THDE liest: Chrysaor von James A. Sullivan

Bei Fantasy-Autoren scheint es wohl voll im Trend zu legen, sich auch mal an Science-Fiction zu versuchen. Dieses Mal ist mit 'Chrysaor' von James Sullivan ein innvoatives Setting herausgekommen.

Worum geht es?

Der junge Pilot Chris Mesaidon hatte es nicht leicht im Leben. Doch dann erhält er ein interessantes Angebot. Aber bevor er den Job antreten kann, wird die Raumstation, auf der er lebt und an die sein eigenes Schiff angedockt hat, zerstört - und das ist nur der Anfang seiner Odyssee.

Das Besondere an dem Roman ist aber die Geschichte hinter der Geschichte. Die Menschheit hat künstliche Intelligenzen entwickelt, die einen Großteil der technischen Weiterentwicklung vorangetrieben haben - und dies in einem solchen Maße, dass die moderne Technik für Menschen nicht mehr verständlich war.

Doch plötzlich verschwanden die KIs und die Menschen standen vor einem Wust nicht mehr beherrschbarer Technologien. Die technologische Weiterentwicklung kam dadurch völlig zum Stillstand und selbst Reparaturen gestalteten sich schwierig.

Inmitten dieses rückschrittlichen Klimas existiert der Planet Chrysaor, auf dem Überreste einer uralten außerirdischen Kultur entdeckt werden. Es beginnt ein Rennen um die dort befindliche Technologie und ein erbitterter Kampf zwischen den Uranosiern und einheimischen Rebellen beginnt.

Hier findet ihr weitere Buch-Rezensionen von uns:
>>>   Daniel Suarez: Daemon
>>>   Phillip Peterson: Paradox
>>>   Al Gore: Die Zukunft
>>>   Neil Stephenson: Amalthea
>>>   Michael J. Sullivan: Zeitfuge
>>>   Ramez Naam: Nexus
>>>   Daniel Keyes: Blumen für Algernon
>>>   David Lagercrantz: Verschwörung
>>>   Douglas Preston: Dark Zero
>>>   Horst Evers: Alles außer irdisch
>>>   Isaac Asimov: Foundation-Trilogie
>>>   Jasper Fforde: Der Fall Jane Eyre
>>>   Andreas Eschbach: Herr aller Dinge
>>>   Peter F. Hamilton: Armageddon-Zyklus
>>>   Markus Stromiedel: Zone 5
>>>   David Mitchell: Knochenuhren

Über den Autor und den Hang zur Fantasy

Der in Deutschland lebende Sullivan ist eigentlich Fantasy-Autor und schrieb mit Bernhard Hennen zusammen den erfolgreichen Fantasy-Epos Die Elfen. Damit haben wir nach Michael J. Sullivan und seinem Roman Zeitfuge nun den zweiten Fantasy-Autor in unserer Serie, der sich am Thema Science-Fiction versucht.

Allerdings ist James A. Sullivan bekennender SF-Fan - und Zeitfuge krankte etwas an der moralinsauren Schreibweise: Immer wieder kam das Gefühl auf, dass der Autor den Leser überzeugen oder bekehren will.

Auch James Sullivan hat in Chrysor sein persönliches Steckenpferd implantiert. In diesem Fall ist es die Liebe zur griechischen Mythologie. Gegen Ende des Romans wird diese vollständig mit der Geschichte verwoben und sie ist somit deutlich mehr als ein kleiner Ausflug in dieses Thema.

Leider leidet das Verständnis unter den teils komplexen Zusammenhängen bzw. Parallelen zwischen Mythologie und zukünftiger Handlung. Das Level einer humanistischen Schulbildung übersteigt dieser Teil des Romans locker. Allerdings wird dieses Wissen nicht vorausgesetzt, sondern nonchalant mitgeliefert.

Über die eigentlichen Zusammenhänge dieser beiden Ebenen wollen wir hier nichts schreiben, da dies elementare Teile der Handlung vorwegnehmen würde. Wer dennoch etwas mehr darüber erfahren oder schlicht den Autor im Video erleben will, kann ins folgende Video hereinschauen:

Interview James A. Sullivan

Überhaupt erinnert der Roman etwas an eine Mischung aus Fantasy und SF oder vielleicht sogar an einen in die Zukunft versetzten Fantasy-Roman. Verwaiste Protagonisten mit komplexen Familienstrukturen und absonderlichen Fähigkeiten gibt es regelmäßig in der Fantasy, aber durchaus auch in Star Wars oder anderen Space-Operas.

