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Antwort auf kleine Anfrage der AfD 187 minderjährige Verheiratete in BW

Mit dem verstärkten Zuzug von Flüchtlingen ist das Problem von Kinderehen auch hierzulande ein Thema. In Baden-Württemberg haben Ende vergangenen Jahres 187 minderjährige Verheiratete gelebt.

In einem Zelt sitzt ein Mann und ein Mädchen nach deren Hochzeit.

Kinderehen - auch in Baden-Württemberg gibt es zahlreiche Fälle (Symbolbild)

Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Antwort des Innenministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor. Die kleine Anfrage stammt vom AfD-Landtagsabgeordneten Lars Patrick Berg. Er kritisierte Kinderehen "aus dem islamischen Kulturkreis" und berief sich dabei auf die feministische Zeitschrift "Emma". Berg warnte davor, in der Bundesrepublik "islamisches Recht und archaische Stammesbräuche" gelten zu lassen.

Unter den minderjährigen Verheirateten im Land waren den Angaben des Innenministeriums zufolge auch fünf Mädchen im Alter von 14 Jahren. Insgesamt waren fast 90 Prozent der Betroffenen Mädchen. 97 Prozent aller minderjährigen Verheirateten hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit. Die Statistik lässt laut Ministerium keine Rückschlüsse darüber zu, ob darunter auch Ehen zwischen zwei Minderjährigen sind. Die Religion wird ebenso wenig erfasst wie die Frage, ob eine Ehe in Deutschland geschlossen oder in der Bundesrepublik lediglich anerkannt wurde.

Innenministerium verweist auf Arbeitsgruppe der Länder

Mit Blick auf Möglichkeiten, Kinderehen zu verhindern, verweist das Landesinnenministerium auf eine Arbeitsgruppe der Länder. Deren Ziel sei es, klare gesetzliche Maßstäbe zum Ehemindestalter und zur Anerkennung von Auslandsehen zu formulieren. Ergäben sich Probleme, ständen Betroffenen Beratungs- und Unterstützungsangebote zur Verfügung.

Die Arbeitsgruppe kam am Montag zum ersten Mal zusammen. Vertreter von Bayern, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hessen trafen sich, um sich mit dem Thema zu befassen. Baden-Württemberg gehört der Gruppe nicht an, will sich aber mit Bayern eng abstimmen.

Landesjustizminister Wolf: Kinderehen verhindern

Angesichts des Starts der Arbeitsgruppe sagte Landesjustizminister Guido Wolf (CDU) am Montag in Stuttgart: "Wir tun den Kindern nichts Gutes, wenn wir solche Verbindungen Minderjähriger oder Erwachsener mit einer Minderjährigen anerkennen." Man müsse erst eine gewisse Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein erlangen, ehe man ein solches Bündnis eingehe. Zudem könne er sich bei im Kindesalter geschlossenen Ehen kaum vorstellen, dass die Entscheidung nicht von anderen getroffen worden sei. In Deutschland ist in der Regel die Volljährigkeit beider Partner Voraussetzung für eine Eheschließung.

Wolf ist damit auf einer Linie mit der Unionsfraktion im Bundestag, die Kinderehen in Deutschland verhindern will. Mit der Aufnahme Hunderttausender Flüchtlinge seien deutschlandweit Kinderehen registriert worden, heißt es in einem Papier der Fraktion. Bislang werde im Einzelfall geprüft, ob sie anerkannt werden.

Die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes hat Zahlen zu Kinderehen in Deutschland erhoben. Eine Abfrage habe für Nordrhein-Westfalen 188 Fälle, für Berlin 101, für Bayern 161 Fälle unter 16 und 550 Fälle unter 18 Jahren und für Niedersachsen 120 ergeben. Nach Angaben der Frauenrechtsorganisation kommen Frühehen in sehr vielen Ländern vor, insbesondere in Afrika, Asien und Lateinamerika. Demnach werden jährlich etwa 15 Millionen Mädchen unter 18 Jahren verheiratet. Terre des Femmes fordert ein Mindestheiratsalter von 18 Jahren ohne Ausnahme - in Deutschland und weltweit.

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