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12.05.2016 ­- 19:54

Franziskus lässt Diakonenamt für Frauen prüfen

Stellungnahme von Wir sind Kirche jetzt auch auf Englisch und Italienisch sowie weitere Informationen

Wir sind Kirche-Stellungnahme: Zur Diskussion um den Diakonat der Frau: Nur eine repräsentative und glaubwürdig arbeitende Kommission erreicht konstruktive Ergebnisse (26.5.2016)
> deutsch (PDF 4 Seiten) neu: > english > italiano


Die erste Meldung kam am Mittag des 12. Mai 2016 von der Rom-Korrespondentin der amerikanischen KNA: #PopeFrancis tells #UISGPlenary he will set up commission to study who deaconesses were in early church, possibilities for today.
Kurze Zeit später die deutsche Meldung bei Radio Vatikan.
Ausführlicher berichtete später Vatican Radio auf Englisch
Was der Papst genau sagte > Radio Vatikan 13.5.2016

Erste Einschätzungen von Wir sind Kirche Deutschland:
(13.5.2016)

  • Die bisherigen Meldungen sind zwar erfreulich, enthalten aber noch wenig Konkretes. Franziskus hat jetzt eine neue Debatte geöffnet. Deshalb kommt es auf die Theologinnen und Theologen, auf die Bischöfe, auf uns alle an, das weiterzudenken. Wir sind Kirche ist seit 1996 Mitglied im „Netzwerk Diakonat der Frau“.
  • Seit der Würzburger Synode (1972-75) sind gerade in Deutschland viele gute historische, theologisch-dogmatische und pastorale Arbeiten zum Diakonat der Frau erarbeitet worden; diese müssten in die Kommissionsarbeit mit einbezogen werden.
  • Der internationale theologische Fachkongress "Diakonat - ein Amt für Frauen in der Kirche-ein frauengerechtes Amt?" stellte fest: "Die im kirchlichen Amtsverständnis früher gültigen Regeln, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechtes nicht am Altar wirken und Vorsteherdienste in der Gemeinde wahrnehmen dürfen, sind heute als theologisch nicht mehr verantwortbare Leitsätze entlarvt. ... Die Kirche muss heute um der Glaubwürdigkeit ihrer Heilssendung willen den Ausschluss der Frauen vom Diakonat aufheben."
  • Das Thema hat inzwischen das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und beiden großen Frauenverbände kfd und KDFB hinter sich und nunmehr auch die Ordensoberinnen, das ist ein wichtiger Fortschritt.
  • Kardinal Müller bestreitet, dass der Diakonat für Frauen in der frühen Kirche derselbe gewesen sei wie der der Männer. Auch andere Mitglieder der Kurie und des Episkopats werden sich vermutlich heftig dagegen aussprechen. Es wird also sehr wichtig sein, wer in die Kommission berufen wird. Es sollten mindestens genauso viele Frauen dabei sein wie Männer. Die Kommission müsste zu einer klaren Entscheidung kommen, an die sich der Papst halten kann.
  • Das Ständige Diakonat sollte die Gleichberechtigung für Frauen und Männer gewährleisten und könnte der Ausgangspunkt für eine gendergerechte, nicht mehr männerdominierte Ämterstruktur werden.
  • Auf der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im April 2013 in Trier hatte Kardinal Kasper einen Vorstoß für das Amt einer "Gemeindediakonin" gemacht, zu dem sich Wir sind Kirche damals kritisch geäußert hatte. Der Auftrag an die von Papst Franziskus beim Treffen mit der Internationalen Vereinigung der Generaloberinnen auf Anfrage ins Gespräch gebrachte Studienkommission müsste über den damaligen Vorschlag von Kardinal Kasper hinausgehen.
  • Auf der Familiensynode 2015 in Rom hatte der kanadische Erzbischof Paul-André Durocher (Bistum Gatineau) eine Debatte über die Öffnung des Diakonats für Frauen gefordert. Denn die Diskriminierung von Frauen in der Kirche trage dazu bei, die Missachtung und Misshandlung von Frauen in vielerlei Art stützen.
Angelika Fromm (Wir sind Kirche-Deutschland): My vocation to become a woman deacon
> Blog Women’s Ordination Conference (WOC)

> Presse-Echon für Wir sind Kirche (ab 12. Mai 2016)


Artikel, Dokumente, Initiativen

Stefan Reis Schweizer (Kommentar): Spätes Signal für die Frauen
> Neue Züricher Zeitung 31.5.2016