Fazit

Chrysaor verfügt über ein sehr interessantes und kreatives Setting. Die Handlung und die Charaktere entfalten sich zügig und das Buch liest sich gut. Gegen Ende des Buches wird es allerdings recht verwirrend und stellt somit recht hohe Ansprüche an den Leser.

Sullivan beweist mit seinem mythologischen Background Mut und so hebt sich das Buch von der (leider geringen) Masse der SF-Neuveröffentlichungen ab. Dennoch liefert es auch die "SF-übliche" Menge an Weltraumschlachten und Bodenkämpfen - somit kommen selbst Action-Fans auf ihre Kosten.

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9 Kommentare
    Dein Kommentar
  • Tesetilaro
    reine neugier - die 512 seiten - wieviel davon ist füllmaterial? der Trend geht leider zu immer mehr "nichtinhalt" - leere Kapitelstartseiten, 5-10 Seiten zu beginn ohne Handlung, noch mal 20 für kapitel und am Ende stehen netto 450 Seiten Roman im raum...

    von den 15 € für nen Taschenbuch mal abgesehen -.-
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  • Bodo
    dazu kann ich leider nicht viel sagen, da ich es gehört habe. Es sind allerdings über 17 Stunden. Ist also beileibe kein kurzer Roman.
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  • Tesetilaro
    mein Problem ist immer - ich lese das sowas in ca. 5 h - also wenigstens 100 Seiten pro Stunde - wenn ich nicht total knülle bin - für mich sind also 500 oder 450 seiten netto durchaus ein kriterium ;)

    Und mir ist klar, das 15 € für wenigstens 4,5 h bespaßung durchaus günstiger sind als kino, zumal ich ja zumindest paperback für 3-5 € wieder verkloppen könnte, je nach zustand - trotzdem kotzt mich diese Masche der "contentfreien" Seiten derbe an!
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  • gst
    Guter Punkt, tese. 15 Euronen für ein besseres Taschenbuch sind schon echt finster. :/
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  • MarkusK1
    Du kannst dir 100S/h lesen und dir noch solche Dinge wie Handlung und Namen merken?
    Das schaff ich ja kaum bei 'normalem' Lesetempo.

    Man kann sich Bücher doch auch ausleihen, ist viel billiger.
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  • Tesetilaro
    ich merke mir teilweise sogar komplette sätze - wobei das in dem tempo natürlich die ausnahme ist *g*

    Aber ich habe tatsächlich schon sehr früh angefangen sehr viel zu lesen - vermutlich auch in der Schule aus purer langeweile im unterricht,
    aber ich war halt nicht so blöd zu schrein "fertig" ich hab einfach die nächsten zwei kapitel gelesen bis der rest soweit war.

    Frag mal Gerald, mit welchem Tempo ich Rechtschreibfehler finde ;)

    die 100S/h ist natürlich auch eine Frage des Drucks - ich habe heute in ca. 2 h Zug etwa 150 Seiten geschafft, neben Frühstück - wobei das im Schriftgrad gefühlt mikroskopisch war - deutlich kleiner als heute üblich, der Druck ist aber auch von 1998 *grinz*
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  • Bodo
    Anonymous sagte:
    Frag mal Gerald, mit welchem Tempo ich Rechtschreibfehler finde ;)

    Immer wenn meine Texte fertig sind, baut Gerald für Tese noch ein paar Rechtschreibfehler ein, damit der sich wohlfühlt. Ich selbst bringe einfach nicht mehr als 1 pro Satz übers Herz.
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  • Tesetilaro
    hrhr, made my day!!!
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  • jsmjsm
    Die Geschichte hat mich leider etwas enttäuscht. Hatte aber auch ziemlich hohe Erwartungen nach dem Artikel hier. Mit Geschichten von einem Andreas Eschbach, James Suarez oder Sergej Lukjanenko kann das Buch leider überhaupt nicht mithalten.
    Die Ideen und Ansätze sind gut, aber die Geschichte zieht sich teilweise ewig und wirklich spannend war es nur stellenweise. Das war jetzt wohl gemerkt nach dem ersten hören. Es wäre nicht das erste mal das ich erst beim zweiten oder dritten mal Hören auf den Geschmack komme. Trotz dem ist die Geschichte stellenweise einfach zu verworren und es passiert zu wenig und es wird zu viel philosophiert und abgeschweift und zwar auf eine wenig spannende oder unterhaltsame art.
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