Abbildung: Colourbox

Wochenbett

Das Wochenbett ist der Zeitraum ab der Geburt bis üblicherweise 6–8 Wochen danach — bzw. der Zeitraum den der Körper braucht, um sich an den Zustand nach der Schwangerschaft anzupassen.

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In den neun Monaten vor der Geburt hat der Körper enorme Veränderungen durchlebt. Nach der Geburt bildet sich der Körper annähernd in den Zustand zurück, den er vor der Schwangerschaft hatte. Vieles davon geschieht während der Zeit des Wochenbetts.

Das Wochenbett ist die Zeit, die der Körper benötigt, um sich physisch und psychisch darauf einzustellen, dass die Schwangerschaft vorbei ist, und dass die Zeit als Mutter eines Säuglings begonnen hat.

Die ersten Tage nach der Geburt verbringen Sie in der Regel auf der Geburts- und Entbindungsstation des Krankenhauses. Das Personal der Entbindungsstation kann Ihnen dabei helfen, mit dem Stillen zu beginnen und kann Ihnen zeigen, wie das Neugeborene zu versorgen ist. Die übliche Verweildauer auf der Entbindungsstation nach der Geburt ist in den meisten Fällen 60 Stunden für Mütter, die zum ersten Mal entbinden und 48 Stunden für Mütter, die zum wiederholten Mal entbunden haben.

Wochenfluss und Nachwehen

In den ersten Tagen nach der Geburt ist es üblich, dass Sie Blutungen haben, wie bei einer starken Menstruation, und es ist normal, dass dabei auch einige Blutklumpen ausgeschwemmt werden. Dies wird als Wochenfluss bezeichnet und kann bis zu sechs Wochen nach der Geburt anhalten. Schließlich lassen die Blutungen nach und der Wochenfluss besteht dann hauptsächlich aus Schleim und Ausfluss. Nach jedem Toilettengang sollten Sie gut abspülen und sich waschen; wechseln Sie zudem regelmäßig die Binde. Um das Risiko von Infektionen in dieser Zeit zu reduzieren, sollten Sie keine Tampons verwenden. Wenn der Geruch sehr unangenehm wird, kann dies ein Anzeichen für eine Entzündung sein. Kontaktieren Sie in diesem Fall die Entbindungsstation. Der Wochenfluss riecht normalerweise wie eine gewöhnliche Menstruation.

Nachwehen sind in den ersten Tagen nach der Geburt üblich, sie sind ein Zeichen dafür, dass sich der Gebärmuttermuskel zusammenzieht. Die Gebärmutter bildet sich auf die Größe zurück, die sie vor der Schwangerschaft hatte. Nachwehen treten häufig beim Stillen auf, und sie werden nach der zweiten oder dritten Geburt oft als stärker empfunden. Wenn es nötig ist, nehmen Sie schmerzstillende Medikamente ein. Fragen Sie das Personal auf der Entbindungsstation, welche Schmerzmittel Sie bedenkenlos verwenden können, während Sie stillen.

Risse und Wundversorgung

Wenn bei Ihnen ein Scheiden-Damm-Schnitt durchgeführt wurde (Episiotomie), oder es bei der Geburt zu einem Dammriss kam, kann die Wunde für einige Wochen stark schmerzen – vor allem beim Gehen oder Sitzen. Bei größeren Rissen kann es längere Zeit dauern, bis sie verheilen. Es ist wichtig, die Wunde sauber zu halten. Krankenhäuser haben häufig eine Handdusche, mit der Sie sich nach dem Toilettengang gut abspülen können. Wenn Sie wieder zuhause sind, können Sie eine saubere, leere Flasche mit lauwarmem Wasser füllen und sich damit abspülen. Die Fäden, mit denen der Riss genäht wurde, lösen sich von selbst auf. Wird die Wunde heiß, geschwollen und eitrig, kann es sein, dass sie sich infiziert hat. Nehmen sie dann Kontakt zu Ihrem Arzt oder zur Entbindungsstation auf.

Wunden und Schwellungen im Bereich der Blase und der Harnröhre können das Urinieren erschweren. Auch die Sorge, dass das Urinieren schmerzt, kann es behindern. Gießen Sie lauwarmes Wasser über die Scheidenöffnung während Sie urinieren, das kann helfen.

Einige Patientinnen stellen fest, dass sie in den ersten Monaten nach der Geburt Urin verlieren, wenn sie lachen, husten oder sich anstrengen. Dies lässt meistens nach einigen Monaten nach. In der Zwischenzeit sollten Sie Beckenbodenübungen machen und eine Binde verwenden. Falls Sie beim Urinieren Schmerzen empfinden, das Gefühl haben, die Blase nie richtig leeren zu können, oder andere Probleme mit der Blase bekommen, kontaktieren Sie Ihren Arzt – Sie könnten eine Harnwegsinfektion haben.

