen sein.

Und inmitten all dieser Absurditäten und Einsichten hat Goiko dann doch plötzlich eine tiefgreifende Erkenntnis über sich selbst und wächst quasi über sich hinaus.

Unüberlegte, idiotische, schwachsinnige Pläne zu entwickeln. Das kann ich richtig gut. Es ist, als hätte ich endlich meine Superhelden-Spezialfähigkeit entdeckt.

Fazit

Der Leser kann nur staunen und schmunzeln. All die Absurditäten verleiten zum Lachen, auch wenn manche nach längerem Nachdenken ebensosehr zum Weinen anregen könnte.

Aber für lange Denkpausen lässt der Roman keine Zeit, weil die Protagonisten von einem Chaos ins nächste taumeln - und schließlich gilt es ja, die Erde zu retten. Und die hätte selbst ohne die außerirdische Bedrohung eigentlich schon genug mit ihrem Problem namens Menschheit zu tun.

Wer kurzweilig unterhalten und zum Lachen gebracht werden möchte, ist bei Alles außer irdisch genau richtig und sollte entweder einen Blick in das Buch werfen oder alterntiav in das vom Autor selbst vorzüglich vorgelesene Hörbuch reinhören.

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