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Leitungspositionen auf BundesebeneFrauen werden systematisch ausgebremst

 Das Bundesfinanzministerium in Berlin (Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)
Auch im Finanzministerium gibt es nur wenige Frauen in führender Position. (Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Frauen werden nach Recherchen von "Zeit online" bei der Besetzung von leitenden Positionen in Bundesministerien und -behörden systematisch benachteiligt.

Dem Bericht zufolge gab es seit der Gründung der Bundesrepublik 1949 in allen Ministerien mehr als 690 verbeamtete Staatssekretäre. Unter ihnen waren 24 Männer mit dem Vornamen Hans - aber insgesamt nur 24 Frauen (streng genommen sogar nur 19 Frauen, wenn man Mehrfachernennungen abzieht). Der Anteil liegt jedenfalls bei etwa drei Prozent.

Weiter heißt es, zwar gebe es seit 2001 ein Gesetz, das die Bundesregierung dazu verpflichtet, Frauen und Männern gleiche Karrierechancen zu bieten. Aber: Seit 2001 habe sich keine Regierung daran gehalten.

Die Reporter haben für ihre Recherche offizielle Daten der Ministerien ausgewertet und mit zahlreichen Beamtinnen gesprochen, die von systematischer Benachteiligung durch Männer sprechen. Frauen würden Führungsaufgaben oft nicht zugetraut. Weil es keine Strafe für Vorgesetzte gibt, die Frauen bei der Beförderung übergehen, ändere sich auch nichts.

Nicht nur bei den Staatssekretären, auch auf anderen Leitungsposten in den Ministerien kommen kaum Frauen vor. Im Bundesfinanzministerium zum Beispiel gebe es unter den Beamten einen Frauenanteil von 54 Prozent. In den letzten 20 Jahren seien aber 135 Posten mit Leitungsfunktion an Männer gegangen - und nur 18 an Frauen.

Am Besten kommt - wenig überraschend - das Familienministerium weg. Dort entspricht der Anteil der Frauen in Führungspositionen weitgehend dem gesamten Frauenanteil in der Beamtenschaft.

Inzwischen gibt es erste Reaktionen auch aus der Bundespolitik: Justizministerin Barley sagte in einem weiteren Artikel der "Zeit", die Zahlen seien bitter, aber leider nicht überraschend. Die Regierung habe eine Vorbildfunktion, sagte die SPD-Politikerin - nur komme sie dieser Rolle nur ungenügend nach. Barley drängt zudem darauf, dass die Bundesregierung rasch ein Gesetz vorlegt, dass Leitungsfunktionen im öffentlichen Dienst bis 2025 zur Hälfte von Männern und Frauen zu besetzen sind.

Erst vor kurzem hatte es aus dem Deutschen Bundestag vergleichbare Zahlen gegeben: Hier hieß es nach Recherchen des Datenjournalismus-Projektes "einfacher Dienst", dass allein auf die zehn häufigsten Vornamen von Männern ebensoviele Abgeordnete kamen wie auf alle Parlamentarierinnen insgesamt. Ein ähnlicher Vergleich also - mit einem ähnlichen Ergebnis.