33 Jahre im Knast waren die Schnürsenkel verboten In weißen Turnschuhen
in die Freiheit

Jens Söring ist am Dienstag in Frankfurt gelandet ++ Er blickte 3 Mal in den Himmel und sagte: „Hach Gott, ist das schön!“

Frankfurt/Main (Hessen) – Jens Söring (53) saß 33 Jahre lang im Gefängnis – als verurteilter Doppelmörder. Jetzt ist er in Deutschland – das zuständige US-Gremium hatte zuvor entschieden, Söring auf Bewährung freizulassen und abzuschieben.

Um 11.28 Uhr landete die United Airlines Maschine mit der Flugnummer UA932 in Frankfurt am Main. Kurze Zeit später verließ Jens Söring den Flieger. Hinter ihm US-Beamte, an seiner Seite sein Freund und Sprecher Oliver Dederichs.

Er trägt weiße Turnschuhe mit weißen Schnürsenkeln. Wie alle verurteilten Straftäter durfte er im US-Gefängnis 33 Jahre lang keine Schuhe mit Schnürsenkeln tragen. Bevor Söring deutschen Boden betrat, hatte er sich dann die weißen Schuhe im Flugzeug geben lassen und angezogen.

Die Linienmaschine aus Washington mit dem 53-Jährigen an Bord war nach rund sieben Stunden Flug auf der Rollbahn gelandet.

Söring im Kreise seiner Unterstützer, die ihn am Flughafen empfingen
Söring wurde nach seiner Ankunft von seinem Unterstützerkreis und dem Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, Peter Beyer (CDU, links), begrüßtFoto: THORSTEN WAGNER / Reuters

Auf dem Weg aus der Ankunftshalle im Frankfurter Flughafen blickt Söring drei Mal in den Himmel, sagt schließlich: „Hach Gott, ist das schön! Es ist kaum zu fassen.“

Das gab er ein Statement ab: „Ich möchte nur ein paar Worte sagen.“ Er lächelt, umarmt seine Freunde. „Ganz herzlichen Dank, auch an meine Unterstützer. Es ist überwältigend hier, nach 33 Jahren, 6 Monaten und 25 Tagen hier in Deutschland zu sein. Es ist der schönste Tag meines Lebens. Ich hätte das nie geschafft, ohne die Menschen, die mich unterstützt haben. Ich bin so froh. Ach Gott …“

Man müsse jedoch verstehen, dass er sich zunächst zurückziehen wolle. „Es ist überwältigend. Ich habe dieses Land seit drei Jahrzehnten nicht gesehen.“ Er müsse jetzt hier aber erstmal psychologisch und emotional ankommen. „Ich danke Ihnen für das große Interesse. Bitte geben Sie mir etwas Ruhe, um Zeit mit meinen Freunden zu verbringen.“

Die Maschine von United Airlines landete gegen Mittag am Flughafen in Frankfurt am Main
Die Maschine von United Airlines landete gegen Mittag am Flughafen in Frankfurt am MainFoto: BILD TV

Oliver Dederichs, enger Freund von Jens Söring und Sprecher des 53-Jährigen nach der Landung zu BILD: „Tränen sind geflossen. Er ist sehr dankbar, jetzt ein freier Mann zu sein. Weihnachten wird er wie wir alle im Kreise von Freunden feiern.“

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Söring wirkte glücklich und überwältigt nach seiner Ankunft
Söring wirkte glücklich und überwältigt nach seiner AnkunftFoto: Andreas Arnold / dpa


In Deutschland ist Söring ein freier Mann. In die USA darf er nie wieder einreisen. Begnadigt wurde er nicht. Seine Unterstützer und Freunde haben in Deutschland nach eigenen Angaben eine Wohnung, ein Handy und Kleidung für Söring besorgt. Der Ex-Häftling will demnach nach seiner Ankunft in Deutschland erst einmal Urlaub machen und dann durch das Land reisen und seine Unterstützer besuchen.

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Wegen Mordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom im Jahr 1985 war der Jens Söring zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt worden. Der Diplomatensohn hatte die Morde zunächst gestanden, später aber das Geständnis widerrufen. Er beteuert bis heute seine Unschuld.