THDE liest: 'Ready Player One' von Ernest Cline

Ein geekiger Science-Fiction-Roman mit starkem Fokus auf die Popkultur der 80er-Jahre und einer Verfilmung von Steven Spielberg, die Anfang 2018 erscheinenden soll - das ist wohl einen Blick wert (und eventuell mehr).

Die Handlung

Ready Player One spielt gleichermaßen in der Zukunft wie in der Vergangenheit.

Die eigentlich Handlung beginnt im Jahr 2044: Klimawandel und soziales Ungleichgewicht (ein Trend in der Literatur?) haben die Welt im Allgemeinen und die USA im Speziellen fest im Griff.

Der 18-jährige Protagonist Wade Owen Watts aka Wade3 aka Parzival lebt in einer zukünftigen Form des Slums.

James Halliday aka Anorak hingegen hatte zwar eine ähnlich trübe Kindheit wie Wade, hat aber durch die Schaffung des MMORPG "OASIS" ein Milliardenvermögen verdient.

Aus diesem Spiel entwickelte sich eine Parallelwelt, in die die Menschen vor der tristen Realität flüchten, die aber gleichzeitig auch die Bildung der Menschen übernimmt. Damit ist OASIS ebenso eine verspielte Version des Internets wie ein fast vollständiges, bis ins Extrem weiterentwickeltes Abbild der Realität.

Der Roman beginnt mit der Todesnachricht Hallidays. Da dieser keine Erben hat, soll das Milliardenerbe des Verstorbenen an denjenigen gehen, der in dessen Online-Welt ein Easter Egg findet. Eine Wilde (Schnitzel-)Jagd beginnt, in der einzelne Nerds aber auch große Unternehmen um die Lösung der gestellten Rätsel ringen.

Wade ist ein Fan Hallidays und verbringt enorm viel Zeit in OASIS. Die Kombination aus Beidem hilft ihm dabei, das erste Rätsel der Jagd nach Halldydays Erbe zu knacken und so gewinnen Jagd und Wades Leben deutlich an Fahrt.

Drei Schlüssel öffnen der Tore drei,
Und wer sich als würdig erweist dabei,
Muss alsbald auf sein Geschick sich besinnen,
Will er das »Ende« erreichen und den Preis gewinnen.

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Ein Hoch auf die 80er-Jahre

Die zweite Zeitebene spielt in den 80er-Jahren. Der verstorbene Halliday vergöttert die Popkultur der 80er und seine Schnitzeljagd strotzt nur so von Bezügen auf Videospiele und andere Popukulturikonen dieser Ära - und so ist auch der Roman eine Reise in die (Videospiel-)Welt dieser Ära.

Autor Ernest Cline baut hierbei geschickt unglaublich viele Bezüge auf Spiele bzw. Kulturgüter aus dieser Zeit in die Handlung ein. Da dies aber integraler Bestandteil der Geschichte ist, wirkt dies nie gekünstelt oder erzwungen.

Den Anfang macht er mit dem Spiel Adventure, das als das erste Computerspiel mit Easter Egg gilt und sich immerhin eine Million Mal verkaufte. Anschließend folgen noch viele andere Spiele (z.B. Black Tiger), aber auch TV-Serien, Filme, Musik und was sonst noch alles nicht schnell genug auf die digitalen Bäume kommt.

Während seiner Jagd konsumiert Wade ebenso wie seine Konkurrenten so ziemlich alles, was in den 80ern an Kulturgut produziert wurde - immerhin ist es für die Jäger ein Job, das Rätsel zu lösen. Und natürlich wird dem Leser nicht vorenthalten, was Wade, Halliday und natürlich vor allem der Autor an den 80ern toll fanden und für konsumierenswert erachteten.

Ich schaute sämtliche Folgen von The Greatest American Hero, Airwolf, A-Team, Knight Rider, Die Spezialisten unterwegs und der Muppet Show. Und was ist mit den Simpsons?, werden Sie sich fragen. Über Springfield wusste ich mehr als über die Stadt, in der ich wohnte. Star Trek? Oh, da hatte ich meine Hausaufgaben gemacht. TOS, TNG, DS9. Sogar Voyager und Enterprise. Ich habe mir sämtliche Folgen in chronologischer Reihenfolge angeschaut. Und die Filme auch. Phaserkanonen auf Ziel fixiert.

