Stoppt die Neuzulassungen – dann brauchen wir keine Fahrverbote!

Alle wollen Fahrverbote für Diesel und Benziner vermeiden. Das kann nur klappen, wenn die Autobauer jetzt schnell mit Neuentwicklungen von Verbrennerfahrzeugen aufhören.


Symbolbild: Einzelnes Auto am Rand einer Straße
Auslaufmodell: Wer heute neue fossile Autos entwickelt, muss sich wohl bald Betrug am Kunden vorwerfen lassen. (Foto: Walid Ahmad/​Pixabay)

Wieder sind die Überschriften falsch. "Grüne wollen von 2030 an Diesel und Benziner verbieten", schreibt die Süddeutsche Zeitung. Doch das ist ein Missverständnis. Die Grünen fordern eben nicht ein Verbot von Benzin- und Dieselfahrzeugen, sondern ein Neuzulassungs-Ende 2030.

Dennoch geht das Geschrei wieder los. Dabei geht es gerade um das Verhindern von Fahrverboten.

Wenn 2050 aus Klimaschutzgründen keine fossilen Verbrenner mehr fahren sollen, müssen recht früh massive Anteile von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor vom Markt genommen werden.

Wichtig in der Debatte ist eben der Unterschied zwischen Fahrverbot und Zulassungsverbot. Natürlich fahren trotz Zulassungsende auch im Jahr 2040 noch viele Fossile aus der alten Flotte.

Wenn zum Beispiel Volkswagen heute einen neuen Benziner entwickelt, dauert das vier Jahre. Der Wagen wird dann von 2022 bis 2030 verkauft, sonst rechnen sich die Entwicklungskosten nicht. Und fahren die 2029 produzierten Benziner des Modells dann im Schnitt 13 Jahre, sind wir bereits im Jahr 2042.

Möchte man also echte Fahrverbote für bestehende Fahrzeuge aus Klimaschutzgründen in der Zukunft vermeiden, sollten die Autobauer sehr schnell mit Neuentwicklungen von Verbrennerfahrzeugen aufhören.

Vorreiter nicht bestrafen

Deshalb wäre es im Sinne eines fairen Wettbewerbs besonders wichtig, dass der Termin eines einheitlichen Zulassungsendes für die ganze Industrie bekannt ist, sonst wären die Pioniere im Nachteil. Auch die müssten dann immer noch in Verbrenner investieren. Immerhin besteht die Gefahr, dass Mitbewerber versuchen, sehr lange mit Verbrennern Marktanteile zu halten.

Der Dozent und Kolumnist Martin Unfried.

Zur Person

Martin Unfried arbeitet an der Universität Maastricht am Institut für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Mobilität ITEM. (Foto: Molgreen/​Wikimedia Commons)

Im Moment scheint einigen zumindest bei Volkswagen zu dämmern, dass man sich mit der Blockade-Lobby in Brüssel selbst ins Knie geschossen hat. Jetzt wo der Konzern auf Batterie-elektrisch setzt, wäre besonders für Volkswagen ein Zulassungsende sogar hilfreich.

Es gibt interessante Erfahrungen aus anderen Bereichen, unter welchen Umständen sich Zulassungsverbote positiv auswirken. Das Ende der Glühbirne beispielsweise ist industrie- und umweltpolitisch ein positives Beispiel. Auch wenn das die breite Öffentlichkeit in Deutschland womöglich nicht weiß.

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