Clankriminalität

Arabische Clans vernetzen sich in Duisburg mit Roma-Familien

Mit Razzien wie dieser im Stadtteil Hochfeld im Juli will die Polizei den Druck auf die kriminellen Clans hochhalten.

Mit Razzien wie dieser im Stadtteil Hochfeld im Juli will die Polizei den Druck auf die kriminellen Clans hochhalten.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg.  2800 Menschen sind in Duisburg in arabischen Clans mit harten Machtstrukturen organisiert. Polizei beobachtet Zusammenarbeit mit Roma-Familien.

Sie wickeln ihre Geschäfte in Shisha-Bars ab, machen ihr Geld mit dem Rauschgifthandel und investieren ihre Gewinne dann in Immobilien: Die Polizei beobachtet in Duisburg 70 kriminelle Großfamilien. Damit ist die Stadt weiterhin eine Hochburg der Clankriminalität. Was der Polizei Sorge bereitet: Die Clans vernetzen sich speziell in Duisburg immer häufiger mit Familien aus Bulgarien und Rumänien.

2800 Menschen sind in Duisburg in Großfamilien organisiert. Deren Aufbau ist patriarchalisch, ein Chef steht an der Spitze der harten Machtstrukturen. Ihr Ziel: Die Größe und Macht des Clans soll immer weiter wachsen. Die Jungen müssen Geld heranschaffen, sie sind die Altersversorgung ihrer Eltern, Onkel und Großeltern. Die Ehen werden innerhalb der Großfamilien arrangiert, man bleibt unter sich. „Die Clans sehen sich als Araber. Mit Deutschland identifizieren sie sich nicht. Innerhalb der Clans herrscht ein anderes Rechtsverständnis“, erklärt Experte Colin Nierenz. Er ist Leiter der Kriminalinspektion 2, die bei der Duisburger Polizei für die Bekämpfung organisierter Kriminalität zuständig ist.

Kampf gegen Clans in Duisburg ist eine Mammutaufgabe

790 Straftaten haben Clan-Mitglieder von 2016 bis 2018 in Duisburg verübt – NRW-weit waren es nur in Essen, Recklinghausen und Gelsenkirchen mehr. 956 Beschuldigte hat die Polizei identifiziert, darunter 44 Intensivtäter. „Wir sprechen dabei nicht über das Dunkelfeld“, sagt Nierenz.

Die Zahlen machen deutlich: Der Kampf gegen die Clans ist in der Stadt eine Mammutaufgabe. Die Polizei hat die Herausforderung seit 2001 in Duisburg angenommen: Häufige Kontrollen der Shisha-Bars und eigens eingerichtete Ermittlungskommissionen sind Beispiele.

Nun kommt ein weiteres Spannungsfeld hinzu: Denn aktuellen Erkenntnissen der Ermittler nach suchen die Clans immer häufiger den Kontakt zu Rumänen und Bulgaren. 25.000 Roma leben in der Stadt. Sollten diese sich mit den arabischen Großfamilien vernetzen, könnten die kriminellen Strukturen weiter wachsen. Diese Entwicklung habe man zunächst im Duisburger Norden beobachtet, nun auch immer öfter in Hochfeld.

Kriminelle Clans investieren in Immobilien

Auch diese Bevölkerungsgruppen sind nach Angaben von Colin in Familienstrukturen mit einem Boss aufgestellt. Polizeipräsidentin Elke Bartels hat dem Innenministerium das Phänomen geschildert, sagt: „Das ist in Duisburg speziell, wir gehen das Problem an.“

Ein Unterschied zwischen Roma und Libanesen: Während die Bulgaren und Rumänen ihr Geld möglichst schnell in die Heimat transferieren wollen, investieren die arabischen Clans das Kapital aus ihren kriminellen Geschäften in Deutschland. „Sie wollen in einem schicken Haus wohnen und dicke Autos fahren“, weiß Nierenz.

Um auch legale Einnahmequellen vorweisen zu können, investieren sie in Immobilien. „Wir müssen belegen können, dass das Geld aus Straftaten stammt“, nennt der Leiter der Kriminalinspektion 2 eine zentrale Aufgabe.

Schwieriger Bereich der Prävention

Schwierig ist es für Polizei und Justiz, in diesem Bereich präventiv zu arbeiten. Nierenz berichtet, dass die häufig jungen Täter durch Programme wie „Kurve kriegen“ nur schwer zu erreichen seien. Auch die Rolle der Gerichte müsse hinterfragt werden. Denn: „Die Richter sprechen oft milde Strafen aus, weil sie davon ausgehen, dass der Mensch sich bessert“, so Nierenz. Der Clan-Nachwuchs kriegt die Kurve der Erfahrung nach oft nicht.

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