AfD-Fraktion im Bundestag

Ex-Kader der HDJ arbeitet für Gauland

Die Bundestagsfraktion der AfD führt einen Mitarbeiter mit rechtsextremer Vergangenheit. Der Fraktionschef schweigt dazu.

Alexander Gauland mit Alice Weidel im Bundestag

Rechte Netzwerke: Fraktionschef Alexander Gauland mit Alice Weidel im Bundestag Foto: dpa

BERLIN taz | Am Türschild von Alexander Gaulands Abgeordnetenbüro steht der Name nicht. Über einen Mitarbeiter mit rechtsextremer Vergangenheit bei der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) wollte der AfD-Vorsitzende zunächst auch nicht sprechen. Nachfragen der taz an die Fraktionspressestelle bleiben unbeantwortet.

Gegenüber der F.A.Z. bestätigte Gauland nun aber, dass sein Mitarbeiter bei der HDJ aktiv war. Gauland habe nicht gewusst, dass dieser als Jugendlicher zur HDJ gehört habe: „Ich frage meine Mitarbeiter nicht, was sie im jugendlichen Alter gemacht haben“.

Es geht um den früheren HDJ-Funktionär Felix Nothdurft, der inzwischen den Namen seiner Ehefrau angenommen hat. Wie zunächst der Tagesspiegel berichtete, taucht sein Name auf einer aktuellen AfD-Mitarbeiterliste des Bundestags auf. „Gauland muss sich fragen, ob seine Partei die neue Heimstätte dieser glasklaren Neonazis ist“, sagt dazu Martina Renner, innenpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion.

Der ehemalige HDJ-Kader Nothdurft entstammt einer Familie, die engste Bezüge zu den Heimattreuen besaß. Die Homepage der verfassungsfeindlichen Organisation lief auf den Vater in Dessau, Bruder und Schwägerin führten die Erziehertruppe mit an.

In internen Unterlagen der HDJ, die der taz vorliegen, wird im April 2003 über eine neue Abteilung berichtet, die in Zukunft vom „Kamerad Felix Nothdurft (FelixN) geleitet“ werde. Das Ziel der neuen Abteilung und des neuen Leiters sei es, die „Koordinierung des Technischen Dienstes auf Lagern“ zu verbessern. Die Zeltlager der HDJ waren bis zum Verbot durch das Innenministerium 2009 von besonderer Bedeutung für das extrem rechte Netzwerk.

Das Netzwerk: Seit Oktober 2017 ist die AfD im Bundestag vertreten. Jedem ihrer Abgeordneten stehen pro Monat mehr als 20.000 Euro für Mitarbeiter zu, dazu kommen kommen Mittel für die 150 Personalstellen der Fraktion. Ein rechtes Netzwerk erhält Zugang zu enormen Ressourcen und sensiblen Informationen. Die Fraktion wird zum Scharnier zwischen extremer Rechter und der bürgerlichen Mitte.

Die Kooperation: Die taz, die Zeitschrift Der Rechte Rand und das antifaschistische Archiv apabiz haben seit Dezember die Hintergründe der MitarbeiterInnen und Abgeordneten recherchiert. Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln der Otto-Brenner-Stiftung.

Die Dokumentation: Alle Texte und die interaktive Dokumentation lesen Sie unter www.taz.de/netzwerkafd

Seit der Gründung der HDJ 1990 bemühten sich verstärkt NPD-nahe Kader, Kinder und Jugendliche mit einer völkisch-nationalistischen Weltanschauung geistig zu schulen und körperlich zu stählen. Sie sollten zur rechten Elite von morgen werden. In der Verbotsbegründung hob das Innenministerium hervor, dass die HDJ eine Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus aufweise.

In der AfD sind einige Personen mit HDJ-Vergangenheit aktiv. Erst am 7. März hatte die taz berichtet, dass der brandenburgische Landeschef Andreas Kalbitz im Jahr 2007 an einem konspirativen HDJ-Lager teilgenommen hatte. In dem Jahr beobachtete der Verfassungsschutz Brandenburg die Organisation bereits. Kalbitz wiegelt die Teilnahme als „Stippvisite“ ab. Auch in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg tauchen zwei HDJ-Funktionäre als Mitarbeiter der AfD in den Parlamenten auf.

Der ehemalige Heimattreue Felix Nothdurft arbeitet nicht zum ersten Mal in der Nähe von Gauland und Kalbitz. Bevor er im Bundestag tätig wurde, fungierte er ab 2013 als verkehrspolitischer Referent der Rechtspartei im brandenburgischen Landtag. In einer Bewerbung aus dieser Zeit ist laut dem Tagesspiegel von seiner politischen Vergangenheit keine Rede.

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Die AfD sitzt seit Oktober 2017 im Bundestag. Eine Hintergrundrecherche zu den Abgeordneten und ihren MitarbeiterInnen.

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