Stefan Reis Schweizer: Eine Frage der Weihe
> Neue Züricher Zeitung 31.5.2016

Interview mit Schwester Katharina Ganz am 13.5.2016
> www.oberzell.de > Radio Vatikan

"Es würde der Kirche guttun"
> Süddeutsche Zeitung 13.5.2016

kfd erfreut über Bewegung in der Frage nach Diakonat für Frauen
> Pressemitteilung 13.5.2016

Netzwerk Diakonat der Frau zur Papst-Ankündigung zum Frauen-Diakonat
> Pressemitteilung 13.5.2016

KDFB: Die Zeit ist reif, Frauen zu Diakoninnen zu weihen
> Pressemitteilung 13.5.2016

BDKJ: Bewegung in Sicht
> Pressemitteilung 13.5.2016

Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK): Dr. Claudia Lücking-Michel im ZDF-Morgenmagazin
> ZDF-Morgenmagazin 13.5.2016

Papst Franziskus lässt Diakonenamt für Frauen prüfen (mit Wir sind Kirche)
> DPA-Meldung vom 12.5.2016

Womens Ordination Converence: Pope Francis Agrees to Open Commission to Study Diaconate for Women
> Pressemitteilung 12.5.2016

FutureChurch Commends Pope Francis Commission on Women Deacons: Urges inclusion of women with diaconal calls alongside recognized experts
> Pressemitteilung 12.5.2016

„Netzwerk Diakonat der Frau“
Das Netzwerk Diakonat der Frau wurde im Anschluss an den internationalen Fachkongress zum Thema „Diakonat. Ein Amt für Frauen in der Kirche – Ein frauengerechtes Amt?“ in Stuttgart (1997) gegründet. Wir sind Kirche ist seit 1996 Mitglied.
> www.diakonat.de
umfangreiche Informationen auf deren "Pinwand"

Appell an Papst Franziskus, die Diakonatsweihe für Frauen wieder einzuführen (3. September 2015)
mit ausführlicher Dokumentation
> Wijngaards Institute for Catholic Research

Sabine Demel: Was Ihr den Geringsten tut: Diakonisch Kirche sein – Frauen und Männer zwischen Sendung, Dienst und Amt
Vortrag am Tag der Diakonin, 29.4.2013

„Geschichtliche Gestalten des Diakonats der Frau in der Kirche“
Theologische Quartalschrift Heft 4 2012
> mehr
> Inhalt > Leseprobe

Georg Kraus: Frauenordination. Ein drängendes Desiderat in der katholischen Kirche
> Stimmen der Zeit Heft 12, Dezember 2011

Concilium. Internationale Zeitschrift für Theologie: Die Weigerung, Frauen zu ordinieren
Redaktion: Hermann Häring, Nijmegen, Elisabeth Schüssler Fiorenza, Cambridge
> Concilium Juni 1999

Dorothea Reininger, Diakonat der Frau in der Einen Kirche
Ostfildern 1999 > ISBN: 9783796609497

Peter Hünermann, Albert Biesinger, Marianne Heimbach-Steins: „Diakonat. Ein Amt für Frauen in der Kirche – Ein frauengerechtes Amt?“
Ostfildern 1997 > ISBN: 978-3796609046







Hans Küng: Thesen zum Diakonat und Presbyterat der Frau


Vor 40 Jahren veröffentlichte Hans Küng einige Thesen, u.a. zum Diakonat und Presbyterat der Frau. Sie können zeigen, wie sehr die aktuellen Diskussionen der Zeit hinterherhinken. Die einzige Frage ist, ob Papst Franziskus mit seiner Initiative nicht zu spät kommt. Hier die Thesen 9-16:
Aus: Hans Küng, Thesen zur Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft, in: Theologische Quartalschrift 156 (1976), 129-132; abgedruckt in: Hans Küng, Sämtliche Werke, Band 4 (Freiburg 2015), 387-391.

9. Damit die katholische Kirche, deren Amts- und Machtstrukturen völlig von Männern be-herrscht werden, zu einer Kirche aller Menschen wird, sollen Frauen in allen Entscheidungs-gremien vertreten sein: auf Pfarr-, Diözesan-, National- und Weltebene. Eklatantes Beispiel für die Nichtrepräsentanz der Frau ist die römische Kongregation für die Ordensleute, in der keine einzige Frau Mitglied ist; auch das Ökumenische Konzil kann nach der gegenwärtigen Gesetzgebung nur von Männern beschickt und der Papst nur von Männern gewählt werden, was alles keine Frage göttlichen, sondern rein menschlichen Rechtes ist.

