Therapie von Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien)

Wurde eine Arrhythmie (Herzrhythmusstörung) diagnostiziert, kann eine Therapie angeraten sein. Herkömmlicherweise ist eine Behandlung dann angezeigt, wenn deutliche Beschwerden vorliegen oder ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer ernstzunehmenden Arrhythmie oder eine Arrhythmiekomplikation besteht.

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Vagusmanöver

Einer supraventrikulären Tachykardie kann durch besondere Maßnahmen Einhalt geboten werden: Atem anhalten, pressen wie beim Toilettenbesuch (Bauchpresse) oder husten. Ein hoher Puls lässt sich auch anderweitig eindämmen. Diese Maßnahmen beeinflussen das Nervensystem und bremsen die Herzfrequenz (Nervus vagus). Häufig lässt sich das Herz dadurch ruhigstellen.

Medikamente

Verschiedene Medikamente stoppen, dämpfen oder verhindern Arrhythmien (Antiarrhythmika). Die Auswahl des Präparats hängt davon ab, ob es sich um eine akute Situation, eine Langzeitbehandlung oder eine Komplikation der Arrhythmie handelt. Die meisten Antiarrhythmika verlangsamen die Herzfrequenz auf eine von zwei verschiedenen Weisen. Zum einen wird die Aktivität/Reizbarkeit der Herzmuskulatur gedämpft, die die zu schnellen Impulse auslöst. Zum anderen wird die Übertragung der schnellen Impulse im Herzen verzögert.

Antiarrhythmika können gelegentlich zu lästigen Nebenwirkungen führen. Hin und wieder können antiarrhytmisch wirksame Präparate selbst Arrhythmien von dem Typ erzeugen, gegen den sie eingesetzt werden. Zudem können sie neue Arrhythmien hervorrufen, die genauso gravierend oder sogar schlimmer als die ursprünglichen Arrhythmien sind. Nebenwirkungen, die nicht mit dem Herzen in Verbindung stehen, sind ebenfalls möglich.

Elektroschock

Bei einer Vorhoftachykardie – hierzu zählt u. a. das Vorhofflimmern – können von ärztlicher Seite Medikamente verschrieben oder eine so genannte Elektrokonversion (elektrische Kardioversion) durchgeführt werden, damit das Herz wieder in seinem natürlichen Rhythmus schlägt. Dauert eine Arrhythmie mehr als 48 Stunden, empfiehlt sich in der Regel drei bis vier Wochen vor der Elektrokonversion (elektrische Kardioversion) die Gabe blutverdünnender Medikamente, damit sich im Herzen keine Blutgerinnsel bilden.

Die Elektrokonversion erfolgt unter leichter Narkose über Elektroden, die vorübergehend auf dem Brustkorb positioniert werden. Mit einem synchronisierten Elektrostoß werden die unnormalen Signale verhindert und wieder ein normaler Rhythmus beim Patienten hergestellt. Nach der Elektrokonversion (elektrische Kardioversion zur Herzrhythmisierung) ist in vielen Fällen für längere Zeit eine Behandlung mit Antiarrhythmika angeraten, um den normalen Rhythmus zu stabilisieren. Auch wenn die meisten Herzen aufgrund der Elektrokonversion wieder im normalen Rhythmus schlagen, kann es schwierig sein, das längere Zeit bestehende Vorhofflimmern im normalen Rhythmus zu halten. Dazu werden verschiedene Antiarrhythmika getestet, um das passende Medikament zu finden. Manchmal gelingt dies nicht. Stattdessen sollte die Herzfrequenz während des Vorhofflimmerns reguliert werden.

Daneben ist es möglich, den gestörten Rhythmus mithilfe von Medikamenten wieder zu normalisieren. Die Behandlung sollte über einige Stunden im Krankenhaus überwacht erfolgen. Schlägt die medikamentöse Therapie an, kann das gleiche oder ein ähnliches Präparat zur erhaltenden Behandlung eingesetzt werden.

Katheterablation

Bei diesem Verfahren werden ein oder mehrere Katheter durch die Blutgefäße in die Hohlräume des Herzens geschoben. An den Kathetern befinden sich Elektroden. Diese erfassen, wo sich im Herzen das Areal befindet, das die Rhythmusstörung auslöst. Die Elektrode an der Katheterspitze wird mithilfe von Hochfrequenzwellen erhitzt. Das Areal, das die Rhythmusstörungen auslöst, wird verödet. In der Regel klingen die Arrhythmien damit ab. Eine Katheterablation kann bei Patienten zum Einsatz kommen, bei denen zusätzliche (akzessorische) oder gestörte Leitungsbahnen vorliegen wie z. B. beim Wolf-Parkinson-White-Syndrom, bei einer AV-Knoten-Reentrytachykardie oder beim Vorhofflattern. Die Katheterablation wird in steigendem Umfang bei Patienten mit anfallsartigem (paroxysmalem) Vorhofflimmern eingesetzt.

