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Coronavirus in Deutschland:Aufnahmestopp am Klinikum Wolfsburg

  • Wegen Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern kann das Klinikum Wolfsburg keine neuen Patienten mehr annehmen. Die Schutzmaßnahmen werden intensiviert.
  • Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Laschet sagt, es sei an der Zeit, Maßstäbe für die Rückkehr ins soziale und öffentliche Leben nach den Ausgangsbeschränkungen zu entwickeln.
  • Das Bundesgesundheitsministerium will nach Versorgungsengpässen die Beschaffung von Schutzmaterial beschleunigen.
  • Der Präsident des Robert-Koch-Institut schließt Zustände wie in Italien nicht aus.

Das Klinikum Wolfsburg verhängt einen Aufnahmestopp. Aufgrund von Corona-Infektionsfällen unter den Mitarbeitern werden alle neuen Patienten auf umliegende Krankenhäuser verteilt. Das teilte die Stadt Wolfsburg am Sonntagabend mit. Zudem seien ab sofort keine Besuche mehr erlaubt, "auch nicht die bisherigen Ausnahmen". Das gesamte Klinikpersonal arbeite "ab sofort im Vollschutz", hieß es von der Stadt: "Die Patienten werden so verteilt, dass nur noch ein Patient pro Zimmer liegt."

Wolfsburg hat stark mit der Coronavirus-Pandemie zu kämpfen. In einem Wolfsburger Alters- und Pflegeheim sind in der vergangenen Woche 15 Menschen nach einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Von etwa 165 Bewohnern der kirchlichen Einrichtung seien 72 infiziert, sagte der Leiter des Wolfsburger Gesundheitsamts, Friedrich Habermann, am Samstag. Für das Heim mit oft hochgradig dementen Menschen sei die Situation extrem schwierig, erklärte Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD): "Wir stehen aber erst am Anfang der Entwicklung. Das wird für uns alle noch eine sehr, sehr harte Zeit." Überraschend viele Menschen seien verstorben, ohne dass sie Symptome von Corona gezeigt hätten.

Zudem wurden in einem weiteren niedersächsischen Pflegeheim Infektionen nachgewiesen. Tests hätten bestätigt, dass 23 Bewohnerinnen und Bewohner sowie 17 Mitarbeiter eines Altenheims in Wildeshausen im Landkreis Oldenburg mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert seien, teilte der Landkreis mit. Das Gesundheitsamt habe alle 51 Bewohner und 44 Mitarbeiter getestet, nachdem ein 89-Jähriger mit schweren Vorerkrankungen und Coronavirus-Infektion gestorben sei. Bei allen Erkrankten in der Seniorenresidenz seien bislang milde Verläufe festgestellt worden.

Laschet fordert Überlegungen zur Rückkehr ins normale Leben

In der Diskussion über die Beschränkungen des öffentlichen Lebens fordert Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet schon jetzt Überlegungen für einen Ausstieg aus den Maßnahmen. Damit widerspricht er zumindest indirekt Kanzlerin Angela Merkel. Sie hatte die Diskussion über gelockerte Kontaktverbote als verfrüht kritisiert und um Geduld gebeten.

"Der Satz, es sei zu früh, über eine Exit-Strategie nachzudenken, ist falsch", schreibt der CDU-Vizechef in einem Gastbeitrag für die Welt am Sonntag. Klar sei zwar, dass keine Zeit der Entwarnung sei. Jetzt sei aber die Zeit, Maßstäbe für die Rückkehr ins soziale und öffentliche Leben zu entwickeln.

Laschet schreibt: "Wir müssen alle Konsequenzen unserer Maßnahmen bedenken: Welche sozialen, ökonomischen, psychologischen, sozialen und letztlich auch gesundheitlichen Kollateralschäden hätte eine lang andauernde Politik der sozialen Distanzierung und des wirtschaftlichen Shutdowns?"

Zustände wie in Italien laut RKI-Präsident möglich

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, schließt Zustände wie in Italien nicht aus. "Wir müssen jedenfalls damit rechnen, dass die Kapazitäten nicht ausreichen, ganz klar", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. "Wir können nicht ausschließen, dass wir hierzulande ebenfalls mehr Patienten als Beatmungsplätze haben."

Wie die derzeitigen Beschränkungen wieder zurückgenommen würden, sei eine Entscheidung der Politik. "Neben medizinischen und epidemiologischen Aspekten werden auch ökonomische und kulturelle Aspekte berücksichtigt werden." Nicht alles werde gleichzeitig hochgefahren werden.

Bundesregierung will schneller Schutzausrüstung beschaffen

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Die Bundesregierung versucht durch einen beschleunigtes Vergabeverfahren schneller Schutzmasken und -kittel zu beschaffen. Wie das Gesundheitsministerium der Welt am Sonntag erklärte, soll ein sogenanntes Open-House-Verfahren gestartet werden, das sich vom klassischen Vergaberecht unterscheidet und zügiger zum Geschäft führen soll.

Verhandlungen müssen hierbei nicht geführt werden. Unternehmen, die auf das Angebot eingehen, müssen mindestens 25 000 Stück eines der beiden Produkte liefern, einen Mindeststandard garantieren und die Lieferung verantworten.

Mit Blick auf die bisherigen Versorgungsengpässe hatte Spahn andere Herangehensweisen und neue Partner angekündigt, um Schutzmaterial besser besorgen zu können.

Spahn sagte der Welt: "Wir wollen Ärzte, Pflegekräfte und alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, bestmöglich schützen. Deswegen beschaffen wir als Bund medizinische Schutzausrüstung aus aller Welt und beliefern damit alle Bundesländer und Kassenärztlichen Vereinigungen. Dafür bieten wir faire, feste Preise für alle, die uns aus dem In- und Ausland mit Schutzmasken und Schutzkitteln beliefern."

Die Kritik an der Versorgungslage ist in den vergangenen Tagen immer lauter geworden. Bund, Länder und einzelne Kliniken versuchen, auf dem umkämpften Markt die wenigen verfügbaren Schutzmasken zu sichern. Vor Ort fehlen sie bereits oft.

© SZ.de/dpa/rtr/bepe/cck/saul/bix/cku/mcs/kit/jsa/aner/cwe/tba/mane/jsa/ihe/luch/odg
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