Anti-Terror-Kräfte Macron setzt Elitesoldaten gegen Gelbwesten ein

Frankreichs Präsident Macron schickt Anti-Terror-Kräfte zu den Gelbwesten-Protesten am kommenden Samstag. Elitesoldaten sollen Barrikaden gegen Randalierer errichten.

Gelbwesten-Protest am vergangenen Wochenende
AFP

Gelbwesten-Protest am vergangenen Wochenende


Gegen die am Wochenende wieder erwarteten Gelbwesten-Proteste will Frankreichs Regierung Soldaten einer zur Terror-Abwehr gedachten Mission einsetzen. Die am Einsatz "Sentinelle" beteiligten Soldaten sollen in französischen Städten patrouillieren, wie Regierungssprecher Benjamin Griveaux nach der Kabinettssitzung mit Präsident Emmanuel Macron ankündigte.

"Spezifische Ressourcen werden am kommenden Wochenende eingesetzt, mit Barrikaden gegen Randalierer", sagte Griveaux. Auch Drohnen sollen zur Überwachung der Randalierer in der Luft sein.

Vergangenen Samstag war es in Paris bei Gelbwesten-Protesten erneutzu heftigen Krawallen gekommen - Läden wurden geplündert und verwüstet, Autos angezündet. Die Regierung hatte anschließend Fehler eingestanden und kündigte Demonstrationsverbote an. Sie könnten auch den Pariser Boulevard Champs-Élysées betreffen, wo Randalierer großen Schaden anrichteten.

Mehrheit der Franzosen unterstützt Gelbwesten

Die "Sentinelle" (Wachposten) genannte Mission geht auf die islamistischen Anschläge auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und auf einen jüdischen Supermarkt im Januar 2015 in Paris zurück. Die Soldaten sollen unter anderem Synagogen, Flughäfen, Bahnhöfe und Touristenattraktionen wie Museen oder den Pariser Eiffelturm vor möglichen Anschlägen schützen.

Premierminister Édouard Philippe hatte nach der neuerlichen Eskalation der Gelbwesten bereits angekündigt, die Proteste unter bestimmten Bedingungen verbieten zu wollen. Das sei etwa der Fall, wenn sich extreme Gewalt abzeichne. Das Innenministerium hatte außerdem erklärt, dass Massenfestnahmen möglich seien, sollten sich Demonstranten nicht an die Regeln halten.

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Paris: Ausschreitungen bei Gelbwesten-Protesten

In Nizza will die Regierung am Samstag zudem Demonstrationen der Gelbwesten verbieten, wie Bürgermeister Christian Estrosi mitteilte. Am Sonntag ist der chinesische Präsident Xi Jinping zu Gast in der Stadt an der französischen Mittelmeerküste.

Einer aktuellen Umfrage zufolge unterstützt eine knappe Mehrheit (53 Prozent) der Franzosen die Gelbwesten-Bewegung. Das sind acht Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche, wie das Umfrageinstitut Elabe ermittelte. Von den Befragten verurteilen 84 Prozent die Gewalt - allerdings zeigen auch einige von ihnen gleichzeitig Verständnis.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung war von einer Militäreinheit "Sentinelle" die Rede. Der Begriff beschreibt jedoch nicht die Einheit, sondern die Mission der Soldaten. Wir haben den Fehler korrigiert.

apr/dpa/AFP



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