Zu Komplikationen kommt es kaum. Bisweilen können sich Herzschädigungen, Infektionen oder Blutgerinnsel herausbilden. Im Normalfall verursacht eine Katheterablation keine oder geringe Beschwerden während des Eingriffs. Sie lässt sich in der Regel unter Zuhilfenahme leichter Beruhigungsmittel sowie Lokalanästhesie durchführen. Hin und wieder sind bei einer Ablation des Vorhofflimmerns schmerzstillende Medikamente nötig. Die Katheterablation findet deshalb als Behandlungsmethode immer häufiger Verwendung.

Herzschrittmacher

Bei einem unangenehm langsamen Puls (Bradykardie) mit Symptomen, der nicht durch eine behandelbare zugrundeliegende Erkrankung oder Nebenwirkungen von Medikamenten verursacht wurde, kann ein Herzschrittmacher nötig sein. Bei einem Herzschrittmacher (Pacemaker) handelt es sich um ein kleines batteriebetriebenes medizinisches Gerät, dass etwas unterhalb des Schlüsselbeins operativ unter die Haut eingebracht wird. Eine oder mehrere Elektroden verlaufen vom Schrittmacher über die Blutgefäße zur rechten Herzinnenseite. Ein verlangsamter Herzrhythmus oder Herzstillstand wird vom Herzschrittmacher registriert. Daraufhin werden elektrische Impulse ausgesendet, die das Herz wieder mit normaler Frequenz schlagen lassen. Ein Herzschrittmacher schreitet also nur im Bedarfsfall ein und befindet sich ansonsten im Ruhemodus. Herzschrittmacher können so programmiert werden, dass sie auf die spezifischen Bedürfnisse des Patienten zugeschnitten sind.

Implantierbarer Defibrillator

Implantierbarer Defibrillator

Dieses Gerät wird dann eingesetzt, wenn eine erhöhte Gefahr für gefährliche Herzrhythmusstörungen in der Herzkammer und/oder für einen Herzstillstand besteht. Der Defibrillator ist batteriebetrieben und wird subkutan (unter die Haut) unterhalb des linken Schlüsselbeins implantiert. Ein oder mehrere Kabel mit einer Elektrode am Ende verlaufen über Blutgefäße zum Herzen. Der Defibrillator überwacht kontinuierlich den Herzrhythmus. Bei einem zu langsamen Rhythmus kann er das Herz genau wie ein Herzschrittmacher stimulieren. Tritt eine gefährlich schnelle Rhythmusstörung am Herzkammerausgang auf, sendet er einen Niedrig- oder Hochenergieschock aus, mit dem der normale Herzrhythmus wiederhergestellt wird. Eine Defibrillatorbehandlung hat sich bei solchen Patienten als effektiver als eine medikamentöse Behandlung herausgestellt, die ein höheres Risiko für gefährliche Arrhythmien der Herzkammer oder einen Herzstillstand aufweisen.

Chirurgischer Eingriff

Maze-Operation (Labyrinth-Operation). Bei diesem chirurgischen Eingriff werden labyrinthartige Schnitte an den Herzvorhöfen von Patienten mit einer ausgeprägten Vorhofflimmer-Symptomatik gesetzt, bei der keine Katheterablation angezeigt ist. Diese Methode wird immer seltener eingesetzt. Die Schnitte verheilen mit Narbenbildung. Die elektrischen Impulse vom Sinusknoten bis zum AV-Knoten müssen demzufolge ein Labyrinth durchlaufen und eine geordnete Weiterleitung wird ermöglicht. Die Erfolgsrate dieses Eingriffs liegt bei 80–95 %. Da am offenen Herzen operiert werden muss, ist sie lediglich einem Personenkreis vorbehalten, bei dem keine Behandlungsalternativen bestehen.

Koronararterien-Bypass. Bei einer ernsthaften Koronarerkrankung in Verbindung mit häufigen Herzkammertachykardien kann ein Koronararterien-Bypass oder eine Ballondilatation (PCI, perkutane koronare Intervention) angeraten sein. Diese Behandlungsverfahren können die Blutversorgung zum Herzen verbessern und damit die Neigung zur Herzkammertachykardie reduzieren.

Weiterführende Informationen

 

Autoren

  • Philipp Ollenschläger, Medizinjournalist, Köln