THDE liest (10): Isaac Asimovs Meisterwerk - Der Foundation-Zyklus

Isaac Asimov gilt nicht umsonst als der größte SF-Autor aller Zeiten - und welches Buch könnte besser als seine Foundation-Trilogie dazu geeignet sein, um das "Mini-Jubiläum" von 'THDE liest' zu begehen?

20.000 Jahre und kein bisschen weise

Als 1966 das erste (und einzige) Mal der Hugo Award für die beste SF/Fantasy-Serie aller Zeiten gewählt wurde, fiel die Wahl auf den Foundation-Zyklus von Isaac Asimov. Weiterhin nominiert wurde der Herr der Ringe. Auch wenn beide Romane/Serien kaum zueinander passen, zeigt dies doch, welche Bedeutung Asimovs Epos zugeschrieben wird.

Ein Teil der ursprünglichen Foundation-Trilogie wurden in den 50er Jahren noch in Heftausgaben als Fragmente veröffentlicht und erst später zu den drei finalen Romanen zusammengesetzt. Mit rund 30 Jahren Verzögerung setzte der (inzwischen gereifte) Asimov aufgrund massiven Drängens der Fans die Reihe schließlich fort und fügte noch zwei Bücher hinzu.

Wenn man alle Geschichten mit einrechnet, umfasst die Geschichte 20.000 Jahre. Die eigentliche Trilogie hingegen beginnt mit dem Untergang des Galaktischen Imperiums.

Psychohistorik oder Psychohysterie?

Im Mittelpunkt des Zyklus steht der Mathematiker Hari Seldon. Er hat die mathematische Wissenschaft der Psychohistorik erfunden und mit ihrer Hilfe berechnen können, dass das vorherrschende Galaktische Imperium dem Untergang geweiht ist.

An seiner Stelle soll eine Phase der 30.000-jährigen Barbarei folgen. Seldon hat es sich zum Ziel gesetzt, diese barbarische Ära auf nur 600 Jahre zu verkürzen.

Zu diesem Zweck überzeugt er die dekadente Regierung, eine Enzyklopädie mit dem kompletten Wissen der Menschheit zu verfassen. Eigentlich ist diese Einrichtung aber nur ein Deckmantel für die Stiftung/Foundation, die die Geschicke der Menschheit während dieser dunklen Phase lenken soll.

Gewalt ist die letzte Zuflucht des Unfähigen. - Tausendjahresplan

Die Trilogie selbst springt von Epoche zu Epoche und in jeder Epoche wird in Seldons Gruft eine Aufzeichnung Seldons abgespielt, die das Zutreffen seiner Vorhersagen bestätigt.

Das Besondere an der ursprünglichen Trilogie ist die zwiebelartige Struktur der Geschichte. Immer wenn der Leser denkt, dass er alles verstanden hat, taucht eine weitere Ebene auf und man muss sich von seinen vorherigen Erkenntnissen verabschieden.

'Auf der Suche nach der Erde' und 'Die Rückkehr zur Erde'

Nachdem die Fans der Reihe Asimov 30 Jahre lang gedrängt hatten, die Geschichte fortzuführen, gab dieser endlich nach und hängte an die bestehende Trilogie noch zwei weitere Bücher an.

Diesen merkt man deutlich an, dass Asimov sich weiterentwickelt hat. Sie muten schon beinahe philosophisch an. Obwohl die Protagonisten eigentlich "nur" auf der Suche nach der mehr oder weniger in Vergessenheit geratenen Erde sind, finden sie während ihrer Reise Planeten mit unterschiedlichsten gesellschaftlichen Formen.

Fast wie in einem Sandkasten tobt sich Asimov aus und spielt verschiedenste Gesellschaftsformen durch. Als Beispiele seien hier zwei Formen genannt. Bei der einen agiert ein ganzer Planet (Gaia) als eine einzige Lebensform, bei einer anderen existieren nur extreme wenige isolierte Menschen beinahe ohne Interaktion zueinander.

Und noch mehr

Schließlich schuf Isaac Asimov auch noch den Lückenschluss zwischen den ersten Robotergeschichten und seiner Foundation-Trilogie. Dadurch wurde der Zyklus deutlich abgerundet.

Nach Asimovs Tod haben mit Erlaubnis des Nachlassverwalters einige Autoren weitere Romane geschrieben, die weiteres Licht ins Dunkel der Geschichte bringen. Besonders hervorzuheben ist hier eine zweite Trilogie der Autoren Gregory Benford, Greg Bear und David Brin, die die Geschichte spürbar ergänzt.

Wer also den vollständigen Zyklus lesen möchte, der ist eine Weile beschäftigt - denn er hat elf Bücher von Asimov selbst und sechs offizielle Bücher von Fremdautoren vor der Brust.

Fazit

Trotz des Alters der frühen Bücher liest sich der Foundation-Zyklus einfach toll. Das von Asimov geschaffene Universum ist stimmig und in seiner Vollständigkeit wegweisend.

Viele andere Autoren sind zwischenzeitlich seinem Beispiel gefolgt und haben ähnliche Universen geschaffen. Aber neben dem gewaltigen zeitlichen Umfang glänzt der Zyklus durch seine Vielschichtigkeit und die überraschenden Wendungen.

Ohne Asimovs Robotergeschichten und seine Foundation-Trilogie wäre die Science-Fiction und eventuell auch die Roboter-Ethik nicht auf dem Stand, den sie jetzt hat. Insbesondere die Robotergeschichten werden mit jedem Jahr deutlich aktueller und wir nähern uns rasant Asimovs Vorhersagen an.

Deshalb hier zum Abschluss seine inzwischen häufig rezitierten Robotergesetze:

1. Ein Roboter darf einem menschlichen Wesen keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

2. Ein Roboter muss den Befehlen gehorchen, die ihm von Menschen erteilt werden, es sei denn, dies würde gegen das erste Gebot verstoßen.

3. Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange solch ein Schutz nicht gegen das erste oder zweite Gebot verstößt.

Später fügte Asimov noch das sogenannte "Nullte Gesetz" hinzu, das rangmäßig über allen anderen steht:

0. Ein Roboter darf der Menschheit keinen Schaden zufügen oder durch Untätigkeit zulassen, dass der Menschheit Schaden zugefügt wird.

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1 Kommentar
    Dein Kommentar
  • capparezza
    Aaaaaah! Lese gerade Caliban und Inferno. Aasimov ist für mich immer noch einer der besten Sci-Fi-Autoren. Schöne Grüße von einem No-Law-Robot :)
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