Virtual Reality at its best

Wades Gegenwart hingegen findet größtenteils in der virtuellen Realität von OASIS statt. Und hier liegen - abseits der ganzen Vergötterung der 80er-Jahre - auch die Stärken des Romans. Das Setting und die daraus resultierende Migration der Massen in die VR klingt vestörend plausibel.

Wades Abtauchen in OASIS und die Tatsache, dass letztlich sein gesamtes Leben dort stattfindet, weicht nicht allzusehr vom Leben eines heutigen Nerds ab. Zwar hat die VR nocht nicht den prognostizierten Siegeszug vollzogen und es gibt auch keine vollständige virtuelle Welt wie OASIS, aber dennoch verbringen schon heute viele Jugendliche quasi jede freie Minute mit virtuellen Freunden in virtuellen Welten und Communities.

Wades einzigen und damit gleichzeitig besten Freund namens Aech hat er wenig überraschend noch nie im wahren Leben getroffen.

Ich hatte keine Ahnung, wer Aech in Wirklichkeit war, aber ich vermutete, dass es ihm zu Hause nicht allzu gut ging. Wie ich verbrachte er offenbar jede wache Minute in der OASIS. Und obwohl wir uns noch nie persönlich begegnet waren, hatte er mir mehr als einmal gesagt, ich sei sein bester Freund, also nahm ich an, dass er genauso einsam war wie ich.

Die virtuelle Welt definiert Freundschaften neu und die Jagd stellt diese Art der Freundschaft auf eine harte Probe.

Während der Jagd nach dem großen Erbe begegnen Wade weitere Personen bzw. Avatare, wie etwa die Bloggerin und Jägerin Art3mis oder das japanische Jäger-Team Daito und Shoto. Trotz der Konkurrenz entstehen Freundschaften und Zweckbündnisse, da auch das finstere Medienunternehmen IOI auf der Jagd nach dem Erbe ist und einen gemeinsamen Feind darstellt.

Doch so sehr die Jagd eigentlich rein virtuell ist und die Gefährten auf der ganzen Welt verstreut sind, erstreckt sich der Kampf schließlich auch noch in die reale Welt, in der auf den Leser durchaus Überraschungen warten.

Fazit

Ready Player One ist ein von einem Nerd geschriebener Roman über Nerds für Nerds. Gleichzeitig ist er auch ein von einem 80er-Jahre-Fan geschriebener Roman für andere 80er-Jahre-Fans.

Zweiteres lässt die Zielgruppe schon deutlich schrumpfen, auch wenn man natürlich beim Lesen zu einem solchen werden kann oder diese Inhalte schlicht als Gegeben akzeptiert. Zu guter letzt wirkt die Geschichte gerade wegen der Thematik und jugendlichen Protagonisten oft wie ein Jugendroman oder zumindest Roman für junge Erwachsene.

Man muss allerdings weder jugendlich noch Nerd noch 80er-Jahre-Fan sein, um Ready Player One zu lesen - aber es hilft ungemein. Die leichte Kritik an den aktuellen umweltpolitischen Weichenstellungen und der wachsenden Virtualisierung des Lebens wird von Clines Enthusiasmus für die 80er-Jahre und die virtuelle Welt recht effektiv erstickt.

Dass Cline eigentlich Drehbuchautor ist, merkt man dem Roman auch an - viel wird Steven Spielberg für seine Verfilmung nicht geändert haben müssen. Denn schließlich sind die Hollywood-Film-typischen Zutaten schon im Buch enthalten - nicht zuletzt Wades jugendliche Verliebtheit in die amazonenhafte Art3mis.

Wer sich auf den Lobgesang auf die 80er-Jahre und die Videospielkultur einlassen mag, wird mit Ready Player One viel Spaß haben. Und egal wie hoch der eigene Nerd-Level sein mag: Alle Bezüge kann man nicht kennen und beim ein oder anderen wird da sicherlich der Google-Finger zucken, um nachzusehen, was man damals verpasst hat.

Das Buch liest sich spannend und macht mit Sicherheit auch Hunger auf den 2018 erscheinenden Film. Im April erscheint übrigens auch eine Neuauflage des Buchs.

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