Die Zwillinge Dennis und Benni Wolter moderieren die Show "World Wide Wohnzimmer". - © picture alliance/Geisler-Fotopress
Die Zwillinge Dennis und Benni Wolter moderieren die Show "World Wide Wohnzimmer". | © picture alliance/Geisler-Fotopress

Netzwelt "Body Shaming"-Vorwurf: Jugendangebot "funk" lenkt ein

Ein umstrittenes Video beim öffentlich-rechtlichen Jugendkanal bringt die Macher in Erklärungsnot. Nun lenkt "funk" ein: In der nächsten Sendung wolle man sich selbstkritisch mit den Vorwürfen befassen.

Matthias Schwarzer

Köln. Das öffentlich-rechtliche Jugendangebot "funk" steht wegen eines Videos in der Kritik. In dem Format "World Wide Wohnzimmer" war ein übergewichtiger YouTuber minutenlang heftig beleidigt worden. Der Jugendkanal von ARD und ZDF berief sich auf "Satire". Nun lenkt "funk" ein: "Es ist nicht unsere Absicht, mit der Rubrik die Protagonisten in eine Schublade zu stecken", betont die Pressestelle auf Anfrage von nw.de. Vielmehr wolle man zeigen, wie selbstbewusst sich prominente YouTuber dem Hass entgegen stellen. "Die mediale Kritik an dem Video mit Exsl95 zeigt uns aber auch: man kann das auch mit guten Gründen ganz anders wahrnehmen", so das Presseteam. Auch die Macher der Show meldeten sich am Freitagabend auf Twitter zu Wort. "Wir müssen zugeben, dass wir bei der Folge mit 'Exsl95" einfach zu viele Fragen zuließen, die sich ausschließlich mit seiner Optik beschäftigten", heißt es dort. Dabei solle das Format in erster Linie "Content-kritisch" sein. So viel in Kürze. Am Dienstag um 17 Uhr dann ausführlicher im Videoformat. Happy Friday! #HaterInterviewpic.twitter.com/Vtb1srtiss — WorldWideWohnzimmer (@twintvofficial) 12. Oktober 2018 Mit dem Thema wolle man sich nun selbstkritisch auseinandersetzen - in erster Linie in der Sendung "World Wide Wohnzimmer" selbst. "Für uns ist jetzt erst einmal wichtig, dass wir diese Diskussion auch wirklich führen. Das wird im kommenden Video am 16. Oktober passieren", teilt "funk" mit. Die Moderatoren Dennis und Benni Wolter sollen sich darin selbstkritisch dem Thema nähern. "Grundsätzlich wollen wir, dass der Umgang mit dem Thema 'Hass in der YouTube-Welt' auch weiter bei 'World Wide Wohnzimmer' einen Platz hat", betont "funk". Das Format "Hater-Interview" wolle man zusammen mit der Community weiterentwickeln. "Bitterböse kann und soll es bleiben, nur lasst uns den Fokus nicht verlieren", schreiben die Produzenten auf Twitter. "Video sendet das falsche Signal" Ein NW-Artikel hatte am Dienstag auf das umstrittene Video aufmerksam gemacht und ein breites Echo hervorgerufen. In dem Clip sitzt der übergewichtige YouTuber "Exsl95" in einem dunklen Raum und wird neun Minuten lang aufs Übelste beschimpft. Dabei fallen unter anderem Begriffe wie "du fresssüchtige Fast-Fehlgeburt". Zahlreiche Twitter-Nutzer kritisierten den Clip daraufhin und brachten die Macher in Erklärungsnot. Unter anderem meldete sich der Medienjournalist Stefan Niggemeier zu Wort. "Jemand, der andere auf ihr Aussehen reduziert und sie dafür mit Hass und Hetze überzieht, ist kein 'Kritiker'. Wenn jemand nicht aussieht, wie es der Norm entspricht, ist das nicht seine 'Achillesferse'. Ihr legitimiert Bullying und geilt Euch daran auf", schrieb er. #Funk-Show von @twintvofficial lässt dicken Youtuber minutenlang aufs Widerlichste beschimpfen und behauptet, das sei ein Format *gegen* den Hass, weil der „mutig" mitmacht und damit selbstironisch (!) umgeht. 🖕 https://t.co/eFEW7UDTAi — Stefan Niggemeier (@niggi) 9. Oktober 2018 Auch weitere Medien griffen das Thema auf. Bei VICE kam unter anderem Gabriele Haase, Leiterin einer Selbsthilfegruppe für Adipositas an der Charité in Berlin, zu Wort. Sie nannte das Video auf Anfrage "furchtbar". Der Clip stelle "das Problem des Übergewichts als etwas Lustiges dar und sendet somit das falsche Signal". Betroffene litten unter solchen Scherzen tagtäglich, ohne dass sie das auf die leichte Schulter nehmen könnten. Der Betroffene YouTuber "Exsl95" meldete sich in einem Video zu Wort und verteidigte das Format. "Wenn man sowas nicht mit Humor nimmt, dann hat man als öffentliche Person nichts im Internet zu suchen", heißt es darin. Ein Format wie dieses ersticke Hass direkt im Keim. Auch viele YouTuber und Fans des Formats "World Wide Wohnzimmer" solidarisierten sich mit den Machern.

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