12. Gerade die Frauenorden, die oft am wirksamsten die Prinzipien der Erneuerung des Zweiten Vatikanischen Konzils verwirklicht haben, werden von der männlichen Amtskirche nicht sel-ten mehr gehindert als gefördert. Trotz des Priestermangels bleibt den Ordensfrauen der Weg zu gemeindeleitenden Funktionen versperrt und werden ihnen finanzielle Mittel zu einer aus-reichenden Ausbildung, wie sie aus kirchlichen Geldern Priesteramtskandidaten reichlich zu-gewendet werden, weithin versagt. Hier ist, nicht zuletzt im Blick auf den rapide sinkenden Nachwuchs in den Frauenorden, dringend für Abhilfe zu sorgen.

13. Der Amtszölibat für Presbyter führt in der Praxis oft zu einem unnatürlich gespannten Ver-hältnis zwischen Priester und Frauen; diese werden vielfach nur als Geschlechtswesen und sexuelle Versuchung für den Priester betrachtet. So hängen Heiratsverbot für ordinierte Män-ner und Ordinationsverbot für Frauen zusammen: Ordination der Frau und volle kollegiale Zusammenarbeit in den Entscheidungs- und Leitungsgremien der Kirche werden so lange nicht erfolgen, wie der Zölibat des Klerus nicht durch die frei gewählte Ehelosigkeit der wahrhaft (auch zur Ehelosigkeit selbst) Berufenen abgelöst wird.

14. Die Wiedereinführung des in der frühen Kirche bezeugten Diakonats der Frau, das zunächst in der westlichen Kirche abgeschafft wurde und dann in der östlichen Kirche verschwand, ist zu wünschen. Doch reicht diese Maßnahme nicht aus: Wird nicht gleichzeitig mit der Zulas-sung der Frau zum Diakonat auch ihre Zulassung zum Presbyterat ermöglicht, würde dies nicht zur Gleichberechtigung, sondern eher zu einem Hinauszögern der Ordination der Frau führen. Auch die in vielen katholischen Gemeinden schon bestehende und uneingeschränkt zu befürwortende Praxis, Frauen zu liturgischen Funktionen zuzulassen (Messdienerin, Lek-torin, Kommunionausteilerin, Predigerin), kann ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur vollen Integration der Frau in den kirchlichen Leitungsdienst sein. Aber auch sie macht die Forde-rung nach der vollen Ordination der Frau nicht überflüssig.

15. Gegen einen Presbyterat der Frau gibt es keine ernsthaften theologischen Gründe. Die ex-klusiv männliche Konstitution des Zwölferkollegiums muss aus der damaligen sozio-kulturellen Situation heraus verstanden werden. Die in der Tradition vorfindbaren Gründe für den Ausschluss der Frau (durch das Weib kam die Sünde in die Welt; die Frau wurde als zweite erschaffen; die Frau ist nicht nach dem Bilde Gottes erschaffen; die Frau ist kein vol-les Mitglied der Kirche; Menstruationstabu) können sich nicht auf Jesus berufen und zeugen von einer grundsätzlichen theologischen Diffamierung der Frau. Angesichts leitender Funkti-onen von Frauen in der Urkirche (Phöbe, Priska) und angesichts der heute völlig veränderten Stellung der Frau in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Staat und Gesellschaft sollte die Zulas-sung der Frau zum Presbyterat nicht länger hinausgezögert werden. Jesus und die frühe Kir-che waren in der Wertung der Frau ihrer Zeit voraus, die heutige katholische Kirche hinkt weit hinter ihrer Zeit und auch anderen christlichen Kirchen drein.

16. Es wäre ein falsch verstandener Ökumenismus, wenn man in der katholischen Kirche die schon längst fälligen Reformen wie etwa die Ordination der Frau hinauszögerte mit der Beru-fung auf die größere Zurückhaltung konservativerer „Schwesterkirchen“; statt solche Kirchen als Alibi zu benützen, sollten sie vielmehr ihrerseits zu einer Reform aufgefordert werden; hierin können der katholischen Kirche manche protestantische Kirchen als Vorbild dienen.

Zuletzt geändert am 06.10.2016 ­- 08:17