Geschwollene Brüste und Milchstau

Wenn der Stuhl sehr hart wird und Sie in den ersten Tagen nach der Geburt den Toilettengang scheuen, können Sie in der Entbindungsstation um ein weichmachendes Abführmittel bitten. Die besten Mittel gegen Verstopfung/Darmträgheit sind, viel Wasser zu trinken, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse, und zu versuchen, so viel wie möglich körperlich aktiv zu sein.

Ein paar Tage nach der Geburt werden Sie feststellen, dass Ihre Brüste ungewöhnlich groß werden, anschwellen und schmerzen. Das liegt daran, dass die Milchproduktion nun voll in Gang gekommen ist. Eine warme Dusche oder warme Tücher auf der Brust können dies etwas lindern. Die Schwellung wird innerhalb einiger Tage zurück gehen. Verwenden Sie Stilleinlagen, um nasse Flecken auf Ihrem Oberteil zu vermeiden und wechseln Sie diese nach jedem Stillen. Sollten bei Ihnen ein Milchstau, das Zurückhalten der Milch, und Schmerzen in der Brust auftreten und sollte die Haut der Brust hart, gerötet und geschwollen sein und Sie gleichzeitig Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit während des Stillens haben, so sind dies Anzeichen für eine Brustdrüsenentzündung. Weitere Informationen zu Brustdrüsenentzündung finden Sie hier.

Achten Sie auf sich selbst – und bitten Sie um Hilfe

Die Geburt, das Stillen und ein neugeborenes Kind stellen hohe Anforderungen an Sie, und das Beste, was Sie für Ihre Familie nun tun können, ist, auf sich selbst zu achten, sodass Sie sich schneller wieder erholen. Scheuen Sie nicht, Freunde und Familie um Hilfe zu bitten. Oft möchten diese helfen, wissen aber nicht, wie.

Es wird empfohlen, nach der Geburt 4–6 Wochen zu warten, bis Sie wieder Geschlechtsverkehr haben. Dies reduziert das Risiko einer Infektion und der Zunahme von Blutungen. Laut KidsHealth haben einen Monat nach der Geburt weniger als 20 % ihr Sexualleben wieder aufgenommen, nach vier Monaten sind es jedoch bereits 90 %. Die meisten Frauen erleben aufgrund der hormonellen Veränderungen eine vorübergehende Trockenheit in der Scheide. Verwenden Sie dann Gleitcreme.

Es ist üblich, sechs Wochen nach der Geburt beim Arzt oder bei der Hebamme eine Nachuntersuchung durchführen zu lassen. Der Arzt oder die Hebamme untersucht dann, ob sich die Scheide, der Gebärmutterhals und die Gebärmutter normalisiert haben, und ob alles in Ordnung ist. Sie können dann auch Gedanken und Gefühle besprechen, die Sie als neue Mutter erleben, genauso wie Probleme, auf die Sie in dieser neuen Situation gestoßen sind. Dies ist auch der geeignete Zeitpunkt, um zu besprechen und herauszufinden, welche Art der Empfängnisverhütung Sie eventuell anwenden sollten.

Stimmungsschwankungen, Traurigkeit, Reizbarkeit und Angst

Emotionale Schwankungen sind kurz nach der Geburt ganz normal. Dies liegt sowohl an den hormonellen Veränderungen, als auch an der neuen Lebenssituation. Viele Frauen erleben leichte Depressionen sowie Traurigkeit, Reizbarkeit oder Angst. Vier Tage nach der Geburt erreicht dies seinen Höhepunkt und ist nach zehn Tagen vorbei.

Bei einigen geht dies in einen ernsteren Zustand über – es entwickelt sich eine Wochenbettdepression. Bei einer schweren Wochenbettdepression mit Gedanken, sich selbst und/oder dem Kind zu schaden, ist sofortige psychiatrische Hilfe notwendig (Wochenbettpsychose).

In der Schwangerschaft sind Veränderungen des Haarwuchses und der Nägel normal. Hormone bewirken unter anderem, dass Sie etwas mehr Haarwuchs bekommen, und dass Sie nicht so viele Haare verlieren, wie sonst üblich. Nach der Geburt entledigt sich der Körper der überschüssigen Haare und Sie können feststellen, dass plötzlich größere Haarbüschel ausfallen, z.B. beim Waschen der Haare. Dies ist ganz normal, und nach einem halben Jahr sind die Haare bei den meisten wieder in ihrem gewohnten Zustand.

Dehnungsstreifen verschwinden dagegen nicht. Sie verblassen allerdings und werden weniger sichtbar.

Weiterführende Informationen

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln